Dilek Güngör: Ich bin Özlem (Verbrecher Verlag)

»Meine Eltern kommen aus der Türkei.« Alle Geschichten, die Özlem über sich erzählt, beginnen mit diesem Satz. Nichts hat sie so stark geprägt wie die Herkunft ihrer Familie, glaubt sie. Doch noch viel mehr glaubten das ihre Kindergärtnerinnen, die Lehrer, die Eltern ihrer Freunde, die Nachbarn. Özlem begreift erst als erwachsene Frau, wie stark sie sich mit dieser Zuschreibung identifiziert
hat. Aber auch wie viel Einfluss andere darauf haben, wer wir sind. Özlems Wut darüber bahnt sich ihren Weg, leise zunächst, dann allerdings, bei einem Streit mit ihren Freunden, ungebremst: Von Rassismus ist die Rede und von Selbstmitleid, von Scham und Neid, von Ausgrenzung und Minderwertigkeitsgefühlen. Ihre Geschichte will Özlem von nun an selbst bestimmen und selbst erzählen. Wie das geht, muss sie erst noch herausfinden.
Mit genauem Blick und bestechender Offenheit beschreibt Dilek Güngör, welche Kraft es kostet, sich in einer Gesellschaft zu behaupten, die besessen ist von der Frage nach Zugehörigkeit, Identität und der »wahren« Herkunft.
wann? Dienstag, 2. April 2019 um 20.00 Uhr
Vorverkauf 6 € / 4 €
Tageskasse 8 € / 5 €
Dilek Güngör, 1972 in Schwäbisch Gmünd geboren, studierte Übersetzen in Germersheim, Journalistik in Mainz und Race and Ethnic Studies in Warwick, England. Als Journalistin arbeitete sie bei der „Berliner Zeitung“. Ihre gesammelten Kolumnen aus der „Berliner Zeitung“ und der „Stuttgarter Zeitung“ erschienen in den Bänden, „Unter uns“ und „Ganz schön deutsch“. 2007 wurde ihr Roman „Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“ veröffentlicht. Dilek Güngör ist Stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift „Kulturaustausch“ und schreibt als Gastautorin Beiträge für die Zeit Online Kolumne „10 nach 8“.


ist ein Trostbuch für alle Deutschlernenden und deren Angehörige, für Expats, Einwanderer und Menschen in mehrsprachigen Liebesbeziehungen. Und es ist ein herrliches Vademecum für alle Lauchs, die glauben, die deutsche Sprache bereits zu kennen – und Spaß an ihr haben. Provokant, erhellend und unterhaltsam gelingt Abbas Khider dabei auch ein satirischer Blick auf die deutsche Gesellschaft.
Nach außen hin scheint alles zu stimmen. Osman studiert relativ erfolgreich Cello, spielt Fußball, wohnt in einer WG und bandelt mit seiner Mitbewohnerin an – ein Studentenleben eben. Doch hinter der Oberfläche kratzt es gehörig. Ohne Kontaktlinsen sieht er schlecht. Sein Dozent bescheinigt ihm eine gute Spieltechnik, aber emotionale Schwachstellen. Mit seinem Vater,
einem Profimusiker, will er keinen Kontakt, seiner Ziehmutter, hört er nicht richtig zu und erzählt nichts von sich. Auch mit seiner Mitbewohnerin kommt er sich nicht näher. Erst der Zufallsfund eines besprochenen Diktiergeräts bringt ihn dazu, jemandem wirklich zuzuhören. Um das Nichtzuhören, Nichthören und Zuhören, um Stimmen, Töne und Schweigen, um Musik und Stille kreist Katharina Mevissens faszinierender Roman, ein Debütschatz.
plaudert und sprudelt und erinnert sich: An ihre chaotische Großfamilie mit sechs verrückten Tanten, an die unüberschaubare Schar von Cousinen und Cousins, an Reisen nach Mekka, erste Auftritte als „Girl Group“, an den Gebetspyjama ihrer Oma oder frühe Versuche eines eigenen Friseursalons.
Max geht zum ersten Mal in ein Museum für moderne Kunst: Monet, Picasso und Miró stehen auf dem Plan. Ganz genau schaut Max sich alles an – aber eben nicht nur die Gemälde und Skulpturen. In kindlicher Unvoreingenommenheit ignoriert er große Namen und Berühmtheiten, und sucht stattdessen nach besonderen Farben und Formen. Er stellt verblüffende Vergleiche an und entdeckt so Ähnlichkeiten, ja vielleicht sogar Vorbilder in der Natur. In leuchtenden Farben, kräftigen Pinselstrichen und ganz ohne Worte erzählt Joanne Liu von einem aufregenden Museumsbesuch, der vor Augen führt, wie wunderbar sich große Meisterwerke immer wieder neu entdecken lassen. Das Bilderbuch macht Lust, selbst einmal wieder ins Museum zu gehen … am besten mit der ganzen Familie! (Jana Kühn)
Bochum 1986. Volker macht Zivildienst, im Altenheim, aber eigentlich, eigentlich ist er Dichter, angehender zumindest. Immerhin wird er eingeladen, nach West-Berlin, zu einem Seminar für junge Schriftsteller. Das ist zwar nicht die Gruppe 47, die seine Tagträume bestimmt, aber doch ein Anfang. Und in Berlin lernt er Katja kennen, die ihn wirklich für begabt hält und ihm auch sonst eine neue Welt eröffnet – vor allem die Club- und Kneipenszene der geteilten Stadt. Sensibel und höchst komisch begleitet Hilmar Klute diesen jungen Mann auf dem Weg ins Erwachsen-Sein. Der Alltag eines durchschnittlichen Pflegeheims und der um sich selbst kreisende Literaturbetrieb werden einander in geschicktem Wechselspiel gegenübergestellt. Klute gelingt dies mit unterhaltsam-eleganter Ironie ohne dabei in Überheblichkeit abzugleiten. Ein Werk voll leichten Witzes und Poesie sowie ein Hoch auf die Kraft und die Schönheit, die Worte zu entfalten in der Lage sind. Ein wunderbares Buch. (Syme Sigmund)
Maria Stepanova entstammt einer weit verzweigten jüdisch-russischen Familie, deren Angehörige versucht haben, unauffällig zu leben und ohne groß Spuren zu hinterlassen den Verfolgungen und dem Terror durch Diktatur, Stalinismus und Antisemitismus zu entgehen. Diese Menschen haben kaum Dinge hinterlassen, es gibt nur relativ wenige Fotos, Dokumente und Objekte, die Stepanova hinzuziehen kann, um sich ihrer Vorfahren zu erinnern und sie aus dem Nichts des Vergessens herauszuholen. Immer wieder täuscht das Gedächtnis, erweisen sich übliche Versuche der Aneignung von Familiengeschichte wie das Besuchen von Orten als trügerisch. Das ist die Ausgangslage für dieses abenteuerliche ungemein bereichernde Projekt der Erzählung einer Familiengeschichte, das sich allen Klassifizierungen entzieht und seine Leserinnen und Leser einlädt, mitzugehen bei all den Umwegen, Hinweisen und Anspielungen, auf die die Autorin bei ihrer Recherche stößt und die sie einbezieht in ihren großen inneren Dialog mit ihren Toten. Es ist sehr anregend, sich auf Stepanovas Reise einzulassen. (Stefanie Hetze)
Ein Kochbuch, das gleichermaßen für den Alltag, als auch für festliche Einladungen geeignet ist, mit Rezepten, die nicht schwer nachzukochen sind und keinen Großeinkauf erfordern, sondern mit einer überschaubaren Anzahl von Zutaten auskommen. Carlo Bernasconi betrieb ein vegetarisches italienisches Restaurant in Zürich, und italienisch ist eindeutig die Basis der Gerichte, wenn sie auch überraschend verwandelt daherkommen und zum Experimentieren anregen. Wie wäre es mal mit Ravioli gefüllt mit Mangold oder Linsensalat mit Auberginenrouladen? Und danach etwas Himbeer-Tiramisù mit Pistazien? Präsentiert werden die Gerichte in nach Jahreszeiten abgestimmten Menüs mit 3-6 Gängen, aus denen man sich problemlos persönliche Highlights herauspicken kann. Die wunderbaren Illustrationen von Larissa Bertonasco machen zudem schon das Durchblättern zu einem Genuss. Probieren will man danach eigentlich alles, und zwar am besten sofort. Mmmmh! (Syme Sigmund)