James Baldwin: Beale Street Blues

Mit einem Nachwort von Daniel Schreiber. Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow, dtv 2018, 221 S. , € 20,-, dtv TB € 11,90

(Stand März 2021)

Baldwin_James_Beale_Street_Blues_Danteperle_Buchhandlung_Dante_ConnectionWas für ein Buch! Die 19jährige Tish und der drei Jahre ältere Fonny sind leidenschaftlich ineinander verliebt. Beide kommen aus Harlem, kennen einander seit ihrer Kindheit, haben Großes vor. Tish erwartet ein Baby und Fonny möchte Künstler werden. Als sie tatsächlich einen Speicher zum Leben und Arbeiten mieten können und ihr Glück so nahe scheint, kommt es zur Katastrophe. Fonny wird zu Unrecht als Vergewaltiger inhaftiert, für ihn beginnt das Inferno, für Tish mit dem Baby im Bauch fühlt es sich wie „die Sahara“ an. Täglich besucht sie ihn im Knast, versucht ihn aufzubauen und ihn gleichzeitig neben ihrer Arbeit in einem Kaufhaus aus dem Gefängnis herauszuholen. Doch das rassistische System schlägt gnadenlos zu. Dabei kämpfen ihre Familie und Fonnys Vater mit all ihren – knappen – Mitteln für den Unschuldigen.
Wut und Zärtlichkeit sind die beiden Pole dieses so beeindruckenden Romans, der im Rhythmus des Blues die vielen Facetten der  Beziehung des jungen schwarzen Liebespaars mit der für sie brutalen Wirklichkeit konfrontiert und der auch dank der wunderbaren Übersetzung Miriam Mandelkows ergreift und zornig macht und ganz große Literatur ist! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Jacqueline Woodson: Ein anderes Brooklyn

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit, (Piper Verlag 2018), 158 S., Piper TB € 11,-

(Stand April 2021)

Woodson_Jacqueline_Ein_anderes_Brooklyn_Danteperle_Dante_connection_BuchhandlungNach der Beerdigung ihres Vaters trifft die Anthropologin August, die weltweit forscht, in der New Yorker U-Bahn zufällig ihre Jugendfreundin Sylvia. Die beiden waren zusammen mit Angela und Gigi im Brooklyn der Siebziger engste Freundinnen gewesen.  Statt sich nach über 20 Jahren auszutauschen, steigt sie nach kurzer Begrüßung vorzeitig aus, fängt aber an, sich an früher zu erinnern. Wie es ihr, ihren Freundinnen erging, ihre Träume, Hoffnungen und Realitäten unter unterschiedlich schwierigen Startbedingungen. Die vielen Ereignisse aus ihrer Teenagerzeit, alltägliche und dramatische, verdichtet sie in ihrem Roman in  intensiven Momentaufnahmen, die eindrucksvoll ein Panorama auffächern, wie es war, als afroamerikanisches Mädchen aufzuwachsen und erwachsen zu werden.
In den USA ist Jacqueline Woodson hochgelobt als Autorin bekannt, die gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit schreibt. 2018 wird sie mit dem „Nobelpreis für Kinderliteratur“, dem Astrid-Lindgren-Preis ausgezeichnet werden, hierzulande kann sie nun endlich zumindest als Erwachsenenautorin entdeckt werden! (Stefanie Hetze)

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https://www.jacquelinewoodson.com/

Alain Mabanckou: Die Lichter von Pointe-Noire

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Liebeskind 2017, 272 S. mit 20 SW-Fotografien,  € 20,-

(Stand April 2021)

Mabonckou_Alain_Die_Lichter_von_Pointe-Noire_Dante_Connection_Buchhandlung_DanteperleErstmals nach über 20 Jahren und dem beinahe ebenso lang verdrängten Tod seiner Mutter kehrt Alain Mabanckou in sein Heimatland zurück. Gleich auf den ersten Seiten seiner Memoiren schreibt er sich das schwierige komplexe Verhältnis zu seiner Mutter von der Seele, einer erst alleinerziehenden und später verheirateten Marktfrau, der eine Cousine Schlimmstes prophezeit hatte.
Nun kehrt er als berühmter Autor und Gast des Institut Français in seine Heimatstadt Ponte-Noire zurück und begegnet seiner überaus weit verzweigten Verwandtschaft. Sie feiern ihn, haben aber auch beträchtliche Ansprüche an ihn. Er trifft jede Menge Leute, kommt quer durch die Stadt, hört und registriert die unterschiedlichsten Geschichten, Meinungen und Glaubensvorstellungen.  Vieles, auf was er heute stößt, stimmt überhaupt nicht mehr mit seinen Erinnerungen überein, anderes dann wieder ganz unverhofft. In die Textpassagen streut er alte Fotos von früher und aktuelle Aufnahmen ein, was die Wechselseitigkeit vom Erinnerten und dem Heutigen aufs Lebendigste verstärkt. Berührendes, Persönliches kontrastiert er in seinem Buch kunstvoll mit zufälligen Begebenheiten und würzt es mit viel Humor. (Stefanie Hetze)

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Gaël Faye: Kleines Land

Aus dem Französischen von Brigitte Große und Andrea Alvermann. (Piper Verlag 2017), 223 S., Piper TB € 11,-
(Stand April 2021)

Faye_Gael_Kleines_Land_Dante_Connection_BuchhandlungMit seinen Freunden Mangos klauen, auf ihrer Straße spielen, sich von der Nachbarin Madame Economopoulos Bücher zu leihen, vom Chauffeur zur Schule gefahren zu werden – so idyllisch könnte es für den Jungen Gaby ewig weitergehen. Doch seine unbeschwerte Kindheit im privilegierten Viertel Bujumburas, der Hauptstadt des kleinen Lands Burundi, erfährt jähe Risse. Die Ehe seiner jungen Eltern, der Vater ein brünetter kleiner Franzose, die Mutter eine große schöne Afrikanerin, scheitert. Seine Mutter zieht aus. Sie, die verfolgt aus Ruanda geflohen ist und deren Familie unter Massakern und Heimatlosigkeit litt, geht zurück und zerbricht. Auch in Gabys Welt ist längst der brutale Bürgerkrieg angekommen, ist gar nichts mehr wie vorher, muss auch er fliehen.

Als fremd gebliebener Erwachsener in Frankreich bleibt ihm die Sehnsucht nach seiner Heimat, hat er keine Antworten auf die Ursachen für Scheitern, Hass und Gewalt und begibt sich auf Erinnerungssuche. Entstanden ist dieser dichte eindringliche Roman. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Aya Cissoko: Ma

Aus dem Französischen von Beate Thill, Wunderhorn 2017, 180 S., € 24,80
(Stand April 2021)

Cissoko_Ma_Danteperle_DanteConnectionMassiré Dansira kommt im Alter von 15 Jahren aus Mali nach Frankreich. Sie folgt einem Ehemann, dem sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben und regelmäßige Geldsendungen von ihrer Familie anvertraut wurde. Aber es kommt anders. Das Leben in Frankreich ist fremd und ungewohnt, in vielerlei Hinsicht entbehrlich. Nach dem Tod ihres Mannes zieht sie drei Kinder allein und nach bestem Wissen und Gewissen auf, folgt dabei so gut es geht sowohl den Traditionen ihrer Herkunft als auch den weiterhin unverständlichen Codes der ihr so fremden Welt – und hadert kämpferisch mit beiden. Besonders Aya, das mittlere Kind, bereitet ihr Sorgen. Von Aya kommt Widerstand, Aya hinterfragt, Aya fordert ein Leben als junge Französin. Ma ist die beeindruckende Liebeserklärung einer erwachsenen Tochter an ihre Mutter, trotz oder vielleicht sogar wegen eines Verhältnisses, das nie einfach war. Ein versöhnliches Buch, das einer Mutter den liebevollen Respekt erweist, den sie ihr ganzes Leben hat missen müssen – sowohl seitens der französischen Gesellschaft als auch aus dem unmittelbaren malisch-migrantischen Umfeld. (Jana Kühn)
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Yaa Gyasi: Heimkehren

Aus dem Englischen von Anette Grube, Dumont Verlag 2017, 416 S., € 22,-, TB DuMont 2018, € 12,-
(Stand April 2021)

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Mitte des 18. Jahrhunderts werden im heutigen Ghana zwei Schwestern geboren: Effia und Esi. Ihre Lebenswege werden sich nie kreuzen. Präziser ließe sich von Leidenswegen sprechen, denn, noch fast ein Kind, wird die eine mit dem britischen Gouverneur verheiratet; die andere wiederum entführt und als Sklavin weit über den Atlantik in „die Hölle“ verkauft. Diese, jede auf ihre Weise unfassbar brutalen Szenarien sind der Ausgangspunkt für Yaa Gyasis fesselnd wie erschütternd erzählte Familiensaga, die den Bogen bis in die heutige USA und zurück an die Küsten Ghanas spannt. In eindrücklichen Episoden verfolgt Gyasi beide Familienstränge und porträtiert dabei Menschen im Hadern an den diskriminierend rassistischen Verhältnissen und dennoch zähem Kämpfen um das kleinste bisschen Menschenwürde. Gyasis beachtliche historische Recherche öffnet einmal mehr die Augen für postkoloniale, heutige Verhältnisse. Aber vor allem ist Heimkehren ein großartiges Stück Literatur, dessen Figuren nie nur als Stellvertreter ihrer Zeit funktionieren, sondern als detailliert liebevoll und plastisch beschriebene Charaktere tief berühren und lange in Erinnerung bleiben werden. Ein hartes, ein sprachlich dunkel funkelndes, ein sehr empfohlenes Buch!
Zur selben Thematik und quasi gleichzeitig ist bei Hanser der Roman The Railroad Underground von Colson Whitehead erschienen – lesen Sie bitte unbedingt beide! (Jana Kühn) Leseprobe

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Samuel Selvon: Die Taugenichtse

Mit einem Nachwort von Sigrid Löffler. Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow, dtv 2017, 176 S., € 18,-
(Stand April 2021)

Selvon_Samuel_Die_Taugenichtse_Dante_Connection_BuchhandlungSonntags treffen sich in Moses Aloettas schäbigem kleinen Zimmer „die Taugenichtse“, er, seine Freunde und Zufallsbekannten und reden über ihre Geldsorgen, Wohnungsprobleme und vor allem über den Rassismus, den sie, die schwarzen Einwanderer aus der Karibik tagtäglich im kalten abweisenden London erfahren. Unterschiedlich sind ihre Strategien, das zu überleben. Manche sind Meister, auf Pump zu leben, andere Kleinkriminelle, verzweifelte Taubenfänger und -esser, andere wieder versuchen sich als unwiderstehliche Verführer junger Engländerinnen oder nehmen die Widrigkeiten mit Witz und Ironie.
Eine kleine Sensation hat der dtv-Verlag da ausgegraben, „The Lonely Londoners“ 1956 in Großbritannien erschienen und ein Pionierwerk für migrantische Literatur, war bis heute nie in deutscher Übersetzung erschienen. Vermutlich bestanden Zweifel ob der Übersetzung, dass sich in Deutschland niemand an die Herausgabe wagte, denn Selvon schuf für seinen Roman eine ganz eigene kreolisch-englische Kunstsprache. Plus den vielen Stimmen, die er seinen Figuren, gibt, hat er einen unvergleichlichen neuen Erzählton geschaffen, den Miriam Mandelkow bravourös ins Deutsche übertragen hat. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Yewande Omotoso: Die Frau nebenan

Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck, List 2017, 272 S., TB 2018, € 11,-
(Stand April 2021)

Yewande_Omotoso_Die_Frau_nebenan_Dante_Connection_Buchhandlung_DanteperleKapstadt, Südafrika – die achtzigjährigen Nachbarinnen Hortensia und Marion sind erbitterte Feindinnen, die einander in den Eigentümerversammlungen ihrer exklusiven Wohnanlage auf hohem Niveau und mit allen Raffinessen bekriegen. Beide Frauen waren beruflich außerordentlich erfolgreich und mit ebensolchen Männern verheiratet. Doch ist ihr Machtkampf keiner zweier Gleicher. Hortensia ist die einzige schwarze Villenbesitzerin in diesem Reichenvorort und hat als Trumpf immer den Rassismusvorwurf in petto. Doch weiß Marion genau, wie sie die andere treffen kann. So unterbreitet sie ihrer Feindin genüsslich das Ansinnen von Nachfahren ehemaliger Bewohner des Lands, ausgerechnet auf Hortensias Grundstück bestattet werden zu wollen und damit in deren Autonomie einzugreifen.
Je weiter sich das Nachbarinnendrama hochschaukelt, zerlegt Yewande Omotoso mit viel Fingerspitzengefühl und charmanter Ironie die vielschichtigen Folgen von Kolonialismus und Apartheid, aber auch von den gescheiterten Lebensentwürfen ihrer toughen Protagonistinnen. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Chinua Achebe: Einer von uns

Aus dem Englischen von Uda Strätling, Fischer 2016, 192 S., € 19,99
(Stand April 2021)

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Chief Nanga, ein ehemaliger Grundschullehrer von geringer Bildung, hat es buckelnd und tretend bis zum Minister gebracht. Sein gutes Aussehen und sein Charme lassen seine Lügen, seine Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit und seine Skrupellosigkeit als verzeihliche Bubenstreiche erscheinen. Er ist halt „einer von uns“, sagt das Volk, von denen die meisten – hätten sie die Möglichkeit – genauso handeln würden. Sein ehemaliger Schüler Odili lässt sich beim ersten Wiedersehen gleichfalls blenden, erkennt aber schnell, was hinter der Fassade steckt und wirft sich in einen politischen und persönlichen Wettstreit mit Nanga, den er kaum gewinnen kann. Gleichzeitig wächst im Land ein Klima der Gewalt. Der Roman erschien 1966 und erwies sich als prophetisch, da Nigeria nur Tage nach seiner Veröffentlichung in den Bürgerkrieg stürzte. Nun erstmals auf Deutsch übersetzt ist das Buch dieses großen Autors, der 2002 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2007 den Man Booker International Prize erhielt, in Zeiten, da allerorten charismatische Populisten an die Macht streben, höchst aktuell und wird hoffentlich viele Leser finden. (Syme Sigmund)

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Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters

Aus dem Englischen von Patricia Klobusiczky, Arche 2016, 352 S., € 22,-, TB 2017, € 12,-
(Stand April 2021)

petina-gappah-die-farben-des-nachtfalters-danteperle1-150x251Petina Gappah hat für ihren ersten Roman eine Protagonistin gewählt, die in kein soziales Raster passt und in einer Gesellschaft, die durch Kolonialismus, Apartheid, Korruption und Autokratie geprägt ist, überall aneckt und die demnach die extremste aller Strafen, die Todesstrafe, erwartet. Memory ist als Albino eine weiße Schwarze. Sie kennt die gegensätzlichsten Milieus. Ihre  Kindheit hat sie arm und in einer Familie ohne Verwandte und Ahnen verbracht, ihre Jugend bei einem reichen weißen Farmer. Sie ist hochgebildet und sitzt nun in dem berüchtigsten Knast Simbabwes. Hier schreibt sie um ihr Leben und kommt beim Erinnern den eigenen Widersprüchen und denen ihrer Mitmenschen auf die Spur. Und dies in einer vielstimmigen mitreißenden Sprache, die Klischees und Schwarzweißdenken aufbricht! (Stefanie Hetze)

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