Miro Poferl: Das große Buch der Namen

Carlsen 2026, 64 Seiten, 15 Euro
ab 8

Die Nachnamen Müller, Lange und Heinrich zählen zu den wohl häufigsten in Deutschland. Aber wie wieso heißen eigentlich so viele Familien so? Ausgehend vom frühen Mittelalter erfahren Kinder, dass die Menschen in dieser Zeit immer mehr wurden und bei gleichen Vornamen dennoch unterscheidbar bleiben mussten. Hans, der ein Müller war, wurde deshalb Hans Müller. Den großgewachsenen Hans nannte man Hans, der Lange. Und Hans, den Sohn von Heinrich, riefen alle Hans Heinrich. Einen Müller gab es in fast jedem Ort, Großgewachsene gab es immer schon viele, und Heinrich war als Vorname mindestens so häufig wie Hans. Das erklärt, warum diese Familiennamen so häufig existieren. Außerdem blickt Miro Poferl thematisch in unsere Gegenwart sowie in andere Sprachen. Miro Poferl gliedert das großformatige Sachbuch anschaulich in kurze und übersichtlichte Texte, zugängliche Infografiken sowie humorvolle Illustrationen. Kinder mit sicheren Lesekompetenzen manövrieren bestens allein durch die Seiten. Es bietet sich aber ebenso an, mit der ganzen Familie zu schmökern. Nach der interessanten wie lehrreichen Lektüre schauen Kinder sicherlich genauer auf die Namen ihrer Mitmenschen. (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

Antje Damm: Agathe

Moritz 2026, 72 Seiten, 18 Euro
ab 6

Der sechsjährige Vater Antje Damms wünscht sich sehnsüchtig ein Haustier – was er leider nicht bekommt. Also besorgt der schlaue Junge seiner Mutter ein schönes Geschenk: eine Schildkröte. Agathe, wie er sie nennt, begleitet ihn bis ins Erwachsenenalter und wandert schließlich mit in seine eigene Familie, wo sie wiederum Teil von Antje Damms Kindheit wird und im Anschluss die ihrer eigenen Kinder – Schildkröten können sehr alt werden. Agathe ist heute vermutlich um die 80 Jahre. Antje Damm erzählt in einzelnen anrührend wie witzigen Episoden, wie die Schildkröte zum jeweils von allen geliebten Familienmitglied wurde. Gleichzeitig liest sich zwischen den Zeilen ein flammendes Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit Haustieren. Das Herausragende an den Geschichten ist in jedem Fall ihre ausgefallene Gestaltung. Im vergangenen Jahr wurde Antje Damm für ihr Gesamtwerk mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und mit Agathe erleben wir sie auf der Höhe ihrer Kunst. Der schmale Band vereint stilistisch alles, wofür die Künstlerin bekannt geworden ist. Fotocollagen wechseln sich mit Fließtextseiten, Comic Stripes und wimmelbuchartigen Doppelseiten ab. Die Übergänge sind fließend, das Buch in all seiner unterschiedlichen Aufmachung aus einem wunderschönen Guss. (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

J. P. Rose: Birdie

Übersetzt von J. Komina & S. Knuffinke, Insel, 400 Seiten, 16 Euro, ab 9

Birdie hat ihre Eltern nie kennengelernt und wächst in einem Kinderheim auf, wo sie Freundschaft und Zugehörigkeit erfährt – eine liebevolle Wahlfamilie. Umso überraschender kommt die Nachricht des Adoptionswunsches ihrer bis dato unbekannten Großtante. Tieftraurig, unsicher, aber auch neugierig bricht das Kind in ein kleines Dorf der englischen Provinz auf. Der Empfang der Großtante ist abweisend, in der Dorfgemeinschaft und Schule erfährt Birdie noch deutlich Schlimmeres. Einziger Halt wird Mr. Duke, ein Grubenpony, das jedoch selbst in großer Gefahr schwebt. Geschickt verortet. J.P. Rose die Geschichte über das Pony in der Transformation des Kohlebergbaus im Nachkriegsengland. Zudem stattet sie ihre Protagonistin mit viel Mut und Gerechtigkeitssinn aus und lässt sie aus der eigenen Not heraus zur Retterin des tierischen Freundes werden. Mit Birdie erfahren Kinder, dass das Erleben von Ungerechtigkeit, Wut und Kraft freisetzen kann, die wiederum zu einer Veränderung führen können. Wie es der Autorin dabei gelingt, kindgerecht das Thema Rassismus nicht nur schrittweise in ihre Erzählung einzubinden, sondern dies auch noch in einer diskriminierungssensiblen Sprache, die dennoch jede Verletzung erspüren lässt ist große Kunst – gesellschaftskritische Geschichtserzählung und spannender Schmöker in perfekter Balance!  (jk)

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Phoebe Wahl: Hexe Hazel

Übersetzt von Nils Aulike, Bohem 2025,  96 Seiten, 22 Euro
ab 4 

Hexe Hazel ist eine Figur, die man sofort ins Herz schließt. Ihre Pausbacken leuchten rot wie ihre Zipfelmütze. Sie ist tatkräftig, geduldig, aber auch mal mürrisch. Sie reitet keinen Besen, sondern fliegt auf Eule Otis. Darüber hinaus steckt die Magie ihrer Welt vor allem im Zauber der Natur. Kinder begleiten Hazel in vier Geschichten durch ein Jahr. So erleben sie den Wald in all seinen jahreszeitlichen Veränderungen und lernen Hazels Nachbarschaft aus Tieren, Wichteln und Elfen kennen. Und so vielen ist Hazel eine fürsorgliche Freundin, wie sie im Bilderbuche steht. Phoebe Wahl erzählt in klarer, eingänglicher Sprache vom freundschaftlichen Zusammenleben und lässt ihren Märchenwald dafür in nostalgischen Vintage-Farben strahlen.  (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

Tom Percival: Der Junge in den falschen Schuhen

Übersetzt von Martina Tichy, Rotfuchs 2025, 336 Seiten, 14,90 Euro, ab 11

Wills Schuhe sind nicht nur auf gar keinen Fall cool, sie sind richtig oll. Genau wie alle seinen anderen Sachen auch. In der Schule wird er gehässig Ramschladen gerufen. Er wohnt mit seinem versehrten und arbeitslosen Vater in einer Gegend mit einschlägigem Ruf. Das Zuhause bleibt oft kalt, der Kühlschrank leer. Das war nicht immer so, aber je länger dieser prekäre Zustand Alltag ist, desto dünnhäutiger wird Will. Und irgendwann helfen selbst die einzigen beiden Lichtpunkte, sein bester Freund Cameron und das Zeichnen, nicht mehr darüber hinweg und Will droht allen Halt zu verlieren. In jeder Zeile des eindrücklichen Romans für Kinder liest sich mit, dass Tom Percival aus eigener Erfahrung genau weiß, wovon er schreibt. Detailreich sind nicht nur die beschwerlichen Lebensverhältnisse beschrieben, sondern ebenso die Strategien des Kindes davon abzulenken – Scham als grundsätzliches Lebensgefühl. Dennoch ist das Buch keinesfalls erdrückend in seiner Problematik, es zeichnet sich vor allem durch eine genaue emotionale Vielseitigkeit aus: das Glück gute Freund*innen um sich zu wissen, die tiefe Ruhe, die sich beim Zeichnen einstellt, der Stolz sich trotz aller Schwierigkeiten integer zu behaupten. Und wer Tom Percival bisher eher als Illustrator kannte, dem sei gesagt, dass auch dieses Buch mit stimmungsvollen Zeichnungen aus seiner Hand versehen ist. (Jana Kühn)

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Nora Hoch: Das beste Versteck des Sommers

Illustriert von Susanne Göhlich, dtv 2025, 176 Seiten, 15 Euro, ab 9

… und jede Menge Himbeereis! Ja, Eis spielt eine große Rolle in diesem herrlich sommerlichen Roman für Kinder, der ebenso mit gefühlvollem Tiefgang aufwartet. Den einmaligen Geschmack von Himbeereis wird Oma Rosa ihr ganzes Leben nicht vergessen. Das Rezept ihres Vaters für Blaubeereis fällt ihr aber beim besten Willen nicht mehr ein. Überhaupt vergisst sie in letzter Zeit ziemlich viel. Ihre Enkelin Ada bemerkt diese Veränderungen wohl, vor allem aber hat sie den mahnenden Ton ihrer eigenen Mutter im Ohr, dass Oma Rosa jetzt „anders“ sei und vieles nicht mehr alleine schaffe. Muss sie ja auch nicht, sie hat ja Ada, und die würde sofort mit Oma Rosa in das italienische Bergdorf aufbrechen, in dem Oma Rosa aufgewachsen ist und wo sie ganz sicher, sagt Oma, das Eisrezeptebuch ihres Vaters versteckt hat. Ihre ältere Schwester Rike hat Ada schnell von der Reiseidee begeistert … ihre Mutter leider gar nicht. Doch es geht trotzdem los und es wird aufregend und es wird himbeereisgut. Nora Hoch hat als Theaterpädagogin und Dramaturgin ein untrügliches Gespür für lebendige Dialoge und einen erzählerischen Spannungsbogen, der en passant die Demenz der Großmutter und die damit einhergehenden Herausforderungen an eine Familie aufgreift. Wie Ada und Rike ihre Oma Rosa nach Italien bringen und was es mit dem Eisrezeptebuch auf sich hat, ist in jedem Fall eine vergnüglich leichte Sommerlektüre, die im Gedächtnis bleibt.  (Jana Kühn)

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Katherine Rundell: Impossible Creatures

Übersetzt von Henning Ahrens, Fischer SAUERLÄNDER 2025, 384 Seiten, ab 11

Wieder einmal sind die Ferien bei den Großeltern Ausgangspunkt großer Abenteuer … in diesem Fall im Norden Schottlands, wo sich Christopher natürlich nicht an das Verbot seines Großvaters hält, einen nahen Hügel zu erklimmen. Prompt öffnet sich dem außergewöhnlich tierlieben Jungen dort ein Übergang zu einer fantastischen Welt und er begegnet Mal, einem Mädchen, das vor einem Mörder flieht. Sie kann mit einem alten Mantel fliegen und beschützt einen jungen Greif – vielleicht den letzten seiner Art. Die Magie des Archipels scheint zu versiegen, etwas Dunkles steht bevor. Nicht nur der Greif, alle Fabelwesen sind in Gefahr, mit ihnen der gesamte Archipel. Allein das Unsterbliche verspricht Rettung, ist jedoch verschollen. Katherine Rundell vereint in ihrer enorm spannenden Trilogie Fabelwesen aus den Mythologien einmal rund um den Globus – eben Impossible Creatures. Neben Kindern sehr sicher bekannten Wesen wie Einhorn und Drache begegnen sie dem Al-mi’raj (ein gehörnter Hase), dem Lavellan (eine Art bösartige Spitzmaus) oder dem Mantikor (ein gefährlicher Löwe mit Skorpionschwanz). So entsteht mit dem Archipel eine Fabelwelt der Sonderklasse! (Jana Kühn)

Das bestelle ich bei Dante!

R. Engler, D. Jaspersen, M. Engelke (Illustr.): So geht schlafen, kleiner Wombat

mairisch, 32 Seiten, 18 Euro, ab 4 

Die ganze Nacht hat der kleine Wombat mit dem großen Wombat nach Herzenslust gespielt. Jetzt geht langsam die Sonne auf, die Spielzeit ist vorbei und die Schlafenszeit beginnt. Aber die Tunnel sind doch noch gar nicht fertig! schimpft der Kleine. Bevor es ins Bett geht, muss er dem Großen deshalb noch zeigen, was er alles kann: Rennen, Drehen, Fliegen, es wird ins Bett gerollt und das große Finale ist das Schlafen. Der liebevoll erdachte Vorlesespaß ist kleinen Tobern wie auf den Leib geschrieben und die eigenwillig krackeligen Bilder enden im schönsten Kuscheln, vielleicht ja sogar Einschlafen! Bei uns hat es bestens funktioniert – Dantes jüngster Testleser war hellauf begeistert und wurde wombatmüde zugleich. (Jana Kühn)

Das bestelle ich!

Jens Rassmus: Rosa und Bleistift

Edition Nilpferd, 40 Seiten, 18 Euro, ab 4

Am Ende eines Tages stellen Rosa und Bleistift fest, dass heute leider gar nicht mit ihnen gezeichnet wurde – wie schade! Staunend betrachten die beiden das toll zu Papier gebrachte Bild eines blauen Autos, das ohne sie entstanden ist. Ob das wohl fährt? Neugierig springt Rosa in das Bild hinein, um es auszuprobieren. Noch etwas ängstlich hüpft Bleistift hinterher und schon saust das blaue Auto durch die abenteuerliche Welt der Bilder. Farbenfroh und eintönig, schraffiert und lasiert, gepinselt und gestrichelt, minutiös gezeichnet und wild gekrakelt – in diesen collageartigen Tableaus passt alles herrlich oder wird von zwei mutigen Stiften fantasievoll passend gemacht. Und mit Fantasie geht es weiter – immer. (Jana Kühn)

Das bestelle ich!

Akiko Miyakoshi: Die kleine Spitzmaus 

Aus dem Japanischen übersetzt von Paula Weber und Nicola T. Stuart, Jacoby & Stuart, 80 Seiten, 14 Euro, ab 5

Mit einem hinreißenden Blick schaut diese kleine  Spitzmaus direkt vom Cover ins Herz ihrer Betrachter*innen. Die japanische Autorin und Illustratorin Akiko Miyakoshi erzählt uns in drei kurzen Geschichten aus ihrem Leben in einer großen Stadt mitten in einem menschlichen Umfeld. Hier gibt es Vintage ohne jeden Schick, dafür mit berückendem Charme: Telefonapparate mit Wählscheiben, Kofferradios, Röhrenfernsehgeräte und Ohrensessel, die Miyakoshi in warmem Licht geschickt in Szene setzt. Die Spitzmaus arbeitet, träumt und verbringt Zeit mit ihren besten Freunden. Alle Tagesabläufe, jede Handlung findet zu festen Zeiten statt. Es scheint kaum Besonderes zu geben, und doch strahlt sie eine in sich ruhende Zufriedenheit aus. Und ebenso unaufgeregt wirken die zahlreichen, mal farbigen, mal schwarz-weißen Illustrationen. Kinder, die es lieben, sich tagtäglich in vertrauten Bahnen und mit kleinen Ritualen durch die Welt zu bewegen, werden sich in diesem Buch bestens zuhause fühlen. In seiner einfachen Sprache, den kurzen Sätzen und dank der vielen Bilder funktionieren die Geschichten zum Vorlesen für Kinder im Kita-Alter, im Grundschulalter wiederum zum ersten Selbstlesen. Enjoy the simple things in life! Diese Spitzmaus zeigt, dass es weder Mut noch Ausnahmetalente zum Glück braucht. (Jana Kühn)

Das Buch bestelle ich bei Dante!