Edward van de Vendel, Marije Tolman: Der kleine Fuchs

Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg Verlag 2020, 88 S., € 15,-, ab 4
(Stand Mai 2021)

Vendel_van_de_Edward_Der_kleine_Fuchs_Danteperle_Dante_ConnectionIn einer Dünenlandschaft, in doppelseitigen bläulich gehaltenen Tableaus, vergnügt sich ein knallorange leuchtender Fuchs damit, die schönen Seevögel zu jagen, im angrenzenden Wald viele verschiedene Tiere zu erschnuppern und zwei lilafarbige Schmetterlinge so über die Dünen zu verfolgen, dass er ganz weit fliegt und mit einem großen Plumps auf dem Sand aufschlägt. Platt auf dem Rücken liegend fängt der kleine Fuchs an zu träumen. Kleine farbige Zeichnungen und zunehmend Worte erzählen von seiner glücklichen Kindheit, den Fuchseltern, Spielen mit den Geschwistern, Entdecken der Sinne und der Welt, aber auch, wie er lernt Mäuse zu fressen und ihm selbst Schlimmes passiert. In der zwischen phantastischem Traum und anschaulicher Realität changierenden Geschichte kommt auch ein kleiner Mensch ins Spiel. Aber das sollen sich Kinder und Erwachsene in diesem hinreißenden Bilder-& Vorlesebuch selber ansehen und weiterspinnen. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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Sigrid Nunez: Der Freund

Aus dem Amerikanischen von Annette Grube, Aufbau Verlag 2020, 235 S., € 20,-, TB 2021, € 12,-

(Stand August 2021)

Nunez Freund_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergDie Ich-Erzählerin dieses Romans verliert unvermittelt ihren engsten Freund und bekommt dessen achtzig Kilo schwere Dogge vermacht. Nun teilt die zurückgezogen lebende Autorin das kleine New Yorker Apartment und die Trauer mit diesem riesigen Tier. Während sich aus den zaghaften Annäherungsversuchen eine neue Freundschaft anbahnt, die beiden Trost spendet, versucht sie auch schreibend der Trauer etwas entgegenzusetzen. Auf ihre 30 jährige Freundschaft zurückblickend, reflektiert sie über komplexe menschlichen Erfahrungen wie Selbstmord, Trauer, die Beziehung Mensch-Tier und Autorschaft (auch angesichts der Absurditäten des heutigen Literaturbetriebs).Nicht zuletzt geht sie dabei der Frage nach, für wen ein Autor seine Bücher schreibt und welche Verantwortung er den wahren Personen gegenüber hat, die so oft die Quellen für Fiktion sind.
Überaus berührend und lesenswert ist, was die Autorin tagebuchartig und assoziativ an Ereignissen, Ideen, Zitaten und Gedanken zusammengetragen hat. Nichts davon ist ornamental. Bereichert durch eine starke New York Atmosphäre, gibt es hier viel zu entdec
ken. (Franziska Kramer) Leseprobe

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Anna Maria Ortese: Neapel liegt nicht am Meer

Erzählungen. Aus dem Italienischen von Marianne Schneider, mit einem Nachwort von Franz Haas, Friedenauer Presse 2019, 232 S., € 22,-
(Il mare non bagna Napoli, Adelphi 2008, ca. € 16,-)
(Stand März 2021)

Ortese_Anna_Maria_Neapel_liegt_nicht_am_Meer_Danteperle_Dante_ConnectionAllein der Titel war 1953, als der Band in Italien erschien, eine Provokation, der Stadt Neapel, ihren Stolz abzuerkennen, lichtdurchflutet am schönen Meeresgolf zu liegen! Anna Maria Ortese wandte sich in ihren erzählerischen Reportagen den dunklen meerabgewandten Gassen zu, die stickig und drückend sind, und in denen die Menschen elendig am Rande des Existenzminimums hausen. Es sind bittere harte Geschichten von verlorenen Menschen und ihren unrealistischen Träumen, aus einer Stadt voll der Nervosität und Anspannung, in der sich die wundersamsten Begebenheiten und Obsessionen ereignen. Diesen spürt die Rückkehrerin Ortese in ihren Streifzügen durch Schatten und Licht nach. In einer hochkonzentrierten brillanten Sprache verdichtet sie das neapolitanische Nebeneinander von Armut und Leid, von Schönheit und Hoffnung zu einem literarischen Ereignis. Nicht umsonst inspirierte sie Fabrizia Ramondino und Elena Ferrante zu ihren Neapelromanen. Endlich ist sie in Deutschland zu entdecken! (Stefanie Hetze)

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Marion Messina: Fehlstart

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz, Hanser Verlag 2020, 168 S., € 18,-, TB dtv 2022, € 11,-

(Stand Januar 2022)

Messina_Marion_Fehlstart_Danteperle_Dante_ConnectionAurélie und Alejandro begegnen sich in Grenoble. Sie ist Französin, er Kolumbianer, beide sind jung und auf der Suche nach Emanzipation von einer bedrückenden Gegenwart. Sie wünschen sich eine Zukunft voller Freiheit und Erfüllung, stattdessen werden sie sich mit einer harten, trennenden Realität auseinandersetzen müssen. In der Hauptstadt Paris wird schnell klar, dass es fast unmöglich ist, sich solche Träume zu erfüllen, in einer Gesellschaft, in der mehrere Studienabschlüsse einen dazu qualifizieren, lange bei niedriger Entlohnung zu arbeiten und in schrecklichen  Zimmern zu hausen.
In diesem schmalen, wütenden Buch ist der Frust einer ganzen Generation enthalten. Bitter und zügig erzählt Marion Messina von Liebe und Zusammenbruch, Illusionen und Niederlagen, Fortschritten und Ausnutzung. Es ist ein hartes, düsteres, unerbittliches Buch, das kein Entkommen zulässt. Die Figuren sind alle gedrückt und gedemütigt durch einen sozialen Kontext, in dem keine Lebensfülle möglich scheint. Ein „Fehlstart“ ist immerhin ein Anfang, der sich zu besseren Zuständen entwickeln kann. Der Kampf geht weiter. (Giulia Silvestri) Leseprobe

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Bart Moeyaert: Bianca

Aus dem Niederländischen von Bettina Bach, Hanser Verlag 2020, 218 S., € 14,-, ab 11
(Stand März 2021)

Moeyaert Bianca_Danteperle_DanteConnectionBianca eckt an. Ihr Vater will sie nur noch alle zwei Wochen sehen, weil sie so bockig ist, ihre Mutter sagt, man weiß nie, woran man bei ihr ist, man brauche eine Bedienungsanleitung für sie. Bianca fühlt sich allein, unverstanden, schweigt, verzieht sich hinter die Hecke. Biancas kleiner wilder Bruder Alan hat nur noch ein halbes Herz, die Mutter lässt ihm alles durchgehen, sorgt sich um ihn, Bianca soll helfen, funktionieren, die vernünftige „Große“ sein und ist doch auch nur ein Kind, das sich übersehen fühlt, dessen Enttäuschung mal in Wut, mal in Verweigerung umschlägt. Bis die Mutter von Alans Freund Jazz zu Besuch kommt und Bianca erkennt, dass es in ihrer eigenen Hand liegt, zu entscheiden, wer sie sein möchte.
Bart Moeyaert ist ein Meister darin, mit wenigen Worten das Innenleben seiner jungen Protagonisten zu umreißen. Mit Feingefühl und ohne jegliche Betulichkeit vermittelt er die schwierige Gefühlswelt eines Kindes, das aufgrund eines schwerkranken Geschwisterkindes zu kurz kommt. Ein sehr besonderes, absolut lesenswertes Buch. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Lesung und Ausstellung mit Claude K. Dubois

Im Projektraum O45 beginnt das Jahr mit einer Lesung und Ausstellung mit Claude K. Dubois, der preisgekrönten belgischen Illustratorin und Kinderbuchautorin. Gezeigt werden Bilder aus ihren Büchern Akim rennt und Stromer (beide Moritz Verlag).

Als der Krieg eines Tages in Akims Dorf einbricht, beginnt seine Flucht. Er rennt, verliert seine Familie, wird gefangen genommen, trifft auf Menschen, die ihm helfen und findet am Ende seine Mutter wieder.

 

 

 

Stromer ist ein Wohnsitzloser, ein Obdachloser, ein Mann, der auf der Straße lebt. Er friert, wird vertrieben, schief angesehen und beschimpft, bis plötzlich ein kleines Mädchen mit einem Keks vor ihm steht.

 

Claude K. Dubois traut Kindern große Themen zu. Dafür erzählt sie stets mit zartem Strich und wenigen Worten in starken Bildern, behutsam, aber schonungslos.

Als große Fans freuen wir uns schon heute riesig auf Vernissage, Lesung sowie die anschließende Ausstellungszeit.

Vernissage am Freitag, den 28. Februar 2020 um 18 Uhr
Lesung am Samstag, den 29. Februar 2020 um 15 Uhr
Die Lesung für Kinder ab 6 Jahren findet in deutscher und französischer Sprache statt.

Öffnungszeiten der Ausstellung bis 27. März 2020:
Mo+Mi 15-18 Uhr
Di+Do 12-15 Uhr
und für Gruppen, Schulklassen etc. nach Vereinbarung.

Organisiert von DAS BUCHPROJEKT in Zusammenarbeit mit dem Moritz Verlag, VIEL & MEHR und uns, der Buchhandlung Dante Connection. Gefördert von der Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie in Berlin.

Stewart O’Nan: Henry persönlich

Aus dem amerikanischen Englisch von Thomas Gunkel, Rowohlt 2019, 480 S., TB Juli 2021, € 14,-

(Stand Juli 2021)

O`Nan Henry persönlich_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergHenry und Emily (schon bekannt aus anderen Büchern des Autors) sind ein älteres pensioniertes Ehepaar aus Pittsburgh der amerikanischen Mittelklasse. Erzählt wird ein Jahr ihres Lebens aus der Sicht von Henry, die alltäglichen Verrichtungen, die Besuche der Kinder und Enkel, die Zeit im Sommerhaus am See. Das alles ist weder besonders außergewöhnlich noch besonders interessant. Was besonders ist, an diesem Buch, ist die Kunst des Autors, dieses Leben so packend zu beschreiben, dass keine Langeweile aufkommt, man folgt gespannt der Gleichförmigkeit ereignisloser Tage, möchte immer weiter lesen, bei Henry sein, mit ihm in seiner Werkstatt hantieren, mit ihm Einkaufen fahren, mit ihm vor dem Kamin einschlafen während die Enkel um ihn herum wuseln und die tiefe Verbundenheit, die ihn nach 48 Jahren Ehe mit Emily verbindet, spüren. Ein filigran feines Portrait eines alten Mannes, ein Buch, das entschleunigt und glücklich macht. (Syme Sigmund)

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Juliane Streich (Hg.): These Girls. Ein Streifzug durch die feministische Musikgeschichte

Nachwort von Kerstin Grether, Ventil Verlag 2019, 344 S., € 20,-

(Stand März 2021)

these_girls_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergVon Édith Piaf bis Beyonce, von Aretha Franklin bis Françoise Cactus, von Lesley Gore bis Annie Lennox, Britta und M.I.A.: Vielen sind dabei, alle sind ikonisch und haben eine Geschichte zu erzählen. Mehrere Journalist*innen, Musiker*innen und Fans haben Beiträge über ihre Lieblingskünstlerinnen der unterschiedlichsten Musikgenres zusammengestellt und ein zärtliches, aufregendes Buch ist entstanden. Eine Musikenzyklopädie der besonderen Art, in der Biografien, Interviews und persönliche Betrachtungen nebeneinander stehen. Respekt und Gleichberechtigung, Frauen-Empowerment und Herausforderungen, Liebe und Sexualität, aber vor allem Musik und ihre unbestreitbare Kraft: Dies alles und noch viel mehr wird in mehr als 100 Texten beschrieben.
Eine interessante, erfreuliche Lektüre, die wie eine ermutigende Zeitreise durch die Pop-Geschichte ist. Nicht nur für Liebhaber*innen! (Giulia Silvestri)

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Tsitsi Dangarembga: Aufbrechen

Aus dem Englischen von Ilija Trojanow, Orlanda Verlag 2019, 280 S., € 22,-, TB Fischer 2022, € 14,-

(Stand Oktober 2022)

Im noch kolonialen Rhodesien wächst Tambu in den sechziger Jahren auf dem Land unter schwierigen Bedingungen auf. Sie muss früh die Schule verlassen, weil das Geld fehlt und Mädchen sowieso nur lernen sollen, das Feld zu bestellen und den Haushalt zu führen. Tambu kämpft aber für ihre Bildung. Ihr älterer Bruder, der in die Missionsschule geht, sabotiert all ihre Pläne. Erst als er stirbt darf Tambu endlich weiter die Schule besuchen.  Sie betritt nun eine neue reiche Welt, in der es Besteck, Wasserhähne und Bücher gibt, und lebt in der Familie ihres Onkels, dem Schuldirektor und traditionell-rigorosem Patriarchen. Ihm müssen sich alle beugen, auch ihre Tante, eine Akademikerin und ihre in England aufgewachsene Cousine. Tambu fährt ganz gut mit ihrer Strategie der strebsam-dankbaren Verwandten. Während sie sogar einen der zwei (!) Plätze für Afrikanerinnen der besten Weißenschule des Landes erreicht, zerbricht ihre Cousine am patriarchal-kolonialem System. Der Weg zur Freiheit ist noch weit.
1991 erstmals bei Rowohlt in der Reihe neue frau erschienen, ist der Klassiker der Schwarzen feministischen Literatur endlich wieder erhältlich! (Stefanie Hetze)

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Judith Burger: Roberta verliebt

Illustrationen Ulrike Möltgen. Gerstenberg Verlag 2019, 200 S. durchgehend illustriert, € 13,-, ab 10
(Stand März 2021)

U_6016_1A_ROBERTA_VERLIEBT.IND13Knall auf Fall verändert sich für Roberta alles. Nichts ist mehr so für die Elfjährige, wie es bis gerade eben war. Sie hat sich verliebt in den neuen hübschen Jungen im Zeichenkurs. Nein, Felix findet sie nicht einfach „süß“, da ist viel mehr, er ist überall in ihr, sie denkt ständig an ihn und  träumt von ihm. Wird er ihre Gefühle erwidern? Ihre Mutter tut sich schwer mit ihren extremen Gefühlszuständen, zum Glück gibt es Hedi, eine ehemalige Opernsängerin, der sie sich anvertrauen kann. Mit großem Einfühlungsvermögen, aus der Ichperspektive und mit unerwarteten Wendungen kunstvoll von Judith Burger erzählt, können wir Robertas Versuche, sich Felix zu nähern, hautnah mitverfolgen. Nicht zuletzt durch die großformatigen Tuschezeichnungen, in denen Ulrike Möltgen grandios mit Perspektiven spielt. Roberta lernt zu begreifen, dass viele andere Dinge, nicht nur ihre eigenen Gefühle, eine Rolle spielen. Bis zur letzten Seite bleibt es dabei aber richtig spannend. Erwachsene sollten Kindern dieses großartige Buch ruhig zutrauen. (Stefanie Hetze)

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