Astrid Lindgren: Märchen

Aus dem Schwedischen von Senta Kapoun, mit Illustrationen von Ilon Wikland, Oetinger 1989, 224 S., € 17,-, ab 6, zum Vor- und Selberlesen

(Stand März 2021)

LindgrenAllseits bekannt sind Pippi und Michel, Lotta oder die Kinder von Bullerbü. Aber Astrid Lindgren hat auch wundervolle Märchen geschrieben. Da wird Göran, der nicht laufen kann, von Herrn Lilienstengel mit ins Land der Dämmerung genommen, wo alles „keine Rolle spielt“, da tauchen die Zwergenkinder Peter und Petra in der Schule und ein sprechender Kuckuck Lustig im Kinderzimmer auf, und ein Junge kämpft gegen Räuber im Puppenhaus seiner Schwester. Alle Geschichten sind voller Fantasie, mal geheimnisvoll, mal lustig, oft schleicht sich Magisch-Mystisches in eine bisweilen triste Alltagswelt, und viele der Geschichten sparen – ähnlich wie Lindgrens Klassiker „Mio mein Mio“ und „Die Brüder Löwenherz“ – Themen wie Armut, Krankheit und Tod nicht aus. Freundschaft, Mut und Hilfsbereitschaft sind die Werte, welche die überzeugte Humanistin zu vermitteln wusste. Die wundervollen Illustrationen von Ilon Wikland lassen das Buch zu einem bis ins Erwachsenenalter geliebten Klassiker werden – das Exemplar aus meiner Kindheit steht jedenfalls noch bei mir im Regal. (Syme Sigmund)

Blick ins Buch

Das bestelle ich!

Emily Carr: Klee Wyck – Die, die lacht. Reportagen

Aus dem kanadischen Englisch von Marion Hertle. Herausgegeben von Peter Graf, mit einem Vorwort von Kathryn Bridge, Verlag Das Kulturelle Gedächtnis 2020, 176 S., € 20,-, ab dem 23.11.23 Ladenpreisaufhebung

(Stand November 2023)

Zurückhaltend scheint das Cover daherzukommen, eine konventionell gekleidete Reiterin „im Herrensitz”, begleitet von 2 Hunden, aber sie schaut uns direkt und lächelnd an und sofort können wir ihre Überlegungen zum Malen und Schreiben lesen! Besser könnte man das literarische Werk dieser kanadischen Ausnahmekünstlerin, 1871 geboren, nicht einführen. Mit einer eigenständigen Offenheit und selbstbewussten Zugewandtheit hat sie ihre malerische und literarische Arbeit der reichen Vielfalt der indigenen Kultur Kanadas gewidmet. Unter schwierigsten Bedingungen ist sie in entlegene Dörfer gereist, hat Totempfähle gemalt und ist vor allem den Menschen mit Respekt, ohne Anbiederung und auf Augenhöhe begegnet. Ihre Erzählungen und Skizzen dieser Begegnungen, Exkursionen und sogar mancher Freundschaften, die 1941 erstmals in Kanada erschienen, erzählen vom Alltag der First Nations, ihren Familien, Häusern, Gewohnheiten. In einer klaren schnörkellosen Sprache schildert sie ihre Wahrnehmung der verlassenen Dörfer und der moosbewachsenen Totems sowie der atemberaubenden Schönheit und Stärke der Landschaft. Dass sie sich in ihren Reportagen unmissverständlich gegen die Missionare positionierte, führte zur Zensur, als ihre Texte Schullektüre wurden. In dieser ersten deutschen Ausgabe sind sie vollständig und vor allem eine faszinierende Lektüre! (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich!

Martin Muser: Kannawoniwasein! Manchmal kriegt man einfach die Krise

Carlsen Verlag 2020, 160 S., € 12,-, ab 10
(Stand März 2021)

Muser_Martin_Kannawoniwasein_Manchmal_kriegt_man_einfach_die_Krise_Danteperle_Dante_ConnectionEndlich ist es soweit. Finn hat Besuch von Jola, seiner abenteuerlustigen Freundin aus dem kleinen Dörfchen Vehlefanz. Eine Woche bleibt sie bei ihm in der, wie sie sagt, „Tzitti“. Sie will Berlin unsicher machen, möglichst viel Aufregendes erleben und Finn ist gerne dabei! So helfen sie einer ehemaligen alten Nachbarin, einen verlorenen Schatz wiederzufinden, machen bei einem Filmdreh mit und treffen auf alte Bekannte aus ihren früheren Abenteuern in Brandenburg und Polen. Zum Glück muss Finns Mutter überstürzt auf Dienstreise fahren und sie haben sturmfreie Bude. Doch anstatt somit richtig Party bei ihm Zuhause machen zu können, schließen sie sich aus. Ob es zur Party kommt und was weiter passiert, sei hier nicht verraten.
Auch im dritten Band der „Kannawoniwasein“-Reihe sprüht Martin Muser nur so vor inhaltlichen und sprachlichen Einfällen, spielt er mit Tabus, bettet er seine temporeiche Geschichte in einen Kontext vielfältiger Familien- und Lebensformen ein und nimmt die Gefühle seiner 12-jährigen Protagonist*innen ernst. Und als schönes Schmankerl lässt es sich mit dem Buch bestens durch Kreuzberg flanieren! (Stefanie Hetze) Leseprobe

Das bestelle ich!

Antonia Michaelis: Die Mühlenkinder – Prinzessin Jorunn und der Wassertroll

Oetinger 2020, 144 S., € 12,-, ab 8
(Stand März 2021)

Mühlenkinder„Wenn der Wind aus Nordosten weht, erwacht die Mühle.“ – die alte Mühle, in der Liv, und ihre drei Schwestern wohnen. Wenn der Wind richtig steht, drehen sich die Flügel wieder, wird sie zu einem magischen Ort, an dem alles passieren kann. Eines Morgens wachen die Mädchen in einem Schloss auf, sie sind Prinzessinnen, ihr Vater der König. Doch am Bach verschwindet plötzlich die kleinste von ihnen, Jorunn, und so beginnt eine aufregende Reise, um die Schwester aus den Fängen des Wassertrolls zu befreien, die sie zu sprechenden Schwänen und eisigen Schatten führt, auf der sie trügerischen Illusionen entkommen müssen und überraschende Hilfe von unerwarteter Seite erhalten.
Antonia Michaelis entführt in eine märchenhafte Welt und verzaubert durch ihre bildmächtige, von Phantasie sprühende Sprache. Dabei sind alle Charaktere äußerst lebendig gezeichnet und bieten durch ihre Verschiedenheit Identifikationspotential für die unterschiedlichsten Leser*innen. Ein magisches, hochspannendes Abenteuer der Extraklasse, von Claudia Carls ganz wunderbar illustriert. (Syme Sigmund) Leseprobe

Das bestelle ich!

Stefanie Höfler: Helsin Apelsin und der Spinner

Roman für Kinder mit Bildern von Anke Kuhl, Beltz Verlag 2021,TB-Ausgabe, 208 S., € 8,-, ab 8
(Stand März 2022)

Höfler_Stefanie_Helsin_Apelsin_Danteperle_Dante_connectionEigentlich ist Helsin ein fröhliches, gut gelauntes Mädchen, aber manchmal oder eigentlich ziemlich oft überfällt es sie einfach so. Von einem Moment auf den anderen hat sie eine enorme Wut, die mit aller Macht aus ihr herausmuss. Alle aus ihrer Umgebung haben sich darauf eingestellt, ihre Eltern, ihr Freund Tom, ihre Lehrerin, die anderen in der Zwergen-Klasse. Und in genau diese kommt neu der Junge Louis, der auf Helsins ungewöhnlichen Namen Blödes reimt. Das reizt Helsin total, ihr „Spinner“ lässt sie toben und auf Rache sinnen. Was dann geschieht, soll hier nicht verraten werden, nur dass sie es bald selbst nicht mehr unter Kontrolle hat und in einen Taumel aus Schuld, Wut, Ablehnung, Reue und Sympathie gerät. Die Geschichte zwischen ihr, Louis und Tom nimmt dann so rasant und überraschend an Fahrt auf, dass die prägnant zusammenfassenden Kapitelüberschriften der Autorin mit den genial-witzigen Bildern der Illustratorin einen immer wieder Atemholen lassen und gleichzeitig zum sofortigen Weiterlesen animieren! (Stefanie Hetze)
Bei dtv gibt es das Buch ungekürzt gelesen von Eva Mattes!

Blick ins Buch

Und hier liest die Autorin höchstpersönlich aus ihrem Buch!

Das bestelle ich!

Delphine Perret: Björn und die weite Welt

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel, Sauerländer 2020, 64 S., € 12,-, ab 4
(Stand März 2021)

Perret_dominique_Björn-und_die_weite_Welt_Danteperle_Dante_ConnectionManchmal ist weniger viel, viel Mehr!
Björn ist ein sympathischer Bär, der gerade aus seinem mehrmonatigen Winterschlaf erwacht ist, sich reckt, kurz wäscht und die Welt um sich herum inspiziert. Hat sich in der Zeit etwas verändert? Er trifft auf die Schildkröte und den Dachs, die auch Winterschlaf gehalten haben, spaziert mit ihnen durch den Wald. Björn stößt sich an einem Ast, es regnet Kirschblüten. Andere Tiere, die im Winter so manches erlebt haben, kommen dazu, Björn tritt willentlich gegen den Baum, damit es Blüten auf alle regnet. Dass es im Sommer weniger Kirschen geben wird, spielt im Moment keine Rolle.
Mit wenigen Worten und scheinbar ganz leicht hingezauberten Schwarz-Weiß-Skizzen auf dem schönen gelben Papier erzählt Dominique Perret von großen Entdeckungen und mehr oder weniger realen Ausflügen in die weitere Umgebung. Was passiert wohl, wenn die Tiere ein Handy finden oder der Bär mit seiner menschlichen Freundin in ein Schwimmbad geht? Viel Spaß beim Vorlesen ist garantiert mit dieser minimalistischen humorvollen Verehrung vorm großen Pu. (Stefanie Hetze)

Leseprobe

Das bestelle ich!

Rose Lagercrantz und Eva Eriksson: So glücklich wie noch nie?

Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch, Moritz Verlag 2020, 224 S., € 12,95, ab 7
(Stand März 2021)

Lagercrantz_Rose_So_glücklich_wie_noch_nie_Danteperle_Dante_ConnectionDunne ist sehr aufgeregt. Ihr Papa und seine Freundin Wanda wollen tatsächlich heiraten. Dunne sieht sich schon zusammen mit ihrer besten Freundin Ella Frida in wunderschönen Kleidern die Blumen streuen! Das wird ein Fest! Doch Papa und Wanda haben ganz andere Pläne, die Hochzeit soll in Rom bei der italienischen Familie stattfinden. Für Ella Frida ist da kein Platz. Wie in allen Geschichten dieser einmaligen Kinderbuchreihe passieren Dinge, die Dunne nicht mag und die sie leiden lassen. Aber sie lässt sich immer etwas einfallen. Und dann geschieht so manch Unverhofftes, dass am Ende ein unerwartet anderes Glück da ist. Wieder hat die wunderbare Geschichtenerzählerin Rose Lagercrantz gezaubert und hat Eva Eriksson ihre hinreißenden Zeichnungen beigesteuert, die Dunnes Gefühle auf den Punkt bringen. Ein unnachahmliches Vergnügen, zum Vorlesen und Selberlesen. (Stefanie Hetze)

Leseprobe

Das bestelle ich!

Valentina Brüning: Kakao und Fischbrötchen

Illustriert von Maja Bohn. Tulipan Verlag 2020, 160 S., € 13,-, ab 9
(Stand März 2021)

Kakao_Fischbrötchen_VLBRita lebt mit ihrer Mutter direkt am Pichelssee, einer Ausbuchtung der Havel im Westen Berlins. Gut haben sie es, findet Rita, mit ihrer eigenen Bootsschule so direkt am Wasser, und außerdem hat sie bald Geburtstag, wird zehn und kann ihre Feier mit Segelregatta und riesiger Marzipantorte kaum erwarten. Da passt es gar nicht, dass ihre Mutter plötzlich mit einem Mann auftaucht, in den sie augenscheinlich auch noch verliebt ist, und der seine drei unausstehlichen Söhne mitbringt. Denen gefällt es so gut am Pichelssee, dass sie die Sommerferien über gleich bei ihnen bleiben wollen. Das kann Rita alles gar nicht akzeptieren, und so schmiedet sie Pläne, wie sie die drei Nervbolzen wieder los wird, und den Mutter-Stefan gleich mit dazu. Wenn doch ihre beste Freundin Leonie endlich aus dem Urlaub zurück wäre, um ihr beizustehen.
Valentina Brüning geht das Thema Patchwork-Familie mit Witz und Leichtigkeit an, und nimmt dabei Ritas Probleme und Sorgen durchaus ernst. Eine gelungene Mischung und ein vielversprechendes Debut. (Syme Sigmund) Leseprobe

Das bestelle ich!

Edward van de Vendel, Marije Tolman: Der kleine Fuchs

Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg Verlag 2020, 88 S., € 15,-, ab 4
(Stand Mai 2021)

Vendel_van_de_Edward_Der_kleine_Fuchs_Danteperle_Dante_ConnectionIn einer Dünenlandschaft, in doppelseitigen bläulich gehaltenen Tableaus, vergnügt sich ein knallorange leuchtender Fuchs damit, die schönen Seevögel zu jagen, im angrenzenden Wald viele verschiedene Tiere zu erschnuppern und zwei lilafarbige Schmetterlinge so über die Dünen zu verfolgen, dass er ganz weit fliegt und mit einem großen Plumps auf dem Sand aufschlägt. Platt auf dem Rücken liegend fängt der kleine Fuchs an zu träumen. Kleine farbige Zeichnungen und zunehmend Worte erzählen von seiner glücklichen Kindheit, den Fuchseltern, Spielen mit den Geschwistern, Entdecken der Sinne und der Welt, aber auch, wie er lernt Mäuse zu fressen und ihm selbst Schlimmes passiert. In der zwischen phantastischem Traum und anschaulicher Realität changierenden Geschichte kommt auch ein kleiner Mensch ins Spiel. Aber das sollen sich Kinder und Erwachsene in diesem hinreißenden Bilder-& Vorlesebuch selber ansehen und weiterspinnen. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

Das bestelle ich!

Maria Parr: Manchmal kommt das Glück in Gummistiefeln

Aus dem Norwegischen von Christel Hildebrandt, Illustrationen von Barbara Korthus, Dressler Verlag 2019, 208 S., € 15,-, ab 9
(Stand März 2021)

parrTrille wohnt mit seinen Eltern und drei Geschwistern in einem kleinen Ort an einem norwegischen Fjord. Außerdem leben hier nur noch sein Opa und Lena mit ihrer Mutter und deren Freund, doch das macht nichts, denn Trille und Lena sind erstens beste Freunde und zweitens steckt die wilde, temperamentvolle Lena so voller verrückter Einfälle, dass es nie langweilig wird. Als die zurückhaltende, hübsche Birgitte aus Amsterdam mit ihren Eltern in einen leerstehenden Hof am Hang zieht, stellt dies ihre Freundschaft auf die Probe, denn Trille ist ein bisschen verliebt in Birgitte und merkt gar nicht, dass Lena ihn ganz schön vermisst. Maria Parr hat wieder einmal ein rundum gelungenes Kinderbuch geschrieben, voller Witz, Chaos und Warmherzigkeit, immer auf Augenhöhe der Kinder, ganz ohne Betulichkeit und Kitsch. Ein Riesenvergnügen, das die großen Themen des Lebens nicht ausspart. (Syme Sigmund)

Das bestelle ich!