Piotr Karski: Meer! Das Wissens- und Mitmachbuch

Aus dem Polnischen von Marlena Breuer. Moritz Verlag, 224 S., € 19,-, ab 8

Karski_Piotr_Meer!_Danteperle_Dante_Connection_Deutscher_BuchhandlungspreisOstsee und Nordsee sind nicht weit entfernt, auch an einem Binnensee ist es nützlich, verschiedene Seemannsknoten machen zu können oder die Windstärken richtig einzuschätzen.  Wie wäre es, eine Sanduhr zu bauen oder gleich eine Entsalzungsanlage…?  Dieses Buch ist wie eine riesige Schatzkiste voller Informationen und Anregungen für größere Kinder (und Erwachsene!), sich  rund um das weltumspannende Thema Meer zu beschäftigen, zu testen, zeichnen, basteln und auszuprobieren. Auch an Land einfach toll! (sh)

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Blick ins Buch

Sonja Danowski: Das Theater von nebenan

Bohem 2019, 32 S., € 22,95, ab 4 

Danowski_Theater_Danteperle_DanteConnectionAm liebsten spielen die Geschwister Pia und Pablo mit ihren Handpuppen. Eine ganze Theatergruppe erwecken sie im fantasievollen Spiel jeden Tag zum Leben. Doch mit dem neuen Nachbarsjungen Ricky kommt Verunsicherung in das bis dato so einträchtige Lieblingsspiel: Ihhh, Puppen!, ruft er entsetzt und nimmt Pablo direkt mit in sein Reich der Rennbahnen, Autos und Flugzeuge. Pia bleibt enttäuscht zurück. In kunstvollen Bildern und mit einer überraschenden Wendung erzählt Sonja Danowski, wie die Kinder den Konflikt selbständig  und jenseits aller Klischees auflösen und spielerisch ihre Welten miteinander verbinden.

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Marianna Hillmer & Johannes Klaus & Cindy Ruth: Spielplatzguide Berlin

Die genialsten Spielplätze und besten Eisdielen. Reisedepeschen 2019, € 22,-

Spielplatzguide-Homepage2 Italienische Kinder zum Beispiel, an die tristen „Spiel“-Plätze ihrer Heimat gewöhnt, wollen, einmal in Berlin, nichts anderes machen, als die hiesigen tollen Spielplätze zu erobern. In diesem übersichtlichen Führer werden die schönsten und abwechslungsreichsten Plätze quer durch die Bezirke vorgestellt. Jeder ausgewählte Spielplatz wird mit einer Geschichte zu seinem Konzept, seinen vielen Besonderheiten und phantasievollen  Details vorgestellt. Es gibt wunderbare Fotos, klar gestaltete Karten und alle nötigen praktischen Infos (wie eine Altersempfehlung oder Hinweise auf Fehlendes wie Sonnenschutz). Und als Extraschmankerl zu jedem Spielplatz noch eine passende spezielle  Kinderbuchempfehlung. Da kann es doch losgehen auf Erkundungs- und Spieltour kreuz und quer durch Berlin! (sh)

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Eymard Toledo: Juju und Jojô

Übersetzt von Michael Kegler, Baobab Books 2019, 32 S., € 17,-, ab 5

42_Toledo_Eymard_Jojo_und_Juju_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungDie Zwillinge Juju und Jojô leben in einer großen Stadt in Brasilien. Als die beiden jünger waren, pflanzte ihr Vater vor dem Haus einen Baum, der heute schon fünf Stockwerke hochgewachsen ist und als einziges Biotop der Straße vielen Insekten als Zuhause dient. Darüber freut sich besonders Jojô, die sich für alles begeistert, was da kreucht und fleucht!  Eymard Toledo begeistert einmal mehr mit ihren detailreichen Materialcollagen, in denen sie Kindern Einblicke in den Alltag einer hierzulande nur wenig bekannten Landeskultur bietet. (jk)

Kirsten Bradley & Aitch (Illustr.): Grüner wird´s nicht!

Übersetzt von Andreas Bredenfeld, Kleine Gestalten 2019, 48 S., € 14,90, ab 6

Gestalten_Grüner_Danteperle_DanteConnectionDas Buch für kleine Gärtner erklärt in malerischen, sehr farbenfrohen Bildern und knappen, kindgerechten Step-by-Step-Erläuterungen, wie man nachhaltig Projekte im eigenen Garten, auf der Fensterbank oder im Hinterhof umsetzen kann. Da werden aus Zeitungen und Milchtüten Blumentöpfe recycelt und noch so manch anderes Material, das man sowieso meist zuhause hat. Samenbomben, Bohnenzelte und Insektenhotels – der grünen Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt! (jk)

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Gioacchino Criaco: Die Söhne der Winde

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl, Folio Verlag 2019, 336 S., € 22,-

Criaco Söhne der Winde_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergKalabrien der 60-er Jahre. Im Dorf Africo Nuovo leben vor allem Frauen, Alte und Kinder. Die Männer sind emigriert, nach Mailand oder nach Wolfsburg. Nur die Mafiosi haben in dem kargen Land ihr Auskommen. Nicola und seine Freunde sehen im Schulbesuch keinen Sinn, hängen in der Bar rum und rutschen nach und nach in die Kleinkriminalität ab – auch um ihren hart arbeitenden Müttern etwas zustecken zu können, denn die fernen Männer schicken Geld nur sporadisch, wenn überhaupt. Als eines Tages Papula auftaucht, ein junger Rückkehrer aus Deutschland, mit revolutionären Ideen im Kopf, scheint plötzlich alles möglich. Die ausgebeuteten Frauen proben den Aufstand und die Jungen träumen für kurze Zeit von einer Zukunft für den Ort und für sich selbst. Doch gegen die mafiösen Strukturen und korrupte Politiker ist es ein ungleicher Kampf.
Criaco, Kenner der Verhältnisse vor Ort,  erinnert an ein vergessenes Kapitel kalabrischer Geschichte, denn Papula gab es tatsächlich, er hieß Rocca Palamaro und löste eine anarchistische Welle aus, die 68er-Bewegung Kalabriens.
In eindringlichen Bildern und düster-poetischer Sprache setzt Criaco der einfachen Bevölkerung ein Denkmal und klagt die Verhältnisse an, die sich bis heute kaum gebessert haben. (Syme Sigmund)

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Helene Bukowksi: Milchzähne

Blumenbar 2019, 220 S., € 20,-

Bukowski Milchzähne_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin Kreuzberg

In ihrem Debütroman imaginiert die Autorin ein Szenario in unbestimmter Zukunft, das im Kern vielfach Berührungspunkte mit unserer Lebensrealität aufweist.
Ein Mädchen lebt mit ihrer Mutter in einem Haus mit Garten nahe eines Kiefernwaldes. Das Klima ist dem Mensch kein Freund mehr und auch die Gemeinschaft ist von fragwürdigem Rückhalt. Ist die Mutter anfangs noch eine Verbündete, ist das Mädchen mit dem Verlust der Milchzähne plötzlich auf sich gestellt. Die Erklärung dafür bleibt lakonisch („sie sei nun eine von ihnen“) sowie sich auch die immer wieder als feindlich definierte Umgebung und Nachbarschaft nur langsam erschließt. Nur eins ist von Beginn an klar: Anderssein ist in diesen Zeiten kein Überlebensvorteil. In diesem Umfeld entsteht eine Protagonistin und Erzählerin, die sich neben dieser kargen und eingeschränkten Lebenswelt stark auf sich selbst zu besinnen beginnt. Aus der Selbstversorgerin wird eine Selbstdenkerin, die, als sie ein Kind im Wald findet, einen mutigen Entschluss fasst. Das Buch regt zum Denken an und ist aufgrund der atmosphärischen Dichte ein großes Lesevergnügen. (Franziska Kramer) Leseprobe

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Dilek Güngör: Ich bin Özlem

Verbrecher Verlag 2019, 157 S., € 19,-

IchBinÖzlem„Ich bin Özlem.“ Wenn sie sich mit diesen Worten in einer neuen Runde vorstellt, weiß die als Kind türkischer Einwanderer Geborene, dass ab sofort, ungewollt und unaufgefordert ihre Herkunft mit ihr im Raum steht, bzw. das was sich ihr Gegenüber darunter vorstellt. Meist beeilt sie sich noch den Satz, dass ihre Eltern aus der Türkei kommen, hinterherzuschieben. Dass sie Berlinerin ist, Ehefrau, Mutter zweier Kinder, Deutschlehrerin usw. beschreibt scheinbar einen deutlich kleineren, unwichtigeren Teil ihrer Person – auch für sie selbst. Damit hadert die erwachsene Frau zunehmend und dieser Konflikt sucht sich langsam seinen Weg an die Oberfläche, bis er in einer Diskussion mit den doch eigentlich besten Freunden zum Ausbruch kommt. Dilek Güngör kreist um die Themen Identität und Herkunft. Sie lässt Özlem aus ihrer Kindheit und Gegenwart erzählen, verschränkt die Zeitsprünge und Rückblenden gekonnt und geradezu leichtfüßig. Es geht um Zuschreibungen bzw. um die Angst davor und eigenen Umgang damit. Dabei rüttelt sie ihre Protagonistin Özlem einmal durch und vor allem auf – und ähnliches passiert auch beim Lesen, nur eben aus einer anderen Perspektive. Hochaktuell und sehr empfehlenswert, gerade auch um das eigene, ach so linksliberale und vermeintlich vorurteilsbewusste Denken zu hinterfragen! (Jana Kühn) Leseprobe

Dilek Güngör liest am Dienstag, den 2. April in unserer Buchhandlung!

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Thilo Reffert: Linie 912

Illustriert von Maja Bohn. Klett Kinderbuch 2019, 112 S., € 13,-, ab 8

Linie 912Es ist ein ganz normaler Morgen, halb acht, der Bus kommt. In 10 Geschichten erzählt Thilo Reffert immer wieder dieselben dreißig Minuten, doch wie unterschiedlich können die sein! Denn in jeder der kurzen Geschichten ist die Erzählperspektive eine andere. Da ist Leon, der Geburtstag hat, und Tami, die sonst immer mit dem Rad fährt. Da ist Uhland, der sich auf einen anderen Planeten wünscht, und seine kleine Schwester Rubi, die endlich was anders will, als immer nur Muttermilch. Und da ist auch der junge Wachmann, der müde von der Nachtschicht kommt, und die Mutter von Uhland und Rubi und ein Mops und die alte Frau, die heute fast den Bus verpasst hätte. Und dann ist da noch der Busfahrer der vielleicht, ganz vielleicht ein Bisschen zaubern kann.
Und jeder von ihnen hört und sieht etwas ein Bisschen anderes, hat andere Gedanken, Sorgen, Ideen. Und mit jeder neuen Geschichte nimmt die Neugier des Lesers zu, was denn nun von den Vorherigen einfließen, und anders, neu erzählt werden wird.
Ein rundum gelungenes Buch über die Vielfalt der Welt und eine wunderbare Anregung, auch mal über den eigenen Tellerrand zu gucken. (Syme Sigmund)

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Marie Darrieussecq: Unsere Leben in den Wäldern

Aus dem Französischen von Frank Heibert, Secession Verlag 2019, 110 S., € 18,-

Darrieussecq Leben in den Wäldern_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin Kreuzberg

Vivianne lebt in einer zukünftigen Welt, in der Menschen dank Implantaten ständig online und transparent sind, Roboter den größten Teil menschlicher Arbeit übernommen haben und die Lebenserwartung aufgrund von Umweltverschmutzung und modifizierten Lebensmitteln recht niedrig geworden ist. Eigens aufgezogene Klone sorgen dafür, die wenigen Reichen permanent mit gesunden Organen zu versorgen. Vivianne arbeitet als Psychoanalytikerin. Ihr Gesundheitszustand ist schlecht, doch Klon Marie sorgt für Ersatzteile. Eine Reihe von Ereignissen überzeugen Vivianne aus dieser Gesellschaft in eine Waldkolonie von Rebellen zu fliehen. Rasant geschrieben und sehr atmosphärisch, könnte dieser Roman eine Folge von Black Mirror sein. Mit subtiler Intelligenz und schwarzem Humor befasst sich Marie Darrieussecq mit höchst aktuellen Themen wie digitaler Vernetzung und Automatisierung, Konsum, Überwachung und menschlicher Autonomie, Einsamkeit, Ungerechtigkeit und der Behandlung von Minderheiten. Ein beunruhigendes, politisches Buch, das viele der Sorgen unserer Zeit ausdrückt und uns daran erinnert, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. (Giulia Silvestri)

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