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Abbas Khider: Palast der Miserablen

Khider_PalastNoch sind wir frohen Mutes und hoffen wir sehr, am 12. Mai  Abbas Khider bei uns zu Gast zu haben. Er wird aus seinem neuen Roman „Palast der Miserablen“ lesen, der in den Irak der 1990er  führt.

Drücken wir die Daumen, dass es klappt!!!

Shams Hussein ist ein normaler Junge mit ganz normalen Träumen. In der Hoffnung auf ein friedlicheres Leben ziehen seine Eltern mit ihm und seiner Schwester aus dem Süden des Irak nach Bagdad. Doch aus dem Streben nach einer besseren Zukunft wird in dem von Saddam Hussein beherrschten Land schnell ein Leben in existenzieller Not. Die Familie wohnt neben einem riesigen Müllberg, Shams arbeitet als Plastiktütenverkäufer, als Abbas Khider 2015Busfahrergehilfe, als Lastenträger. Und er liebt Bücher. In einer Zeit jedoch, in der ein falsches Wort den Tod bedeuten kann, begibt er sich damit in eine Welt, deren Gefahren er nicht kommen sieht. Ein persönlicher, höchst lebendiger Roman voll unvergesslicher Figuren.

wann? Dienstag, den 12. Mai um 20 Uhr
wo? in unserer Buchhandlung

Tickets      8 € / 5 €

Marion Messina: Fehlstart

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz, Hanser Verlag 2020, 166 S., € 18,-

Messina_Marion_Fehlstart_Danteperle_Dante_ConnectionAurélie und Alejandro begegnen sich in Grenoble. Sie ist Französin, er Kolumbianer, beide sind jung und auf der Suche nach Emanzipation von einer bedrückenden Gegenwart. Sie wünschen sich eine Zukunft voller Freiheit und Erfüllung, stattdessen werden sie sich mit einer harten, trennenden Realität auseinandersetzen müssen. In der Hauptstadt Paris wird schnell klar, dass es fast unmöglich ist, sich solche Träume zu erfüllen, in einer Gesellschaft, in der mehrere Studienabschlüsse einen dazu qualifizieren, lange bei niedriger Entlohnung zu arbeiten und in schrecklichen  Zimmern zu hausen.
In diesem schmalen, wütenden Buch ist der Frust einer ganzen Generation enthalten. Bitter und zügig erzählt Marion Messina von Liebe und Zusammenbruch, Illusionen und Niederlagen, Fortschritten und Ausnutzung. Es ist ein hartes, düsteres, unerbittliches Buch, das kein Entkommen zulässt. Die Figuren sind alle gedrückt und gedemütigt durch einen sozialen Kontext, in dem keine Lebensfülle möglich scheint. Ein „Fehlstart“ ist immerhin ein Anfang, der sich zu besseren Zuständen entwickeln kann. Der Kampf geht weiter. (Giulia Silvestri) Leseprobe

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Bart Moeyaert: Bianca

Aus dem Niederländischen von Bettina Bach, Hanser Verlag 2020, 218 S., € 14,-, ab 11

Moeyaert Bianca_Danteperle_DanteConnectionBianca eckt an. Ihr Vater will sie nur noch alle zwei Wochen sehen, weil sie so bockig ist, ihre Mutter sagt, man weiß nie, woran man bei ihr ist, man brauche eine Bedienungsanleitung für sie. Bianca fühlt sich allein, unverstanden, schweigt, verzieht sich hinter die Hecke. Biancas kleiner wilder Bruder Alan hat nur noch ein halbes Herz, die Mutter lässt ihm alles durchgehen, sorgt sich um ihn, Bianca soll helfen, funktionieren, die vernünftige „Große“ sein und ist doch auch nur ein Kind, das sich übersehen fühlt, dessen Enttäuschung mal in Wut, mal in Verweigerung umschlägt. Bis die Mutter von Alans Freund Jazz zu Besuch kommt und Bianca erkennt, dass es in ihrer eigenen Hand liegt, zu entscheiden, wer sie sein möchte.
Bart Moeyaert ist ein Meister darin, mit wenigen Worten das Innenleben seiner jungen Protagonisten zu umreißen. Mit Feingefühl und ohne jegliche Betulichkeit vermittelt er die schwierige Gefühlswelt eines Kindes, das aufgrund eines schwerkranken Geschwisterkindes zu kurz kommt. Ein sehr besonderes, absolut lesenswertes Buch. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Dita Zipfel: Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte

Mit Illustrationen von Rán Flygenring, Hanser Verlag 2019, 208 S., € 15,-, ab 12

ZipfelLucie hat es satt. Zu Hause ist nicht nur der neue, total nervige Freund ihrer Mutter eingezogen, er soll auch noch ihr Zimmer bekommen. Da macht sie nicht mit, sie will nach Berlin, zu Mamas Ex-Freundin, die genau richtig war. Aber dafür braucht sie Geld, also einen Job. Und den findet sie bei Klinge, der in seiner eigenen Welt magischer Wesen lebt. Unsere Gemüse sind für ihn Körperteile dieser Wesen. Daher können Menschen deren magische Kräfte in Form von Nahrung zu sich nehmen. Lucie soll seine Magie-Rezepte aufschreiben und verdient nebenher auch noch richtig gut. Wie sie dabei Klinge trotz seiner Ruppigkeit ins Herz schließt, seine Rezepte ausprobiert und schließlich ihr eigenes kompliziert-verzwacktes Leben samt Liebestrankexperiment wenn schon nicht in den Griff bekommt so doch in neue, vielversprechende Bahnen lenkt, erzählt Dita Zipfel rasant, mit schrägem Humor, und voll verrückter Einfälle. Die Illustrationen von Rán Flygenring sind hierbei nicht nur Ergänzung, sondern ein ganz eigenes Vergnügen. Ein exorbitant witziges Buch, das Mut macht, egal was andere denken, zu sich selbst zu stehen. (Syme Sigmund)
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Nicolas Mathieu: Wie später ihre Kinder

Aus dem Französischen von Lena Müller und André Hansen, Verlag Hanser Berlin 2019, 445 S., € 24,-

Mathieu_Nicholas_Wie_später_ihre_Kinder_Dante_Connection_Buchhandlung_Danteperle Anfang der Neunziger – nichts geht mehr in diesem öden Teil Frankreichs. Die Hochöfen sind abgestellt, die Fabriken geschlossen, die Arbeiter entlassen, die Häuschen und Wohnungen der Menschen eng und provisorisch. Unter diesen miesen Bedingungen wachsen Anthony, Hacine und ihre Cliquen heran. Auf keinen Fall wollen sie eine so erbärmliche Existenz wie ihre Eltern führen. Sie wollen was vom Leben, eine schnelle Maschine, Alkohol, Drogen, Sex. Dass sich das alles nicht legal verwirklichen lässt, nehmen sie in Kauf. Anthony hat es ausgerechnet auf Steph abgesehen, die bessergestellte Tochter des Mercedeshändlers, Hacine steigt tief in den Drogenhandel ein. Das kann alles nicht gutgehen. Mathieu, von Haus aus Soziologe, geht in seinem fulminanten Roman fast unaushaltbar nah an seine Protagonisten heran, seine direkte Sprache bringt es auf den Punkt. So sehr man es sich auch wünscht, unter diesen Bedingungen gibt es kein Entrinnen. Ein großer Wurf. (Stefanie Hetze)

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Tommy Orange: Dort Dort

Aus dem Englischen von Hannes Meyer, Carl Hanser Verlag 2019, 288 S., € 22,-

Orange_Tommy_Dort_dort_Danteperle_Dante_Connection_Buchhandlung„There is no there, there“ schrieb Gertrude Stein in „Everybody’s Autobiography“. „Es gibt dort kein Dort“ sagt einer der Charaktere von Tommy Oranges Debütroman. In beiden Fällen geht es um Orte und ihre Bedeutung, bei Stein um das Kindheitsende und die ländliche Gesellschaft, bei Orange um das Powwow, Treffpunkt für Generationen von Native Americans, das seit mehr als hundert Jahren an unnatürlichen Orten wie einem Stadion stattfindet. In den kurzen Kapiteln werden Geschichten erzählt davon, was es bedeutet, vertrieben zu sein und ein vages Leben zu führen zwischen einem hypothetischen „Dort der Traditionen“, das es nicht mehr gibt, und dem ohne Orientierung gelebten „Dort der Gegenwart“.
Über die lange, grausame Geschichte der Ureinwohner Nordamerikas zu schreiben ist keine leichte Aufgabe. Noch schwieriger aber ist es, darüber einen spannenden, tiefgehenden Roman zu schreiben, der von innen heraus mal brutal, mal zart, mal humorvoll erzählt. Tommy Orange hat es geschafft. Sein Buch ist berührend und einfühlsam, die Sprache stark nuanciert, die Beobachtungen sehr subtil. In einem Wort: Großartig. (Giulia Silvestri)

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Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios

Aus dem Englischen von Anne-Kristin Mittag, Hanser Verlag 2019, 240 S., € 22,-

VuongWas für ein Buch! In Form eines Briefes an die eigene Mutter, die ihn als Analphabetin nie wird lesen können, schreibt der junge vietnamesischstämmige Vuong vom Aufwachsen am Rand der Gesellschaft in der amerikanischen Provinz, von Armut und Drogen.  Er schreibt von den Kriegstraumata seiner schizophrenen Großmutter, die ein Kleid nur dann kauft, wenn es feuerfest ist, von seiner überforderten Mutter, die ihn im Hinterzimmer des Nagelstudios großzieht, in dem sie arbeitet, von seiner ersten Liebe zu einem weißen, drogenabhängigen Jungen inmitten der Weizenfelder Connecticuts. Er schreibt von der Suche eines Jungen, der kontinuierlich Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt war, nach sich selbst, und er tut dies mit Worten wie Eissplitter, mit Sätzen voller Liebe, Poesie und Klugheit, voller Schmerz und Leichtigkeit. Ein Text, der ins Herz trifft, überwältigt, erschüttert. Großartig! (Syme Sigmund) Leseprobe

Soundtrack zum Buch

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A.L. Kennedy: Süßer Ernst

Aus dem Englischen von Ingo Herzke und Susanne Höbel, Hanser Verlag 2018, 560 S., € 28,-

Kennedy_A._L._Süsser_Ernst_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungWas für ein Buch – ein Tag und eine Nacht, zwei Protagonisten mit ihren Nöten und Träumen, dazu jede Menge Streiflichter auf Menschen in der rastlosen Megastadt London! Jon ist ein Mann „alter Schule“, ein hoher Regierungsbeamter, der desillusioniert von seiner Arbeit und verlassen von seiner Frau, fremden Frauen in ihrem Auftrag einfühlsam-förmliche Liebesbriefe schreibt. Meg ist tief gefallen, als Alkoholikerin hat sie ihre Lizenz als Wirtschaftsprüferin verloren. Seit einem Jahr ist sie trocken und versucht sich als Buchhalterin in einem Tierheim bei knappstem Lohn in der überteuerten feindlichen Großstadt durchzuschlagen. Sie erliegt dem Zauber Jons altmodisch-feinsinniger Briefe.
Bis sie nach einem sehr langen Tag zögerlich zueinanderkommen, hat die Autorin A.L. Kennedy ihr meisterliches Können zum Höhepunkt gebracht und auf der Folie einer zarten Romanze ein starkes vielschichtiges Porträt unserer Gegenwart mit all ihren unerträglichen Verwerfungen entworfen. Und das in einer reichen Sprache, die alle Register kennt, sich nicht weg duckt und großen Lesegenuss bereitet. Eine Danteperle at her best. (Stefanie Hetze)

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… für Geschichtsinteressierte

Yuri Slezkine: Das Haus der Regierung -Eine Saga der russischen Revolution. Aus dem Englischen von Helmut Hierlamm, Norbert Juraschitz und Karin Schuler. Hanser Verlag 2018, 1338 S. mit zahlreichen Fotos und Abb. sowie einem ausführlichen Register, € 49,-

Slezkine_Yuri_Das_Haus_der_Regierung_Danteperle_Dante_Connection_Buchhandlung Mit diesem Opus Magnum zeichnet der Autor die Geschichte dieses überdimensionierten Gebäudes und der ihrer prominenten Bewohner nach. Als Elitebolschewisten zogen die Funktionäre 1931 in das komfortable Haus ein und gewöhnten sich und ihre Familien schnell an den dort gebotenen spießbürgerlichen Lebenstil. Als es zu den Säuberungen unter Stalin kam, war es für die Regierung ein leichtes, im Gebäudekomplex  Verhaftungen und Hinrichtungen durchzuführen. Slezkine verfolgt die Biografien diverser Einzelschicksale, erzählt von ihrem ideologischen Irrglauben und lässt die literarischen Zeugnisse der Zeit einfliessen. Da kann man so richtig eintauchen. (sh)

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… für alle, die sich fürs Bauen begeistern

Roma Agrawal: Die geheime Welt der Bauwerke. Aus dem Englischen von Ursula Held, Hanser Verlag 2018, 262 S., € 24,-

Agrawal_Roma_Die_geheime_Welt_der_Bauwerke_Danteperle_Dante_Connection_Buchhandlung

Warum stehen römische Brücken mit ihren gemauerten Rundbögen noch, stürzen aber manche Hochhäuser aus den Sechzigern ein? Welchen Kräften  wie Wind, Wasser, Erde, Schmutz, Feuer müssen Gebäude trotzen? Welche Auswirkungen hat das Material, aus dem sie gemacht sind? Dies alles und viel mehr erklärt die begeisterte Physikerin und Bauingenieurin in ihrem reich bebilderten Gang durch die Geschichte der Bauwerke sehr persönlich und anschaulich. Mitreißend – ihre Leidenschaft für die Kunst des Bauens! (sh)

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