Hanser 2017, 211 S., € 25,00
(Stand April 2021)
Der Journalist Niklas Maak und die Künstlerin Leanne Shapton laufen in zwei Tagen durch Manhattan. Ihre Route führt sie auf direktestem Weg von der Süd- zur Nordspitze der Insel, vom Financial District durch Chinatown und Little Italy, über den Centralpark und die Upper Westside bis dorthin, wo Manhattan noch Berge, Wälder und Schluchten hat, wo nur noch Spanisch zu hören ist und man sich in einer lateinamerikanischen Metropole zu sein wähnt. Maak protokolliert, was er sieht, sowohl unscheinbare, beiläufige Details als auch interessante oder kuriose Geschichten von Menschen, die ihnen begegnen und Orten, an denen sie vorbeikommen. Shaptons zunächst fast abstrakt wirkende Aquarelle, die mit dem Text verwoben scheinen und diesen ebenbürtig ergänzen, sind Impressionen ihres Weges, mal das Muster des Straßenpflasters oder eines Gitters, mal ein vergessener Pappkarton oder ein Straßenschild. Den Weg der beiden kann der Leser zudem auf einer beigefügten Karte verfolgen. Ein rundum gelungenes Buch, bei dem sich am Ende aus vielen Fragmenten ein rundes Ganzes ergibt, und dem der wunderschön gestaltete Einband mit Reliefprägung das i-Tüpfelchen verleiht. (Syme Sigmund) Leseprobe


Emilia Smechowski: Wir Strebermigranten (Hanser Berlin)
Der Weihnachtsabend naht und weil die schönsten Geschenke immer noch vier Ecken haben, freuen wir uns darauf, Euch bei der Auswahl der Buchpräsente für alle Eure kleinen & großen Lieben zu beraten.
Unsere Kollegin Judith Krieg hat gemeinsam mit dem italienischen Autor Mario Desiati im Wieser Verlag einen Erzählband über Apulien veröffentlicht.
Ein sehr persönliches Buch und auch wieder nicht. Jahrelang ließ Ljudmila Ulitzkaja die Liebes- und Ehebriefe ihrer Großeltern ungelesen in einer Mappe, scheute sie sich, den Geheimnissen ihrer Familie ins Auge zu sehen. Als sie sich endlich überwand und die jahrzehntelange Korrespondenz las, die von inniger Liebe, großem Zerwürfnis und kleinen familiären Ereignissen in wuchtigen Zeiten von Revolution und Totalitarismus zeugt, war die Idee zu ihrem Roman geboren.
In den Bergen im Norden Albaniens herrscht auch in kommunistischen Zeiten eine archaische Welt, in der die Geschlechterrollen fest zementiert sind. Für Frauen gibt es gar keinen Bewegungsraum. Nur wenn sie Jungfrau sind und ganz ihrem Geschlecht entsagen, können sie übertreten und als Mann lebend männliche Rechte erwerben. So bestimmt es das Gewohnheitsrecht Kanun.
Die Autorin und Illustratorin Anne Brouillard entführt uns in den großen Wald, eine geheimnisvolle Landschaft im fernen Land der Fantasie: Chintia. Dort beginnt eine abenteuerliche Reise damit, dass der Hund Killiok den roten Zauberer Varin von Drunter vermisst. Mit seiner Freundin Veronika macht er sich auf die Suche nach dem zaubernden Freund. Keine leichte Aufgabe, denn im Großen Wald wartet so manche Überraschung. Vermisste Mooskinder, fliegende Sahneschläger und düstere Schwarzmäntler sind nur wenige Details der schier überbordenden Fantasie der Belgierin. Brouillard wechselt zwischen großzügigen Illustrationen, längeren Textstrecken und Comicstripes, wodurch auch für ganz unterschiedlich alte Kinder ein gemeinsames Vorlesevergnügen entsteht. Ebenso ungewöhnlich wie diese Form ist der traumverloren anmutende Stil der Belgierin. Mit dem detailgetreuen Kartenmaterial und den gezeichneten Zeitungsausschnitten betont sie die unzweifelbare „Echtheit“ ihrer märchenhaften Welt, die Kinder begeistern wird – auch und gerade in ihren fast gruseligen Momenten. (