Fatma Aydemir: Ellbogen

Hanser 2017, 272 S., € 20,00, TB dtv 2018, € 10,90
(Stand Mai 2023)

Aydemir_25441_MR1.inddDie junge Weddingerin Hazal Akgündüz wehrt sich. Sie will leben, lieben, frei sein. Ganz anders ihre Realität: keine Perspektive und zu Hause den konservativen Eltern Tee servieren müssen. Nur mit Tricksereien gelingt es ihr, ihren 18. Geburtstag mit Freundinnen zu verbringen. Gemeinsames Auftakeln und Wodkakippen und dann ab in den Club gestöckelt. Anders als die westlichen Ausländer dürfen sie nicht rein, alles ist versaut. Gedemütigt und betrunken wissen die jungen Frauen nicht wohin. Es kommt zu einer Begegnung mit einem blöden Jutebeutelträger, die so extrem eskaliert, dass Hazal in Istanbul, wo sie noch nie war, untertauchen muss.
Mit umwerfender Direktheit und Nuancenreichtum erzählt Fatma Aydemir von der Wut junger Deutschtürkinnen die ohne Chance auf eine eigene Lebensperspektive sich eben nicht ducken wollen. Großartig! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Naira Gelaschwili: Ich bin sie

Aus dem Georgischen von Lia Wittek, Verbrecher Verlag 2017, 169 S., € 22,00
(Stand April 2021)

CoverDie erste große Liebe ist immer ein Füllhorn neuer Gefühle, Gedanken und Erfahrungen. Aber das, was der 12jährigen Nia widerfährt, sprengt diesen geradezu abscheulich faden Gemeinplatz und in derart intensiv verdichteter Prosa hat man selten nur über dieses erste große Staunen des Herzens gelesen. Und Naira Gelaschwili lässt Nias Herz bei weitem nicht nur staunen: es windet sich, wimmert und vibriert, weiß nicht wohin und wie. Der junge Mann im Haus gegenüber bleibt dennoch unerreichbar fern. Man möchte dieses Mädchen in die Arme schließen … Ach Kind, es wird nicht einfacher, aber doch irgendwie leichter, mit der Zeit! In Zeiten der mächtig dicken Bücher ein beglückendes Kleinod und eine sehr lesenswerte Entdeckung aus dem Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018. (Jana Kühn) Leseprobe

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Freitag, 17.2.2017 um 20.15 Uhr

Raymond Queneaus „Stilübungen“mit Frank Heibert & Hinrich Schmidt-Henkel

queneau-stiluebungen-dante-connection-buchhandlung-kreuzberg-berlinIn einem Pariser Bus der Linie S beschimpft ein junger Mann mit Hut einen älteren Herrn, setzt sich dann auf einen freien Platz und taucht zwei Stunden später an der Gare Saint-Lazare wieder auf, wo einer ihm sagt, sein Überzieher habe einen Knopf zu wenig. Die Stilübungen bilden das Kunststück, diese Alltagsepisode in über hundert Varianten zu präsentieren – ob als Komödie, Sonett, Haiku, Traum, Amtsschreiben oder Verhör, in Alexandrinern oder Jugendstil, ob kulinarisch, mengenmathematisch, lautmalerisch, weiblich oder reaktionär.

Raymond Queneaus populärer Klassiker ist ein fintenreiches Sprachspiel, Danteperle und ein nicht zuletzt ein überbordendes (Vor)Lesevergnügen, das uns von seinen beiden Übersetzern Frank Heibert & Hinrich Schmidt-Henkel präsentiert wird.

Vorverkauf 8 € / 5 €
Abendkasse 10 € / 7 €

Lauren Child: Bleibt der jetzt für immer?

Aus dem Englischen von Saskia Heintz, Hanser 2016, 32 S., € 14,-, ab 4
(Stand März 2021)

Child_25297_MR.inddElmore ist ein Einzelkind – und das findet er super! Es gibt nur seine Spielsachen, seine Lieblingsfilme und seine Geleebohnen am liebsten in Orange – und das soll auch so bleiben. Doch eines Tages ist da plötzlich ein Geschwisterkind, das alle scheinbar viel lieber mögen, das alles darf und das nur, weil es doch noch so klein ist. Und zurückgeben kann man es nicht, sagen Mama und Papa … Elmore ist ratlos,  traurig und auch ein bisschen wütend, doch dann eines Nachts wendet sich das Blatt. Liebevoll, humorvoll und mit den Kindern ganz auf Augenhöhe wird hier von den Sorgen und Nöten großer Geschwister erzählt – aber eben auch von dem ganz großen Glück! (Jana Kühn)

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Saphia Azzeddine: Bilqiss

Aus dem Französischen von Birgit Leib, Wagenbach 2016, 176 S., TB 2017, € 10,90
(Stand April 2021)

azzedine_bilqiss_danteperle_danteconnection Der jungen Witwe Bilqiss wird der Prozess gemacht. Nach dem Tod ihres Mannes war die alleinstehende junge Witwe schon lange ein Dorn im Auge der Dorfbevölkerung, doch nachdem sie statt des sturzbetrunkenen Muezzins zum Morgengebet ruft, trifft sie deren Hass mit voller Kraft. Statt um Gnade zu flehen, kontert die blitzgescheite und koran-feste Bilqiss jedoch ohne Anwalt und mit viel Biss den immer absurderen Vorwürfen, die angeblich allesamt auf der heiligen Schrift beruhen. Der wütende Mob fordert ihre Steinigung. Doch das Urteil zieht sich hin, denn der verhandelnde Richter kann sich Bilqiss‘ kluger Schlagfertigkeit kaum mehr entziehen. Derweil übertragen Smartphones den Prozessverlauf in die weite Welt, woraufhin eine junge Journalistin aus den USA anreist, um von DER Geschichte zu berichten. So ist der sehr lesenswerte Roman bei weitem nicht nur Islam-Kritik, sondern hält ebenso westlicher Arroganz den Spiegel vor. (Jana Kühn)

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Liza Cody: Miss Terry

Aus dem Englischen von Grundmann & Laudan, Ariadne 2016, 288 S., € 17,00
(Stand April 2021)

cody_missterry_danteperle_danteconnectionNita Tehri ist alleinstehend, arbeitet als Grundschullehrerin und zahlt eine Eigentumswohnung in einer fast schon bürgerlichen Ecke Londons ab. Nach einer großen Auseinandersetzung mit ihrer pakistanisch-stämmigen Familie bemüht sie sich am ehesten darum ihr neues Gewicht zu halten, 8jährige Messerstecher zu bändigen und die ignorante Falschaussprechung ihres Namens milde zu überhören: Miss Terry. Doch dann passiert etwas Mysteriöses, das Nitas Leben völlig aus der Bahn wirft. In einem Baucontainer vor Nitas Haus wird eine dunkelhäutige Babyleiche gefunden, und für alle Nachbarn, die Polizei und die Presse steht fest, dass sie – als einzig dunkelhäutige Frau der Nachbarschaft – die Mutter des Kindes sein muss. Wie Nita gegen die haltlosen Anschuldigungen kämpft, ist eine harte Geschichte über Diskriminierung, Sexismus und Rassismus. Doch Liza Cody erzählt sie mit so viel Zuneigung für ihre Protagonistin, mit kriminalistischem Gespür und so viel Witz auch, dass man die ganze Zeit lesend fiebert: Klärt das doch endlich auf! (Jana Kühn)

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Mathias Énard: Der Alkohol und die Wehmut

Aus dem Französischen von Claudia Hamm, Matthes & Seitz 2016, 106 S., € 16,-
(Stand April 2021)

enardMathias Énard kann alle Formate, den großen komplexen Roman wie die kleine verdichtete Literatur. In „Der Alkohol und die Wehmut“ erzählt er auf kaum 100 Seiten vom sehr jungen Mathias, der versucht,  mit Hilfe von Alkohol und Drogen Schriftsteller zu werden. Er folgt seiner Liebe Jeanne nach Moskau und gerät dort in einen heftigen Beziehungs- und Liebestaumel mit ihr und ihrem Geliebten Wladimir. Rauschhaft erinnert sich der Erzähler während der ereignislosen Bahnfahrt gen Sibirien, in der er die Leiche seines Freundes und Rivalen nach Hause begleitet, an ihre Liebesexzesse, seine Eindrücke von Reisen durch Russland, die Gespräche über die Literatur, seine Verzweiflung und seine Faszination. Meisterlich verwebt er all diese Erinnerungsspuren zur Bewusstseinsbildung eines werdenden Schriftstellers. (Stefanie Hetze)

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Adam Broomberg & Oliver Chanarin: Menschen und andere Tiere

Kehrer 2016, € 24,90, ab 6 und für alle
(Stand April 2021)

menschen_und_andere_tiere_danteperle_danteconnectionEinen ganz besonderen Alphabetreigen haben sich die beiden Fotokünstler Broomberg & Chanarin ausgedacht. Kurios seltsame, schräge oder auch einfach saukomische Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Getty Archiv, London kombinieren sie mit Gebärdensprache und einer wild um die Ecke gedachten Beschreibung in einem Layout in knalligen Sonderfarben. Das regt unter so vielen verschiendenen Gesichtspunkten an, dass garantiert die ganze Familie viel Gespräch & Spaß damit haben wird.

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Niklas Maak: Atlas der seltsamen Häuser und ihrer Bewohner

Hanser 2016, 256 S., € 22,-
(Stand April 2021)

Kreuz und quer in Westeuropa und an einigen Orten in Japan, Kenia, den USA, Kanada und Mexiko hat der Architekturkritiker außergewöhnliche bis bizarre Häuser aufgetan, mit denen Menschen ihre ganz besonderen Vorstellungen vom Wohnen verwirklichen wollen. Es sind berühmte Gebäude von Prominenten dabei wie Monica Vittis und Michelangelo Antonionis sardisches Versteck, eine Kuppel, oder Cy Twomblys Burg, aber auch besondere Hütten, Bungalows, Ferienhäuser und Gebäude Unbekannter. Ob wohl diese wahren Kleinode, Größenwahnobjekte und Paradiese den Träumen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner gerecht werden? Äußerst kurzweilig gibt Maak Antworten darauf.

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Ute Krause: Im Labyrinth der Lügen

cbj 2016, 288 S., € 14,99, TB 2018, € 8,99, ab 10

(Stand März 2021)

 

Paul lebt bei seiner Oma und seinem Onkel Henri, Nachtwächter im Pergamonmuseum, denn seine Eltern sitzen wegen versuchter Republikflucht im Gefängnis – man schreibt das Jahr 1984 in Berlin. Bei einem Besuch im Museum hören Paul und seine Freundin Milli seltsame Geräusche und Schritte. Steckt da ein Dieb dahinter? Und warum verhalten sich Onkel Henri und Oma so seltsam? Und wer ist der geheimnisvolle Fremde? Ein superspannender Kinderkrimi der im Vorbeigehen viel über die deutsche Vergangenheit erfahren lässt. Top!

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