Eine Weltgeschichte für Kinder. Illustriert von Neil Packer. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz, Rowohlt 2018, 128 S., € 20,- ab 10
(Stand März 2021)
In der Schule geht es meist nur um die Geschichte Europas. Aber lassen sich so globale Zusammenhänge verstehen? Nein, findet Peter Frankopan und wendet den Blick gen Osten, zu frühen Hochkulturen und fernen Handelswegen. Ausgehend vom alten Mesopotamien und begleitet von wunderschönen Illustrationen führt der Autor durch die Jahrhunderte, erzählt von Handel und Austausch, Religionen, Krankheiten und Kriegen bis in die Neuzeit. Kundig & wunderschön gestaltete Ausgabe! (Jana Kühn)

Hund Samson und Kater Roberto sind bettelarm und hungrig. Als Samson eine Pension am Meer erbt, machen sich die beiden Freunde auf, dort ihr Glück zu versuchen. Was sie erwartet ist eine Bruchbude, in der es spuken soll, doch voller Elan und Ideen machen sie sich ans Werk und können bald die ersten Gäste begrüßen.
Die schwedische Kinderbuchmacherin Pija Lindenbaum ist bekannt für ihren unverfälschten wie fröhlichen, immer ein bisschen frechen Blick in Kinderwelten. Mit einem ebensolchen hat sie sich in ihrem neuesten Bilderbuch den Themen Flucht und Migration gewidmet, die sie in eine farbenfrohe Hunde-Fantasie-Welt verlegt. Dort leben drei Hunde auf einer ziemlich schönen Insel. Aber dann regnet es so lange nicht, bis sie nur noch eine Kartoffel haben und es wirft auch noch jemand einen großen Stein in ihren Pool. Sie können dort nicht bleiben, müssen fort. Wie die Drei ihre Insel über das Meer verlassen, erzählt Lindenbaum ohne zu beschönigen in allen Gefahren und Entbehrungen – bis endlich Land in Sicht kommt und damit auch die Pudel und davon gibt es wie im echten Leben nette und blöde. Viele Bilderbücher haben sich an der Thematik versucht. Dieses ist herausragend in seiner Direktheit vom Wunsch nach einem Zuhause zu erzählen, die anrührt und dabei viel Mitgefühl, Hoffnung und Gesprächsbedarf wecken wird. (Jana Kühn)
In seiner spanndenden Geschichte der Stadtarchitektur spannt Lampugnani einen Bogen von mittelalterlichen Stadtgründungen über Stadtplanungen in der Renaissance und dem Barock bis hin zu den Urbanisierungen in der Moderne. Die Architektur u.a. italienischer Stadtstaaten, der Neuordnung Roms im 16. Jahrhundert, von Paris, Lissabon, London, Barcelona, sizilianischen Städten, von Wien und Berlin (!) werden in ihren Besonderheiten kenntnisreichst dargelegt. Die meist großformatigen farbigen Bilder, Architekturfotos und Pläne laden überdies ein, sich mit Gewinn und Genuß der abendländischen Städtebaukunst zu widmen. (Stefanie Hetze)
Da möchte man gar nicht mehr aufhören zu Singen, so groß ist die Lust in diesem opulenten, wunderschön illustrierten, großformatiger Band zu stöbern und zu blättern. 166 Volkslieder sind hier versammelt, nach Themen sortiert, mal heiter, mal beschaulich oder feierlich – und auch Lieder zur Weihnachtszeit fehlen nicht. Zu allen Liedern gibt es Noten und Begleitakkorde sowie den Text aller Strophen. Auf der beiliegenden CD erklingt die Begleitung mit klassisch-akustischen Instrumenten, was das Singen bekannter und das Entdecken neuer Lieder für Groß und Klein zu einem wohlklingenden Kinderspiel macht. (Syme Sigmund)
Der Journalist Niklas Maak und die Künstlerin Leanne Shapton laufen in zwei Tagen durch Manhattan. Ihre Route führt sie auf direktestem Weg von der Süd- zur Nordspitze der Insel, vom Financial District durch Chinatown und Little Italy, über den Centralpark und die Upper Westside bis dorthin, wo Manhattan noch Berge, Wälder und Schluchten hat, wo nur noch Spanisch zu hören ist und man sich in einer lateinamerikanischen Metropole zu sein wähnt. Maak protokolliert, was er sieht, sowohl unscheinbare, beiläufige Details als auch interessante oder kuriose Geschichten von Menschen, die ihnen begegnen und Orten, an denen sie vorbeikommen. Shaptons zunächst fast abstrakt wirkende Aquarelle, die mit dem Text verwoben scheinen und diesen ebenbürtig ergänzen, sind Impressionen ihres Weges, mal das Muster des Straßenpflasters oder eines Gitters, mal ein vergessener Pappkarton oder ein Straßenschild. Den Weg der beiden kann der Leser zudem auf einer beigefügten Karte verfolgen. Ein rundum gelungenes Buch, bei dem sich am Ende aus vielen Fragmenten ein rundes Ganzes ergibt, und dem der wunderschön gestaltete Einband mit Reliefprägung das i-Tüpfelchen verleiht. (Syme Sigmund)
Die Autorin und Illustratorin Anne Brouillard entführt uns in den großen Wald, eine geheimnisvolle Landschaft im fernen Land der Fantasie: Chintia. Dort beginnt eine abenteuerliche Reise damit, dass der Hund Killiok den roten Zauberer Varin von Drunter vermisst. Mit seiner Freundin Veronika macht er sich auf die Suche nach dem zaubernden Freund. Keine leichte Aufgabe, denn im Großen Wald wartet so manche Überraschung. Vermisste Mooskinder, fliegende Sahneschläger und düstere Schwarzmäntler sind nur wenige Details der schier überbordenden Fantasie der Belgierin. Brouillard wechselt zwischen großzügigen Illustrationen, längeren Textstrecken und Comicstripes, wodurch auch für ganz unterschiedlich alte Kinder ein gemeinsames Vorlesevergnügen entsteht. Ebenso ungewöhnlich wie diese Form ist der traumverloren anmutende Stil der Belgierin. Mit dem detailgetreuen Kartenmaterial und den gezeichneten Zeitungsausschnitten betont sie die unzweifelbare „Echtheit“ ihrer märchenhaften Welt, die Kinder begeistern wird – auch und gerade in ihren fast gruseligen Momenten. (
Ja, endlich Sommer! Auch die Böckchenbande geht nun das erste Mal ins Schwimmbad. Eine aufregende Angelegenheit: erst Duschen, dann Badesachen an und endlich, endlich könnte es direkt auf die Riesenrutsche und ab ins Wasser gehen. Aber nee, der böse, dumme Troll ist auch da, stänkert rum und lässt keinen auf die Leiter. Alle Kinder schleichen sich lieber weg … Nur die Böckchen haben eine mutige Idee, wie sie den Troll austricksen können. In diesem schrägen Bilderwusel gibt es garantiert an die tausend Sachen zu entdecken, wobei die für unsere Bilderbuchaugen wohl ungewöhnliche Filz- und Farbstiftoptik perfekt zum frechen Erzählton der spannend witzigen Schwimmbadstory passt. Fazit: Herrlich durchgeknallte Sommergeschichte aus Norwegen trifft auf mutigen deutschen Kinderbuch-Verlag! (Jana Kühn)
Unzählig sind wohl die Bücher, die von der Natur übers Jahr in all ihren Veränderungen erzählen. Aber es ist eben doch ein kleines großes Wunder, das Kinder immer wieder begeistert. Umso mehr, wenn es so anschaulich, wunderschön und gleichzeitig furios witzig erzählt wird wie von Carson Ellis. In klarer Bild- und lautmalerischer Fantasiesprache (Wazn Teez?) beschreibt sie das Wachsen, Gedeihen und Vergehen einer Blume, die in dieser Metamorphose von kurios fantasievollen Insektenfiguren begleitet wird und mit ihnen gemeinsam so einige Abenteuer erlebt. Die Bilder selbst sprechen schon wunderbar für sich und so kommen nur noch wenige Worte zum Einsatz – aber wie! Dank des Übersetzerpaares Jess Jochimsen & Anja Schöne entpuppt sich der Bilderbuchspaß zum Schauen und Staunen als grandioser Vorlesespaß. (Jana Kühn)