Aus dem Englischen von Anne-Kristin Mittag, Hanser Verlag 2019, 240 S., € 22,-, TB btb 2021, € 11,-
(Stand Juni 2021)
Was für ein Buch! In Form eines Briefes an die eigene Mutter, die ihn als Analphabetin nie wird lesen können, schreibt der junge vietnamesischstämmige Vuong vom Aufwachsen am Rand der Gesellschaft in der amerikanischen Provinz, von Armut und Drogen. Er schreibt von den Kriegstraumata seiner schizophrenen Großmutter, die ein Kleid nur dann kauft, wenn es feuerfest ist, von seiner überforderten Mutter, die ihn im Hinterzimmer des Nagelstudios großzieht, in dem sie arbeitet, von seiner ersten Liebe zu einem weißen, drogenabhängigen Jungen inmitten der Weizenfelder Connecticuts. Er schreibt von der Suche eines Jungen, der kontinuierlich Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt war, nach sich selbst, und er tut dies mit Worten wie Eissplitter, mit Sätzen voller Liebe, Poesie und Klugheit, voller Schmerz und Leichtigkeit. Ein Text, der ins Herz trifft, überwältigt, erschüttert. Großartig! (Syme Sigmund) Leseprobe




Alles beginnt damit, dass der Fuchs dem Hasen auch mal eine Freude machen möchte. Ein schönes Geschenk hat er ausgesucht, nämlich eine Salatschüssel. Doch der Hase denkt, diese sei ein Stuhl und einen Stuhl hat er ja schon. Also verschenkt er den vermeintlichen Stuhl an den Maulwurf … der wiederum hat aber schon einen Regenschirm und verschenkt ihn deshalb an den Igel und so weiter … Prinzip erkannt? Ein Boot, ein Hut, ein Schlagzeug – der Verwechslungsreigen wird einfach nicht langweilig. Ganz im Gegenteil, bei jedem Umblättern ist die Neugier groß und die kuriosen Überraschungen sind urkomisch! Neben dem ganzen Raten und Gekicher entspinnt sich so eine kleine Philosophie des Schenkens, über den Sinn und Unsinn oder die Freude am Schenken oder das Wunschlos-Glücklich-Sein, wobei man herrlich mit den Jüngsten ins Gespräch kommen kann. (Jana Kühn)
Siebzehn zu sein ist schon in sich nicht einfach. Karlo ist cool, beliebt und dennoch von Langeweile besessen. Er hat Freunde, spielt Fußball, Mädchen stehen auf ihn. Und in seiner Teenagerwelt kann er sich viel leisten, sogar beleidigend zu werden, ohne den Preis für sein Verhalten zahlen zu müssen. Dann verletzt er sich beim Fußball spielen, beginnt zu zweifeln, dass sein Vater wirklich sein Vater ist und lernt eine starke, heftige junge Frau kennen. Das alles hat einen enormen Einfluss auf seine Existenz.
Kailash, ein junger Mann aus dem eher ländlichen Indien kommt 1990 zum Studium in die USA. Er ist kein schüchterner Einwanderer, sondern staunend-begierig auf Bildung, auf Frauen, auf Sex und vor allem „versessen darauf zu glänzen“. An der New Yorker Uni schließt er sich dem charismatischen Dozenten und Aktivisten Ehsaan Ali an, der seine Studenten intellektuell herausfordert, sie aber gleichzeitig in sein Privatleben einbindet. Bewusst meidet Kailash indische Mitstudenten, in seinen Briefen an die Eltern in Indien schreibt er von irgendeinem phantastischen Amerika. Doch obwohl er immer weiter in sein amerikanisches Campus- und Beziehungsleben eintaucht, vermischen sich seine Reflexionen über sein neues Leben mit den Erinnerungen an seine Herkunft, die er allegorisch als „die eines Affen“ beschreibt. Mit viel Ironie schildert Kumar die Geschichte seines Alter Ego und vieler kultureller Missverständnisse. Er kombiniert dessen Erfahrungen mit einer Fülle historischer Ereignisse und realer Personen, virtuos bezieht er sich auf Literatur, Wissenschaft und Filme, er verwendet Fotos, Bilder, Zeitungsausschnitte, Anmerkungen. Dies alles so leichter Hand und scheinbar mühelos, dass es großes Vergnügen bereitet, diesen besonderen Roman einer Einwanderung zu lesen. (Stefanie Hetze)
Ein neuer Coup des Gespanns Eva Muszynski und Karsten Teich. Das Huhn Trudel Gedudel will sich nicht wie die anderen bravbiederen Hühner und Puten im eingezäunten Käfig mit dem begnügen, was alle tun. Sie möchte mehr sehen, etwas erleben, dabei immer die Worte ihrer unangepassten Tante Elli im Ohr. Am Zaun lernt sie die Möwe Gräten-Käthe kennen, die sie anstachelt, ins Freie zu kommen. Und tatsächlich, Trudel Gedudel schafft es hinaus in die weite Welt. Viele Gefahren lauern, doch das eigenwillige Huhn findet immer einen Weg auch aus den schwierigsten Situationen. Mit viel pointiertem Witz in Sprache und Bild erzählt bietet „Trudel Gedudel“ großen Vorlese- und Anschauspaß für die ganze Familie. (Stefanie Hetze)
Am liebsten verkriecht sich Andrea in einem großen Karton in seinem Kinderzimmer. Und zwar mit seinem besten Freund, einem in die Jahre gekommenen Kaninchen namens Maikel. Viel geredet und gemacht wird da zwar nicht, aber Andrea braucht ohnehin viel Zeit für sich und Rückzugsmöglichkeiten. Als sein alleinerziehender Vater eines Tages
Es geht um Bee. Nach dem Tod ihres Freundes Jim hat sie sich zurückgezogen und ihre sozialen Kontakte abgebrochen. Ein Jahr später wird sie von vier ihrer alten Freunde zu einem Wochenende in Wincroft eingeladen. Dort angekommen fahren sie alle zu einem Konzert. Da wird natürlich getrunken, weshalb sie auf dem Rückweg nur knapp einem Autounfall entgehen. Zurück in Wincroft klingelt ein alter Mann. Er teilt ihnen mit, der Unfall wäre wirklich passiert und nur einer hätte überlebt. Welcher der Fünf überleben soll, müssten sie selbst abstimmen mit maximal einer Gegenstimme. Bis sie das geschafft haben, müssten sie die gleichen 11,2 Stunden immer wieder erleben. Doch inwiefern unterscheidet sich die Niemalswelt von der normalen und können alle der Niemalswelt widerstehen?
Nach seinem wunderbaren Geburtstagsfest ist der Bär traurig, weil es soo lange dauern wird, bis er wieder feiern kann. Der Igel geht mit ihm die nächsten Wochentage, Monate und Jahreszeiten durch, in denen aus seiner Perspektive so viel Aufregendes passieren wird! Wird sich der Bär von der Lebensfreude seines kleinen Freundes anstecken lassen? In drei Geschichten, die wohlgesetzt mit sparsamen Worten und großflächigen Bildern wirkungsvoll in Szene gesetzt sind, verblüfft und unterhält das großartige Duo Pauli-Schärer wieder kleine und große Leser*innen. Ein Geniestrich. (Stefanie Hetze)