
#primavera_italiana
Mit der Schriftstellerin DACIA MARAINI
Das MÄDCHEN UND DER TRÄUMER (Folio Verlag 2017) / it. Orig.: LA BAMBINA E IL SOGNATORE (Rizzoli 2015)
Ein überwältigender Roman über Verlust und Menschlichkeit, berührend und fesselnd.
Träume sind Bruchstücke einer Wirklichkeit. Das weiß der Lehrer Nani Sapienza, als er von einem Mädchen träumt, das seiner verstorbenen Tochter ähnlich sieht. Nachdem er am Morgen danach von der vermissten Lucia im Radio hört, ist er überzeugt, dass sie ihm im Traum erschienen ist. Lucia ist spurlos verschwunden, und nach Wochen der vergeblichen Suche geben Polizei und Eltern auf. Nur Nani hört nicht mit seinen Schlussfolgerungen und besessenen Nachforschungen auf …
wann? 19 Uhr
wo? Istituto Italiano di Cultura di Berlino
Eintritt frei.
Leider fällt die Lesung wegen Krankheit aus!
Wir wünschen Dacia Maraini sehr baldige Genesung!
Ihre Bücher haben wir selbstverständlich vorrätig.


Ellen Hinsey und Tomas Venclova in Lesung und Gespräch.
Am 18. März 2017 findet nun schon zum 5. Mal der Indiebookday statt. Auch wir feiern das unabhängige Verlegen und Lesen.
Wir laden am 18. März 2017 zu einem vormittäglichen Plausch mit Britta Jürgs, einer der ganz wichtigen Stimmen der unabhängigen Bücherwelt – nicht nur, aber auch in Berlin. Sie ist Verlegerin des
1936, Leningrad. Ein Mann steht jede Nacht neben dem Fahrstuhl seines Hauses und wartet darauf, von Stalins Schergen abgeholt zu werden. Es ist der Komponist Schostakowitsch und sein Todesurteil bestand aus einem Satz – „Chaos statt Musik“ – sowie der Tatsache, dass Stalin die Aufführung seiner Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ frühzeitig verließ. Nur ein Zufall rettet ihm schließlich das Leben, doch die Angst soll ihn sein Leben lang nicht mehr verlassen und ihn selbst auf dem Höhepunkt seines Ruhms immer wieder Kompromisse mit der Macht eingehen lassen. Barnes erzählt zum einen das Leben Schostakowitschs anhand von drei Schlüsselmomenten 1936, 1948 und 1960, geht aber auch weiter reichenden Fragen nach. Er beschreibt den Künstler im Getriebe der Diktatur und stellt die Frage, ab wann ängstliche Anpassung zu Schuld wird. Ein höchst lesenswertes Buch für Musikinteressierte und jeden, dem menschliche Schwäche nicht fremd ist, in Zeiten, da die Frage nach individueller Aufrichtigkeit wieder an Aktualität gewinnt.
Luise ist ein eher stilles Kind, was manchmal ziemlich doof ist – man überhört sie nämlich ganz leicht. Aber warum soll immer sie lauter sein? Wie wäre es, wenn die anderen mal besser hinhören? In vielen kleinen Geschichten aus Luises Alltag zeigt Renus Berbig, dass Luise dank jeder Menge blitzgescheiter Ideen und viel Einfühlungsvermögen sehr oft die genau richtige Lautstärke trifft: mucksmäuschenstill oder auch mal schreiend laut. So erleben ihre Freunde und Familie gerade wegen ihrer angeblichen „Leise-Schwäche“ ungeahnt tolle Sachen: eine fliegende Zeltstadt, ein Milchstraßenrennen oder eine Wohnzimmerinsel. Mit viel Fingerspitzengefühl beleuchtet Renus Berbig die Verhältnisse zwischen Kindern und Erwachsenen und noch ganz andere wichtige Lebensfragen. Zusammen mit Anke Kuhls – wie immer – großartigen Illustrationen in Rot-Blau ist so eine sensible Schule des Leise-Seins und Genau-hin-Hörens entstanden. (Jana Kühn)
Natascha Wodin ist mit dem Schweigen aufgewachsen. 1956, als sich ihre Mutter wortlos ertränkt, ist sie noch ein Kind. Ein Kind, das sich völlig ausgegrenzt fühlt und fast nichts weiß von der Lebensgeschichte der Mutter, einer ehemaligen ukrainischen Zwangsarbeiterin. Weshalb sie in einer Barackensiedlung und am Rande der deutschen Gesellschaft lebten, hatte dem Mädchen niemand erklärt. Natürlich hat sie als Erwachsene immer wieder nach Spuren der Mutter gesucht, doch vergeblich. Als sie vor wenigen Jahren deren Daten in eine russische Suchmaschine eingibt, ahnt sie nicht, welch Schneeballeffekt ihr Eintrag nach sich ziehen wird und dass sich ihre Kindheitsträume von einer aristokratisch-künstlerischen Familie in Realität verwandeln werden. Schritt für Schritt zeichnet Wodin die Geschichte ihrer Familie und die ihrer Mutter nach. Sie musste die brutalen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts (Sowjetherrschaft, Stalinismus, Nationalsozialismus, Zwangsarbeit, Heimatlosigkeit) drastisch am eigenen Leib erleben und konnte nichts anderes als schweigen. Ihre Tochter gibt ihr und stellvertretend den vielen anderen Leidtragenden Sprache, eine Biografie und Würde zurück. Ein berührendes Buch, das nachwirkt. (Stefanie Hetze)
Mohamed Amjahid erzählt von der auch persönlichen Erfahrung als Nicht-Weißer in einer Gesellschaft dazu zu gehören und dennoch außen vor zu bleiben. In Deutschland geboren und aufgewachsen, geht er im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach Marokko. Für seine Eltern eine Rückkehr nach enttäuschenden, zähen Gastarbeiter-Jahren, für ihn ein Start in einem fremden Land. Zum Studium kehrt er nach Deutschland zurück und arbeitet alsbald als ausgezeichneter Journalist für renommierte Zeitungen. Mohamed Amjahid kennt so extreme Situationen der Wertschätzung wie der Diskriminierung – beides oft nah beieinander. In klaren Ansagen thematisiert er versteckten, aber alltäglichen Rassismus und führt der weißen Mehrheitsbevölkerung vor Augen, was es heißt privilegiert zu sein. Das gelingt ihm bei aller hartnäckigen Analyse gänzlich ohne Verbitterung, dafür mit einem offenen Blick nach vorn. „Unter Weißen“ ist ein höchst aktuelles, überaus wichtiges Buch. Es liest sich sowohl als Aufforderung zum kritischen Blick in den Spiegel als auch zum zugewandten Gespräch. (Jana Kühn) 