Sonntag, 27. September 2026

Žemaitė (1845-1921) wurde in eine polnischsprachige kleinadlige Familie in der westlitauischen Zemaitija geboren (nach der sie ihren Kunstnamen wählte) und fühlte sich zeitlebens dem einfachen Landleben nahe. Gegen den Willen ihrer Eltern heiratete sie einen Litauer, einen ehemaligen Leibeigenen. Mit fast 50 Jahren begann sie auf Litauisch zu schreiben: Geschichten über meist bäuerliche Frauenschicksale. Das Kopftuch nahm sie aus Solidarität mit der Landbevölkerung nie ab: Es wurde zum ikonischen Signum ihrer Erscheinung. Über soziale Verhältnisse und politische Umbrüche hinweg setzte sie sich für die Verbesserung der Lage der Frauen und eine Modernisierung der Gesellschaft ein. Ihre Prosa ebenso wie ihre erstaunliche Autobiographie verfasste sie in mündlichem Ton, auf Litauisch mit zemaitischem Gepräge und polnischen, weißrussischen, russischen, jiddischen und deutschen Einflüssen.

Das Salon-Team: Gastgeberin Dunja Funke, Buchhändlerin Stefanie Hetze und die musizierenden Schauspieler:innen Mariel Jana Supka und Olaf Helbing – begleitet die Gäste. Für Bücher sorgt die Dante, für Getränke und Imbiss das Obermaier.

Wann? Sonntag, 27.9. um 12 Uhr
Wo? Obermaier Restaurant – Salon
Erkelenzdamm 17 – 10999 Berlin

Eintritt 10 Euro
Reservierung
info@obermaier-kreuzberg.de
info@danteconnection.de

Donnerstag, 3. September 2026

Seit Jahren verschiebt sich in Deutschland das politische Klima. Ein spürbarer Rechtsruck prägt Debatten, Wahlkämpfe – und den Alltag.
Was einst am Rand stand, rückt zunehmend in die Mitte: offene Remigrations-Sympathien im Kollegenkreis, AfD-Parolen am Gartenzaun, Verschwörungserzählungen beim Elternabend. Die Soziologin und Journalistin Jana Glaese fragt, was es mit uns macht, wenn politische Spannungen unser Zusammenleben durchziehen – und wie wir im Privaten, im Beruf oder im Verein darauf reagieren können.

Anhand zahlreicher Gespräche und Beobachtungen zeigt das Buch, welche Umgangsformen Menschen wählen, um in einer polarisierten Gesellschaft kritisch und verbunden zu bleiben: wie Dialog möglich ist, wann Widerstand nötig und wo dieser gerade aus der Nähe erwachsen kann. Ein klarsichtiger, tief recherchierter Beitrag zur Frage, wie wir im täglichen Miteinander der sozialen Entfremdung entgegenwirken und demokratische Prinzipien bewahren.

Jana Glaese „Mit Rechten leben“
Wann? Donnerstag, 3.9. um 19 Uhr
Wo? Mitteleuropa

DieDante bringt die Bücher mit. 📚

Donnerstag, 10. September 2026

Giuseppina Rigatoni ist Mitte fünfzig, unterrichtet Regie an der Filmuniversität und hofft darauf, endlich selbst wieder einen Kinofilm drehen zu können. Das damit einhergehende Umgarnen von Funktionär*innen und Filmstars, die sie gewinnen muss, damit ihr Filmprojekt realisiert wird, löst zunehmend Widerstände in ihr aus. Nichtsdestotrotz fliegt sie nach London, Paris und Venedig und lächelt auf Filmpartys gegen ihren inneren Impostor-Chor an.
Der plötzliche Tod ihres Vaters, der als einer der ersten so genannten Gastarbeiter nach Deutschland gekommen war, konfrontiert sie nach Jahren der Verdrängung mit ihrer Familien geschichte. Ohne die Sprache zu können, kämpft sie in seinem süditalienischen Bergdorf mit der Bürokratie, während sie weiter hin versucht, ihren Film auf die Beine zu stellen. Zum Glück ist Anouk an ihrer Seite, die Liebe ihres Lebens und ihr Zuhause. Nur warum trifft Anouk sich ständig mit dieser Melanie?

Angelina Maccarones Romandebüt beeindruckt mit seiner leichten und klaren Erzählstimme und dem lakonischen Humor ihrer krisengeschüttelten Heldin Giuseppina, die sich einem Familiengeheimnis stellt und zugleich Einblicke in die vermeintlich so glamouröse Filmwelt gewährt.

wann? Donnerstag, 10.9 um 20 Uhr

wo? in der Dante

Soli-Eintritt 8/10/15 Euro

Angelina Maccarone schrieb Songtexte für Udo Lindenberg und andere, bevor sie sich einen Namen als Drehbuchautorin und Regisseurin machte.
Ihre Filme gewannen diverse Auszeichnungen. Sie schrieb und inszenierte drei „Tatorte“ und einen „Polizeiruf“. Ihr Dokumentarfilm „The Look“ über Charlotte Rampling war 2012 für den Deutschen Filmpreis nominiert.
Mit Hape Kerkeling und Angelo Colagrossi entstand der Film und das Buch „Ein Mann, ein Fjord“ und mit Carolin Emcke produzierte sie die Social Spot Kampagne „Tolerant? Sind wir selber“. Von 2014 bis 2025 war Angelina Maccarone Professorin für Regie an der Filmuniversität Babelsberg.
„Wer nicht kotzen muss, wird Astronaut*in“ ist ihr Romandebüt.

Laura Wittner, Sebastián, Ilabaca (Illustr.): Eine wundersame Wanderung

Übersetzt von Nicolas Baier, Bohem, 40 Seiten, 20 Euro
ab 3

Der Sommer ist da mit herrlichem Wetter und so heißt es wiedereinmal: Auf in die Berge! Doch die Begeisterung dafür ist nicht bei allen Familienmitgliedern gleich groß. Der Vater und die jüngere Tochter lieben die Bewegung, die Anstrengung und die Aufregung der Naturentdeckungen beim Wandern. Der ältere Sohn wiederum hat dafür sein ganz eigenes, vor allem ganz anderes Tempo. Entschleunigt und voller Muße für die kleinen Details lässt er sich treiben, pausiert ausgiebig und genießt einfach das Draußensein. Am Ende des Tages hatten alle eine außergewöhnliche Begegnung mit einem Fuchs – jede*r auf seine Art. Mit viel Liebe zum Detail und großer Genauigkeit fängt Sebastián Ilabaca auch die leisen Natur- wie Gemütsstimmungen ein. Eine wunderschöne Einstimmung für den nächsten Ausflug, die kommende Reise! (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

Martin Muser: Leimboy

Carlsen 2026, 240 Seiten, 14 €
ab 14 

Als der 18jährige Robert mit dem Transitzug nach West-Berlin fährt, steht die Mauer noch, WG-Zimmer kann man im Tip für 180 Mark finden und die Garage am Nollendorfplatz verkauft Second Hand Klamotten zu Kilopreisen. Es ist 1987 und Robert sucht nach etwas, von dem er selbst noch nicht weiß, was das sein könnte, so lange es nur weit genug weg von seinem süddeutschen Vorortelternhaus geschieht. Dass ihm „das mit der Liebe“ bereits im Zug passiert, bemerkt er erst viel später, als er über eine arglose Jobsuche zufällig in die Ausbildung zum Tischler gestolpert ist. Irgendwo in der Nachbarschaft brennt Bolle, während in der Tischlerwerkstatt ein Chef sein Nachkriegstrauma mit Alkohol betäubt. Martin Muser führt uns mit seinem Antihelden Robert in ein Berlin, das parallel zu dem glorifizierten Punk der 80er Jahre passiert. Wieder einmal gelingt es diesem begnadeten Erzähler all das Glück, das Elend und den Witz eines nicht perfekten Alltags in Figuren zu gießen, die gleichermaßen berühren wie in Erinnerung bleiben. Ein Berlin-Roman, ein Bartleby der 1980er, für alle, die es erlebt haben und jene, für die es Geschichte ist. (Kerstin Follenius)

Das bestelle ich bei Dante!

Anne Berest: Vatertage

Übersetzt von Amelie Thoma und Michaela Meßner
Berlin Verlag 2026, 448 Seiten, 25 Euro

Eine unspektakuläre Geschichte, die es in sich hat. Anne Berests wortkarger Vater lebte für die höhere Mathematik und theoretische Problemstellungen. Häusliche Nähe und Familiengespräche interessierten ihn nicht. Seine Frau, selbst Wissenschaftlerin, managte alles und sicherte ihm „dolmetschend“ seine Privatsphäre. Doch etwas teilte er mit seinen Töchtern: seine Liebe zum Finistère (so der Titel im französischen Original), seiner rauen bretonischen Heimat. Die Bretagne bildet das Fundament für Berests literarisch-historische Spurensuche der väterlichen Familienlinie. Über ein Jahrhundert französische Geschichte von unten, aus der Perspektive ihrer bretonischen Vorfahren, erzählt sie. In kurzen Kapiteln schreibt sie vom Leben in der Provinz, dem Aufbegehren gegen die Pariser Vorherrschaft, gegen die Nationalsozialisten, vom Aktivismus in den 68ern, der Frauen- und Schwulenbewegung. Aber auch vom Aufstieg durch Bildung, von den persönlichen Liebes- und Lebensgeschichten ihrer Angehörigen. Ein Schatz, vier Tagebücher ihres Großvaters, lässt sie tief in deren Vergangenheit eintauchen, manch im familiären Schweigen Verborgenes tritt so zutage. Auch wenn Sprachlosigkeit das reale Vater-Tochter-Verhältnis dominierte, verwandelt Anne Berests Sprachkunst das Porträt ihres Vaters in eine facettenreiche kritische Liebeserklärung an ihn und schreibt gleichzeitig ihre spannende, berührende Mikrogeschichte nach der Postkarte fort. (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich bei Dante!

Amanda Lee Koe: Sister Snake


culturebooks 2026, 328 Seiten, 24 Euro

Die jahrhundertealte chinesische Legende der weißen Schlange dient als Folie des wunderbaren Romans Sister Snake von Amanda Lee Koe, kein Fantasy-Roman im eigentlichen Sinne, gleichwohl ein großartig lustvoll erzähltes Spiel mit Identitäten, Begehren und Vergänglichkeit.
Su und Emerald lebten einst in enger Verbundenheit als weiße und als grüne Schlange zusammen am schönen Westsee, bevor sie mit Hilfe eines Zauberlotus zu Menschen werden und ewige Jugend erhalten. Seit Jahrhunderten leben sie in Gestalt junger Frauen, Su inzwischen sehr wohlhabend, zum wiederholten Male verheiratet und angepasst in Singapur, Emerald hingegen führt in New York ein sehr bohèmehaftes Leben und kämpft ständig mit Geldsorgen und wechselnden Liebhaber*innen. Als Menschen brauchen sie Abstand voneinander, behalten sich aber über die große Entfernung immer im Blick, bis eine Zeitungsnotiz sie wieder zusammenführt  – anders als erwartet – zurück an den schönen Westsee.
Sister Snake erzählt klug und mit feinem Witz von bedingungsloser Sisterhood und den Zumutungen übergriffiger Liebe, von verschiedenen Hürden queerer Identitäten, von der Melancholie ewiger Jugend – in einer hervorragend eleganten und pointierten Übersetzung von Zoe Beck. (Katharina Bischoff)

Das bestelle ich bei Dante!

Samstag, 27. Juni

Herzliche Einladung zu einer poetisch-illustrativen Reise nach Brasilien!

Heute bin ich ein Horizont / Hoje sou um horizonte
Illustrierte Lyrik aus Brasilien
Lesung mit kleiner Illustrations-Ausstellung
Mit Leonardo Tonus & Lilli-Hannah Hoepner & special guests
Moderation: Martin Pflanzer
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wann? Samstag, 27. Juni 2026 um 19:00 Uhr
wo? Projektraum O45
Soli-Eintritt 8/10/15 Euro
Reservierung möglich per Mail an anmeldung@danteconnection.de
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Herausgeber Leonardo Tonus, Übersetzerin Lilli-Hannah Hoepner und Verleger Martin Pflanzer präsentieren die frisch erschienene Lyrik-Anthologie »Heute bin ich ein Horizont / Hoje sou um horizonte«. Gelesen werden Gedichte von elf brasilianischen Autor*innen, deren Lyrik erstmalig ins Deutsche übersetzt wurde. Begleitet wird die Lesung von Video-Rezitationen der Dichter*innen und Original-Illustrationen aus dem Buch in einer kleinen Ausstellung. Lesung und Moderation sind auf Deutsch mit einigen brasilianisch-portugiesischen Passagen.

Dienstag, 23. Juni

Werkstattgespräche #1
mit Lene Albrecht und Laura Lichtblau

Neben unseren Autor*innenlesungen wollen wir in der Dante ein neues Format starten, mit dem wir den Raum hinter dem Buch genauer in Augenschein nehmen. Den Auftakt zu dieser Reihe von Werkstattgesprächen machen wir mit den beiden Autorinnen Lene Albrecht und Laura Lichtblau. Beide thematisieren in ihren letzten Büchern Aspekte ihrer Familiengeschichten und schreiben gleichzeitig über einen konkreten Zeitraum deutscher Geschichte. Laura Lichtblau beschäftigt sich in ihrem Buch Sund mit der Rolle ihres Urgroßvaters im Nationalsozialismus, während Lene Albrechts Roman Weiße Flecken die familiäre Verflechtung mit der Kolonialgeschichte Togos in den Blick nimmt. Durch die Perspektive der eigenen Familiengeschichte ist eine distanzierte Recherche nach nüchtern wissenschaftlichen Kriterien kaum möglich und literarisch vermutlich nicht gewünscht. Wiederum gehören Generationenromane und Familiengeschichten  zu den gefragtesten Formaten im Buchhandel.

Am Anfang einer Geschichte steht oft eine Recherche, die je nach Inhalt, je nach Autor*in ganz unterschiedliche Wege nimmt. Über diesen Findungsprozess tauschen wir uns im Werkstattgespräch #1 aus mit Lene Albrecht & Laura Lichtblau.

Wann? Dienstag, 23. Juni, 20 Uhr
Wo? in der Dante
Eintritt/Spende 6 Euro

Sharon Dodua Otoo: So, in etwa, ist es gewesen

S. Fischer 2026, 144 Seiten, 22 Euro

Unerhört ist das. Otoos Protagonistin macht etwas, was sich die meisten Frauen und vermutlich noch mehr Schwarze Frauen angesichts unerträglicher männlicher und rassistischer Übergriffigkeit schon einmal gewünscht haben: sich einfach des Problems zu entledigen. Mühelos stranguliert die Schwarze Deutsche ihren penetrant gutmeinenden Chef auf einer heißen Autofahrt mit seinem eigenen Schal. Er hatte sich ihr, die in Zeitstress war, aufgedrängt, sie an die Lübecker Bucht zu fahren, wo sie zu einem privaten und gleichzeitig überaus politischen Treffen mit ihrer Mutter verabredet war. Amata steht zu ihrer Tat, aber sie steht auch ziemlich allein da. Selbst aktivistische Freund*innen und Kolleg*innen verurteilen ihre kompromisslose Radikalität. In der Nacht vor ihrer Gerichtsverhandlung schreibt sie in ihrer engen Zelle ohne Larmoyanz ihre Sicht des Hergangs der Ereignisse auf.

Dies ist kein klassisch erzählter Roman. Otoo kombiniert verschiedenste Texte, nicht nur Amintas Aufzeichnungen, sie bezieht sich auf Schwarze Autor*innen, historische Figuren, Ereignisse, auf Deutschlands Kolonialgeschichte, aber auch auf aktivistische Debatten, sie zitiert und kommentiert. Auf nur 140 Seiten gelingt der Autorin so das Kunststück, einen gedanklichen Raum zu schaffen, der das Entweder–Oder überwindet, keine Lösungen anbietet, statt dessen aufrüttelt und lange nachhallt. (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich bei Dante!