Einaudi 2020, pp. 128, ca. € 15,-
(aggiornato marzo 2021)
Patrizia Cavalli come Elsa Morante, Patrizia Cavalli come Sandro Penna. Come i suoi maestri, ampiamente omaggiati in questa raccolta di poesie, Patrizia Cavalli conferma di possedere il piglio sapiente dei grandi autori. In versi magistralmente costruiti, aspri, languidi, ambivalenti, la poeta (“perché poetessa fa ridere, dai”) italiana per eccellenza, la prima tra i poeti ancora in vita, riesce ancora una volta a rassicurarci e spiazzarci. Sembra di leggere di cose da niente, banalità quotidiane, invece poi ci si accorge di star leggendo della vita e della sua altra metà – la morte. Indissolubili come le conosciamo, le immaginiamo e talvolta dimentichiamo, entrambe affrontate con saggezza, a tratti scherzando. Non è un’impresa facile descrivere la bellezza e la speranza che i versi raccolti in questo libretto riescono a infondere: non ci resta che leggerli, rileggerli, interrogarsi, meravigliarsi. (Giulia Silvestri)


Thorsten Nagelschmidt, Sänger der Band Muff Potter, hat nach einigen Romanen und Erzählbänden einen Episodenroman verfasst – und was für einen! Es ist Sittengemälde der Stadt, ein dichtes Berlin-Porträt, speziell ein Kreuzberg-Roadmovie rund um den Kotti und eine Art Hommage an die Menschen der Nacht. Ihre Arbeit bzw. das was sie tun, gestaltet unsere Gesellschaft, sorgt dafür, dass sie funktioniert, stellt sie aber auch auf die Probe. Da ist der blanke Taxi-Fahrer, der trotzdem eigentlich nur schnell zu seiner Liebsten möchte – ein romantischer Antrag steht an. Da ist die Rettungssanitäterin, die Ärztin werden will und deshalb auf der Abendschule das Abitur nachholt. Da ist die junge Polizistin auf ihren ersten Streifzügen rund um Kotti, Schlesi und Görli. Und auch ein Dealer, eine Flaschensammlerin, die Inhaberin eines Spätis und viele andere mehr. Wie Nagelschmidt sein Figurenensemble miteinander verknüpft, sich unwissentlich über den Weg laufen und begegen lässt, das ist ganz große Erzählkunst. Mitten im Kiez, spannend wie ein Krimi, in schlagfertigen Dialogen und mit vielen unerwarteten Wendungen rasen die Episoden durch die Nacht, die in Kreuzberg nach dem berühmten Gassenhauser ja sehr lang werden kann – mit diesem Buch in der Hand garantiert, denn sie werden es nicht weglegen können! (Jana Kühn)
Der famose Band Es flattert und singt enthält Gedichte und mehr und alles für Kinder. So heißt es gleich im Untertitel – und es ist genauso! Gemeinsam mit der Illustratorin Marion Goedelt schicken Antonie Schneider und Christine Knödler darin das Huhn Helena und den Hahn Hanibal auf eine Reise durch die Welt der Sprache. Dabei dichtet Schneider traumwandlerisch fröhlich: Zucchini haben bei ihr feine Ohren und Zitronen werfen sich in Schale. Knödler wiederum erklärt auf zahlreichen Mit-Mach-Seiten in einfacher Sprache und mit vielen anschaulichen Beispielen, wie das so funktioniert mit den Reimen, den Haikus und den Elfchen und so weiter und so fort. “So wie sich die Clowns in der Manege die Bälle zuwerfen, kannst du mit Wörtern und Buchstaben werfen, mit Silben jonglieren”. Das macht Mut, zu reimen, was das Zeug hält und so der Fantasie Tür und Tor zu öffnen und Lust auf quirligsten Nonsens bekommt man sowieso. (Jana Kühn)
Wir alle kennen Stimmungen, die wir nicht näher beschreiben können. Auch für Stefano Massini war der Auslöser für sein Kompendium ausgedachter Wörter eine unartikulierbare Gefühlskrise, aus der er erst herausfand, als er sich neue Begriffe dafür ausdachte. Damit ward die Idee für diese außergewöhnliche Wörter- und Geschichtensammlung geboren. Massini schuf fantastische Worte, indem er sich von historischen Ereignissen und Persönlichkeiten wie Dorothy Parker, Rosa Parks oder der Shackletonexpedition, aber auch von literarischen Figuren wie Swifts Gulliver inspirieren ließ. Er erfand Begrifflichkeiten wie die „Parksiade“, „Dottienz“, „questisch“ oder die „Gulliverose“. Was es mit ihnen auf sich hat, erzählt er höchst abwechslungsreich wie in einem Füllhorn, das zudem fantasievoll illustriert ist.
Mit einer Sprache, die an die Straße erinnert, und einem Rhythmus, der Blueslieden nahekommt, erklärt Maya Angelou, wieso wir immer stolz bleiben sollen, wenn wir lieben, diskriminiert und unterdrückt werden und wenn wir fürs Leben kämpfen müssen. Phenomemal Woman heißt das Gedicht, das dieser zweisprachigen Sammlung den Namen gibt. In diesem einen Adjektiv „phänomenal“ liegt die ganze Kraft diese Verse. Und genau das ist Angelou als Dichterin. Phänomenal. Scharf wie ein Messer, sanft wie eine Umarmung und dies gleichzeitig. Zum ersten Mal in deutscher Übersetzung liegen mit dieser Ausgabe einige der schönsten Zeilen des 20. Jahrhunderts vor, die als Ansporn und Inspiration besonders in diesem Jahr dienen können. (Giulia Silvestri)
Welch ein Glück und welch eine kaum auszuhaltende Traurigkeit ergreift einen beim Lesen dieses außergewöhnlichen Buches! Mattis, ein Mann Ende dreißig, lebt mit seiner Schwester Hege am Rand eines kleinen Ortes in einer Hütte am Ufer eines großen Sees. Im Dorf gilt er als „Dussel“, untauglich zur einfachsten Arbeit. Seine Schwester ernährt ihn mit, ist für ihn die einzige Bezugsperson. Doch Mattis lebt in seiner besonderen Welt, er denkt, schaut und spürt den Wörtern und der Natur nach, wird vom nächtlichen Flug einer Schnepfe bis ins tiefste Innere berührt. Er ist hochsensibler, unverstandener Außenseiter, möglicherweise Ausdruck des innersten Empfindens Vesaas eigener Künstlernatur. Als Hege einen Mann kennenlernt, verändert sich auch ihr Verhalten Mattis gegenüber. Wie von einem Erdrutsch erfasst verliert dieser immer mehr seinen emotionalen Halt. Die grandios-eindringliche, von Hinrich Schmidt-Henkel meisterhaft übersetzte Sprache des Romans versetzt uns direkt in Mattis hinein, lässt uns mit ihm fühlen, staunen, um Worte ringen – und verzweifeln. (Syme Sigmund)
Unterdrückte, Vergessene, Menschen, die nicht „verteidigungswürdig“ sind. Sie sind die Protagonisten von Elsa Dorlins Essay. Die Autorin begleitet uns auf einer langen Reise durch die Jahrhunderte, die mit Sklaven und Eroberern in der Kolonialzeit beginnt, mit den Suffragetten und dem Warschauer Ghetto weitergeht und über die Black Panthers und queeren Patrouillen bis hin zu zeitgenössischen Bewegungen führt. Im Fokus steht das Mittel der oft spontan entstandenen gewaltsamen Selbstverteidigung als einziges Instrument in den Händen der am meisten gequälten Minderheiten. Ein wichtiger Essay, der zu vielen Überlegungen anregt: Wer ist Angreifer, wer Opfer? Wir alle sind in einen ewigen Kampf verwickelt, in dem wir abwechselnd das eine oder das andere, manchmal beides sein können. Eine starke Lektüre. (Giulia Silvestri)
Auf stabilen Pappseiten präsentiert die niederländische Illustratorin Mies van Hout wieder einmal ein kleines Meisterwerk. In ihrem
In wenigen Worten, dafür mit umso aufwendigeren Bildtafeln, erzählt Sophie Blackall von einem Kind, das einen Brief an einen Außerirdischen verfasst. Aber wie würde man jemandem die Erde beschreiben, der sie gar nicht kennt? Natur, Tiere, Städte und immer wieder Menschen, verschiedene Familien, Lebensformen und -orte. Staunend entdeckt man seitenweise liebevolle Details. Fünf Jahre hat sie daran gearbeitet – die Sorgfalt, alle mitzudenken, spürt man auf jeder Seite. Die weitgereiste Illustratorin sagt, sie hat versucht, ein Buch über uns alle und den Planeten, den wir uns teilen, zu machen. Und das ist ihr wirklich hervorragend gelungen! (Jana Kühn)