Annika Thor: Der Sohn des Odysseus

Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer, mit Illustrationen von Ishtar Bäcklund Dakhil. Urachhaus 2021, 352 S, € 19,-, ab 11

(Stand Januar 2022)

Was mag wohl Thelemakos während der Abwesenheit seines Vaters erlebt haben? Das erzählt Annika Thor in wunderbar frischem Ton. Wie er auf den Vater wartet, langsam erwachsen wird, die Hoffnung auf eine Rückkehr nicht aufgibt. Als die Situation sich zuspitzt, die Freier seiner Mutter immer dreister werden, muss er all seinen Mut zusammennehmen und für sein Leben, seine Zukunft einstehen. Die Abenteuer des Odysseus fließen über Träume in den Erzählfluss ein, und die großartigen Illustrationen ergänzen den Text aufs Schönste. Lange nicht wurde die Odyssee so spannend für Kinder nacherzählt. (Syme Sigmund)

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Carlo Rovelli: Helgoland

Aus dem Italienischen von Enrico Heinemann, Rowohlt Verlag 2021, 208 S.,€ 22,- (Adelphi 2020, ca. € 18,50 €)

(Stand Januar 2022)

Die Geschichte der Entstehung einer der radikalsten wissenschaftlichen Entdeckungen des 20. Jahrhundert beginnt auf einer kahlen Insel in der Nordsee. Werner Heisenberg befand sich auf Helgoland, als er 1925 erst ahnte, was die Basis zur Quantenphysik ausmachen würde. Seine Eingebung führte zu einer revolutionären Theorie, die heute noch als Grundlage für zahllose technologische Fortschritte gilt. In einer Sprache, die sowohl für den wissenschaftlich Unerfahrenen als auch für den Experten geeignet ist, erklärt Carlo Rovelli diese geheimnisvolle Theorie. Zwischen witzigen Anekdoten, Verwunderung und detaillierten Beschreibungen ermöglicht er den Leser*innen, den theoretischen und praktischen Wert der Quantenphysik zu verstehen. Kann ein Sachbuch über Physik so spannend wie ein Abenteuerroman sein? Die Antwort ist: Ja! (Giulia Silvestri) Leseprobe

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Lena Zeise: Balto & Togo

Gerstenberg Verlag 2021, 40 S., € 22,-, ab 8

(Stand Januar 2022)

„Dramatische Rettung in Eis und Schnee“, so lautet der Untertitel dieses großformatigen opulenten Sachbilderbuchs. Es geht um eine wahre Geschichte, die sich im eiskalten Winter 1925 in Alaska ereignete. In der Goldgräberstadt Nome erkrankten Kinder an Diphterie, das dringend benötigte Serum dagegen musste von einer Schlittenhundenstaffel, die auf fast 700 Meilen gegen bitterste Kälte, Schnee, Eis, Stürme, Finsternis und Erschöpfung im Wettrennen mit der Zeit kämpfte. In Lena Zeises atemberaubenden Cinemascopebildern von der alles dominierenden Schneelandschaft und den Hunden, die einfach alles geben, können Kinder und Erwachsene diesen gefährlichen, gut ausgehenden Transport wie hautnah miterleben. Der chronologisch-dokumentarische Text, kleinere informative Zeichnungen, Anmerkungen und eine Landkarte tun ihr Übriges, um aus Balto & Togo ein Vergnügen, gerade für lange Wintertage zu machen. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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Max Annas: Der Hochsitz

Rowohlt 2021, 272 S., € 22,-

(Stand Oktober 2021)

Osterferien 1978, ein Dorf in der Eifel, nahe der Grenze zu Luxemburg. Die beiden zehnjährigen Mädchen Sanne und ihre beste Freundin Ulrike zieht es immer wieder zu ihrem Versteck, dem Hochsitz im Wald. Hier werden sie nicht gesehen, bekommen aber so allerhand mit. Nicht nur die Autos mit den heimlichen Liebespaaren, sondern auch die beiden fremden Frauen, die hier immer wieder auftauchen. Als die Freundinnen in einer Nacht direkt vor Sannes Haus einen Mord beobachten, sind sie die einzigen, die die dunkle Gestalt sehen, die sich sofort danach entfernt. Da ihnen keiner glaubt, müssen sie eben auf eigene Faust ermitteln.
Max Annas hat hier einen echten Krimi mit überraschender Auflösung geschrieben. Doch Der Hochsitz ist mehr als das. Tief taucht man ein in die Atmosphäre der westdeutschen Provinz der siebziger Jahre einschließlich der RAF-Suchplakate im Postamt, Fußball-WM-Sammelalben mit Hanuta-Klebebildern und Bonanza-Rad.
Ein spannendes und – dank der Gewitztheit der Hobbydetektivinnen und dem Erzähltalent von Annas – äußerst kurzweiliges Lesevergnügen. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Lena Hach: Mission Hollercamp

Band 1 – Der unheimliche Fremde, Mixtvision 2021, 194 S., € 14,-, ab 10

(Stand Juli 2021)

In Lena Hachs neuer Reihe Mission Hollercamp schickt die Autorin gleich drei Kinder Jahr für Jahr zum selben Ferienort. Emily, Jakub und Leon lieben ihren Campingplatz am Hollersee, den vertrauten Wald und die ausgelassene Zeit miteinander. Sie sind richtig dick befreundet! In diesem Jahr läuft jedoch einiges anders: Leons chaotische Cousine und ein seltsamer Barfuß-Typ bringen gehörige Unruhe ins Hollercamp. Lena Hach hat eine leichtfüßige Sommergeschichte mit einem Hauch Crime geschrieben, deren besonderer Reiz in den unaufdringlich und beiläufig eingesponnenen gesellschaftlichen Fragen und diversen Figuren liegt: Was ist ein Fremder? Warum ist es strafbar, weggeworfene Lebensmittel zu retten? Jakub benutzt ein Hörgerät und sein Vater stammt aus Polen. Und Emilys Oma lebte in Großbritannien und serviert Gurkensandwiches. Das ist zeitgemäß, relevant und vor allem bestens unterhaltsame Ferienlektüre! Und Band 2 gibt es auch schon … (Jana Kühn)  Leseprobe

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Kate O’Shaugnessy: Das Glück wartet nur bis um vier

Aus dem Amerikanischen von Barbara Lehnerer, dtv junior 2021, 304 S., € 12,95, ab 10

(Stand Juni 2021)

Maybelle, 11 Jahre alt, lebt mit ihrer Mutter in einem Wohnmobil auf einem Campingplatz in Mississippi, das Geld ist knapp. Die beiden machen aber das Beste daraus. Maybelle hat zudem ein ungewöhnliches Hobby:  sie sammelt Geräusche und Stimmen. Ihr wertvollster Schatz ist eine Aufnahme vom Lachen ihres Vaters, den sie nicht kennt. Immer wieder hört sie es sich an, sie hat es verinnerlicht. Und dann hört sie eines Tages genau dieses Lachen im Radio! Ihr Vater entpuppt sich als Moderator einer Musiksendung, die einen Gesangswettbewerb veranstaltet. Da muss sie hin und mitmachen, auch wenn Nashville fast 1000 km entfernt ist und ihre Mutter endlich als Musikerin einen Job gefunden hat, aber auf einem Schiff. Maybelle kann ihre Nachbarin Mrs Broggs, eine strenge Lehrerin, überzeugen. In ihrem riesigen Wohnmobil voller Möbel und Bücher, überdies mit Tommy, einem Blinden Passagier, fahren sie los. Ob sie es wohl rechtzeitig schaffen. Eine richtige Roadnovel, eine rasante Reise im Schneckentempo beginnt, die alle drei verändern wird und die für die atemlos beglückt Lesenden jede Menge umwerfender dramatischer Wendungen bereithält. Ob das Glück am Ende wohl wie erwartet sein wird? (Stefanie Hetze)

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Marcello Fois: Abschiede

Aus dem Italienischen von Monika Lustig. Polar Verlag 2020, 497 S., € 14,-
(Del dirsi addio, Einaudi 2017, ca. € 16,50)
(Stand März 2021)

Titel_Abschiede_Fois-768x1212Ein Kind verschwindet spurlos bei einem kurzen nächtlichen Halt von einem Rastplatz an einer einsamen Landstraße, ein Auto explodiert, eine Frau wird tot aus dem Fluss geborgen. Ein junger Kommissar versucht den Fall zu lösen, ermittelt in Bozen, geplagt von Schnee und Sturm, und liefert ganz zum Schluss eine überraschende Lösung. Ein echter Kriminalroman, zweifellos.
Und doch sollte, wer nur eine spannende Geschichte sucht, dazu noch rasant erzählt, die Finger lassen von diesem Buch, das so viel mehr ist als ein klassischer Noir. Denn was der große sardische Autor hier entfaltet taucht tief ein in die Komplexität menschlicher Beziehungen, erzählt von großer Liebe und dem Leiden an der Gesellschaft, von Vätern, Söhnen und Geliebten, von Trennung, Tod und Abschied, von Zärtlichkeit und der steten Mühe des Beieinanderbleibens, von Verrat und Verlust – und ist dabei spröde und karg, gefühlvoll und überschwänglich zugleich. Dabei scheut Fois keine Klischees und keine überraschenden Assoziationen. So stehen Texte zur Renaissance-Architektur neben solchen aus der Popkultur, mythologische Exkurse neben Zitaten aus Bergman-Filmen und die Songtexte von Take That neben Gedichtzeilen von Elsa Morante. Wenn man sich darauf einlässt, wird man belohnt mit einem Roman voll düsterer Abgründe und tiefer Menschlichkeit. (Syme Sigmund)

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Katherine Rundell: Ein unvorstellbar unsinniges Abenteuer

Aus dem Englischen von Henning Ahrens, Carlsen Verlag 2020, 272 S., € 15,-, ab 11
(Stand März 2021)

Rundell_Katherine_Ein_unvorstellbar_unsinniges_abenteuer_Danteperle_Dante_Connection_Buchhandlung„Satansbraten″ nennt der alte Großvater seine Enkelin Vita liebevoll. Als sie wegen Kinderlähmung jahrelang liegen musste, brachte er ihr zielsicheres Weitwerfen bei. Vita übte ohne Unterlass und erwarb so die kostbare Fähigkeit, nie aufzugeben. Diese Sturheit treibt die Elfjährige auch an, das Anwesen zurückzuholen, das ein berüchtigter Gangster ihrem Großvater abgetrickst hat. Mit einem genialen Plan und der Hilfe dreier neuer Freund*innen, die wie sie das Messerwerfen ihre Leidenschaften (Schlösserknacken, Luftakrobatik und Tiertraining) perfekt beherrschen, versucht sie das unvorstellbar Unsinnige. Die Jagd der Kinder auf den Verbrecher, der u.a. mit Immobilienspekulation sein Unwesen treibt, vor der Kulisse eines historischen New York ist rasant, aberwitzig und superspannend erzählt. Wie nebenbei thematisiert Katherine Rundell dabei aber auch, wie Ausgrenzung gegenüber allen, die nicht der Norm entsprechen, funktioniert, und wie die vier Kinder sich darüber hinwegsetzen!  (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Thomas Taylor: Malamander. Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea

Aus dem Englischen von Claudia Max, Hanser Verlag 2020, 288 S., € 17,-, ab 10
(Stand März 2021)

Taylor_Thomas_Malamander_Danteperle_Dante_ConnectionEerie-on-Sea ist ein Seebad mit rauem Klima und einem wilden Meer, das viel nimmt und einiges anspült. So wurde vor  Jahren ein kleiner Junge in einer Zitronenkiste am Strand aufgefunden und im uralten Grand Nautilus Hotel aufgenommen, wo er, Herbert Lemon genannt, sich um die Fundstücke der Hotelgäste kümmern muss. Der geldgierige Hoteldirektor macht Herbie das Leben schwer, aber die Hotelbesitzerin, die alte Lady Kraken, scheint ein Auge auf ihn zu haben, obwohl sie ganz oben in ihrer Suite zurückgezogen lebt. Fast alle im Ort fürchten sich vor dem Malander, einem gruseligen Seeungeheuer, um den sich viele Geschichten ranken.
Es geht los, als ein Mädchen urplötzlich in Herbies Kabuff unter der Hotelhalle auftaucht und ihn bittet, sie zu verstecken. Als von oben laute Stimmen zu hören sind, versteckt Herbie sie in einem Schrankkoffer, und dann beginnt eine ungemein spannende phantastisch-schaurige Abenteuer- und Detektivgeschichte, die es in sich hat. Der nachdenkliche liebenswerte Held und die coole draufgängerische Heldin entwickeln sich zu einem – ganz nebenbei auch vielfältigen – Dreamteam und sorgen für atemloses Lesevergnügen. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Antonia Michaelis: Die Mühlenkinder – Prinzessin Jorunn und der Wassertroll

Oetinger 2020, 144 S., € 12,-, ab 8
(Stand März 2021)

Mühlenkinder„Wenn der Wind aus Nordosten weht, erwacht die Mühle.“ – die alte Mühle, in der Liv, und ihre drei Schwestern wohnen. Wenn der Wind richtig steht, drehen sich die Flügel wieder, wird sie zu einem magischen Ort, an dem alles passieren kann. Eines Morgens wachen die Mädchen in einem Schloss auf, sie sind Prinzessinnen, ihr Vater der König. Doch am Bach verschwindet plötzlich die kleinste von ihnen, Jorunn, und so beginnt eine aufregende Reise, um die Schwester aus den Fängen des Wassertrolls zu befreien, die sie zu sprechenden Schwänen und eisigen Schatten führt, auf der sie trügerischen Illusionen entkommen müssen und überraschende Hilfe von unerwarteter Seite erhalten.
Antonia Michaelis entführt in eine märchenhafte Welt und verzaubert durch ihre bildmächtige, von Phantasie sprühende Sprache. Dabei sind alle Charaktere äußerst lebendig gezeichnet und bieten durch ihre Verschiedenheit Identifikationspotential für die unterschiedlichsten Leser*innen. Ein magisches, hochspannendes Abenteuer der Extraklasse, von Claudia Carls ganz wunderbar illustriert. (Syme Sigmund) Leseprobe

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