Norman Lewis: Neapel ’44

Aus dem Englischen von Peter Waterhouse, Folio Verlag 2016, 240 S., € 22,90
(Napoli ’44, Adelphi 1995, ca. € 15,50)
(Stand April 2021)

norman-lewis-neapel-dante-connection-italienische-buecher-berlinAls Nachrichtenoffizier zog der Brite Norman Lewis im Herbst 1943 mit der US-Armee in das soeben befreite Neapel ein. Ein Jahr verbrachte er hier und schrieb in dieser Zeit ein Tagebuch, in dem er seine Erlebnisse und Eindrücke festhielt. Seine hervorragenden Italienischkenntnisse ermöglichten es ihm, in engen Kontakt mit der Bevölkerung zu treten. Lewis begegnet dieser ihm fremden Welt voller Anteilnahme und Zuneigung, und beschreibt als aufmerksamer Beobachter Szenen voller Not, Lebenshunger und typisch neapolitanischer „Furbizia“, der Kunst, mit Schläue, Improvisationskunst und List das Leben zu meistern. So entstand ein äußerst interessantes, teils amüsantes, teils bedrückendes Dokument dieser so faszinierenden Stadt auf der Schwelle zwischen archaischer Tradition und Moderne. (Syme Sigmund)

Leseprobe

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Marilynne Robinson: Gilead

Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling, Fischer Verlag 2016, 320 S., TB 2018, € 11,-
(Stand April 2021)

marilynne-robinson-gileadLiteratur kann uns im Glücksfall in Welten und Wahrnehmungen katapultieren, die wir nicht kennen und zu denen wir sonst keinerlei  Zugang haben. „Gilead“ ist so ein Fall. In einem kleinen Ort im tiefen amerikanischen Westen schreibt ein alter protestantischer Geistlicher, der weiß, dass er bald sterben wird, einen langen Brief an seinen kleinen Sohn, um diesem zu erzählen, woher er kommt. Der alte Prediger schildert seine Kindheit als Sohn und Enkel von ebenfalls Pastoren, der eine heftig engagiert im Kampf gegen die Rassentrennung, der andere Pazifist. Er beschreibt das Verhältnis zu seinem atheistischen Bruder und zu seinem Predigerfreund und den herben Verlust, den er durch den Tod seiner ersten Frau und seiner neugeborenen Tochter erlitten hat. Kunstvoll verbindet Marilynne Robertson seine Reflexionen über den Glauben und existentielle Fragen des Seins mit den vitalen Geschehnissen der Gegenwart, die hier nicht verraten werden. Nur noch so viel: Die Geschichte der Mutter des Jungen, seiner zweiten Frau, ist bereits erschienen – „Lila“, auch unbedingt lesen. (Stefanie Hetze)

Leseprobe

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Anna Woltz: Gips

… oder wie ich versuchte an einem Tag die Welt zu reparieren. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann, TB Carlsen 2019, € 5,99, ab 10
(Stand März 2021)

woltz-gips-carlsen-dante-perlie-buchladen-kreuzberg Anna Woltz erzählt in „Gips“ in aller Direktheit und mit viel Feingefühl von der 12jährigen Fitz, deren Eltern sich gerade getrennt haben. Ab jetzt soll sie zusammen mit ihrer kleinen Schwester Bente und einer Hin- und Hertasche zwischen zweimal Zuhause pendeln und sogar noch Verständnis für diese neue Situation zeigen. Fitz zerspringt fast vor Unglauben, Wut und Verzweiflung darüber. Ein Fahrradunfall bringt die geschiedene Familie im städtischen Krankenhaus erneut zusammen, und Fitz wünschte, so eine kaputte Liebe könnte man für ein paar Wochen in heilenden Gips legen. Alles wieder gut? Leider nein. Aber das Krankenhaus scheint dennoch ein verheißungsvoller Ort der Liebe und des Verliebens zu sein, fast wie in den Fernsehserien – und sogar für Fitz. Mit ihrem Vorgängerbuch „Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess“ sorgte Anna Woltz auch in Deutschland schon für viel Furore und wurde dafür u.a. mit dem Luchs Juli 2015 und dem Lesekompass 2016 ausgezeichnet. Ähnliches möchte ich schon jetzt für ihren neuen Roman vorhersagen. (Jana Kühn)

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Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters

Aus dem Englischen von Patricia Klobusiczky, Arche 2016, 352 S., € 22,-, TB 2017, € 12,-
(Stand April 2021)

petina-gappah-die-farben-des-nachtfalters-danteperle1-150x251Petina Gappah hat für ihren ersten Roman eine Protagonistin gewählt, die in kein soziales Raster passt und in einer Gesellschaft, die durch Kolonialismus, Apartheid, Korruption und Autokratie geprägt ist, überall aneckt und die demnach die extremste aller Strafen, die Todesstrafe, erwartet. Memory ist als Albino eine weiße Schwarze. Sie kennt die gegensätzlichsten Milieus. Ihre  Kindheit hat sie arm und in einer Familie ohne Verwandte und Ahnen verbracht, ihre Jugend bei einem reichen weißen Farmer. Sie ist hochgebildet und sitzt nun in dem berüchtigsten Knast Simbabwes. Hier schreibt sie um ihr Leben und kommt beim Erinnern den eigenen Widersprüchen und denen ihrer Mitmenschen auf die Spur. Und dies in einer vielstimmigen mitreißenden Sprache, die Klischees und Schwarzweißdenken aufbricht! (Stefanie Hetze)

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Dienstag, 29.11.2016 um 20.15 Uhr

Bücherklatsch mit Jörg Sundermeier und Kristine Listau

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(c) Nane Diehl
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(c) Nane Diehl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Autor und Journalist Jörg Sundermeier und die Literaturagentin Kristine Listau stellen ihren gemeinsam geführten, unabhängigen Berliner Verbrecher Verlag vor. Umfangreiche Werkschauen, moderne Klassiker und junge Talente bestimmen das Belletristikprogramm, kritische, engagierte Stimmen prägen das vor allem politische Sachbuch. Die Dantedamen empfehlen dazu ihre Lieblingsbücher der Saison. In aller Muße kann auch nach weihnachtlichen Geschenken gestöbert werden. Und wie immer gibt es kulinarische Köstlichkeiten zu probieren!

Eintritt frei. Reservierung erbeten.

Mittwoch 23.11.2016 um 20.15 Uhr

Margherita Giacobino „Familienbild mit dickem Kind” – „Ritratto di famiglia con bambina grassa“

giacobino-margheritaMargherita Giacobino, vor vielen Jahren bei uns zu Gast mit „Eine Amerikanerin in Paris“, stellt ihr persönlichstes Buch vor. Über ein Jahrhundert umfasst ihre von starken Frauenpersönlichkeiten geprägte Familiengeschichte. Es ist eine Geschichte von bitterer Armut und harter Arbeit, von Migration und Wanderarbeit, aber auch die des ökonomischen Wandels und veränderter Rollenbilder in Italien. Vor allem ist es aber eine wunderbare Hommage auf ihre Tanten, Großtanten, Großmütter, ihre Mutter. Italienisch-deutsche Lesung.

Karten 8 € / 6 €

Sonntag, 20.11.2016 um 11 Uhr

Esst ihr Gras oder Raupen? von Cai Schmitz-Weicht & Ka Schmitz

cover-englischMikolaj, Mara, Yasemin, Lenny und Tariq wollen gerade im Hof Verstecken spielen, als sie plötzlich Stimmen hören. Im Gebüsch entdecken sie zwei kleine Elfen, die lauthals streiten. Wie eine echte Menschenfamilie aussieht, ist die verzwickte Frage. Die Kinder sollen helfen, diese richtig zu beantworten. Aber was soll das denn sein: Eine echte Familie? Ein Buch übers Streiten, Zuhören und natürlich über Familien in 4 zweisprachigen Ausgaben.

Wir feiern die Buchpremiere! Im Rahmen der Woche der unabhängigen Buchhandlungen.

Eintritt für Kinder frei. Karten für Erwachsene 3 €.

Freitag, 18.11.2016 um 20.15 Uhr

„Der Mond und die Feuer“ – „La luna e i faló“ Ein Cesare-Pavese-Abend mit der Übersetzerin Maja Pflug

cesarepaveseVon Cesare Pavese, dem berühmten italienischen Autor und Spracherneuerer nach dem Faschismus, erscheint in neuer Übersetzung im Rotpunktverlag in der neuen „Edition Blau“ einer seiner besonders einfühlsamen Kurzromane über seine Heimat Piemont und ihre Bewohner. „Der Mond und die Feuer“ ist ein hochaktuelles Buch über das Weggehen und Rückkehren. Seine Übersetzerin Maja Pflug stellt es uns vor. Maja Pflug wurde 2011 mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Im Rahmen der Woche der unabhängigen Buchhandlungen.

Karten 8 € / 5 €

Montag, 7.11.2016 um 19 Uhr (!!)

Die Verlegerin Monika Osberghaus präsentiert ihren Klett Kinderbuchverlag

(c) Birgitta Kowsky
(c) Birgitta Kowsky

Besuch aus Leipzig! Wir freuen uns auf die Verlegerin eines unserer Lieblingskinderbuchverlage.

Klett Kinderbücher sind vielfältig, engagiert, frech, witzig und haben eher einen Hang zum Antipädagogischen. Genau richtig für Kinder auf dem Weg zu unabhängigen Leseratten.

Ein Abend für Erziehungsprofis und erwachsene Bilderbuchfans!

Eintritt frei. Reservierung erbeten.

klettkinderbuch

Ljudmila Ulitzkaja: Das grüne Zelt

Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt, Hanser 2012, 592 S., € 24,90, tb dtv 2014, € 13,90

(Stand März 2021)

Ulitzkaja_23987_MR.indd1953 in der Sowjetunion, Stalin ist gerade tot, es herrschen angespannte Verhältnisse – drei  12jährige Jungen, die völlig herausfallen  aus dem, was sein darf, haben das Glück, auf einen neuen Lehrer zu treffen, der ihre Leidenschaft für Literatur und Kunst mit langen Spaziergängen durch Moskau fördert. Das ist die Ausgangslage für Ljudmila Ulitzkajas fesselnden  Roman, in dem sie die Schicksale ihrer drei Protagonisten, die aus Liebe zu Literatur und Musik zu Dissidenten werden, über viele Jahrzehnte und in vielen Facetten  begleitet. Ein großartiges Porträt einer Gesellschaft in Unfreiheit zum Lesen an langen Winterabenden. (Stefanie Hetze)

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