Bernd Brunner: Von der Kunst, die Früchte zu zähmen. Eine Kulturgeschichte des Obstgartens

Knesebeck Verlag 2022, 288 S., € 22,-

Wohlschmeckende Früchte werden überall in der Welt geschätzt und an den unterschiedlichsten Orten angebaut: auf dem Fensterbrett, in Schrebergärten, Streuobstwiesen, industrialisierten Plantagen. Doch wie war das früher? Wie fingen die Menschen an, Obstbäume zu kultivieren, wann bildeten sich die verschiedenen Formen an Obstgärten heraus und wurden sie als beglückende Orte verstanden? Diese anregende Kulturgeschichte geht weit zurück zu den Anfängen, als vor Millionen von Jahren Tiere für die Verbreitung von Früchten sorgten und unsere ersten Vorfahren Wildfrüchte naschten und allmählich realisierten, dass sie sie anbauen konnten. Traumhaft schöne Oasengärten werden vorgestellt, frühe Ziergärten, legendäre Klostergärten, Gärten von Herrschern, Gärten in den unterschiedlichsten Regionen wie in den Tropen oder in der nördlichen Hemisphäre. Wohltuend sind die Beziehungen zwischen Menschen und ihren selbst geschaffenen Paradiesen. Das überträgt sich unwillkürlich bei der Lektüre dieses mit seinen 100 farbigen Illustrationen wunderschönen kleinen Buchschatzes. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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Eisvogel und Lotusblüte. Vögel in Meisterwerken der japanischen Holzschnittkunst

Leporello mit 112 Farbabb. und 48-seitigem Booklet, Prestel 2022, € 25,-

Eisvogel und Lotusbluete von

Taschenbuchklein ist der hübsche Schuber, in dem sich ein Wunderwerk der Buchkunst verbirgt. 60 Farbtafeln werden von zwei seidenbezogenen roten Deckeln zusammengehalten, die sich zu einem meterlangen Leporello auseinanderziehen lassen, das die Kostbarkeit und Vergänglichkeit der Natur feiert. Vögel und Blumen werden in den klassischen farbigen Holzschnitten japanischer Meister in ihrer filigranen Schönheit präsentiert, dass es nur so eine Augenweide ist: Pfauen prunken da mit ihrem prächtigen Federnkleid, rotschnabelige Schwäne tummeln sich im blauen Wasser. Kakadus, Kraniche, Möwen, Eulen, Weidenzweige, Kamelien, Kirschblüten und vielerlei mehr an Pflanzen, Blüten und Vögeln lassen sich bewundern und studieren. Das beigelegte Booklet gibt einen informativen kunsthistorischen Überblick über die Epochen und Meister des japanischen Holzschnitts. Ein optisches Vergnügen nicht nur für Vogelkundler:innen! (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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Robert Macfarlane: Die verlorenen Zaubersprüche

Illustriert von Jackie Morris. Aus dem Englischen von Daniela Seel, Matthes & Seitz 2021, 120 S., € 22,-, für Kinder und Erwachsene

(Stand Januar 2022)

Was für ein Schatz, dieses kleine, dicke, aus der Zeit gefallene Buch! Drei Meister:innen ihres Fachs haben in der phänomenalen Naturkunden-Reihe passend zum Thema selbst gezaubert. Der wichtigste britische Vertreter des Nature Writings Robert Macfarlane versammelt verwunschene Beschwörungen und Sprüche, um Insekten, Vögel und anderes Getier herbeizulocken und in unsere Wahrnehmung zu bringen. Die englische Kinderbuchkünstlerin Jackie Morris zaubert nur mit Farben und Wasser all diese wunderbaren Wesen aufs Papier. Und die Poetin Daniela Seel überträgt aufs Feinste diese verwunschene wie noch reale Welt in ein lautmalerisches vielstimmiges Deutsch. Ein wunderschönes Hausbuch für den Reichtum von Vielfalt in Natur und Sprache. (Stefanie Hetze) (Besuch bei Robert Macfarlane und Leseprobe)

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ATAK: Piraten im Garten

Verlag Antje Kunstmann 2021, 48 S., € 20,-, ab 3
(Stand März 2021)

Was für ein Prachtband, im großformatigen klassischen Albumformat und dazu farbsatt! Drinnen im Haus vergnügen sich Emil und Ente entspannt mit Büchern und Spielzeug, während sich draußen im tropisch anmutenden Garten furchterregende bewaffnete Gestalten leise anschleichen. In ihrer Skurrilität wirken sie auch wieder sympathisch und sind vielleicht ganz anders, als es den Anschein hat. Und dann gibt es einen lauten Knall, ein BOOM, das im Buch explosiv aufpoppt, das Emil und Ente aufscheucht und die Ordnung im Haus durcheinanderbringt und Koordinaten wie Groß und Klein, Schwer und Leicht außer Gefecht setzt. Nichts ist mehr so, wie es scheint, Türen, Fenster tun sich auf – Kinder wie Erwachsene können das Geschehen sortieren, Dinge zuordnen, zählen, Licht ins Chaos bringen, eigene Geschichten erfinden und weiterspinnen.  Eine üppige phantastische Welt hat ATAK da gezaubert und zitiert:  Kinderbücher, Comic- und Filmfiguren, Kostüme, Uniformen, üppige Pflanzen, Tiere, interaktive Aufklappelemente … ein Kosmos der Fülle, Formen und Farben, der Riesenspaß macht. (Stefanie Hetze)

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Bill François: Die Eloquenz der Sardine

Aus dem Französischen von Frank Sievers, C.H.Beck Verlag 2021, 234 S., € 22,-

(Stand April 2021)

„Unglaubliche Geschichten aus der Welt der Flüsse und Meere“ verspricht der Untertitel dieses so kurzweiligen wie interessanten Buches. Bill François ist seit seiner Kindheit vom Meer und seinen Bewohnern fasziniert. In plaudernd-anekdotenhaftem Ton erzählt er von Fischen, Mollusken und Krustentieren und vor allem von ihren vielfältigen Weisen zu kommunizieren. Denn unter der Wasseroberfläche wird musiziert, geblitzt, geblendet und gestänkert, was das Zeug hält. So erfahren wir von Muschelmusik und der Kinderstube der Kraken, vom einsamsten Wal der Welt, den vereinten Jagdstrategien von Muräne und Barsch sowie die Herkunft der Legende des goldenen Vlies‘. Wir lernen, warum die Sardine sich unsichtbar machen kann und weshalb die Nonnengänse im Mittelalter als Meeresfrucht galten. François nimmt uns mit auf Zanderjagd im Pariser Untergrund, und berichtet von der erstaunlichen Kooperation und Kommunikation australischer Fischer mit einer Gruppe Killerwalen. Dabei spart er die verheerenden Auswirkungen des industriellen Fischfangs nicht aus.
Eine erhellende und unterhaltsame Lektüre, die einen mit ganz neuer Empathie auf die so fremde Welt der Wasserbewohner blicken lässt. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Jamaica Kincaid: Mein Garten(Buch)

Aus dem Amerikanischen von Renate Orth-Guttmann, Kampa Verlag 2021, 272 S., € 22,-
(Stand April 2021)

Unwiderstehlich, das Cover, auf dem die Farben und Formen wie in einem üppigen Blumenbeet leuchten und zu einem wunderschönen Ganzen verschmelzen, wie in einem phantastischen Garten, den die Schriftstellerin Jamaica Kincaid im Geiste vor sich sieht, vom sie aber auch nach vielen Jahren intensiver Gartenarbeit immer noch nicht genau weiß, wie er aussehen soll. Er liegt in Vermont, wo sich die Jahreszeiten stark unterscheiden und Kincaid in den Schneewintern, die alles überdecken, extrem leidet, die ihr aber gleichzeitig Raum geben, um ausgiebigst in Pflanzkatalogen zu stöbern und große Bestellungen auszulösen.  Da ist eine leidenschaftliche Gärtnerin am Werk, die nicht nur von ihren gärtnerischen Versuchen, den Überraschungen, dem Scheitern, ihren Erfolgen und der Schönheit der Pflanzen erzählt. Als Schriftstellerin, als Schwarze, die aus Antigua stammt, hinterfragt sie bei berühmten Gärten, Pflanzen und Gärtner:innen, über die sie liest und die sie besucht, allerdings auch die Geschichte, die dahinter steht und die oft eine der kolonialistischen Aneignung ist. Da werden komplexe weltumspannende Zusammenhänge deutlich, während es gleichzeitig um sehr persönliche „kleine” beglückende Gartenmomente geht. (Stefanie Hetze)

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Christine Paxmann & Olaf Hajek: Olaf Hajeks Buch der Blumen

Prestel Verlag 2020, 40 S., € 22,-, ab 8 und für alle
(Stand März 2021)

Paxmann_Christine_Olaf_Hajek_Olaf_Hajeks_Buch_der_Blumen_Dantperle_Dante_Connection_BuchhandlungDieses großformatige Hausbuch macht einfach gute Laune! Einheimische und exotische Heilpflanzen, meist Blumen, aber auch der Ebereschenbaum, die Ananas oder das Löwenzahnkraut werden in prachtvollen Tableaus und auf den Punkt gebrachten Texten zu ihrer Botanik, Besonderheit und Bedeutung porträtiert. Die Bilder schwelgen in Farben, Kostümen und Formen, da gibt es Seltsames, Märchenhaftes und Geheimnisvolles zu entdecken. Virtuos hat Olaf Hajek seine Anleihen bei Maria Sibylla Merian, der Renaissancekunst und der Folk Art zu eigenen stilisierten Bildwelten gezaubert, die – botanisch ganz genau – nur so vor Phantasie überborden und unmittelbar anregen, in Gedanken in diesem traumschönen Blumengarten herumzuspazieren und sich Geschichten dazu auszudenken! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Johann Friedrich Naumann: Die Vögel Mitteleuropas

Eine Auswahl, herausgegeben und mit einem Essay versehen von Arnulf Conradi, Die Andere Bibliothek 2020, 520 S., 100 Abbildungen, € 39,-
(Stand März 2021)

Naumann die vögel Mitteleurop_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergDieser sorgfältig gestaltete Prachtband ist schon von außen ein Hingucker. Im Innern sind dann achzig wunderschöne, ganzseitige, großformatige Aquarelle des berühmten Ornithologen aus dem 19. Jahrhundert, ein Vorreiter seiner Zunft, zu entdecken, sowie im Anschluss ausführliche, sachkundige Portraits einzelner Arten, ihrer Eigenschaften, Nahrung, Feinde sowie – ein besonderes I-Tüpfelchen – die vielen verschiedenen Namen, unter denen sie bekannt sind (z.B. Turmfalke = Rötelweibchen oder Graukopf, Windweh oder Rüddelgeier, um nur einige zu nennen). Ein Buch zum Schauen, Blättern, Entdecken, Festlesen – und wieder Schauen, nicht nur für Vogelfans. (Syme Sigmund)

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Sofia Blind: Die alten Obstsorten

Von Ananasrenette bis Zitronenbirne. Dumont Verlag 2020, 192 S., € 25,-
(Stand März 2021)

Blind_Sofia_Die_alten_Obstsorten_Dante_connection_DanteperleGerade in der Winterzeit, wenn die Natur pausiert, ist allein die Beschäftigung mit alten Früchten wie dem „Herbstprinz″, dem „Weißen Winterkalvill″, dem „Königlichen Kurzstiel″, der „Venusbrust″, der „Krachmandel″ oder dem „Gubener Spilling“ eine außerordentliche Freude. Die Gärtnerin und Übersetzerin (auch von Nigel Slaters Kochbüchern) Sofia Blind hat in ihrem mit vielen Bildtafeln wunderschön ausgestatteten Band alte Obstsorten  mit ihren historischen Namen, ihrer Geschichte und ihren faszinierenden Besonderheiten anschaulich porträtiert. Anregungen zum Anbau, Tipps zum Erwerb historischer Früchte sowie Hausmacherrezepte für Marmeladen, Aufläufe und Desserts machen noch mehr Lust, sich auf die Suche nach gesunder geschmacklicher Vielfalt zu begeben. (Stefanie Hetze)

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Kat Menschiks & des Diplombiologen Doctor Rerum Medicinalium Mark Beneckes illustrirtes Thierleben

Galiani Verlag 2020, 158 S., € 20,-
(Stand März 2021)

Menschik_Kat_Mark_Benecke_Tierleben_danteperle_Dante_connectionAllein das Buch in den Händen zu halten ist ein Genuss, da die vorgestellten Tiere auf den Einband geprägt sind, lassen sich ihre Umrisse ertasten. Und fürs Auge hat die Illustratorin Kat Menschik wirklich kongenial gesorgt und die Tiere auf schwarzem Hintergrund porträtiert, der ihre Farbigkeit und Vielfältigkeit umso mehr zum Leuchten bringt. Das Multitalent Mark Benecke bringt uns in seinen unterhaltsamen und gleichzeitig wissenschaftlich fundierten Texten Vertreter kurioser Spezies nahe, so neben Bekanntem wie Möpsen oder Glühwürmchen den „Rotbeinigen Schinkenkäfer“, „Betrunkene Elche“ oder „Kopffüßler“. Ihre Eigenarten und Vorlieben beschreibt er mit dem Vorhaben, „unsere Mitlebewesen ihr eigenes Ding machen zu lassen. Egal, ob und wie viele Arme und Beine sie haben.“
Vergnüglicher – und dabei überaus lehrreich – gehts nicht. (Stefanie Hetze)

Leseprobe

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