Beppe Fenoglio: Eine Privatsache

Aus dem Italienischen von Heinz Riedt, Wagenbach Verlag 2021, 192 S., € 20,-
(Una questione privata, Einaudi, ca. € 16,50)

Der 1963 posthum veröffentlichte Roman Una questione privata wird heute als Fenoglios Meisterwerk und einer der besten italienischen Romane des 20. Jahrhunderts angesehen. Italo Calvino hat ihn sogar mit dem Orlando furioso verglichen. Der Vergleich mag weit hergeholt klingen, doch ist dieses Buch ein wahres literarisches Wunder.
In den Langhe des Piemont, kämpft Milton, ein junger Universitätsstudent, während des Partisanenkriegs in den autonomen Formationen. Im Zuge einer Militäraktion sieht der einsame Held die Villa, in der Fulvia, ein Mädchen, das er geliebt hat und immer noch liebt, einst lebte. Kurz danach erfährt er, dass seine Geliebte auch mit seinem Freund Giorgio ein Verhältnis hatte. Von Eifersucht geplagt versucht Milton seinen Rivalen zu finden und erfährt, dass dieser von den Faschisten gefangen genommen wurde.
Erst 1968 ins Deutsche übersetzt und schon lange vergriffen, ist dieses wunderbares Buch endlich wieder erhältlich, hier zudem mit einem sehr lesenswerten Nachwort von Francesca Melandri. (Giulia Silvestri)

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Massimo Bertonasco: Gelato! Gelato! Die besten italienischen Eisrezepte

Mit Illustrationen von Larissa Bertonasco. Aus dem Italienischen und dem Englischen von Nicola T Stuart, Jacoby & Stuart 2021, 160 S., € 20,-

(Stand August 2021)

Wer mag Eis? Alle mögen Eis! Nicht nur Kinder (und Hunde und sogar manche Katzen!) würden gerne jeden Tag ein süßes, frisches Eis essen, sondern auch… ich. Als Tochter eines gelernten Gelatiere ist diese Köstlichkeit mein täglich Brot – und natürlich fand ich dieses Buch erst einmal suspekt.
Dann habe ich es aufgeschlagen und begonnen, darin zu lesen: Ein Juwel! Mit Leidenschaft, Stolz und Gutmütigkeit erzählt Massimo Bertonasco die Geschichte seines Berufes und wie sein Traum (Eismann zu werden) Wirklichkeit geworden ist. Es geht um die Tradition der Gelaterie in Italien wie auch um seine Familie. Dazu kommen noch bunte, wunderbare Illustrationen in den Farben des italienischen Sommers. Und am Schluss finden sich viele kluge Rezepte für hausgemachtes Eis… Ein kleines herzerfreuendes Wunder für den Rest dieses Sommers und die kommenden! (Giulia Silvestri)

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Bruno Ciccaglione: Radicchio

Mit Illustrationen von Linda Wolfsgruber. Mandelbaum Verlag 2021, 60 S., € 12,-

(Stand Mai 2021)

Für Gourmets und alle, die gern kochen und dabei lieber auf bunte Lifestylefotos verzichten, bietet die feine Reihe „mandelbaums kleine gourmandisen“ eine unschätzbare Fundgrube an Wissenswertem und Rezepten. In jedem Band wird eine einzige Gemüse-, Obst- bzw. Kräutersorte vorgestellt, geht es um ihren Geschmack, ihre Ursprünge und natürlich um tolle Rezepte.
Der 36. Band präsentiert das Zichoriengemüse, das die Menschen in Venetien liebevoll Fiore d’Inverno, Winterblume, nennen, den Radicchio, der in der wasserreichen Gegend rund um Venedig in einer reichen Sortenvielfalt kultiviert wird. Während er hierzulande eher noch ein Schattendasein führt, kennt die italienische Küche eine große Bandbreite an geschmacklichen Kombinationen, die die zarten bis kräftigen Bitterstoffe des Wintergemüses aufs Köstlichste zur Wirkung bringen. Radicchio in Rotweinessig und rosa Pfeffer mariniert, im Ofen mit Fenchel und Orange gebacken, als Suppe mit Bohnen, mit Safran zu Gnocchi verarbeitet, in salzigen oder süßen Kuchen, als Marmelade… Ohne viel Aufhebens sind die Rezepte nach zu kochen, einfach lecker! (Stefanie Hetze)

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Alberto Vigevani: Ein kurzer Spaziergang

Aus dem Italienischen von Marianne Schneider, Friedenauer Presse 2021, 76 S., € 16,-
(La breve passeggiata, Sellerio 2021, ca. € 17,50)
(Stand Mai 2021)

Unscheinbar kommt dieser schmale Band daher, sehr hübsch gestaltet, das raue Papier des Einbands liegt gut in der Hand – und unscheinbar beginnt auch der Text, ergeht sich der Icherzähler doch in Erinnerungen an seine Hochzeitsreise Ende der dreißiger Jahre, in denen ein überdimensionierter Schrankkoffer zu skurrilen, harmlos-amüsanten Szenen Anlass bietet.
Doch der Koffer ist ein Geschenk von Tante Jole und Onkel Giorgetto, und so führt uns Alberto Vigevano, der leise Meister der kleinen Form, unmerklich auf eine andere Spur, die Erinnerung an dieses herzenswarme ältliche Paar von schlichtem Gemüt wird zu einer Reise in die dunkelsten Winkel des 20. Jahrhunderts, denn die Familie ist jüdisch und Onkel und Tante nicht agil genug, nach Einmarsch der Deutschen die Flucht in die Schweiz zu ergreifen. Ihre Spur verliert sich in Auschwitz, der Erzähler erfährt nach dem Krieg durch einen Überlebenden vom letzten Spaziergang des Onkels, der durch einen Zufall dem Gefängnis in Mailand entkommt und freiwillig zurückkehrt, um seine Frau nicht allein den zu erwartenden Schrecken zu überlassen.
Nur eine kurze Novelle, knapp zwei Stunden Lesezeit, und doch verfügen die mit leisem, nie sentimentalem Ton beschriebene Menschlichkeit und Courage Giorgettos über die Kraft, gegen Gewalt, Faschismus und Vergessen ein Zeichen zu setzen. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Marco Maurer: Meine italienische Reise

Fotografien von Daniel Etter. Prestel Verlag 2021, 240 S., € 26,-, das Buch ist zur Zeit leider nicht lieferbar – es wird nachgedruckt

(Stand April 2021)

„… oder wie ich mir in Sizilien einen uralten Cinquecento kaufte und einfach nach Hause fuhr“ verrät der Untertitel das Projekt. Der Journalist Marco Maurer erfüllte sich seinen Traum, mit einer Giardiniera, einem verlängerten Cinquecento aus den Sechzigern, gemächlich durch Italien gen Norden zu fahren. Auf der Suche nach „L’Italia di una volta“ lernt er frühere Besitzer seines Bauernautos kennen, das sich mit kulinarischen Köstlichkeiten wie Öl, Pasta und Safran füllt, je mehr er Menschen trifft, die diese mit Leidenschaft erzeugen, verarbeiten und verspeisen. In ihren Küchen darf er, gelernter Molkereifachmann, zuschauen, mitmachen, mitessen und sich ihre Geschichten anhören. Der Wert, der hier gutem Essen und herzlicher Gastfreundschaft zugemessen wird, erinnert ihn an seine eigene Großmutter, die in Bayern auf dem Dorf ein Café führte und nach ähnlichen Maximen wie seine italienischen Gesprächspartner lebte. So entwickelt sich die vermeintlich nostalgische Reise zu einem Ankommen im Hier und Jetzt. Die eindrucksvollen Fotografien seines Kompagnons Daniel Etter und die göttlichen meist von den Nonnas überlieferten Familienrezepte erhöhen das Vergnügen und lassen uns genussvoll mitreisen! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Claudia Durastanti: Die Fremde

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki, Paul Zolnay Verlag 2021, 304 S., € 24,-
(La straniera, La Nave del Teseo 2019, ca. € 24,-)
(Stand März 2021)

Claudia Durastanti erzählt in ihrem Buch „Die Fremde“, das es in Italien auf die Shortlist für den wichtigen „Premio Strega“ geschafft hat, ihre eigene Familiengeschichte. Die Eltern – beide gehörlos – reagieren auf ihre Einschränkung nicht mit Anpassung, sondern mit Rebellion. Die Mutter lebt vorübergehend als Ausreißerin auf den Straßen Roms, der Vater pfeift auf gesellschaftliche Normen. Claudia wird in Brooklyn geboren, wohin die Eltern zeitweilig auswandern, und kehrt nach deren Trennung mit Mutter und Bruder nach Italien, in ein kleines Dorf der Basilikata, zurück. Immer ist sie, sind sie „anders“, fällt die Mutter als laut und unkonventionell auf. Das Mädchen muss sich die von den Eltern nicht vermittelten Sprachen – erst Englisch, dann Italienisch – selbst aneignen und ihren Weg, der sie schließlich nach Rom und London führt, selbst finden. Doch das „Sichfremdfühlen“ bleibt ihr ständiger Begleiter.
Claudia Durastanti geht nicht chronologisch vor, sondern erkundet ihre Familie, indem sie Themen wie „Reisen“, „Gesundheit“ oder „Liebe“ nachspürt, eine Archäologin ihrer selbst. In einer überaus feinfühligen, mal lebendigen, mal poetischen Sprache verfasst, deren Sätze immer wieder kostbar funkeln, lässt dieses beeindruckende Buch niemals unberührt. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Marcello Fois: Abschiede

Aus dem Italienischen von Monika Lustig. Polar Verlag 2020, 497 S., € 14,-
(Del dirsi addio, Einaudi 2017, ca. € 16,50)
(Stand März 2021)

Titel_Abschiede_Fois-768x1212Ein Kind verschwindet spurlos bei einem kurzen nächtlichen Halt von einem Rastplatz an einer einsamen Landstraße, ein Auto explodiert, eine Frau wird tot aus dem Fluss geborgen. Ein junger Kommissar versucht den Fall zu lösen, ermittelt in Bozen, geplagt von Schnee und Sturm, und liefert ganz zum Schluss eine überraschende Lösung. Ein echter Kriminalroman, zweifellos.
Und doch sollte, wer nur eine spannende Geschichte sucht, dazu noch rasant erzählt, die Finger lassen von diesem Buch, das so viel mehr ist als ein klassischer Noir. Denn was der große sardische Autor hier entfaltet taucht tief ein in die Komplexität menschlicher Beziehungen, erzählt von großer Liebe und dem Leiden an der Gesellschaft, von Vätern, Söhnen und Geliebten, von Trennung, Tod und Abschied, von Zärtlichkeit und der steten Mühe des Beieinanderbleibens, von Verrat und Verlust – und ist dabei spröde und karg, gefühlvoll und überschwänglich zugleich. Dabei scheut Fois keine Klischees und keine überraschenden Assoziationen. So stehen Texte zur Renaissance-Architektur neben solchen aus der Popkultur, mythologische Exkurse neben Zitaten aus Bergman-Filmen und die Songtexte von Take That neben Gedichtzeilen von Elsa Morante. Wenn man sich darauf einlässt, wird man belohnt mit einem Roman voll düsterer Abgründe und tiefer Menschlichkeit. (Syme Sigmund)

Das bestelle ich!

Susanna Mattiangeli: Al museo

Illustrazioni di Vessela Nikolova: , Topipittori 2020, pp. 40, dai 5 anni, ca € 23,-
(aggiornato marzo 2021)

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Che bella avventura andare in gita con la scuola, quante cose ci sono da scoprire! Al museo poi, sembra di camminare in mezzo a un sogno. Fra sguardi severi, visi allegri, cestini di frutta, paesaggi scintillanti e stranezze di vario tipo, una bambina si perde nei corridoi del grande museo alla ricerca di un segreto da rubare. La domanda è: come avranno fatto? A costruire busti meravigliosi, pitturare colori così vivaci? E chi sono tutti quei visitatori assorti, stanno cercando anche loro un segreto? Una bambina ci accompagna a visitare opere d’arte di ogni tipo. Con illustrazioni così dettagliate e un testo così coinvolgente, leggere e osservare questo libro è un po’ come aggirarsi per le stanze di una bella mostra! (Giulia Silvestri)

Lo voglio ordinare!

Micol Cossali, Giulia Mirandola, Mara Rossi e Novella Volani: Libere e Sovrane. Le donne che hanno fatto la Costituzione

Illustrazioni di Michela Nanut: Settenove, pp. 56, dai 9 anni, ca. € 20,-
(aggiornato marzo 2021)

Libere_e_sovrane_Dante_Connection_DanteperleIn un tripudio di colori vivaci e fantasie, alcune signore dalle varie acconciature ci osservano dalla copertina di questo libro. Sono partigiane, contadine, insegnanti, operaie. Portano nomi comuni: Teresa, Bianca, Angelina, Adele… La lista arriva a 21 nomi, si tratta delle donne che hanno fatto la costituzione italiana, le prime deputate a partecipare attivamente alle decisioni politiche di un paese devastato da tanti anni di dittatura e di guerra. Vengono ricordate come “Madri costituenti”, eppure sono in pochi a conoscere i loro nomi, le loro storie, il loro valore fondamentale. Forse perché le ventuno signore affiancavano cinquecentocinquantasei uomini, a loro volta eletti all’Assemblea costituente il 2 giugno 1946. Nelle pagine di questo libro dai disegni variopinti troviamo dati importanti, racconti da scoprire e tenere a mente, figure vivide e forti, pronte a guidare grandi e piccine attraverso un viaggio alla scoperta della consapevolezza di genere. (Giulia Silvestri)

Lo voglio ordinare!

Cristiana Alicata, Filippo Paris: Qui c’è tutto il mondo

Tunué 2020, pp. 196, ca. € 24,80, dai 10 anni
(aggiornato marzo 2021)

9788867903931Anita si trasferisce con la famiglia a Stezzano, un paese in provincia di Bergamo, nell’inverno del 1985, ricordato come il più freddo del secolo. Vengono dalla Sardegna e sono costretti a confrontarsi con una serie di pregiudizi e discriminazioni, oltre che con l’assenza del mare e un ambiente del tutto nuovo. Inoltre la mamma di Anita comincia a comportarsi in modo strano: non si alza dal letto, cambia umore repentinamente, parla da sola. Qualcosa non va: che sia tutta colpa degli adulti? Per fortuna nella vita di Anita arrivano Tina, che sa fare la pipì in piedi e giocare molto bene a pallone e Elena, che sembra sapere come curare la mamma. Ma forse l’idea migliore è scappare: le tre organizzano una fuga in zattera, che le porterà a trascorrere un’estate indimenticabile e a scoprire una cosa molto importante… Una delicata riflessione sull’identità di genere, l’importanza dei legami e l’impatto della malattia mentale. (Giulia Silvestri)

Lo voglio ordinare!