Alea Horst, Mehrdad Zaeri: Manchmal male ich ein Haus für uns

Klett Kinderbuch 2022, 48 S., € 16,-, ab 8

In 2016 ging die Fotografin Alea Horst zum ersten Mal als ehrenamtliche Nothelferin nach Lesbos, um in Moria im Lager für Geflüchtete zu arbeiten. Ihre Kamera begleitete während zahlreicher folgender Aufenthalte den Alltag vor Ort und sie führte viele Interviews – besonders mit Kindern. Das Bilderbuch versammelt nun Portraitfotos und Texte von Kindern aus 2020, als in dem Lager über 20.000 Menschen unter verherrenden Bedingungen leben mussten. Alea Horst holt die Kinder aus der Distanz und Anonymität der Nachrichten und Medienberichte und gibt berührende Einblicke in eine Realität, von der Kinder und auch ihre Erwachsenen hierzulande nur wenig wissen. Der Illustrator Mehrdad Zaeri hat die Texte und Bilder mit viel Feingefühl grafisch ergänzt und gestaltet. Die vollständig transkribierten Interviews mit den Kindern und Jugendlichen sind auf der Verlagswebsite zum kostenlosen Download bereitgestellt. Die kompletten Einnahmen des Buches werden für zukünftige Projekte von Alea e. V. verwendet. Blick ins Buch

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Dschingis Aitmatow, Kat Menschik (Illustr.): Djamila

Galiani 2022, 112 S., € 20,-

Mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs und doch weit ab davon in der kirgisischen Steppe spielt dieser weltberühmte Liebesroman. In einem kleinen Dorf lebt hier die lebenslustige Djamila. Ihr Ehemann musste schon kurz nach der Hochzeit in den Krieg ziehen, weshalb die Dorfgemeinschaft nun argwöhnisch über die junge Frau wacht. Mit dem kriegsversehrten Danijar und seinen wunderschönen Liedern kehrt unerwartete Freude in ihr Leben ein – und auch die große, noch nie erfahrene Liebe. Erzählt wird die Geschichte von Djamilas 15jährigem Schwager, der obwohl selbst heimlich in Djamila verliebt, das Geheimnis der beiden Liebenden bewahrt, bis eines Tages der Ehemann ins Dorf zurückkehrt …  Die Novelle von Aitmatow war eines der ersten erwachsenen Bücher, die ich gelesen habe, und ich erinnere noch genau, wie hingerissen ich von der Kraft dieser Liebesgeschichte gewesen bin. Kat Menschik, die Djamila wie ich zu ihren besonderen Lieblingsbüchern zählt, hat diese ohnehin literarische Perle mit ihren leuchtend sommerlichen Illustrationen zu einem echten Kleinod gestaltet. (Jana Kühn)

Leseprobe

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Hannah Peck: Ein Fall für Kate

Mit Volldampf in ein Abenteuer voller Schnurrhaare, Schneebesen und Schabernack! Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister, Carlsen 2021, 160 S., dreifarbig illustriert, € 12,-, ab 8

Ein Zug, eine Reihe skurriler Fahrgäste, verschwundene Gegenstände – und Kate, unerschrockene und scharfsinnige, angehende Reporterin und Detektivin samt ihrer sprechenden mutigen Maus mit Namen Rupert. Einen Heidenspaß macht dieses kleine wunderschön gestaltete Buch voll herrlich schräger Illustrationen der Autorin (die zum Verständnis der Handlung genau betrachtet und gelesen sein wollen). Hannah Peck hat ein Gespür für witzige Dialoge und turbulente Szenen. Und wie in einem echten Krimi für „Große“ ist die erste Fährte nicht die richtige und die Hauptverdächtige am Schluss nicht die Täterin – so viel sei verraten. Was ein mürrischer Kater und ein reimender Tiger für eine Rolle spielen, müssen die jungen Leser:innen hingegen selbst entdecken. Ich freue mich derweil auf die angekündigten weiteren Abenteuer. (Syme Sigmund) Blick ins Buch

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Myriam Lang, Kathrin Schärer (Illustrationen): Heute kocht das kleine Känguru

Ein vegetarisches Jahreskochbuch für Kängurus und Kinder. Atlantis 2022, 112 S., € 22,-, ab 4

Endlich Frühling, ganz frisch die Radieschen, Möhren und Kräuter. In der Familie Känguru wird gerne und mit vegetarischen Zutaten gekocht. Das macht richtig Spaß! Alle machen mit, auch das Kängurukind darf mit anpacken und sogar mit dem Messer schneiden. Aber einmal passt es nicht gut auf und schneidet sich! Pflaster und ein Eiströsterchen helfen. Beim nächsten Mal wird es sicher daran denken, wie es das Messer halten muss. Ein Jahr lang wird in der Familie saisongerecht und sehr, sehr lecker gekocht, auch für Süßes gibt es viele Rezepte. In diesem außergewöhnlichen Bilderkochbuch werden schon die Jüngsten spielerisch mit den Tätigkeiten der Essenszubereitung und den unterschiedlichsten Geschmacksaromen vertraut gemacht. So ausgestattet, lässt es sich bestens zusammen kochen! (Stefanie Hetze)

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Michela Tartaglia: Andere Länder, andere Sprüche

Mit Illustrationen von Daniele Simonelli. Aus dem Italienischen von Alexandra Titze-Grabec, Dumont 2022, 136 S., € 18,-
(Una mela al giorno. Proverbi e modi di dire dal mondo, Nomos Edizioni 2020, ca. € 27,80)

Redewendungen in fünf Sprachen lautet der Untertitel dieses äußerst ansprechenden Sprichwörterbuchs. So global die Welt auch geworden sein mag, Redensarten bleiben einzigartig. Während es im Deutschen Bindfäden regnet und im Französischen Seile, sind es im Englischen Katzen und Hunde, gießt es in Italien aus Waschschüsseln, nur getoppt von spanischen Kröten und Schlangen! Dagegen schauen all die fünf Sprachen einem geschenkten Gaul nicht ins Maul, suchen beim berühmten Haar in der Suppe jedoch länderspezifisch ganz andere Dinge an anderen Orten. Auf vergnügliche Weise lassen sich Vergleiche ziehen, Redewendungen anhand der charmanten Illustrationen erraten und spielerisch Idiome dieser Sprachen lernen. Bestens zum Verschenken geeignet. (Stefanie Hetze)

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ATAK: Stillleben

Kunstmann 2022, 144 S. mit 8 heraustrennbaren Postern, € 38,-

Das Cover ist schon das einladende Entree zu einer farbenfrohen Ausstellung in Buchform: Satt leuchtende Blumen in einer Vase, ein Vogel, eine Libelle, eine lächelnde Mickey Mouse, die in diesem Tableau herumspaziert, das durch eine großflächige Prägung zusätzlichen haptischen Reiz gewinnt. Und schon geht es los zu einer visuellen Reise, die es in sich hat und große Freude bereitet. ATAK hat seine Schatzkisten geöffnet und präsentiert Lieblinge aus seinen speziellen Sammlungen, die er, dann wieder ganz klassisch, mit Blumen, Früchten, Tieren kombiniert. Vordergründig wirken diese schönen Schaubilder dekorativ-plakativ, doch verbergen sich jede Menge Details aus der Welt der Künste, der Comics, der Malerei, Musik, Literatur, des Films… Gekonnt mixt ATAK die Genres und schert sich keinen Deut um Hierarchien. Ziemlich „laut“ sind seine farbintensiven „Still-Leben“, „Hoch-“ und „Popkultur“ verschmelzen zu ganz eigenen Bilderwelten. Sie zu entschlüsseln macht großen Spaß, zumal ein ausführliches Bildverzeichnis die wichtigsten Bezüge verrät. (Stefanie Hetze)

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Caspar Salmon, Matt Hunt (Illustr.): Wie man bis eins zählt

Übersetzt von Uwe-Michael Gutzschan, Kunstmann 2022, 32 S., € 16,-, ab 3

Mit Aufforderungen etwas nicht zu tun, ist es bei Kindern ja oft so eine Sache … Bei diesem farbenfroh wimmeligen Bilderbuch wird sogar schon auf dem Cover dazu aufgefordert, gar nicht erst mit großen Zahlen anzufangen, und im Buch geht es munter so weiter. Wohin das führt, lässt sich schon erahnen – genau zu Eins uns viel mehr! Denn während sich Caspar Salmon im urkomischen Text wirklich alle Mühe gibt, die Kinder nicht weiter als Eins zählen zu lassen, unterwandert Matt Hunt dies in seinen nicht weniger witzigen Illustrationen auf das Schönste. Am Ende werden die Kinder natürlich wie verrückt gezählt haben und dabei viel, viel gelacht. Denn das hier ist eines der, wenn nicht das lustigste Zahlenbuch der Saison – mindestens! (Jana Kühn)

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Lucia Zamolo: Jeden Tag Spaghetti. Wie es sich anfühlt von hier zu sein, aber irgendwie auch nicht

Bohem Verlag 2022, 128 S., € 16,-, ab 9

(Stand März 2022)

„Woher kommst du?“ wird oft in Gesprächen gefragt. Oft genug wird die Antwort nicht einfach angenommen, sondern gleich nachgefragt: „Okay, aber wo kommst du wirklich her?“. Das macht sauer oder traurig oder verwirrt oder unsicher oder beleidigt … So oder so löst eine solche Frage keine schönen Gefühle aus. Lucia trägt einen ausländischen Namen, ist aber hier geboren und aufgewachsen. Vielleicht liegt es an ihrem Namen, vielleicht sieht sie untypisch aus, die Gründe hinter der komischen Frage sind dem Mädchen nicht klar … Dieses wunderschön illustrierte Buch berichtet über Alltagssituationen eines Mädchens, die vielen Menschen sehr bekannt vorkommen werden. Mit Liebenswürdigkeit und Humor erklärt Lucia Zamolo ziemlich viel über Diskriminierung, Migration und Identität. Raus aus den Schubladen!!! (Giulia Silvestri) Blick ins Buch

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Bianca Schaalburg: Der Duft der Kiefern

Meine Familie und ihre Geheimnisse. avant-verlag 2021, 208 S., € 26,-

(Stand März 2022)

Eine Westberliner Kindheit der 70er zwischen der Wohnung im Märkischen Viertel und Sonntagsbesuchen bei den Großeltern in der nach Kiefern duftenden Onkel-Tom-Siedlung in Zehlendorf. Von der Vergangenheit, von der NS-Zeit wird kaum gesprochen. Das übliche Man-hat-ja nichts gewusst. Als Jahre später Bianca Schaalburg die Schlafzimmermöbel ihrer Großeltern erbt, setzen sie eine große Recherche bei ihr in Gang. Mit ihrer faszinierenden Graphic Novel begibt sie auf die Suche, hinter die familiäre Fassade, also all das Verdrängen, Ausreden und Lügen zu schauen. Immer tiefer gräbt sie, entdeckt Verstörendes, was ihren idyllischen Kindheitserinnerungen zuwiderläuft. Hin und her wechselt sie die Zeitebenen, was sie durch Stilmittel wie die Farbgebung, Wechsel der Moden, der Architektur, der Schauplätze, der Alltagssprache, der Lieder hautnah erfahrbar macht. Das Buch ist zudem wunderschön gestaltet, so glänzen die Stolpersteine golden, gibt es einen Anhang mit weiterführenden historischen, biographischen und kulturellen Informationen. Doch das wirklich Besondere ist, dass ihre Spurensuche und Überlegungen Teil des Ganzen sind, dass sie mit diesem Geniestreich einlädt, auch einmal die eigene Familie und die Gegenwart in den Blick zu nehmen. Eine unbedingte Empfehlung für Jugendliche & Erwachsene. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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Romana Romanyschyn und Andrei Lessiw: Sehen

Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe, Gerstenberg Verlag 2021, 56 S., € 20,-, ab 8

(Stand Januar 2022)

Was für ein herausragendes Sachbuch nicht nur für Kinder! Geschrieben und illustriert haben es die beiden ukrainischen Künstler Romana Romanyschyn und Andrei Lessiw und dabei die Gestaltung in vier knalligen Sonderfarben ganz ihrem Thema angepasst, dem Sehen. Das ist, neben dem Hören, unser wichtigster Sinn. Rund um die Augen und ums Schauen beleuchten sie lehrreich wie unterhaltsam die vielen Facetten der optischen Wahrnehmung, wie Farbenerkennen, Blindheit, optische Täuschungen, Perspektiven, Tiere, die unterschiedlich sehen. Und es ist ein absoluter Augenschmaus, auch für Erwachsene! (Stefanie Hetze)  (Leseprobe)

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