Ayọ̀bámi Adébáyọ̀: Bleib bei mir

Übersetzt von Maria Hummitzsch, Piper Verlag 2018, 352 S., € 22,-

Adebayo_Bleib_bei_mir_Danteperle_DanteConnectionYejide und Akin leben als modernes nigerianisches Paar entgegen der polygamen Traditionen in romantischer Liebe zu zweit. Auch der jahrelang unerfüllte Kinderwunsch kann daran nichts ändern – eigentlich. Denn irgendwann wird der familiere und gesellschaftliche Druck so hoch, dass Akin einer zweiten Ehefrau zustimmt, allerdings ohne dies mit Yejide zu besprechen. Mit dieser Entscheidung ändert sich alles, nichts bleibt mehr wie es war. Ayọ̀bámi Adébáyọ̀ erzählt in ihrem beeindruckenden Debüt, die Geschichte einer Ehe, die zwischen Wünschen und Erwartungen, Vertrauen und Enttäuschung sowie Verlust und Trauer zerrieben wird. Ausgesprochen elegant und ohne feste Chronologie verschränkt sie in Rückblenden Yejides und Akins Perspektiven. En passent scheint dabei immer wieder die politische Geschichte Nigerias durch den Erzählfluss, in den aufs Schönste zahlreiche traditionelle Märchen und Mythen eingebunden sind. Und Adébáyọ̀ überrascht mit einem positiv offenen Ende. (jk)

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A.L. Kennedy: Süßer Ernst

Aus dem Englischen von Ingo Herzke und Susanne Höbel. Hanser Verlag 2018, 560 S., € 28,-

Kennedy_A._L._Süsser_Ernst_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungWas für ein Buch – ein Tag und eine Nacht, zwei Protagonisten mit ihren Nöten und Träumen, dazu jede Menge Streiflichter auf Menschen in der rastlosen Megastadt London! Jon ist ein Mann „alter Schule“, ein hoher Regierungsbeamter, der desillusioniert von seiner Arbeit und verlassen von seiner Frau, fremden Frauen in ihrem Auftrag einfühlsam-förmliche Liebesbriefe schreibt. Meg ist tief gefallen, als Alkoholikerin hat sie ihre Lizenz als Wirtschaftsprüferin verloren. Seit einem Jahr ist sie trocken und versucht sich als Buchhalterin in einem Tierheim bei knappstem Lohn in der überteuerten feindlichen Großstadt durchzuschlagen. Sie erliegt dem Zauber Jons altmodisch-feinsinniger Briefe.
Bis sie nach einem sehr langen Tag zögerlich zueinanderkommen, hat die Autorin A.L. Kennedy ihr meisterliches Können zum Höhepunkt gebracht und auf der Folie einer zarten Romanze ein starkes vielschichtiges Porträt unserer Gegenwart mit all ihren unerträglichen Verwerfungen entworfen. Und das in einer reichen Sprache, die alle Register kennt, sich nicht weg duckt und großen Lesegenuss bereitet. Eine Danteperle at her best. (Stefanie Hetze)

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Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste

Suhrkamp 2018, 252 S., € 24,-

SchalanskyEin Großteil dessen, was von der Menschheit geschaffen wurde, ist uns schon verloren gegangen. Judith Schalansky greift einzelnes heraus und spürt ihm nach. In einer Mischung aus Essays, historischen Berichten und Erzählungen, die mal näher, mal entfernt assoziativ ihren Gegenstand umkreisen, berichtet sie von der versunkenen Insel Tuanaki, einem verschollenen Film, den Liebesliedern der Sappho oder auch dem Palast der Republik. Jeder Text verfügt über einen neuen, dem jeweiligen Thema angepassten Erzählton, mal Nature Writing, mal moderne Erzählung, oder Sachtext, mal poetisch, mal prosaisch oder verspielt – doch nie zufällig, immer überzeugend stimmig und voller Überraschungen. Dass das Buch auch wundervoll und sorgfältigst gestaltet ist – vom Drucksatz bis zu den eingefügten, je nach Lichteinfall mal sicht- mal unsichtbaren Bildseiten braucht bei dieser mehrfach für ihre Buchgestaltungen preisgekrönten Autorin kaum noch erwähnt zu werden. Ein besonderes Kleinod, mit Muße und bedacht zu genießen. (Syme Sigmund)

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… für Geschichtsinteressierte

Yuri Slezkine: Das Haus der Regierung -Eine Saga der russischen Revolution. Aus dem Englischen von Helmut Hierlamm, Norbert Juraschitz und Karin Schuler. Hanser Verlag 2018, 1338 S. mit zahlreichen Fotos und Abb. sowie einem ausführlichen Register, € 49,-

Slezkine_Yuri_Das_Haus_der_Regierung_Danteperle_Dante_Connection_Buchhandlung Mit diesem Opus Magnum zeichnet der Autor die Geschichte dieses überdimensionierten Gebäudes und der ihrer prominenten Bewohner nach. Als Elitebolschewisten zogen die Funktionäre 1931 in das komfortable Haus ein und gewöhnten sich und ihre Familien schnell an den dort gebotenen spießbürgerlichen Lebenstil. Als es zu den Säuberungen unter Stalin kam, war es für die Regierung ein leichtes, im Gebäudekomplex  Verhaftungen und Hinrichtungen durchzuführen. Slezkine verfolgt die Biografien diverser Einzelschicksale, erzählt von ihrem ideologischen Irrglauben und lässt die literarischen Zeugnisse der Zeit einfliessen. Da kann man so richtig eintauchen. (sh)

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… für alle Fans des Grotesken

Franz Kafka: Ein Käfig ging einen Vogel suchen – Komisches und Groteskes. Hrsg. Klaus Wagenbach,  Wagenbach Verlag 2018, 144 S., € 18,-

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Bücher können das Leben eines Menschen prägen. Die Liebe für bestimmte Autoren kann so weit gehen, dass man ein Leben damit verbringt, das Werk eines Autors immer wieder neu zu betrachten.
Dies ist der Fall bei Klaus Wagenbach mit Franz Kafka. Der dunkle, gequälte Schriftsteller hatte auch eine zauberhaft komische Seite, die in diesem Buch meisterhaft gezeigt wird. Die oft knappen, toll zusammengestellten Textauszüge werden Kafka-Liebhaber wie auch leidenschaftliche Leser sehr zu schätzen wissen.
Eine erleuchtende Sammlung zusammengetragen von einem erleuchteten Menschen. (gs)

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… für alle, die sich fürs Bauen begeistern

Roma Agrawal: Die geheime Welt der Bauwerke. Aus dem Englischen von Ursula Held, Hanser Verlag 2018, 262 S., € 24,-

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Warum stehen römische Brücken mit ihren gemauerten Rundbögen noch, stürzen aber manche Hochhäuser aus den Sechzigern ein? Welchen Kräften  wie Wind, Wasser, Erde, Schmutz, Feuer müssen Gebäude trotzen? Welche Auswirkungen hat das Material, aus dem sie gemacht sind? Dies alles und viel mehr erklärt die begeisterte Physikerin und Bauingenieurin in ihrem reich bebilderten Gang durch die Geschichte der Bauwerke sehr persönlich und anschaulich. Mitreißend – ihre Leidenschaft für die Kunst des Bauens! (sh)

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… für Reisende und Suchende

Simone Perotti: Atlas der Mittelmeerinseln. Aus dem Italienischen von Julika Brandestini. Wagenbach Verlag 2018, 144 S. mit 42 Karten, € 34,-

Perotti_Simone_Atlas_der_Mittelmeerinseln_Danteperle_Dante_Connection_buchhandlungDer Schriftsteller und Segler Simone Perotti ist im gesamten Mittelmeer zu Hause, er hat in diesem Band seine ganz persönliche Auswahl bekannter und unbekannter Inseln zusammengetragen: 42 Stück Land im Wasser, die für Abgeschiedenheit, Unabhängigkeit, Kämpfe, Rettung, Übergang stehen.  In seinem Atlas, der in der schönen Gestaltung die Farben des Mittelmeers aufgreift, erzählt er kulturhistorisch und literarisch von den Inseln und ihren Eigenarten und lädt uns ein, mit ihm ihre besonderen Sphären zu erkunden. (sh)

… für Liebhaber*innen phantastischer Architektur

Philip Wilkinson: Atlas der nie gebauten Bauwerke.
Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff, dtv Verlag 2018, 256 S., € 30,-

Atlas der nie gebauten Bauwerke_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergEine Stadt auf zwei Ebenen, eine Walking City, riesige Hochhäuser oder eine Glaskuppel, die Manhattan überspannt, erdacht von großen Visionären wie Leonardo da Vinci, Schinkel oder Mies van der Rohe, alles Gebäude, die geplant aber nie realisiert wurden. Eine kurzweilige Reise durch die Baugeschichte und ihre kühnsten Entwürfe. (sy)

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… für junge Fans von Geschichte

Peter Frankopan: Die Seidenstraße
Eine Weltgeschichte für Kinder. Illustriert von Neil Packer. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz, Rowohlt 2018, 128 S., € 20,- ab 10

Seidenstraße_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergIn der Schule geht es meist nur um die Geschichte Europas. Aber lassen sich so globale Zusammenhänge verstehen? Nein, findet Peter Frankopan und wendet den Blick gen Osten, zu frühen Hochkulturen und fernen Handelswegen. Kundig & wunderschön gestaltete  Ausgabe! (jk)

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Alex Bell: Der Polarbären-Entdeckerclub

Aus dem Englischen von Sibylle Schmidt, FISCHER Sauerländer 2018, 336 S., € 16,-, ab 10

Bell_Polarbärenentdeckerclub_DanteConnection_DanteperleStella ist eine verwegene Schneewaise und beste Freundin von Beanie einem nerdig schüchternen Halbelf. Mit Shay einem freundlich mysteriösen Wolfsflüsterer finden sie genauso gute Gesellschaft wie sie mit Ethan einem schnöseligen Fiesling nicht schlechter geraten sein könnte. Oder? Vor allem sind sie aber nun mal das Junior-Team einer gefährlichen Expedition ins Eisland.  Alex Bell jongliert für seine vier Protagonisten mächtig mit Geschlechterklischees und vereint so wunderbar gelungen manch gemeinhin Gegensätzliches in seinen Figuren. So bekommt Stella zum Geburtstag Zauberblumen, die geöffnet rosafarbene Kuchenhäppchen in Form kleiner Einhörner enthalten – wow! Genauso gern würde sie jedoch ihren Vater bei seiner nächsten gefährlichen Polarexpedition begleiten. Was Frauen, erst recht Mädchen aber nicht gestattet ist. Ihr Vater setzt sich durch und gemeinsam mit besagter Junior-Forschergruppe  erlebt Stella das Abenteuer ihres Lebens. Die Reise ins Eisland erinnert an die großen Polarexpeditionen des 19. und 20. Jahrhunderts und greift dennoch tief in die Fantasy- und Märchenkiste, was eine mitreißende Mischung ergibt. Feinstes Lesefutter! (Jana Kühn)

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