John Fante: 1933 war ein schlimmes Jahr

Aus dem Amerikanischen von Alex Capus. Aufbau TB, 141 S., € 10,-
(Stand April 2021)

Fante_1933_Danteperle_DanteConnectionDominic Molise ist 17 Jahre alt, klein, schüchtern, hat schiefe Zähne und ist italienischer Herkunft. Er lebt in einer kleinen Stadt in Colorado. Nichts an ihm ist besonders außer sein linker Arm, der einen großen Traum nährt: Dominic möchte nach Kalifornien gehen, um Baseball-Star zu werden. Schade, dass zwischen ihm und diesem Wunsch seine Eltern stehen, die sich Sorgen um seine Zukunft machen und ihn lieber als Mitarbeiter im Familienbetrieb sähen.
John Fante hat einen Bildungsroman vom Feinsten geschrieben, in dem Hoffnung, Enttäuschung, aber vor allem die Träume eines ganz normalen Jungens im Mittelpunkt stehen: Diese unspektakuläre Geschichte erzählt er in seinem üblichen leisen Ton, in einer Sprache, die einfach bedeutungsvoll wie wenige ist. 1933 ist ein kompakter, schneidender, zärtlicher Roman, der ein prächtiges Finale hat, und der einen wichtigen, zu oft vergessenen Autor in seiner besten Form zeigt. (Giulia Silvestri) Leseprobe

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William Faulkner: New Orleans

Skizzen und Erzählungen. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Arno Schmidt, Suhrkamp 2017, 230 S., € 25,-
(Stand April 2021)

Faulkner 11925 erschienen in der Beilage einer New Orleaner Zeitung kurze Prosastücke des bis dato nur als Lyriker hervorgetretenen 27-jährigen William Faulkner. Seine Protagonisten sind Fremde, Außenseiter – Bettler, Schmuggler, Kleinkriminelle oder Flickschuster. Alle eint die Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und Würde, und Faulkner gelingt es mit seiner Mischung aus Umgangssprache und hoch poetischen Sätzen, in denen der Lyriker durchscheint, ihnen diese Würde zu geben. 1962 hat Arno Schmidt diese Texte mit fantastischem Sprachgefühl übersetzt. Die vorliegende Neuausgabe – in handlichem Kleinformat und im Schuber ausgesprochen ansprechend gestaltet – enthält zudem Schmidts autoironisch-satirische Erzählung <Piporakemes!>. Hier besucht ein Faulkner-Spezialist einen gewissen Herrn Schmidt, um ihn für seine miserable Übersetzung zur Rechenschaft zu ziehen. Ein besonderes Schmankerl.  (Syme Sigmund)

Kurzvideo zur Gestaltung

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Paolo Rumiz: Der Leuchtturm

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl, Folio Verlag TransferBibliothek 2017, 160 S., € 20,-
(Il Ciclope, Feltrinelli 2017, ca. € 13,-)
(Stand April 2021)

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Der Triestiner Paolo Rumiz, der ständig unterwegs die große weite Welt bereist hat, wagt einen Herzenswunsch, eine Reise ohne Fortbewegung. Beladen mit einem schweren Verpflegungssack begibt er sich im regnerischen Frühjahr auf eine winzige Leuchtturminsel im Mittelmeer. Zwei Leuchtturmwärter, ein Esel – sehr viel mehr scheint da nicht zu sein. Winde ohne Ende, Wellen, Wolken tosen um das Eiland, bringen Geräusche, Unruhe, Abwechslung. Rumiz versteht als Adriaanwohner die Sprachen des Meeres und seiner Elemente, er ist bestens vertraut mit der griechischen Mythologie, dem Seemannsgarn der Fischer und genießt die kulinarischen Reize wilden Spargels und edler Fische. Seinen Erkundungen und seinen Reflexionen über den Mittelmeerraum zu folgen, kommt einer wirklichen Reise sehr nahe.
Endlich können wir hierzulande einen großen italienischen Reiseschriftsteller entdecken, hoffen wir auf mehr Übersetzungen! (Stefanie Hetze)

Video zu „Der Leuchtturm/Il Ciclope“

Leseprobe

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Ulrike Edschmid: Ein Mann, der fällt

Suhrkamp Verlag 2017, 187 S., € 20,-, TB 2019, € 10,95
(Stand April 2021)

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Mitte der Achtziger in Westberlin, ein winziger Moment, ein Sturz von einer Leiter, der die Lebensentwürfe zweier Menschen aufs Drastischste verändert. Zunichte die Träume der Erzählerin vom entspannten Glück in der riesigen Altbauwohnung ohne Abstand. Die Koordinaten haben sich völlig verschoben. Er muss mühsam mit seinem gelähmten Körper zurechtkommen, sie als seine unterstützende Begleiterin. Kleine Aktivitäten wie eine Fahrt mit dem klapperigen Aufzug müssen nicht nur bewältigt werden, sie verlangsamen auch den Radius des Paares. Und dies in einer Zeit, in der sich das Leben in Berlin und selbst in ihrem Haus, dem dritten Protagonisten des Romans, rasant beschleunigt. Völlig unsentimental rekonstruiert die Autorin, was ihrem Mann und ihr widerfahren ist, wie sich aber auch der Westen der Stadt verändert hat. So ist „Ein Mann, der fällt“ eine doppelte Liebeserklärung geworden. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Paolo Cognetti: Fontane Numero 1. Ein Sommer im Gebirge

Edition Blau. Belletristik im Rotpunktverlag 2017. Aus dem Italienischen von Barbara Sauser, 144 S., € 20,-
(Il ragazzo selvatico. Quaderno di montagna. Terre de mezzo 2017, ca. € 22,-)
(Stand April 2021)

Cognetti_Paolo_Fontane_°_1_Dante_Connection_Buchhandlung_DanteperleUm eine Schaffens- und Lebenskrise in Mailand hinter sich zu lassen,  mietet sich der dreißigjährige Autor Paolo Cognetti Ende April in einer einsamen Berghütte in 2000 Metern Höhe ein, in der er fernab der Zivilisation einen ganzen langen Sommer allein verbringen will. Im Gepäck hat er Bücher anderer weltverdrossener Autoren und die Hoffnung, selbst wieder schreiben zu können. Als Stadtmensch, zu dessen glücklichster Erinnerung Kindheits- und Jugendsommer im Gebirge gehören, möchte er das Freiheitsgefühl von früher wiederfinden. Doch steht er sich erst einmal selbst im Weg, tun Schnee, Kälte, Nebel, die Höhe ihr übriges. Ganz langsam akklimatisiert er sich, erkundet er die Umgebung und lernt er Hirten kennen, mit denen er sich auf eine vorsichtige schöne Weise anfreundet. Und zum Glück kehrt auch Cognettis verlorengeglaubte feine Sprache zurück.  (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Juri Andruchowytsch: Kleines Lexikon intimer Städte

Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöh, Insel Verlag 2016, 416 S., € 24,-
(Stand April 2021)

andruchowytsch-kleines-lexikon-intimer-staedte_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzberg39 Städte, von Aarau bis Zug über Berlin, Detroit, Odessa und Venedig, Städte, in denen Andruchowytsch – teils über längere Zeit, teils nur für einen Tag, teils als Kind, teils erst vor wenigen Jahren – gewesen ist. Es ist kein Städteführer, der sich hier vor uns entfaltet, sondern ein Kaleidoskop der Erinnerungen, Gefühle, Anekdoten und Betrachtungen. Mal sind sie heiter, mal melancholisch, mal skurril und mal ergreifend (wie die Schilderung seiner persönlichen Erlebnisse in Kiew in den Tagen des Maidan) und immer schafft er es zu überraschen. So folgen wir ihm neugierig nach Prag, das er mit den Augen eines Achtjährigen betrachtet, auf Friedhöfe in Odessa oder in die Straße in Warschau, die einst David Bowie entlang gegangen ist. Ein bisweilen hochpoetisches Buch zum Stöbern, Lachen, Nachdenken und Staunen. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Niklas Maak: Atlas der seltsamen Häuser und ihrer Bewohner

Hanser 2016, 256 S., € 22,-
(Stand April 2021)

Kreuz und quer in Westeuropa und an einigen Orten in Japan, Kenia, den USA, Kanada und Mexiko hat der Architekturkritiker außergewöhnliche bis bizarre Häuser aufgetan, mit denen Menschen ihre ganz besonderen Vorstellungen vom Wohnen verwirklichen wollen. Es sind berühmte Gebäude von Prominenten dabei wie Monica Vittis und Michelangelo Antonionis sardisches Versteck, eine Kuppel, oder Cy Twomblys Burg, aber auch besondere Hütten, Bungalows, Ferienhäuser und Gebäude Unbekannter. Ob wohl diese wahren Kleinode, Größenwahnobjekte und Paradiese den Träumen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner gerecht werden? Äußerst kurzweilig gibt Maak Antworten darauf.

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Christian Schulz: Die wilden Achtziger

Fotografien aus Westberlin. Lehmstedt 2016, 160 S., € 24,90
(Stand April 2021)

schulz_achtziger_danteperle_danteconnectionDie Achtziger in Westberlin sind ein vielbesungener Mythos und zugleich waren sie die letzten als Ausnahme- und Inselstadt. Diese unwiederbringliche Atmosphäre, die eigenartige Schönheit des Maroden und der Leere und daneben die experimentierfreudige Ausgelassenheit der Lebensentwürfe sind in den Fotos von Christian Schulz aufs Wundervollste eingefangen. Sowohl für die, die es erlebt haben als auch für die, die es nicht erlebt haben.

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Ute Krause: Im Labyrinth der Lügen

cbj 2016, 288 S., € 14,99, TB 2018, € 8,99, ab 10

(Stand März 2021)

 

Paul lebt bei seiner Oma und seinem Onkel Henri, Nachtwächter im Pergamonmuseum, denn seine Eltern sitzen wegen versuchter Republikflucht im Gefängnis – man schreibt das Jahr 1984 in Berlin. Bei einem Besuch im Museum hören Paul und seine Freundin Milli seltsame Geräusche und Schritte. Steckt da ein Dieb dahinter? Und warum verhalten sich Onkel Henri und Oma so seltsam? Und wer ist der geheimnisvolle Fremde? Ein superspannender Kinderkrimi der im Vorbeigehen viel über die deutsche Vergangenheit erfahren lässt. Top!

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Jörg Sundermeier: Die Sonnenallee

Bebra 2016, 144 S., € 10,-
(Stand April 2021)

sundermeier_sonnenallee_danteperle_danteconnectionNeukölln polarisiert zwischen absolut angesagt und komplett verschrieen, dazwischen ist meist nicht viel. Wer aber ein differenzierteres Bild  gewinnen und viele Facetten dieses so riesigen und unterschiedlichen Berliner Bezirks kennenlernen möchte, begebe sich am besten im M41 mit diesem unterhaltsamen und faktenreichen Stadtführer auf Erkundung der Sonnenallee und ihres Umfelds und lasse sich überraschen. Nicht nur für Auswärtige ein großer Gewinn.

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