2 Bände mit Begleitbuch. Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel, Luchterhand Literaturverlag 2019, 1056 S., € 48,-
(Stand März 2021)

Existentielle menschliche Erfahrungen wie Einsamkeit, Abgründe in Beziehungen und Familien oder die Suche nach Sinn, darum geht es in Askildsens Erzählungen und wenigen Kurzromanen. Geschrieben in einer knappen Sprache, bei der jedes einzelne Wort sitzt, kongenial von Hinrich Schmidt-Henkel übersetzt, entfalten die Geschichten beim Lesen einen ungeheuren Sog. Die große Bandbreite der Dramen des Lebens finden sich in nur Tausend Seiten Gesamtwerk, die es aber in sich haben. In Norwegen längst Vorbild und Referenz und in 20 Sprachen übersetzt, ist Kjell Askildsen hierzulande noch ein absoluter Geheimtipp. (Stefanie Hetze) Leseprobe

Von Polen über Mazedonien und Island nach Finnland reisen? Oder doch lieber aus der Schweiz über Albanien nach Spanien und Estland? Dabei Rehe im Anatomiemuseum beobachten oder bei Regen an Maulbeerbäumen entlangstreifen? Oder, oder, oder… Kein Problem, mit dieser unerschöpflichen Anthologie von rund 1000 Gedichten aus 47 Sprachen, ein lyrisches Kaleidoskop, das einlädt zum endlosen Entdecken, Versinken, Staunen- alles im Original und in deutscher Übersetzung. (Syme Sigmund)
Von Nord-und Ostsee bis nach Bayern stellt die Künstlerin in großflächigen Illustrationen auf je einer Doppelseite unterschiedliche Regionen und Orte mit charakteristischen Wahrzeichen und landschaftlichen Besonderheiten wie das Wattenmeer und die Sächsische Schweiz vor. Viel gibt es auf diesen ausdrucksstarken Bildern ohne Text zu entdecken: jede Menge geografischer Details und eine phänomenale Bandbreite unterschiedlichster Menschen, die sich fortbewegen, arbeiten, ausruhen, feiern, spielen, unterhalten. Zum Immerwiederanschauen und Kopfreisen für alle. (Stefanie Hetze)
Die jahrtausendealte Ode eignet sich für stilistische Experimente. Der preisgekrönte Autor des „Kongo“, David van Reybrouck, hat sie für sich entdeckt und wunderbar-konzentrierte Lobeshymnen auf Menschen, Dinge, Momente und Gefühle verfasst. Gewürdigt werden der Mut, das Scheitern, die Brüderlichkeit, Fatma Aydemir, das Wiedersehen, das Trampen, das Nichtfotografieren, der Bierdeckel . . . Allein das Inhaltsverzeichnis feiert das Leben mit all seinen Facetten, umso intensiver und reicher die Lektüre, die durch die extra für jede Ode gezeichnete Bierdeckel und weitere Abbildungen zu einem Gesamtkunstwerk geworden sind. (Stefanie Hetze)
Der Ballettklassiker als großformatiges traumhaftes Bilderbuch, hier mit einem glücklichen Ende. Zum Anschauen und zum Anhören der wichtigsten Schwanensee-Motive mit Hintergrundinformationen zum Ballett und zu Tschaikowsky, die anregen, die Musik ganz anzuhören und es sich anzusehen. Der Clou: Heldin und Held sind dunkelhäutig, auch die übrigen Figuren wie die „Schwäne“ sind sehr vielfältig gezeichnet. Endlich einmal spiegelt eine magisch-schöne Geschichte gleichzeitig die Realitäten. (Stefanie Hetze)
Ein Kompendium dialektalischer Wörter, die aus ganz unterschiedlichen Ecken des deutschen Sprachraums stammen: Von Bayerisch bis Sächsisch, von Kölsch bis Schweizerdeutsch, es gibt so viel zu entdecken! Ein Genuss für alle Sprachinteressierten mit großartigen, witzigen Illustrationen. (Giulia Silvestri) 
Patience Portefeux ist eine erschöpfte Frau, die sich vorbildlich aufreibt zwischen Job und Familie. Das Leben hat sie nicht mit Samthandschuhen angefasst: Die Eltern, „halbseidene Exoten“, teilen den Verlust der Heimat und kompensierten diesen mit
Eine ungewöhnliche Geschichte aus der Vergangenheit in einem Bilderbuch mit außergewöhnlichem Format. Schon auf der ersten Doppelpanoramaseite wird klar: Clara lebt in ärmlichen Verhältnissen in einer kleinen Hütte mit ein paar Hühnern. Ihre Mutter wäscht per Hand mit Waschbrett, sie schickt ihre Tochter mit einem Korb voller Wäsche zu einem Mann, der allein in einem großen Haus lebt, es aber nie verlässt. Den Lohn dafür findet Clara unter der Türmatte. Zwischen Fenster und Vorhang beäugen das Mädchen und der Mann einander, beginnen vorsichtig ein Gespräch. Irgendwann fragt er sie, ob sie lesen könne. Das kann sie, und ab dann liegt jedes Mal, wenn sie die Wäsche bringt, ein Buch an der Türschwelle. Aus diesen vorsichtigen Annäherungen zwischen dem direkten Kind und dem misstrauischen Erwachsenen entwickelt sich eine besondere Freundschaft, die beide voranbringt. Maria Teresa Andruetto benötigt nur wenige Sätze für ihr eindrückliches Anliegen, Kindern mehr Selbständigkeit zuzutrauen. Durch die vielschichtigen Gestaltungsmittel der Illustratorin Martina Trach erreicht diese wahre Geschichte aus Argentinien eine geradezu filmische Dynamik. Zum Immerwiederanschauen! (Stefanie Hetze)
Albe ist eine junge Frau, die ein Viertel ihres Lebens im Knast verbracht hat. Da drinnen hat sie ihre gymnasiale Ausbildung abgeschlossen, gelesen, geschrieben und davon geträumt, Schriftstellerin zu werden. Nun ist sie frei und sucht einen Weg zur Veröffentlichung. Einfach ist es allerdings nicht: Ihr Mann ist noch im Gefängnis, alte Freunde lassen sie im Stich, sie kann nicht frei durch Frankreich reisen und hat dazu kein Geld.