Illustriert von Maja Bohn, Tulipan Verlag 2020, 208 S., € 13,-, ab 9
(Stand März 2021)
Teetee ist eine ältere Dame, die einerseits undurchschaubar ist, andererseits als gute Seele ihr ganzes Wohnviertel zusammen hält. Dennoch wollen die meisten Erwachsenen nicht sehen, dass ihr Verschwinden mehr als merkwürdig ist. Zum Glück lassen sich die Kinder im Viertel nicht abwimmeln. Kinderbanden, die gemeinsam heikle Fälle und geheimnisvolle Rätsel auflösen, sind geradezu Klassiker in der Literatur für die Jüngsten. Auch Antje Herden greift dieses Schema auf. Jedem ihrer Kinder ist zu Beginn ein Vorstellungskapitel gewidmet, in denen viel Detailliebe für die einzelnen Charaktere steckt. Den eigentlichen Fall entwickelt sie fast zögerlich, so wie sie die Kinder nur langsam begreifen lässt, dass Teetee wirklich verschwunden ist. Antje Herden hat einen ganz eigenen, warmen Erzählton für ihren Kinderkrimi gefunden und verwebt kritische Themen wie Vertreibung und Obdachlosigkeit in ihren Text. Damit beweist sie einmal mehr, dass der Krimi auch als Kinderbuch bestens geeignet ist, en passant aktuelle und gesellschaftlich relevante Fragen zu thematisieren. So wird bei aller spannenden Unterhaltung noch ein bisschen mehr erzählt. (Jana Kühn) Leseprobe

Alle Leser*innen kennen es: Ein Buch beginnt und das erste Kapitel ist einfach unglaublich. Man könnte meinen, das Buch ist schon allein der ersten Seiten wegen lesenswert. Dann liest man weiter und der Text bleibt spannend, die Sprache einzigartig, die erzählten Ereignisse mal brutal, mal lustig, mal tragisch, der Ton mal zärtlich, mal roh und immer sehr ernst.
Zurückhaltend scheint das Cover daherzukommen, eine konventionell gekleidete Reiterin „im Herrensitz”, begleitet von 2 Hunden, aber sie schaut uns direkt und lächelnd an und sofort können wir ihre Überlegungen zum Malen und Schreiben lesen! Besser könnte man das literarische Werk dieser kanadischen Ausnahmekünstlerin, 1871 geboren, nicht einführen. Mit einer eigenständigen Offenheit und selbstbewussten Zugewandtheit hat sie ihre malerische und literarische Arbeit der reichen Vielfalt der indigenen Kultur Kanadas gewidmet. Unter schwierigsten Bedingungen ist sie in entlegene Dörfer gereist, hat Totempfähle gemalt und ist vor allem den Menschen mit Respekt, ohne Anbiederung und auf Augenhöhe begegnet. Ihre Erzählungen und Skizzen dieser Begegnungen, Exkursionen und sogar mancher Freundschaften, die 1941 erstmals in Kanada erschienen, erzählen vom Alltag der First Nations, ihren Familien, Häusern, Gewohnheiten. In einer klaren schnörkellosen Sprache schildert sie ihre Wahrnehmung der verlassenen Dörfer und der moosbewachsenen Totems sowie der atemberaubenden Schönheit und Stärke der Landschaft. Dass sie sich in ihren Reportagen unmissverständlich gegen die Missionare positionierte, führte zur Zensur, als ihre Texte Schullektüre wurden. In dieser ersten deutschen Ausgabe sind sie vollständig und vor allem eine faszinierende Lektüre! (Stefanie Hetze)
Ida fährt aus Rom und einer schwierigen Ehe nach Sizilien in ihre Heimatstadt Messina zurück. Ihre Mutter hat Unterstützung angefordert. Die vollgestopfte Wohnung, in der Ida aufgewachsen ist, soll aufgelöst werden. Dreiundzwanzig Jahre zuvor hat ihr Vater diese Wohnung verlassen, nach einer schweren Depression ist er eines Tages einfach verschwunden. Sein weiteres Schicksal blieb ungeklärt. Mutter und Tochter haben diesen tragischen Verlust nie verarbeitet. Zwischen ihnen herrschte Schweigen, gegenüber der Außenwelt wahrten sie eine unverbindliche Freundlichkeit, retteten sie sich in das Erfüllen von Pflichten. Nun heißt es, alles auszusortieren und die heruntergekommene Wohnung für einen Verkauf aufzuhübschen. Während die Mutter Idas konkretes Zupacken vorwurfsvoll einfordert, verliert die Tochter sich in ihrem unverändert gebliebenen Kinderzimmer, in alten Fotoalben und Erinnerungen an den Vater, übernehmen die Gespenster der Vergangenheit.
Für viele Menschen ist das Meer schlicht und einfach und immer ein Sehnsuchtsort. Und erst recht jetzt, nach so langer Zeit, da wir nicht hindurften. Für alle, die noch nicht wissen, ob und wie das wohl klappt in diesem Jahr mit Sommer, Sonne & Strandurlaub, hätten wir hier eine wunderschöne Lösung zwischen zwei Buchdeckeln: ein Bilderbuch, mit dem wir uns das Meer mit allem Drum und Dran – ob in Vorfreude oder Melancholie – direkt nach Hause holen können. In Ein Strandtag riecht es förmlich nach Salzwasser und Sonnenmilch, so detailgenau und liebevoll haben die beiden Italienerinnen die Atmosphäre zwischen Sonnenschirmen und Sandburgen eingefangen. In zarten Farbstiftzeichnungen und einer Erzählperspektive, die ganz den Blick eines Kindes inne hat, ist dies unser Dante-Bilderbuch des Sommers. (Jana Kühn)
„Wenn der Wind aus Nordosten weht, erwacht die Mühle.“ – die alte Mühle, in der Liv, und ihre drei Schwestern wohnen. Wenn der Wind richtig steht, drehen sich die Flügel wieder, wird sie zu einem magischen Ort, an dem alles passieren kann. Eines Morgens wachen die Mädchen in einem Schloss auf, sie sind Prinzessinnen, ihr Vater der König. Doch am Bach verschwindet plötzlich die kleinste von ihnen, Jorunn, und so beginnt eine aufregende Reise, um die Schwester aus den Fängen des Wassertrolls zu befreien, die sie zu sprechenden Schwänen und eisigen Schatten führt, auf der sie trügerischen Illusionen entkommen müssen und überraschende Hilfe von unerwarteter Seite erhalten.
Als ich dieses Buch fertiggelesen hatte, wollte ich unbedingt mehr davon. Plötzlich verstand ich, wie manche Bücher zu Weltbestsellern werden. Zugänglich, voller spannender Charaktere, mit einem vielschichtigen Inhalt und einer Handlung, die von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt… Dies alles und noch mehr hat City Of Girls.
Der britische Kochbuchautor Nigel Slater konnte selbst in seinem Gemüsekochbuch Tender bislang schwerlich auf Fleisch in seinen Rezepten verzichten. Doch auch er hat sich gewandelt und anhand seiner täglichen Notizen zu den Gerichten, die er sich zubereitet, ein wunderbar alltagstaugliches Grünes Gelage-Kochbuch geschaffen. Alle Rezepte brauchen höchstens 30 Minuten, sie sind keine starren Anleitungen, sondern verlockende Vorschläge, etwas auszuprobieren, sich auch einmal ein Sandwich mit unterschiedlichem Gemüse zusammenzustellen. In seiner unnachahmlichen Art, auch seine eigene Sprache aromatisch zu würzen, erzählt Slater von seinen eigenen Vorlieben und Gewohnheiten, zum Beispiel reifes Sommergemüse wie Auberginen seidig weich zu backen und mit einer Basilikum-Pinienkernsauce auf einem Blätterteig zu einer knusprigen Tarte zu verwandeln und dies alles ganz einfach im Ofen. Das regt schon beim Lesen die Geschmackssinne an! (Stefanie Hetze)
Samstag ist Schwimmbad-Tag für Mila, zusammen mit ihren Eltern. Am Ende dieses Tages wird sie sogar zum ersten Mal alleine ins große Becken springen (vor allem – das nur sei verraten – um ihrem Vater aus der Bredouille zu helfen), aber vorher geht es mit Mama in die Umkleide und unter die Dusche.