Dorothy Baker: Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft

Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum, dtv 2017, 272 S., € 20,-

Baker Ich mag mich irren_Danteperle_Dante_ConnectionLassen Sie sich von dem (mir unerklärlichen) Titel dieses Buches – das im Original einfach „Young Man with a Horn“ heißt – nicht abschrecken. Es ist eine geniale Jazz-Balade und wie eine solche von „unangestrengtem Lyrismus und untrüglichem Rhythmusgefühl“ geprägt. Rick Martin -ein weißer Junge aus den Slums Los Angeles -lebt schon früh nur für die Musik. Er schwänzt die Schule und bringt sich in einem offenen Gemeinderaum selbst das Klavierspielen bei. Als er den Jazz entdeckt ist für ihn klar, dass er Trompete spielen muss. Er wird zu einem begnadeten Jazz-Trompeter, der für die Musik lebt, aber das Leben trotz seiner Erfolge nicht in den Griff bekommt und am Alkohol zugrunde geht.  Dorothy Baker beschreibt den Werdegang eines Besessenen, inspiriert an der musikalischen Begabung und dem frühen Tod des Swing-Trompeters Bix Beiderbecke. Doch vor allem ist ihr 1938 erschienener Roman ein Song, der die Musik und die Atmosphäre jener Jahre wieder zum Klingen bringen vermag. (Syme Sigmund)
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… für Stadt- und Architekturinteressierte

Vittorio Magnago Lampugnani: Die Stadt von der Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert. Urbane Entwürfe in Europa und Nordamerika. Wagenbach 2017, 416 S., über 350 Abb., € 78,-, ab 1.1.2018 € 98,-

Lampugnani_Vittorio_Magnago_Die_Stadt_von_der_Neuzeit_bis_zum_19._Jahhrundert_Dante_Connection_DanteperleIn seiner spanndenden Geschichte der Stadtarchitektur spannt Lampugnani einen  Bogen von mittelalterlichen Stadtgründungen über Stadtplanungen in der Renaissance und dem Barock bis hin zu den Urbanisierungen in der Moderne.  Die Architektur u.a. italienischer Stadtstaaten, der Neuordnung Roms im 16. Jahrhundert, von Paris, Lissabon, London, Barcelona, sizilianischen Städten, von Wien und Berlin (!) werden in ihren Besonderheiten kenntnisreichst dargelegt. Die meist großformatigen farbigen Bilder, Architekturfotos und Pläne laden überdies ein, sich mit Gewinn und Genuß der abendländischen Städtebaukunst zu widmen. (sh)

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… für alle, die gerne reisen

Rainer Wieland: Das Buch der Deutschlandreisen. Propyläen 2017, 511 S. , € 48,-

Wieland_Rainer_Buch_der_Deutschlandreisen_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungSeit über 2000 Jahren haben Reisende aus vielen Ländern der Welt ihre Beobachtungen und Erlebnisse bei Deutschlandbesuchen notiert: von Cäsar über Montesquieu, Casanova, Virginia Woolf, Prinz Asserate bis zu Andy Warhol und Andrzej Stasiuk. Ihr Staunen, Erschaudern, ihre Irritationen und Begeisterung angesichts deutscher Sitten und Gebräuche und den Landschaften spiegeln sich in einer Fülle von Berichten, Briefen und Tagebüchern, die Rainer Wieland kenntnisreich einführt und begleitet. Die vielen, teils farbigen Abbildungen machen diesen opulenten Band zu einer richtigen Lese- und Augenweide! (sh)

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… nicht nur für kleine Rebellinen

Elena Favilli & Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls. 100 außergewöhnliche Frauen. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Birgitt Kollmann, Hanser 2017, 224 S., € 24, ab 12

Good_night_stories_for_Rebell_Girls_Danteperle_DanteConnectionViele der 100 so genannten Gutenachtgeschichten beginnen mit der Erzählformel „Es war einmal ein Mädchen …“, und doch beschreiben sie die tatsächlichen Lebensgeschichten von beeindruckenden Frauen aus der ganzen Welt, von der Antike bis heute. Den biographischen Skizzen aus der Feder der beiden Autorinnen sind umwerfend schöne, Porträts zur Seite gestellt. Viele der Forscherinnen, Künstlerinnen, Sportlerinnen und Aktivistinnen mussten ihren Weg hart erkämpfen, manche waren oder sind schon zu Lebzeiten weltberühmt. Ein fantastisches Mut-Mach-Frauentableau durch alle Epochen! (jk)  Reinblättern

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… für tierisch Neugierige

Katharina von der Gathen & Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere, Klett Kinderbuch, 144 S., € 18, ab 8

Von_der_Gathen_Kuhl_Liebesleben_der _Tiere_DanteConnection_DanteperleSo lernen sich Marienkäfer kennen?! Deshalb quaken also Frösche?! Und hoppla, bei den Löwen geht es vielleicht zur Sache! Vom ersten Balztanz, über Paarung und Geburt bis zum Tierfamilienalltag hat Katharina von der Gathen kundig und gänzlich ohne Scheu kuriose Fakten über das Liebesleben der Tiere zusammengetragen. Anke Kuhl hat diese in bekannter Manier extrem witzig und frech illustriert. Man staunt, man kichert auch. Aber kein Grund für rote Ohren – so verrückt und vor allem vielfältig ist die Natur eben. Tierisch verliebt von A wie Aal bis Z wie Zebra – ein ganz besonderes Nachschlagewerk für die ganze Familie! Leseprobe

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… für Fans fantastischer (Bilder)Welten

Armand Baltazar: Timeless – Retter der verlorenen Zeit. Aus dem amerikanischen Englisch von Tanja Ohlsen, cbj, 624 S., € 19,99, ab 12

Baltazar_Timeless_Danteperle_DanteConnectionMit Timeless hat sich der Pixar-Illustrator Armand Baltazar ein Abenteuer geradezu epischen Ausmaßes ausgedacht. Ein kosmischer Vorfall, der zu einer Zeit- und Raumkollision führt, verändert alles Leben auf der Erde. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind durchgeschüttelt und in eine nie dagewesene Gleichzeitigkeit gebannt. Leicht vorzustellen, dass die Koexistenz von Dinosauriern, Segelschiffen, Viktorianern, Skatern und Robotern für gehöriges Konfliktpotenzial sorgt. Neben der packenden Geschichte zeugen vor allem die fulminanten, fast filmisch anmutenden Illustrationen von einer außerordentlichen Leidenschaft für visuelle Erzählkunst.  Und in der Tat ist Timeless ganz großes Erzähl- und Illustrationskino! (jk)

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… für Erwachsene, die Kinder und Kindheit schätzen

Helge-Ulrike Hyams: Das Alphabet der Kindheit. Von A wie Atmen bis Z wie Zaubern. Berenberg 2017, 447 S., € 29,-

170428_Hyams_U1_rz.inddWas für ein Buch! Die leidenschaftliche Pädagogin, Leiterin des Marburger Kindheitsmuseums und Sammlerin deutsch-jüdischer Kinderbücher teilt in diesem dicken Hausbuch ihren reichen Erfahrungs- und Wissensschatz. Ganz große Themen wie Ich, Scham oder Lügen kombiniert sie mit scheinbar Nebensächlichem wie Karussell, Murmeln oder Gang und fächert so den unendlichen Kosmos Kindheit zum Immerwiederlesen und Anregenlassen auf. (sh)

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Frida Nilsson: Siri und die Eismeerpiraten

Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger, illustriert von Torben Kuhlmann, Gerstenberg 2017, 376 Seiten, € 14,95, ab 10 

Siri lebt mit ihrem gebrechlichen Vater und der jüngeren Schwester weit abgelegen auf einer kleinen Insel. Die Menschen fischen, sammeln Früchte – viel gibt die Natur im ewigen Eis nicht her. Das Leben ist einfach, hart und, schlimmer noch, alle haben Angst vor dem gefährlichen Piratenkapitän Weißhaupt, der Kinder entführt, um sie in einem mysteriösen Bergwerk schuften zu lassen. Als eines Tages Siris Schwester verschwindet, weiß das Mädchen keinen anderen Rat, als allein loszuziehen, um sie zu retten. Was für ein mutiges Kind! Dabei ist Siri in den richtigen Momenten nicht nur waghalsig, sondern kann ebenso klug wie bedacht handeln. Sie besitzt viel Mitgefühl und eine Art natürlichen Gerechtigkeitssinn. Ihre offene und liebenswürdige Art entwaffnet so manch emotionalen Brocken, wobei innige Freundschaften entstehen. So genau und differenziert wie ihre junge Heldin schildert die Autorin auch die atmosphärisch tief verschneiten Schauplätze. Dazu kommen lebendig erzählte Figuren, die Siri auf ihrer gefährlichen Suche durch das Eismeer begleiten: eine verrohte Wolfsjägerin, ein einsames Nixenbaby, zwielichtige Seemänner und nicht zu vergessen ein herzensguter Schiffskoch. Bis sie schließlich tatsächlich vor Weißhaupt steht … In welch überraschenden Wendungen Frida Nilsson dieses große Abenteuer entwickelt, ist feinstes Erzählkino, das von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. (Jana Kühn)

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Melinda Nadj Abonji: Schildkrötensoldat

Suhrkamp Verlag 2017, 173 S., € 20,-

Danteconnection Buchhandlung Abonji SchildkrötensoldatEin Träumer ist er, ein sensibler Sprachjonglierer und Poet, ein sanftmütiger Pflanzenliebhaber, der sieht und spürt, was anderen entgeht. Seine Cousine weiß das. Aber sonst? Am falschen Ort ist er geboren, zur falschen Zeit. Die Mutter erkennt zu spät, dass „aus Zoli was hätte werden können, aber der Lauf der Welt sieht nicht vor, dass aus so einem was wird“, denn Zoli ist Sohn eines „Halbzigeuners“ und einer saufenden Tagelöhnerin. Das kleine Dorf in Serbien sieht den Stotterer, das Weichei, prügelt die falschen Fragen und Antworten aus dem „Bastard“ heraus, der so beunruhigend anders ist. Beim Militär wird es nicht besser, der Krieg steht ins Haus und Mitleid gibt es nicht, nur Grausamkeit. Zoli verzweifelt, in stummem Widerstand zieht er sich ganz in sich zurück – und geht an der Welt, die ihn umgibt zugrunde. Denn „unter diesem Himmel erschlägt uns das Schicksal“. Erschlagen und verstört bleibt auch der Leser zurück, vom Sog und mitreißenden Rhythmus der poetischen Sprache Abonjis dennoch berückt und betört. (Syme Sigmund)
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Gaël Faye: Kleines Land

Aus dem Französischen von Brigitte Große und Andrea Alvermann. Piper Verlag 2017, 223 S., € 20,-

Faye_Gael_Kleines_Land_Dante_Connection_BuchhandlungMit seinen Freunden Mangos klauen, auf ihrer Straße spielen, sich von der Nachbarin Madame Economopoulos Bücher zu leihen, vom Chauffeur zur Schule gefahren zu werden – so idyllisch könnte es für den Jungen Gaby ewig weitergehen. Doch seine unbeschwerte Kindheit im privilegierten Viertel Bujumburas, der Hauptstadt des kleinen Lands Burundi, erfährt jähe Risse. Die Ehe seiner jungen Eltern, der Vater ein brünetter kleiner Franzose, die Mutter eine große schöne Afrikanerin, scheitert. Seine Mutter zieht aus. Sie, die verfolgt aus Ruanda geflohen ist und deren Familie unter Massakern und Heimatlosigkeit litt, geht zurück und zerbricht. Auch in Gabys Welt ist längst der brutale Bürgerkrieg angekommen, ist gar nichts mehr wie vorher, muss auch er fliehen.

Als fremd gebliebener Erwachsener in Frankreich bleibt ihm die Sehnsucht nach seiner Heimat, hat er keine Antworten auf die Ursachen für Scheitern, Hass und Gewalt und begibt sich auf Erinnerungssuche. Entstanden ist dieser dichte eindringliche Roman. (Stefanie Hetze)

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