Verlagshaus Jacoby & Stuart 2020, 104 S., € 22,-, für Jugendliche
(Stand März 2021)
Nach dem Rebel Girls-Erfolg erschien eine Reihe ähnlicher Bücher, die besondere Persönlichkeiten von überall und aus allen Zeiten kurz als Vorbilder präsentieren. Patricia Thoma hat einen eigenen Weg gewählt. Sie stellt jüngere Menschen von hier vor, die sich aktiv und kreativ gegen soziale Missstände wehren und tolle Projekte auf die Beine stellen: So eine Designerin, die Mode für Rollstuhlfahrerinnen und Blinde entwirft, Jugendliche, die sich konkret für Seenotrettung einsetzen oder ein junger Islamwissenschaftler, der mit einem eigenen Youtube-Kanal mit viel Humor Stereotype und Vorurteile aufbricht. Patricia Thomas ausdrucksstarke schwarz-weiß gezeichnete Bildergeschichten, in denen sie nur wenige gelblich-grüne Akzente setzt, porträtieren die Aktivist*innen in ihrem sozialen Umfeld und mit ihren eindrucksvollen mutigen Aktivitäten. Das ist ungemein anregend, mitreißend und zur Nachahmung empfohlen! (Stefanie Hetze)

Wenige Tage vor Oma Sieglindes Tod hat Maia ein Notizbuch von ihr geschenkt bekommen. Nun beginnt die 16-Jährige, es zu füllen – denn dieser Tod wirbelt ihr ohnehin kompliziertes Teenager-Leben noch mehr durcheinander. Oma Sieglinde war der Fels in der Brandung für Maia, ihre beiden jüngeren Schwestern und ihre alleinerziehende Mutter. Immer gab es bei ihr ein offenes Ohr. Und war es mal wieder knapp am Monatsende auch etwas zu essen. Das ist nun vorbei und Maia versucht die Lücke zu schließen. Aber schafft sie noch einen Teilzeitjob mehr? Zum Glück hat sie zwei großartige Freund:innen, die ihr nicht nur gegen die „beschissenste Gleichung der Welt: schlank = SCHÖN = wertvoll“ den Rücken stärken. Elisabeth Steinkellner und Anna Gusella haben für dieses absolut beeindruckende Tagebuch eng zusammengearbeitet. Anna Gusella übernahm neben der Illustration schließlich auch das finale Layout, wobei es ihr meisterlich gelang, Text und Bild zu einer regelrechten Symbiose zu verschränken. Kaum zu glauben, dass hier zwei Köpfe und vier Hände am Werk waren! (Jana Kühn)
Esperanza ist 12 und lebt seit einem Jahr mit ihrer Familie in Chicago, im Latinoviertel in einem dreckigen, verfallenen engen Häuschen in der Mango Street. Das Mädchen mag das Leben dort nicht. Sie träumt eines Tages wegzukommen, weit entfernt von den Sorgen und der Traurigkeit. Sie will bessere Möglichkeiten haben, in der Hoffnung, ihre Familie, Freund*innen und Nachbar*innen irgendwann unterstützen zu können.
Keiner weiß, was passiert ist auf der Klassenfahrt der 10 b. In Sankt … – na Sankt irgendwas, da waren sie wohl, es findet ein dringlicher verpflichtender Elternabend statt, alles andere ist Spekulation.
Bianca eckt an. Ihr Vater will sie nur noch alle zwei Wochen sehen, weil sie so bockig ist, ihre Mutter sagt, man weiß nie, woran man bei ihr ist, man brauche eine Bedienungsanleitung für sie. Bianca fühlt sich allein, unverstanden, schweigt, verzieht sich hinter die Hecke. Biancas kleiner wilder Bruder Alan hat nur noch ein halbes Herz, die Mutter lässt ihm alles durchgehen, sorgt sich um ihn, Bianca soll helfen, funktionieren, die vernünftige „Große“ sein und ist doch auch nur ein Kind, das sich übersehen fühlt, dessen Enttäuschung mal in Wut, mal in Verweigerung umschlägt. Bis die Mutter von Alans Freund Jazz zu Besuch kommt und Bianca erkennt, dass es in ihrer eigenen Hand liegt, zu entscheiden, wer sie sein möchte.
Emma kann es nicht fassen. Aus Dublin in die mecklenburgische Provinz hat es sie verschlagen, in das Dorf, in dem ihre Mutter aufgewachsen ist, zu den wortkargen deutschen Großeltern, die sie nicht kennt, in einen Ort, wo alles „dichtgemacht“ hat – der Konsum, der Kindergarten -und viele Häuser leer stehen. Sofort wieder zurück möchte sie, zu ihren Freundinnen, dem irischen Meer und der vertrauten Sprache, denn „Die englische Sprache bin ich. Deutsch spreche ich nur“. Aber das ist nicht so einfach, wenn man erst zwölf ist, wenn der irische Großvater zwar ihre Trauer spürt, aber nur leise sagt „I´m sorry luv. Ye know I can`t“ und wenn die kleine Schwester vor Wut, Trauer und Heimweh kein Wort mehr spricht und man sie gerade jetzt einfach nicht allein lassen kann. Levin, der Junge mit den Heavy Metal Shirts und der Melancholie im Blick, Levin, der einzige, der Emma zuhört, der hätte einen Plan, aber auch Levin hat seine eigenen Sorgen, und dann … dann schleichen sich die fremde Umgebung, die Ostsee und Levin klammheimlich doch in Emmas Herz.
Lucie hat es satt. Zu Hause ist nicht nur der neue, total nervige Freund ihrer Mutter eingezogen, er soll auch noch ihr Zimmer bekommen. Da macht sie nicht mit, sie will nach Berlin, zu Mamas Ex-Freundin, die genau richtig war. Aber dafür braucht sie Geld, also einen Job. Und den findet sie bei Klinge, der in seiner eigenen Welt magischer Wesen lebt. Unsere Gemüse sind für ihn Körperteile dieser Wesen, daher können Menschen deren magische Kräfte in Form von Nahrung zu sich nehmen. Lucie soll seine Magie-Rezepte aufschreiben und verdient nebenher auch noch richtig gut. Wie sie dabei Klinge trotz seiner Ruppigkeit ins Herz schließt, seine Rezepte ausprobiert und schließlich ihr eigenes kompliziert-verzwacktes Leben samt Liebestrankexperiment wenn schon nicht in den Griff bekommt so doch in neue, vielversprechende Bahnen lenkt, erzählt Dita Zipfel rasant, mit schrägem Humor, und voll verrückter Einfälle. Die Illustrationen von Rán Flygenring sind hierbei nicht nur Ergänzung, sondern ein ganz eigenes Vergnügen. Ein exorbitant witziges Buch, das Mut macht, egal was andere denken, zu sich selbst zu stehen. (Syme Sigmund)
Es geht um Bee. Nach dem Tod ihres Freundes Jim hat sie sich zurückgezogen und ihre sozialen Kontakte abgebrochen. Ein Jahr später wird sie von vier ihrer alten Freunde zu einem Wochenende in Wincroft eingeladen. Dort angekommen fahren sie alle zu einem Konzert. Da wird natürlich getrunken, weshalb sie auf dem Rückweg nur knapp einem Autounfall entgehen. Zurück in Wincroft klingelt ein alter Mann. Er teilt ihnen mit, der Unfall wäre wirklich passiert und nur einer hätte überlebt. Welcher der Fünf überleben soll, müssten sie selbst abstimmen mit maximal einer Gegenstimme. Bis sie das geschafft haben, müssten sie die gleichen 11,2 Stunden immer wieder erleben. Doch inwiefern unterscheidet sich die Niemalswelt von der normalen und können alle der Niemalswelt widerstehen?
Alice wohnt mit ihren Eltern in einer großen Villa. Ihr Großvater ist ein wohlhabender Mann, der die Macht über die Familie hat und diese tyrannisiert. Alice hat keine Freunde. In der Schule wird sie gemobbt. Doch dann kommt Niko neu in die Klasse. Der braungebrannte Junge, der das Leben als Abenteuer nimmt und unglaublich viel zu erzählen hat, macht sie glücklich. Zusammen mit ihm fühlt sie sich stark. Alice hat genug von ihren schwierigen Familienverhältnissen und sieht ihre einzige Chance darin, zusammen mit Niko abzuhauen. Ein langer Sommer ohne Zeitgefühl, doch Niko verändert sich zunehmend. Alice muss entscheiden, was das Richtige ist und was sie überhaupt will …