Mit einem Nachwort von Max Czollek. Aus dem Amerikanischen von Pieke Biermann, dtv 2019, 289 S., € 22,-, dtv TB € 11,90
(Stand März 2021)
Christine Clark, die nach dem dunklen Keks, der eine helle Füllung hat, den Spitznamen „Oreo“ trägt, ist tough und superschlau und hat bereits als Mädchen eine unschlagbare Selbstverteidigungsmethode entwickelt. Ihre familiäre Situation ist komplex: Oreo wächst mit ihrem kleinen Bruder bei der schwarzen Großmutter auf, der schwarze Großvater ist verstummt, ihre Mutter arbeitet als Musikerin im ganzen Land, der weiße jüdische Vater hat sich komplett aus dem Staub gemacht. Ausgestattet mit einigen kryptischen Hinweisen begibt sich Oreo, gerade 17, nach New York, um ihren Vater aufzuspüren.
Das ist die Gemengelage für einen atemberaubenden Roman, der jede Kategorisierung sprengt. Gender, Rassismus, Antisemitismus, Feminismus, die griechische Mythologie, Jiddisch, Mathematik … werden schräg und krass durcheinandergewirbelt. Das braucht beim Lesen ein wenig, bis man dabei ist, aber dann entwickelt OREO einen unwiderstehlichen Sog. In der deutschen Ausgabe ist das nicht zuletzt der Verdienst der Übersetzerin Pieke Biermann, die kunstvoll die vielen sprachlichen Ebenen des Romans überträgt und interpretiert. 1974 in den USA ein Flop, ist OREO heute das Buch der Stunde. (Stefanie Hetze) Leseprobe


Von Polen über Mazedonien und Island nach Finnland reisen? Oder doch lieber aus der Schweiz über Albanien nach Spanien und Estland? Dabei Rehe im Anatomiemuseum beobachten oder bei Regen an Maulbeerbäumen entlangstreifen? Oder, oder, oder… Kein Problem, mit dieser unerschöpflichen Anthologie von rund 1000 Gedichten aus 47 Sprachen, ein lyrisches Kaleidoskop, das einlädt zum endlosen Entdecken, Versinken, Staunen- alles im Original und in deutscher Übersetzung. (Syme Sigmund)
Il regalo più bello di questo Natale e un talismano per l’anno che verrà. Un anno di poesia è davvero quanto afferma il titolo: ogni pagina è un giorno in compagnia di grandi poeti; ogni poesia è un invito a giocare con le parole; ogni gioco è un modo per andare incontro alla lettura e alla scrittura in versi con estrema libertà e gioia. Un libro per tutti. Viva la poesia! (Giulia Mirandola)
Simona nasce in una famiglia di operai e grazie ai sacrifici dei genitori riescono a studiare all’università. La sua tesi di laurea parla del treno ad alta velocità, al quale in Italia si lavora da anni. I minatori forano le montagne e Simona passa molto tempo a intervistarli, ascoltarli e conoscerli. Vengono dal sud, tossiscono in mezzo alla polvere dei cantieri eppure hanno sguardi fieri, combattivi, che fanno ripensare Simona alla sua origine, alla sua famiglia umile, eppure forte e dignitosa. Un’emozionante riflessione sul significato della lotta di classe. (Giulia Silvestri)
Un romanzo autobiografico e ibrido che racconta di un tempo ormai lontano, i primi anni 80, sullo sfondo di una Roma onirica e arcana. Emanuele lavora in un cineclub e una sera incontra il fotografo Arturo Patten, che lo introduce al mondo dell’arte nelle sue molteplici forme e lo spinge a riflettere sul senso di realtà e illusioni: consigliato agli appassionati di storia, arte, psicologia e letteratura „strana“. (Giulia Silvestri)
Die meisten von uns gehen gerade im Alltag durch vertraute Umgebungen, ohne wirklich zu schauen. Die praxiserfahrene Architekturhistorikerin Turit Fröbe legt mit ihrem Bestimmungsbuch für moderne Architektur gut strukturiertes Werkzeug vor, wie sich anhand von Fenstern, den „Augen der Architektur“, sowie dem Einsatz von Materialien, Formen und Farben Gebäude einschätzen lassen. Es macht enormen Spaß, mit dem Führer durch die Stadt zu laufen und gerade auch „hässliche Häuser“ eingehend anzusehen! (Stefanie Hetze)
Däumling, Aschenbrödel, die kenn ich doch – denkt man. Doch Däumerling ist hier ein freches Kind, mit dem es kein gutes Ende nimmt, Aschenbrödel ein Junge auf Brautsuche und statt zwölf wilden Schwänen begegnen wir zwölf wilden Enten. Vertraut und doch fremd sind uns diese Märchen voller Lügenwettbewerbe, gläserner Berge, Prinzessinnen und in die Welt ziehenden Söhnen, die Asbjørnsen und Moe angeregt durch die Arbeit der Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert in ihrer Heimat Norwegen gesammelt und aufgezeichnet haben. Dank der wundervollen Illustrationen von Kat Menschik ein wahres Kleinod voller Überraschungen.
Jede Stadt hat ihr eigenes Gesicht, geprägt nicht zuletzt durch die Dinge, die wir zwar wahrnehmen aber nicht bewusst sehen, wie Straßenschilder, Bürgersteige, Bushaltestellen, Poller oder Ampeln. Lampugnani, einer der international bedeutendsten Städtebautheoretiker, erzählt ihre (oft schon in der Antike beginnenden) Geschichten, sowie amüsante Anekdoten, anschaulich gemacht durch zahlreiche Fotos und Abbildungen. Ein Buch voller Überraschungen zum Stöbern, Staunen und Festlesen. (Syme Sigmund)
In den Zeiten des elektronischen Overkills ist es eine entspannende Wohltat, Bleistift und Feder (!) in die Hand zu nehmen und akribisch Linien zu üben, gleichmäßig Farbe aufzutragen und sich Schritt für Schritt, Ruskin schreibt von einer Stunde täglich über sechs Monate lang, den Basistechniken des Zeichnens zu widmen. Nicht auf Show und Wirkung kommt es ihm an, sondern auf die Wahrnehmung und die Schulung des Auges. Die regelmäßige künstlerische Praxis kann laut Ruskin regelrecht eine „drawing cure“ zur Belebung von Seele und Geist werden. In England seit dem ersten Erscheinen 1857 ein populärer vielaufgelegter Klassiker, lädt die (nach 100 Jahren) neue deutsche Übersetzung in feinster schönster Gestaltung ein, sich den Basistechniken des Zeichnens zu widmen. (Stefanie Hetze)