Von Ananasrenette bis Zitronenbirne. Dumont Verlag 2020, 192 S., € 25,-
(Stand März 2021)
Gerade in der Winterzeit, wenn die Natur pausiert, ist allein die Beschäftigung mit alten Früchten wie dem „Herbstprinz″, dem „Weißen Winterkalvill″, dem „Königlichen Kurzstiel″, der „Venusbrust″, der „Krachmandel″ oder dem „Gubener Spilling“ eine außerordentliche Freude. Die Gärtnerin und Übersetzerin (auch von Nigel Slaters Kochbüchern) Sofia Blind hat in ihrem mit vielen Bildtafeln wunderschön ausgestatteten Band alte Obstsorten mit ihren historischen Namen, ihrer Geschichte und ihren faszinierenden Besonderheiten anschaulich porträtiert. Anregungen zum Anbau, Tipps zum Erwerb historischer Früchte sowie Hausmacherrezepte für Marmeladen, Aufläufe und Desserts machen noch mehr Lust, sich auf die Suche nach gesunder geschmacklicher Vielfalt zu begeben. (Stefanie Hetze)


Sizilien ist alles gleichzeitig: Geschichte und Mythologie, Schönheit und Zerstörung, Antike und Moderne, Europa und Afrika, Tod und Vitalität. Die sizilianische Musikerin Etta Scollo, die früh ihre Heimat verließ, aber in ihrem Herzen und ihren Liedern diese besondere Insel mit ihren unzähligen Facetten und Widersprüchen in sich trägt, begibt sich auf Spurensuche quer durch die Orte und Regionen. Sie befragt viele Menschen, die anders als sie geblieben sind, Künstler*innen, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, auch Zufallsbekanntschaften. Alle eint, dass sie ihre Insel leidenschaftlich lieben, heftig unter den Missständen leiden und sich mit Nachdruck in ihre Ideen stürzen, ihr Sizilien zu erneuern. Dazu gibt es Scollos eigene Erinnerungen, literarische Texte, charakteristische Fotografien der Menschen, Landschaften, Häuser und Details, Scollos Liedtexte – und als Sahnehäubchen den Downloadlink oder in der Sonderausgabe die CD zum akustischen Mitreisen. Besser lässt sich die Insel momentan nicht erkunden! (Stefanie Hetze)
In der großbürgerlichen Villengegend Berlin – Schlachtensee fällt ein Haus komplett aus dem Rahmen ob seiner Schlichtheit und Schönheit: eine Bauhausikone entworfen von Peter Behrens. Dieses Haus gehörte seit 1934 dem jüdischen Schauspieler Fritz Wisten und seiner Frau Dorothea, ebenfalls einer Schauspielerin. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Nazigrößen und wenigen NS-Gegnern überlebten sie hier mit ihren Töchtern, ihrem schwulen jüdischen Untermieter Freddy Balthoff und anderen, denen sie halfen, Naziterror und Bombenangriffe und die Nachkriegszeit, in der sich in der deutschen Kulturlandschaft schnell wieder die alten Seilschaften durchsetzten.
Esperanza ist 12 und lebt seit einem Jahr mit ihrer Familie in Chicago, im Latinoviertel in einem dreckigen, verfallenen engen Häuschen in der Mango Street. Das Mädchen mag das Leben dort nicht. Sie träumt eines Tages wegzukommen, weit entfernt von den Sorgen und der Traurigkeit. Sie will bessere Möglichkeiten haben, in der Hoffnung, ihre Familie, Freund*innen und Nachbar*innen irgendwann unterstützen zu können.
Warum dieses Buch bei Erscheinen keine Danteperle wurde, kann ich heute beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen, zog es doch direkt beim Lesen schon in die Liste MEINER Bücher ein. Selten las ich ein Buch, das so zärtlich wie brutal, historisch wie brandaktuell so komplex wie fesselnd und zutiefst menschlich ist. Thomas McNulty – Waise irischer Einwanderer und ein halbes Kind noch – lebt auf den Straßen Missouris, wo er den gleichaltrigen John Cole kennen lernt. Fortan schlagen sie sich gemeinsam durch die harten Tage, arbeiten als Tänzer in einem Saloon, heuern schließlich als Unionssoldaten an. Sie werden beste Freunde und später auch Geliebte. Oft ist es nur noch diese Liebe, die sie die entmenschlichten Gemetzel des US-amerikanischen Bürgerkrieges, vor allem aber gegen die indigene Bevölkerung aushalten lässt. Als schließlich die Lakota-Waise Winona zu ihnen stößt, knüpft sich ein neues Band – eine Familie entsteht. Doch auch diese schwebt in diesen wirren, erbarmungslosen Zeiten in allerhöchster Gefahr. „Wir waten knietief in der Geschichte“, so Barry in einem
Dieses Buch ist ein Hybrid aus spannender Familienbiografie, historischem Sachbuch, investigativer Dokumentation, politischer Anklage und rasantem Thriller. Auslöser ist ein österreichisches Kochbuch, das die Wiener Großmutter der Autorin Anfang der Dreißiger im Ernst Reinhardt Verlag erfolgreich veröffentlichte. Als Jüdin wurde sie von den Nazis vertrieben, sie überlebte in England als ausgebeutete Hausangestellte und erreichte nach vielen Stationen die USA, wohin sich ihre Söhne gerettet hatten. Nach Vertreibung, unguten Exilerfahrungen und all dem Leid, das ihr mit der Ermordung vieler Nahestehender zugefügt worden war, erfuhr Alice Urbach nach dem Krieg ein weiteres Trauma – die Tilgung als Autorin. Ihr Verlag hatte, wie sie zufällig entdeckte, ihr eigenes Kochbuch unter einem Männernamen und gekürzt einfach weiter publiziert und gutes Geld damit verdient!
Laura, von allen Lolly genannt, ist fast dreißig und noch unverheiratet, als ihr Vater, mit dem sie im alten Familienhaus wohnt, stirbt. Ihr Bruder holt sie nach London, wo sie einen guten Mann kennenlernen, endlich erwachsen werden soll. Doch sie entscheidet sich, zurück aufs Land zu ziehen. Great Mop, ein kleines Dorf in Südostengland, klingt nach dem perfekten Ort, um endlich ihre Ruhe finden zu können. Doch läuft es anders als gedacht und Lolly entwickelt sich langsam, aber unvermeidlich zu einer gänzlich unabhängigen Frau, einer Hexe.
Eerie-on-Sea ist ein Seebad mit rauem Klima und einem wilden Meer, das viel nimmt und einiges anspült. So wurde vor Jahren ein kleiner Junge in einer Zitronenkiste am Strand aufgefunden und im uralten Grand Nautilus Hotel aufgenommen, wo er, Herbert Lemon genannt, sich um die Fundstücke der Hotelgäste kümmern muss. Der geldgierige Hoteldirektor macht Herbie das Leben schwer, aber die Hotelbesitzerin, die alte Lady Kraken, scheint ein Auge auf ihn zu haben, obwohl sie ganz oben in ihrer Suite zurückgezogen lebt. Fast alle im Ort fürchten sich vor dem Malander, einem gruseligen Seeungeheuer, um den sich viele Geschichten ranken.
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