Sonja Danowski: Das Theater von nebenan

Bohem 2019, 32 S., € 22,95, ab 4
(Stand März 2021)

Danowski_Theater_Danteperle_DanteConnectionAm liebsten spielen die Geschwister Pia und Pablo mit ihren Handpuppen. Eine ganze Theatergruppe erwecken sie im fantasievollen Spiel jeden Tag zum Leben. Doch mit dem neuen Nachbarsjungen Ricky kommt Verunsicherung in das bis dato so einträchtige Lieblingsspiel: Ihhh, Puppen!, ruft er entsetzt und nimmt Pablo direkt mit in sein Reich der Rennbahnen, Autos und Flugzeuge. Pia bleibt enttäuscht zurück. In kunstvollen Bildern und mit einer überraschenden Wendung erzählt Sonja Danowski, wie die Kinder den Konflikt selbständig  und jenseits aller Klischees auflösen und spielerisch ihre Welten miteinander verbinden.

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Marianna Hillmer & Johannes Klaus & Cindy Ruth: Spielplatzguide Berlin

Die genialsten Spielplätze und besten Eisdielen. Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe Reisedepeschen 2021, € 22,-

(Stand Juli 2021)

Italienische Kinder zum Beispiel, an die tristen „Spiel“-Plätze ihrer Heimat gewöhnt, wollen, einmal in Berlin, nichts anderes machen, als die hiesigen tollen Spielplätze zu erobern. In diesem übersichtlichen Führer werden die schönsten und abwechslungsreichsten Plätze quer durch die Bezirke vorgestellt. Jeder ausgewählte Spielplatz wird mit einer Geschichte zu seinem Konzept, seinen vielen Besonderheiten und phantasievollen  Details vorgestellt. Es gibt wunderbare Fotos, klar gestaltete Karten und alle nötigen praktischen Infos (wie eine Altersempfehlung oder Hinweise auf Fehlendes wie Sonnenschutz). Und als Extraschmankerl zu jedem Spielplatz noch eine passende spezielle  Kinderbuchempfehlung. Da kann es doch losgehen auf Erkundungs- und Spieltour kreuz und quer durch Berlin! (Stefanie Hetze)

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Lorenz Pauli & Kathrin Schärer: Am Sonntag, als das Ei aufging

Atlantis Verlag 2019, 112 S., € 16,-, ab 6
(Stand März 2021)

0766_Sonntag als Ei aufging_Cover.inddNach seinem wunderbaren Geburtstagsfest ist der Bär traurig, weil es soo lange dauern wird, bis er wieder  feiern kann. Der Igel geht mit ihm die  nächsten Wochentage, Monate und Jahreszeiten durch, in denen aus seiner Perspektive so viel Aufregendes passieren wird! Wird sich der Bär von der Lebensfreude seines kleinen Freundes anstecken lassen? In drei Geschichten, die wohlgesetzt mit sparsamen Worten und großflächigen Bildern wirkungsvoll in Szene gesetzt sind, verblüfft und unterhält das großartige Duo Pauli-Schärer wieder kleine und große Leser*innen. Ein  Geniestrich. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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Eymard Toledo: Juju und Jojô

Übersetzt von Michael Kegler, Baobab Books 2019, 32 S., € 17,-, ab 5
(Stand März 2021)

42_Toledo_Eymard_Jojo_und_Juju_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungDie Zwillinge Juju und Jojô leben in einer großen Stadt in Brasilien. Als die beiden jünger waren, pflanzte ihr Vater vor dem Haus einen Baum, der heute schon fünf Stockwerke hochgewachsen ist und als einziges Biotop der Straße vielen Insekten als Zuhause dient. Darüber freut sich besonders Jojô, die sich für alles begeistert, was da kreucht und fleucht!  Eymard Toledo begeistert einmal mehr mit ihren detailreichen Materialcollagen, in denen sie Kindern Einblicke in den Alltag einer hierzulande nur wenig bekannten Landeskultur bietet. (Jana Kühn)

Blick ins Buch

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Kirsten Bradley & Aitch (Illustr.): Grüner wird´s nicht!

Übersetzt von Andreas Bredenfeld, Kleine Gestalten 2019, 48 S., € 14,90, ab 6
(Stand März 2021)

Gestalten_Grüner_Danteperle_DanteConnectionDas Buch für kleine Gärtner erklärt in malerischen, sehr farbenfrohen Bildern und knappen, kindgerechten Step-by-Step-Erläuterungen, wie man nachhaltig Projekte im eigenen Garten, auf der Fensterbank oder im Hinterhof umsetzen kann. Da werden aus Zeitungen und Milchtüten Blumentöpfe recycelt und noch so manch anderes Material, das man sowieso meist zuhause hat. Samenbomben, Bohnenzelte und Insektenhotels – der grünen Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt! (Jana Kühn)

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Helen Weinzweig: Schwarzes Kleid mit Perlen

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit, Verlag Klaus Wagenbach 2019, 192 S., € 22,-
(Stand März 2021)

Weinzweig_Helen_Schwarzes_Kleid_mit_Perlen_Danteperle_Danteconnection_BuchhandlungEine Frau, die Mann und Kinder verlassen hat, wartet in einem Hotel in Toronto auf ihren langjährigen Geliebten. Sie weiß nicht, ob er kommt, wann er eintrifft und in welcher Verkleidung er auftaucht.  Er ist in wichtigster Geheimmission unterwegs, es darf weder Anrufe noch schriftliche Dokumente geben, die auf ihre Beziehung hindeuten. In National Geographic Heften versteckt er kryptische Hinweise, mit denen sie ihr mögliches nächstes Treffen irgendwo auf der Welt erraten muss. Eine eigentlich unerträgliche Situation, besonders für die heutige Leserin.
Doch belässt es Helen Weinzweig, die diesen Roman mit 65 Jahren Lebenserfahrung veröffentlichte, nicht bei der Schilderung einer verlangenden passiven Frau mit Perlenkette. Ihre ineinanderfließenden Erinnerungen, Phantasien und vielleicht realen Begegnungen mit Menschen in heruntergekommenen Häusern, Läden und Fabriken überschreiten bei weitem die enge Welt der Hotellobbys, Bars und Museen einer Geliebten. Der Heldin erschließen sie Spiel- und Handlungsräume weit weg vorgezeichneter Konventionen inklusive einer verblüffenden Stippvisite bei ihrem Ehemann. Wie schön, dass Wagenbach diesen feministischen Klassiker aus Kanada hierzulande zugänglich gemacht hat. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Gioacchino Criaco: Die Söhne der Winde

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl, Folio Verlag 2019, 336 S., € 22,-
(La maligredi, Feltrinelli 2018, ca. € 22,80)
(Stand März 2021)

Criaco Söhne der Winde_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergKalabrien der 60-er Jahre. Im Dorf Africo Nuovo leben vor allem Frauen, Alte und Kinder. Die Männer sind emigriert, nach Mailand oder nach Wolfsburg. Nur die Mafiosi haben in dem kargen Land ihr Auskommen. Nicola und seine Freunde sehen im Schulbesuch keinen Sinn, hängen in der Bar rum und rutschen nach und nach in die Kleinkriminalität ab – auch um ihren hart arbeitenden Müttern etwas zustecken zu können, denn die fernen Männer schicken Geld nur sporadisch, wenn überhaupt. Als eines Tages Papula auftaucht, ein junger Rückkehrer aus Deutschland, mit revolutionären Ideen im Kopf, scheint plötzlich alles möglich. Die ausgebeuteten Frauen proben den Aufstand und die Jungen träumen für kurze Zeit von einer Zukunft für den Ort und für sich selbst. Doch gegen die mafiösen Strukturen und korrupte Politiker ist es ein ungleicher Kampf.
Criaco, Kenner der Verhältnisse vor Ort,  erinnert an ein vergessenes Kapitel kalabrischer Geschichte, denn Papula gab es tatsächlich, er hieß Rocca Palamaro und löste eine anarchistische Welle aus, die 68er-Bewegung Kalabriens.
In eindringlichen Bildern und düster-poetischer Sprache setzt Criaco der einfachen Bevölkerung ein Denkmal und klagt die Verhältnisse an, die sich bis heute kaum gebessert haben. (Syme Sigmund)

Leseprobe

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Helene Bukowksi: Milchzähne

Blumenbar 2019, 220 S., € 20,-, Aufbau TB € 10,-

(Stand März 2021)

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In ihrem Debütroman imaginiert die Autorin ein Szenario in unbestimmter Zukunft, das im Kern vielfach Berührungspunkte mit unserer Lebensrealität aufweist.
Ein Mädchen lebt mit ihrer Mutter in einem Haus mit Garten nahe eines Kiefernwaldes. Das Klima ist dem Mensch kein Freund mehr und auch die Gemeinschaft ist von fragwürdigem Rückhalt. Ist die Mutter anfangs noch eine Verbündete, ist das Mädchen mit dem Verlust der Milchzähne plötzlich auf sich gestellt. Die Erklärung dafür bleibt lakonisch („sie sei nun eine von ihnen“) sowie sich auch die immer wieder als feindlich definierte Umgebung und Nachbarschaft nur langsam erschließt. Nur eins ist von Beginn an klar: Anderssein ist in diesen Zeiten kein Überlebensvorteil. In diesem Umfeld entsteht eine Protagonistin und Erzählerin, die sich neben dieser kargen und eingeschränkten Lebenswelt stark auf sich selbst zu besinnen beginnt. Aus der Selbstversorgerin wird eine Selbstdenkerin, die, als sie ein Kind im Wald findet, einen mutigen Entschluss fasst. Das Buch regt zum Denken an und ist aufgrund der atmosphärischen Dichte ein großes Lesevergnügen. (Franziska Kramer) Leseprobe

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Isabelle Lehn: Frühlingserwachen

S. Fischer Verlag  2019, 256 S., € 22,-

(Stand März 2021)

Lehn_Frühlingserwachen_Danteperle_DanteConnectionMit 37 verbringt man statistisch betrachtet die wohl glücklichste Zeit seines Lebens, heißt es in Isabelle Lehns zweitem Roman „Frühlingserwachen“. Ist das so?, fragt ihre Protagonistin zweifelnd und damit auch die Autorin selbst. Denn was Lehn hier vorlegt, ist ein literarisches Vexierspiel, indem sie um ihre vermeintlich eigene Identität kreist. Isabelle Lehn ist und lebt, worüber sie schreibt – oder eben auch nicht. Doch eigentlich geht es weniger darum wer sie ist, sondern um das was: Es geht darum Frau zu sein, Autorin, Freundin, Geliebte, vielleicht Mutter und es geht um Depressionen und Selbstzweifel, die wie die dunkle Rückseite der ganzen schönen Frühlingsgefühle aus dem Boden zu schießen scheinen. Das sind oft nicht unbedingt leichte Themen, doch werden sie derart klug, offen und selbstironisch erzählt, dass man die Autorin/Protagonistin gern durch Bars und Badezimmer, zu Lesungen und Therapiesitzungen und sogar in den Zoo begleitet. (Jana Kühn)

Leseprobe

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Dilek Güngör: Ich bin Özlem

Verbrecher Verlag 2019, 157 S., € 19,-

(Stand März 2021)

IchBinÖzlem„Ich bin Özlem.“ Wenn sie sich mit diesen Worten in einer neuen Runde vorstellt, weiß die als Kind türkischer Einwanderer Geborene, dass ab sofort, ungewollt und unaufgefordert ihre Herkunft mit ihr im Raum steht, bzw. das was sich ihr Gegenüber darunter vorstellt. Meist beeilt sie sich noch den Satz, dass ihre Eltern aus der Türkei kommen, hinterherzuschieben. Dass sie Berlinerin ist, Ehefrau, Mutter zweier Kinder, Deutschlehrerin usw. beschreibt scheinbar einen deutlich kleineren, unwichtigeren Teil ihrer Person – auch für sie selbst. Damit hadert die erwachsene Frau zunehmend und dieser Konflikt sucht sich langsam seinen Weg an die Oberfläche, bis er in einer Diskussion mit den doch eigentlich besten Freunden zum Ausbruch kommt. Dilek Güngör kreist um die Themen Identität und Herkunft. Sie lässt Özlem aus ihrer Kindheit und Gegenwart erzählen, verschränkt die Zeitsprünge und Rückblenden gekonnt und geradezu leichtfüßig. Es geht um Zuschreibungen bzw. um die Angst davor und eigenen Umgang damit. Dabei rüttelt sie ihre Protagonistin Özlem einmal durch und vor allem auf – und ähnliches passiert auch beim Lesen, nur eben aus einer anderen Perspektive. Hochaktuell und sehr empfehlenswert, gerade auch um das eigene, ach so linksliberale und vermeintlich vorurteilsbewusste Denken zu hinterfragen! (Jana Kühn) Leseprobe

Dilek Güngör las am Dienstag, den 2. April 2019 in unserer Buchhandlung!

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