Aus dem Italienischen von Andreas Rostek, edition.fotoTAPETA 2013
nur als E-Book erhältlich € 5,99
(Lume Lume, Sellerio 2010, ca € 17,00)
(Stand März 2021)
Palermo heute. Das ist nicht die Stadt der Klischees von Sonne, Meer, Fischmarkt, Mafia und bunten Süßspeisen. Es ist eine moderne Stadt, die auch geprägt ist durch die Zuwanderung von Menschen verschiedenster Nationen wie Rumänen, Tunesier oder Bangladescher. Der Ich-Erzähler lebt zwischen ihnen, mit ihnen, mit offenem Blick, ohne zu urteilen, und schafft es, mit anekdotenhaft kurzen Episoden das Bild eines Viertels zu zeichnen, in dem Ethnien mit den unterschiedlichsten Religionen, Sitten und Einstellungen miteinander auskommen, wobei er jeden als den Menschen mit all seinen Widersprüchlichkeiten betrachtet, der er ist. Mal ernst und sozialkritisch, mal witzig oder skurril ist dieses in leichtem Ton geschriebene Buch doch voller Tiefgang. Einen “Leitfaden für den zivilisierten Umgang miteinander in den großen Städten” nennt es der Großmeister der sizilianischen Literatur Andrea Camilleri. Dem kann man sich nur anschließen. (Syme Sigmund)

1947 reiste der britisch-amerikanische Schriftsteller Christopher Isherwood zusammen mit dem Fotografen William Caskey per Schiff von New York nach Venezuela, um von dort aus eine sechsmonatige Fahrt durch Lateinamerika bis nach Buenos Aires zu unternehmen. Sie entdecken einen brodelnden Erdteil extremer Gegensätze, treffen auf unterschiedlichste Menschen und Lebenssituationen, auf gewaltige Natureindrücke und krasse Wetterphänomene. Offen, sensibel, aber auch kritisch registriert der überaus belesene Isherwood dies alles und nimmt seine Leser mit auf eine abenteuerliche Reise durch einen außergewöhnlichen Kontinent. Mit der erstmals deutschen Veröffentlichung (wunderbar übersetzt von Matthias Müller) ist dem Liebeskind Verlag eine kleine Sensation gelungen. (Stefanie Hetze)
Dreizehn Kurzgeschichten, die Episoden aus dem Leben der unterschiedlichsten Personen erzählen. Doch in jeder Geschichte taucht auch immer wieder die gleiche Person auf: Xane Molin. Sie begegnet uns in vielen Facetten als 14-jährige beste Freundin, als für einen Mann attraktive junge Frau, als eigenwillige Mieterin, als Patientin, als nervende Stiefmutter oder als selbstsichere Chefin. Aus all diesen Blickwinkeln setzt sich nach und nach auch die Geschichte ihres Lebens zusammen. Ein immer fragmentarisch bleibendes, oft widersprüchliches Bild, das sich jedoch sowohl mit den Jahren als auch mit jeder neuen Erzählung verändert und vervollständigt. Eine faszinierende Lektüre, die uns gleichzeitig mit der Frage konfrontiert “Wer sind wir eigentlich?” Was ist maßgeblicher – wie die anderen uns sehen oder wie wir uns selbst wahrnehmen? (Syme Sigmund)
Eine Kleinstadt der 50er Jahre an einem tiefschwarzen See in den Rocky Mountains und zwei Mädchen, die von ihrer Mutter bei der Großmutter zurückgelassen werden. Als auch diese stirbt, übernimmt ihre Tante Sylvie den Haushalt, eine unkonventionelle Vagabundin, unter deren Führung die Natur von außen immer mehr in das Haus vorzudringen scheint. Während Lucille sich nach Normalität sehnt, fühlt Ruth sich zu Sylvie hingezogen und versinkt immer mehr in deren Welt.
Er ist hochintelligent, besitzt einen unwiderstehlichen Charme, das Gesicht eines Engels,ein feines Gespür für das, was die Menschen von Ihm erwarten, und – er hat keine Moral. Gut und Böse haben für ihn keine Bedeutung, Freundschaften und Vertrauen opfert er skrupellos dem eigenen Vorteil, er ist ein Hochstapler, Fälscher und Lügner. Der charismatische Andras Fülöp alias Ernst-Thälmann Koch alias Joel Spazierer erzählt sein Leben, berichtet von Betrug, Mord und Verrat – und wird dem Leser trotz allem nicht unsympathisch. Ein an Fabulierlust überbordendes Buch, das von Ungarn über Wien und Ostberlin bis nach Russland und Mexiko führt und den Leser trotz seiner Länge mit Lust auf mehr zurücklässt. (Syme Sigmund)
Von Anna Kaleris Großmutter ist kein Zeugnis geblieben, sie wurde 1945 in Masuren erschossen. Anhand des Wenigen, was sie in Erfahrung bringen konnte, spinnt Kaleri diese Geschichte über ihr kurzes Leben. Es ist die Geschichte einer zarten Liebe, doch in den finsteren Zeiten ist sie ein Verbrechen, denn der Geliebte ist Pole, und so steuern die beiden auf eine Katastrophe zu.
Ein Kreuzfahrtschiff, ein Mann und eine Frau auf Verlobungsreise, ironisch-distanzierte Beobachtungen über die Mitreisenden und Kreuzfahrten im Allgemeinen… Doch was zunächst so einfach scheint ist es ganz und gar nicht. Elisabeth und Derek sind nur auf den ersten Blick ein glückliches Paar und der seltsame Fremde ist vielleicht doch gar nicht so fremd – zumindest nicht für Elisabeth. Kennedy spielt geschickt mit der Wirklichkeit, lenkt den Leser auf falsche Fährten, enthüllt durch Rückblicke eine Liebe, die die Liebenden verstört und von der sie doch nicht lassen können und das mit einer sprachlichen Eleganz, die durch ihre unerwarteten Bilder überrascht und begeistert. (Syme Sigmund)
Dieser herrliche Roman liest sich wie eine bombastisch bunte Bollywood-Komödie. In den „Hauptrollen“ Ravan und Eddie, zwei reichlich naive, aber sehr talentierte junge Musiker, die denselben Traum haben, Schauspieler zu werden. Sie jagen dem Erfolg hinterher, doch der ist immer schneller. Selbst Statist zu werden stellt sich als Herausforderung heraus. Das Leben schlägt ihnen in immer tragikomischeren Wendungen stets ein Schnippchen. Und als Leser folgt man den beiden Helden dabei mitfiebernd in jeden Fettnapf, in jede Katastrophe und rappelt sich stolpernd mit ihnen wieder heraus – ein großer Lesespaß mitten aus dem Herzen von Bombay. (Jana Kühn)