Moritz Verlag 2019, 48 S., € 14,-, ab 4
(Stand März 2021)
Vor 50 Jahren betrat der erste Mensch den Mond und wer weiß, was in noch einmal 50 Jahren alles möglich sein wird. John Hare hat dieser Frage in seinem großartigen Bilderbuchdebüt nachgespürt: Ein Kinderspiel könnte es sein oder nun gut . . . ein Schulausflug. Schon auf der ersten Seite unterscheidet sich ein Kind trotz uniformer Raumanzüge deutlich von der Gruppe. Eine große Packung Zeichenstifte hat es dabei, bleibt bei den Erkundungen zurück und wird prompt bei der Abreise vergessen. Mit wie viel Komik, Emotion und dabei ganz ohne Worte von dem nun beginnenden Abenteuer erzählt wird, ist ganz großes Bilderbuchkino! (Jana Kühn)

Am liebsten verkriecht sich Andrea in einem großen Karton in seinem Kinderzimmer. Und zwar mit seinem besten Freund, einem in die Jahre gekommenen Kaninchen namens Maikel. Viel geredet und gemacht wird da zwar nicht, aber Andrea braucht ohnehin viel Zeit für sich und Rückzugsmöglichkeiten. Als sein alleinerziehender Vater eines Tages
Der Schriftsteller und Segler Simone Perotti ist im gesamten Mittelmeer zu Hause, er hat in diesem Band seine ganz persönliche Auswahl bekannter und unbekannter Inseln zusammengetragen: 42 Stück Land im Wasser, die für Abgeschiedenheit, Unabhängigkeit, Kämpfe, Rettung, Übergang stehen. In seinem Atlas, der in der schönen Gestaltung die Farben des Mittelmeers aufgreift, erzählt er kulturhistorisch und literarisch von den Inseln und ihren Eigenarten und lädt uns ein, mit ihm ihre besonderen Sphären zu erkunden. (Stefanie Hetze)
Ein Meister seines Fachs muss er gewesen sein, mehr ist über den Erschaffer von Philipp Bloms Geige nicht bekannt. Doch die Frage lässt ihn nicht los – wer war der unbekannte Geigenbauer? Stammte er aus Süddeutschland? Ging er noch als Kind nach Venedig um dort sein Handwerk zu lernen? Blom nimmt uns mit ins frühe 18. Jahrhundert und erzählt spannungsreich und unterhaltsam vom Leben der Handwerker und den europaweiten Handels- und Migrationsrouten jener Zeit. (Syme Sigmund)
Shayan, 18, beobachtet einen Mord in einem Ferienhaus. Beim Versuch, dem Opfer noch zu helfen, hinterlässt er aus Versehen seine Fingerabdrücke, und zu Hause liegt auch noch ein ungeöffneter Brief, wahrscheinlich der Abschiebebescheid, denn Shayan kommt aus dem Iran und hatte Asyl beantragt. Zusammen mit Davy (8 Jahre, aus einem Heim entwischt) haut er ab, auf der Flucht vor der Polizei und den wahren Mördern. So beginnt ein rasant-skurriler Roadtrip, von der Ostsee über Berlin und den Rhein bis nach Bayern, erzählt von Shayan selbst, dem Deutschland, seine Eigenheiten und seine Sprache noch reichlich viele Rätsel aufgeben, und in dem Kühe, Kaninchen, Wurstgulasch und das Mädchen Lotta keine unwesentliche Rolle spielen. Dass die jungen Leser nebenher nicht nur viel über den Iran und die Situation der dort lebenden Jugendlichen erfahren, sondern auch Deutschland mit anderen Augen zu sehen lernen, ist ein schöner Nebeneffekt dieses höchst komischen und doch viel Ernsthaftes enthaltenden Romans. (Syme Sigmund)
Italien ist seit jeher von unendlichen Strömen Reisender von Nord nach Süd beschrieben worden, das Land scheint komplett auserzählt zu sein. Was für eine Überraschung ist es dann, mit dem vor kurzem übersetzten Buch des Reiseschriftstellers Paolo Rumiz eine der letzten unbekannten Terrains Italiens zu entdecken! Mit wechselnden Begleitern und unterschiedlichen Booten ist er
Verflixt- Finn fährt alleine mit dem Zug von seinem Vater zu seiner Mutter nach Berlin und dann wird ihm ausgerechnet sein Rucksack geklaut. Das musste der komische Typ, der ihn vollgequatscht hatte, gewesen sein. Jetzt hat er weder eine Fahrkarte noch Geld noch ein Handy. Statt ihm zu helfen, schmeißt ihn der mehr als unfreundliche Schaffner in Oranienburg aus dem Zug und übergibt ihn der Polizei. Auch die hört ihm nicht richtig zu, wieder kommt von der Erwachsenenseite keine Spur Hilfe. Zum Glück trifft er auf Jola, die auch in die „Tzitti“, also Berlin, will und ein bisschen Geld, vor allem aber jede Menge Mut und Ideen hat.
Betty – Mitte Vierzig, nie angekommen im Leben, eher immer noch Jugendliche kurz vor dem Absturz als gestandene Frau -zögert nicht lang, als ihre Uraltfreundin Martha sie bittet, sie zu begleiten – ihr todkranker Vater will in die Schweiz gefahren werden, er hat einen Termin, übermorgen, Sterbehilfeinstitut. Zu dritt brechen sie auf, doch nichts bleibt, wie es scheint und auch Betty hat einen Vater im emotionalen Gepäck, einen italienischer Stiefvater, der einzige, den sie je liebte und der verschwand, als sie zehn Jahre alt war. Wie es weiter geht in Italien und schließlich in Griechenland mit dieser rasanten Road-Novel voller überraschender Wendungen, in der viel geraucht und noch mehr getrunken wird und beide Väter noch so einiges zu melden haben, erzählt Lucy Fricke mit herrlich trockenem Humor und viel geistreicher Ironie. Ein höchst amüsantes Buch, bei dem am Schluss – doch, das auch – die Träne im Augenwinkel steht. (Syme Sigmund)
Eine Frau fährt wenige Monate nach dem Tod ihres Gefährten nach Italien in einen kleinen abgelegenen Ort in der Nähe Roms. Es ist Winter, kalt und leer. In langen Erkundungsgängen schaut sich die Erzählerin das genau an, was sie vorfindet: das Dorf, die Gassen, die wenigen Menschen, die Hügel, den Friedhof. Immer weiter vertieft sie sich in das sie umgebende Gelände. Erinnerungen werden wach an zahlreiche Italienreisen mit dem auch verstorbenen Vater, einem leidenschaftlichen Kenner der etruskischen Kultur, Liebhaber italienischer Mosaiken und Landschaften. Viel seines detaillierten Wissens hatte er an seine Tochter weitergegeben. Immer weiter dehnt die Autorin ihren Radius aus, unternimmt Ausflüge, streift einige Zeit durch die vom Wasser bestimmte, sich ständig verändernde Lagunenlandschaft des Podeltas und fächert so ein Italien fern der Klischees auf. Natürlich ist es ein Buch der Trauer angesichts des Verlusts, aber dank Esther Kinskys präzisem Blick und ihrer ungemein reichen Sprache eine außerordentliche Leseerfahrung und nicht zuletzt ein wunderbares Buch über ein Italien, wie es wirklich ist. Hain hat den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 erhalten!! (Stefanie Hetze)