Aus dem Englischen von Claudia Max, Hanser Verlag 2020, 288 S., € 17,-, TB dtv 2022, € 9,95, ab 10
(Stand September 2022)
Eerie-on-Sea ist ein Seebad mit rauem Klima und einem wilden Meer, das viel nimmt und einiges anspült. So wurde vor Jahren ein kleiner Junge in einer Zitronenkiste am Strand aufgefunden und im uralten Grand Nautilus Hotel aufgenommen, wo er, Herbert Lemon genannt, sich um die Fundstücke der Hotelgäste kümmern muss. Der geldgierige Hoteldirektor macht Herbie das Leben schwer, aber die Hotelbesitzerin, die alte Lady Kraken, scheint ein Auge auf ihn zu haben, obwohl sie ganz oben in ihrer Suite zurückgezogen lebt. Fast alle im Ort fürchten sich vor dem Malander, einem gruseligen Seeungeheuer, um den sich viele Geschichten ranken.
Es geht los, als ein Mädchen urplötzlich in Herbies Kabuff unter der Hotelhalle auftaucht und ihn bittet, sie zu verstecken. Als von oben laute Stimmen zu hören sind, versteckt Herbie sie in einem Schrankkoffer, und dann beginnt eine ungemein spannende phantastisch-schaurige Abenteuer- und Detektivgeschichte, die es in sich hat. Der nachdenkliche liebenswerte Held und die coole draufgängerische Heldin entwickeln sich zu einem – ganz nebenbei auch vielfältigen – Dreamteam und sorgen für atemloses Lesevergnügen. (Stefanie Hetze) Leseprobe

Allseits bekannt sind Pippi und Michel, Lotta oder die Kinder von Bullerbü. Aber Astrid Lindgren hat auch wundervolle Märchen geschrieben. Da wird Göran, der nicht laufen kann, von Herrn Lilienstengel mit ins Land der Dämmerung genommen, wo alles „keine Rolle spielt“, da tauchen die Zwergenkinder Peter und Petra in der Schule und ein sprechender Kuckuck Lustig im Kinderzimmer auf, und ein Junge kämpft gegen Räuber im Puppenhaus seiner Schwester. Alle Geschichten sind voller Fantasie, mal geheimnisvoll, mal lustig, oft schleicht sich Magisch-Mystisches in eine bisweilen triste Alltagswelt, und viele der Geschichten sparen – ähnlich wie Lindgrens Klassiker „Mio mein Mio“ und „Die Brüder Löwenherz“ – Themen wie Armut, Krankheit und Tod nicht aus. Freundschaft, Mut und Hilfsbereitschaft sind die Werte, welche die überzeugte Humanistin zu vermitteln wusste. Die wundervollen Illustrationen von Ilon Wikland lassen das Buch zu einem bis ins Erwachsenenalter geliebten Klassiker werden – das Exemplar aus meiner Kindheit steht jedenfalls noch bei mir im Regal. (Syme Sigmund)
Der junge Autor und Fotograf Johny Pitts hat sich auf eine Reise durch Europa begeben, um nach den „afropäischen“ Schwarzen des Kontinents zu suchen, jenen, die – wie er selbst – ihre Wurzeln und ihre kulturelle Prägung hier sehen und sich gleichzeitig ihrer afrikanischen Wurzeln sehr bewusst sind, ein schwarzer Backpacker auf der Suche nach dem Europa, das er als sein eigenes erkennen kann. Pitts trifft in Paris Intellektuelle, Künstler und Autoren, besucht in Brüssel ein Zentrum der Afrosurinamischen Community, die junge schwarze Akademiker unterstützt, versucht mit den Bewohnern der verarmten Vorstädte in Frankreich, Amsterdam oder Lissabon ins Gespräch zu kommen und gerät in Berlin mitten hinein in eine Antifa-Demo. Er reflektiert über Rassismus in Schweden, untersucht in Moskau die Wandlung von einer einst toleranten in eine fanatisch fremdenfeindliche Gesellschaft, sucht an der
Im Frühjahr 1918 feiern zwei innig-unzertrennliche Freundinnen ihr Abitur in einer Konditorei in der Berliner Uhlandstraße. Beide verabscheuen den Krieg, Grete als Sozialistin und Patience steht dank ihrer englischen Mutter und ihres deutschen gefallenen Vaters sowieso zwischen allen Stühlen.
1945 kehrte die jüdische Journalistin als Angehörige der amerikanischen Armee zurück in das Land, aus dem sie brutal vertrieben worden war. Ihr Auftrag war die „Um-Erziehung“ von Frauen und Kindern. Die Entscheidung, diese Aufgabe im Land der Täter anzunehmen, fiel ihr schwer, aber sobald sie an den Neubeginn mit den Kindern dachte, gab es kein Zurück. Sofort entwickelte sie die Idee einer Internationalen Kinderbuchausstellung, sammelte in den USA Gelder und überzeugte weltweit Kinderbuchverlage, ihre Bücher zu spenden. Es war ein grandioser Erfolg, auf dem sich die energische Mrs. Lepman nicht ausruhte. Stattdessen nahm sie die Wanderausstellung, die die deutschen Kinder und Erwachsenen erstmals mit der Fülle und Vielfalt der Kinderweltliteratur vertraut machte, als ersten Baustein einer internationalen Kinderbibliothek in München, die bis heute enorme Strahlkraft hat.
Großes Kino gleich zu Beginn: Nicola zielt vor Angst triefend mit einem Gewehr auf seinen geliebten älteren Bruder Lupo, der keine Miene verzieht. „Der Große Krieg war auch bis hierher in diese Hügel gekommen…“ in diesen Ort armer Schlucker in den Marken. Nicola überwindet sich, schießt und rettet Lupo vor der Einberufung.

Samuel ist ein Kind, das wenig spricht und viel versteht, so wie seine Mutter Florentine, die ihrem Mann Hannes aufs Dorf in den rumänischen Banat gefolgt ist. Sie sind Teil der deutschsprachigen Minderheit, und so wird Samuel irgendwann mit seinem Freund Oz vor der erdrückenden Atmosphäre des Regimes nach Deutschland fliehen, und seine Liebe Sana zurücklassen. Doch das wird später sein, noch ist er jung und liebt die Tage bei seiner Großmutter Karline, die der Monarchie hinterhertrauert und doch ganz im hier und jetzt das Kind so gut begreift. Iris Wolff versteht es mit wenigen, präzise gesetzten Worten eine ganze Welt zu erschaffen. So entfaltet sich in aus den unterschiedlichsten Perspektiven erzählten Episoden die Geschichte des Banats von der Vorkriegszeit bis heute, verbinden sich die Leben von vier Generationen im Geflecht einer poetisch-schwebenden Sprache, deren Worte noch lange nachklingen und wie seltene Blüten festgehalten werden wollen. (Syme Sigmund)
Alle Leser*innen kennen es: Ein Buch beginnt und das erste Kapitel ist einfach unglaublich. Man könnte meinen, das Buch ist schon allein der ersten Seiten wegen lesenswert. Dann liest man weiter und der Text bleibt spannend, die Sprache einzigartig, die erzählten Ereignisse mal brutal, mal lustig, mal tragisch, der Ton mal zärtlich, mal roh und immer sehr ernst.