Aus dem Amerikanischen Englisch von Birgitt Kollmann, TB Fischer 2019, 304 S., € 10,-, ab 10
(Stand März 2021)
Wie weit würdest du gehen für deinen besten Freund? Und Pax ist nicht nur Peters bester, sondern ein ganz besonderer Freund – ein Fuchs, den der Junge von klein an aufgezogen hat und mit dem er seitdem zusammen lebt. Als ein Krieg ausbricht, wird Peter von seinem Vater hunderte Kilometer weit weg von Zuhause gebracht – Pax muss zurückbleiben. Mit dieser herzzerreißenden Trennung beginnt der beeindruckende Roman für Kinder. Bald schon wird Peter wird klar, was es für ein Vertrauensbruch war, seinen besten Freund allein im Wald zurückzulassen. Er muss zu ihm, um jeden Preis. Und auch Pax macht sich auf den Weg. Ohne Zeit und Ort zu benennen erzählt Sara Pennypacker einerseits das grandiose Abenteuer von Peter und Pax, die quer durch die Wildnis aufeinander zu laufen, und andererseits eine universelle Geschichte über Menschlichkeit in Zeiten des Krieges. Kein Weg ist zu weit für einen Freund – schon gar nicht für den besten! (Jana Kühn)

Kapstadt, Südafrika – die achtzigjährigen Nachbarinnen Hortensia und Marion sind erbitterte Feindinnen, die einander in den Eigentümerversammlungen ihrer exklusiven Wohnanlage auf hohem Niveau und mit allen Raffinessen bekriegen. Beide Frauen waren beruflich außerordentlich erfolgreich und mit ebensolchen Männern verheiratet. Doch ist ihr Machtkampf keiner zweier Gleicher. Hortensia ist die einzige schwarze Villenbesitzerin in diesem Reichenvorort und hat als Trumpf immer den Rassismusvorwurf in petto. Doch weiß Marion genau, wie sie die andere treffen kann. So unterbreitet sie ihrer Feindin genüsslich das Ansinnen von Nachfahren ehemaliger Bewohner des Lands, ausgerechnet auf Hortensias Grundstück bestattet werden zu wollen und damit in deren Autonomie einzugreifen.
Um eine Schaffens- und Lebenskrise in Mailand hinter sich zu lassen, mietet sich der dreißigjährige Autor Paolo Cognetti Ende April in einer einsamen Berghütte in 2000 Metern Höhe ein, in der er fernab der Zivilisation einen ganzen langen Sommer allein verbringen will. Im Gepäck hat er Bücher anderer weltverdrossener Autoren und die Hoffnung, selbst wieder schreiben zu können. Als Stadtmensch, zu dessen glücklichster Erinnerung Kindheits- und Jugendsommer im Gebirge gehören, möchte er das Freiheitsgefühl von früher wiederfinden. Doch steht er sich erst einmal selbst im Weg, tun Schnee, Kälte, Nebel, die Höhe ihr übriges. Ganz langsam akklimatisiert er sich, erkundet er die Umgebung und lernt er Hirten kennen, mit denen er sich auf eine vorsichtige schöne Weise anfreundet. Und zum Glück kehrt auch Cognettis verlorengeglaubte feine Sprache zurück. (Stefanie Hetze)
Amal ist jung, aus reichem Hause und steht am Beginn einer vielversprechenden Schauspielerkarriere. Hammoudi hat sein Medizinstudium in Paris mit Auszeichnung abgeschlossen und ist nur nach Syrien zurückgekehrt, um seinen Pass verlängern zu lassen. Beide werden durch den Beginn des Krieges aus ihrem Leben gerissen. Amal sympathisiert mit den Protesten gegen das Regime und nimmt in Damaskus an Demonstrationen teil. Dadurch gerät sie ins Visier des Geheimdienstes. Nach Verhaftung und Folter entkommt sie nach Beirut. Hammoudi überraschen die beginnenden Kämpfe in seiner Heimatstadt im Osten Syriens. Er versucht unter improvisierten Bedingungen so vielen Verletzten wie möglich als Chirurg das Leben zu retten und sieht tausende sterben. Die Machtübernahme des IS zwingt auch ihn zur Flucht. Olga Grjasnowa verschont den Leser nicht, erzählt in nüchtern klarer Weise von Folter, Flucht und Krieg und führt uns vor Augen, was wir zu gern verdrängen. Ein wichtiges Buch, das unter die Haut geht. (Syme Sigmund) 


Niemandsland – Fotografien von Katharina Behling
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