Katerina Poladjan & Henning Fritsch: Hinter Sibirien

Eine Reise nach Russisch-Fernost. Rowohl Berlin 2016, € 19,95

hinter_sibirien_danteperle_danteconnectionMit einer Handvoll Kontaktadressen und viel Neugierde im Gepäck reist die in Moskau geboren und aufgewachsene Katerina Poladjan im Frühjahr 2015 mit ihrem Ehemann Henning Fritsch an die Pazifikküste Russlands. Von dort geht es entlang der chinesischen Grenze durch Transbaikalien zum Baikalsee. Acht (!) Flugstunden von Moskau entfernt herrschen auch im März noch -20 °C und die Welt liegt tiefverschneit (Es sei denn, es ist so schneidend trocken kalt, dass es sogar für Schnee zu kalt ist …). Da braucht es viel heißen Tee und gelegentlich schon mal Hundehaarsocken – oder eben doch ein Eisbad. Die beiden Reisenden erzählen abwechselnd von ihren Erlebnissen und Bekanntschaften – sie als eine Art Heimkehrende, er mit dem Blick des Fremden gänzlich ohne (Sprach)Kenntnisse. Entsprechend unterschiedliche Färbungen haben die jeweiligen Eindrücke. Ähnlich sind sie in ihrem reportagenhaften, leichtfüßigen Stil. Abwechslungsreich wandeln die Berichte zwischen scharfen Gegensätzen, die doch alle zusammen gehören: transsibirische Eisenbahnromantik und sozialer Ausnahmezustand, Parteigläubigkeit, Aberglauben und orthodoxe Kirche, die eine Prawda von früher und die heutigen vielen Wahrheiten, Aufbruchsstimmung und Winterschlaf. (Jana Kühn) Leseprobe

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Davide Longo: Der Fall Bramard

Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner, Rowohlt 2015, € 19,95 (Il caso Bramard, Feltrinelli 2014, € 20,-)

U1_978-3-498-03938-7.inddEinst war Corso Bramard der jüngste Kommissar Italiens, erfolgreich und talentiert. Doch dann wurde seine Frau von dem von ihm verfolgten Serienkiller ermordet und seine Tochter verschwand spurlos. Seither lebt er zurückgezogen in einem Bergdorf des Piemont, arbeitet als Lehrer und besteigt nachts die Berge. Doch der Mörder von damals schreibt ihm nun, dreißig Jahre später, Briefe mit Liedzeilen Leonard Cohens. Als einer der Briefe auch noch ein Haar des allerersten Opfers enthält, ist Bramard gezwungen, sich erneut auf die Spuren des Killers zu begeben – und sich den Dämonen in seinem eigenen Inneren zu stellen. Hochspannend und intelligent geschrieben zieht der Roman den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. (Syme Sigmund) Leseprobe

 

Eugen Ruge: Cabo de Gata

Rowohlt 2013, € 19,95, tb rowohlt 2014, € 10,99

ruge-cabo-de-gata_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergEin erfolgloser Schriftsteller, 40 Jahre alt, gerade geschieden und vom Vater in seinen künsterischen Ambitionen nicht ernst genommen, bricht alle Zelte ab und gerät – mehr aus Zufall – in den abgelegenen andalusischen Ort Cabo de Gata. Hier versucht er – weiterhin erfolglos – einen Roman zu schreiben und lässt sich ansonsten treiben, solange das Geld reicht. Die Dorfbewohner sind äußerst wortkarg, und so verbringt er seine Zeit meist allein mit ausgedehnten Spaziergängen am Strand und der Beobachtung seiner neuen Umgebung. Was so ereignisarm klingt, wird von Ruge in diesem wohl teilweise autobiografischen Kleinod, eher eine Novelle als ein Roman, mit einer solchen Leichtigkeit, schlichten Poesie und leiser Selbstironie beschrieben, dass man als Leser gern bei ihm verweilt und nach der Lektüre dem eigenen hektischen Großstadtalltag vielleicht auch mehr Gelassenheit entgegenbringt. (Syme Falco)

Hilde Schramm: Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux

Rowohlt 2012, € 19,95

schramm-meine-lehrerin-dr-dora-lux_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergNur zwei Jahre lang war Dr. Dora Lux in den 50ern die Geschichtslehrerin Hilde Schramms, der Tochter des NS-Kriegsverbrechers Albert Speer. Der Herkunft nach Jüdin, äußerlich alt und unscheinbar, aber außerordentlich gebildet, vorurteilsfrei und eigenständig, vermittelte sie ihren Schülerinnen einen nachhaltigen  Sinn für Aufklärung und Humanität. Wer war  Dr. Dora Lux? Wie konnte sie eine der ersten Abiturientinnen und Studentinnen Deutschlands werden? Weitere Dinge tun, die eigentlich unvorstellbar bzw. verboten waren, wie als Ehefrau und Mutter zu unterrichten? Mitte der 30er noch aufklärerische Artikel publizieren? In Berlin den NS-Terror überleben?
In jahrelanger Recherche hat Hilde Schramm das Leben und das historische Umfeld dieser ungewöhnlichen mutigen Frau rekonstruiert und ein sehr respektvolles und berührendes Porträt ihrer Lehrerin Dr. Dora Lux geschaffen. (Stefanie Hetze)

Szilárd Rubin: Eine beinahe alltägliche Geschichte

Aus dem Ungarischen von Andrea Ikker, TB Rowohlt 2012, € 8,99

rubin-eine-beinahe-alltaegliche-geschichte-danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergEin hochgradig neurotischer Dichter wird zum Liebesspielball einer ungemein lebenspraktischen Zahnärztin – das kann nicht gut gehen?! Ist aber ein kleines literarisches Juwel, das durch feine Ironie und gedankliche wie sprachliche Bilder besticht.