Lana Bastašić: Fang den Hasen

Aus dem Bosnischen von Rebekka Zeinzinger, S. Fischer Verlag 2021, 336 S., € 22,-
(Stand April 2021)

Ein Anruf reißt die Bosnierin Sara aus ihrem beschaulichen Dubliner Leben mit Freund und Avocadopflanze, in dem ein Nudist in der Nachbarschaft der Aufreger ist. 12 Jahre war Funkstille zwischen ihnen und nun verlangt ihre Kindheitsfreundin Lejla urplötzlich, dass sie sofort einfliegen müsse, um sie nach Wien zu fahren! Gnadenlos setzt Lejla ihr Lockmittel ein, ihren Bruder Armin, Saras heimliche Liebe, der im Krieg verschwunden war, und für den Saras Vater, serbischer Polizeikommandant damals keinen Finger rührte. Schon sind wir mittendrin in den Verwerfungen, die Nationalismus, Ethnien, Sexismus, Nepotismus … und der Krieg beförderten. Die Traumata dieser Zeit lassen sich, auch wenn Sara es woanders versucht hat, nicht abschütteln. Ohne Rücksicht auf Verluste führt Lejla ihr ihre Narben vor, nimmt Sara seltsame Dunkelheit in den Landschaften wahr. Während die ungleichen Freundinnen durch einen kaputten Balkan hin zu einem steril-sauberen Österreich fahren, tauchen als Coming-Of-Age-Geschichte vielschichtige Erinnerungen an Früher auf, an all die Risse, Schatten und Verletzungen, aber auch an ihr vitales Aufbegehren gegen die Verhältnisse.
Ein Debütroman voller unerwarteter Wendungen und Anspielungen auf die jugoslawische Geschichte, aber ebenso eine hinreißende rasante Roadnovel über zwei ungleiche Freundinnen. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Saša Stanišić: Herkunft

Luchterhand Literaturverlag 2019, 360 S., € 22,-, btb TB 12,-

(Stand März 2021)

Stanisic herkunftDanteConnection_Danteperle Was ist Herkunft, wo komme ich her? Nicht ein Geburtsort, eine Nation oder gar Nationalität. Herkunft – das sind Erinnerungen, Geschichten, Menschen. Die Großeltern, ein Dorf in den bosnischen Bergen, aus dem die Familie stammt, die Jungendfreunde an der ARAL-Tankstelle in der Hochhaussiedlung in Heidelberg, die erste Freundin, die Eltern, die in Deutschland nicht Fuß fassen, die Kindheit in Višegrad. Saša Stanišić flicht ein Netz aus Geschichten von vor und nach der Katastrophe des Krieges, der die Familie in die Fremde zwang und alle frühen Erinnerungsorte mit Gräuelnachrichten überschrieb, verwebt feinfühlig, flirrend, poetisch und doch klarsichtig und voller Witz Erinnerungen und Anekdoten, spricht von Sprache, Emigration, Scham und Ausgrenzung, von Zerrissenheit, Familie und Freundschaft. Kein „Zugehörigkeitskitsch“, sondern Zwischentöne.
Nachdenklich, erfüllt, berührt und auch heiter verfängt man sich und will immer noch mehr. Eine unbedingte Empfehlung! (Syme Sigmund) Leseprobe

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