Illustriert von Annabelle von Sperber. Fischer KJB Verlag 2018, 320 S., € 14,-, TB April 2021, € 9,-, ab 10
(Stand März 2021)
Janka und Johann hatten noch nie viel mit ihrer Nachbarin Frau Tossilo zu tun, denn eigentlich ist die Dame ziemlich unfreundlich. Das ändert sich schlagartig als sie per Zufall zur Drachenmutter wird … denn ja, mitten in Berlin schlüpft ein Drachenbaby. Es wächst mächtig heran, bringt die drei Nachbarn einander näher und ihr Leben vor allem gehörig durcheinander. Was mit dem humorvollen Charme einer Sams-Geschichte beginnt, entwickelt sich schnell zum großen Abenteuer: Ein internationaler Energiekonzern hatte mit dem Drachen große Pläne und fordert ihn deshalb um jeden Preis zurück. Valija Zinck sprüht mit spannenden Erzählideen wie ein Drache mit Feuer. Alltägliche, fantastische und futuristische Elemente verwebt sie zu einer temporeichen Geschichte. Als unterschiedliche Charaktere entworfen und bestens auf Augenhöhe vereint, kämpfen die Geschwister um die Rettung ihres besonderen Freundes. Und zwischen den Zeilen liest man so einerseits facettenreich von großer Zuneigung, anderseits von der Unermesslichkeit menschlicher Gier. Fortsetzung folgt im Frühjahr 2019 … (Jana Kühn)


Neues Schuljahr, neue Schule, ein Mädchen und ein Junge an der Schwelle zwischen Kindheit und Jugend. Anna Woltz lässt abwechselnd beide sprechen. Parker, das Mädchen, ist schlecht drauf. Sie musste ihren geliebten Hund Alaska abgeben, weil einer ihrer kleineren Brüder dagegen allergisch ist. Dazu kommt, dass nach einem bewaffneten Raubüberfall auf das Fotogeschäft ihrer Familie zu Hause alle gerade nur noch einigermaßen klarkommen. Sven, der Junge, ist Epileptiker mit vielen Anfällen und dramatisch wirkenden Situationen. Damit er nicht als totaler Freak abgestempelt wird, will er an der neuen Schule sofort etwas ganz Großartiges machen, er weiß nur nicht, was. Da kommt ihm diese komische schwarzgekleidete Parker ganz recht, er führt sie gemein vor und amüsiert sich auf ihre Kosten. Ihr Konflikt spitzt sich noch weiter zu. Zu Parkers großem Entsetzen ist „ihr!“ Hund Alaska jetzt sein Assistenzhund.
Als Antons alleinerziehende Mama pünktlich zum Ferienbeginn ihre Arbeit verliert, stehen die Zeichen erst einmal schlecht für eine tolle Reise, so wie die von denen andere Kinder in den letzten Schultagen immer wieder erzählt haben. Doch der Sommer wird gegen alle Regeln und mit einfachsten Mitteln trotzdem unvergesslich. Not macht eben erfinderisch und so zeltet die kleine Familie plus Meerschwein mitten im Wald auf einer malerischen Lichtung. Das Ferienleben im Wald ist irgendwie herrlich unaufgeregt, trotzdem nie langweilig dank phantasievoller Spielideen. Und mit den Kindern vom nahen Campingplatz bahnen sich für Anton überraschende Freundschaften an. Nele Palmtags Illustrationen fangen mit liebevollen Details perfekt die unspektakulär schöne Ferienstimmung ein. Ein ausgesprochen feinfühlig und mit leisem Humor erzähltes, ganz besonderes Campingabenteuer! (
Verflixt- Finn fährt alleine mit dem Zug von seinem Vater zu seiner Mutter nach Berlin und dann wird ihm ausgerechnet sein Rucksack geklaut. Das musste der komische Typ, der ihn vollgequatscht hatte, gewesen sein. Jetzt hat er weder eine Fahrkarte noch Geld noch ein Handy. Statt ihm zu helfen, schmeißt ihn der mehr als unfreundliche Schaffner in Oranienburg aus dem Zug und übergibt ihn der Polizei. Auch die hört ihm nicht richtig zu, wieder kommt von der Erwachsenenseite keine Spur Hilfe. Zum Glück trifft er auf Jola, die auch in die „Tzitti“, also Berlin, will und ein bisschen Geld, vor allem aber jede Menge Mut und Ideen hat.
Krimigeschichten haben in jedem Alter ihre Fans. Es zählt wohl mit zum beliebtesten Lesevergnügen, die Lösung eines Verbrechens zu verfolgen. Im besten Fall landen die Verbrecher im Gefängnis. So weit, so gut. Aber was passiert dann? Wie sieht es dort aus? Wie lebt es sich im Gefängnis? Diesen Fragen sind Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt in monatelangen Recherchen und Interviews nachgegangen. Ein erzählendes Sachbuch ist entstanden. Erzählend, denn es geht einerseits um Sina, ihre Mutter und besonders ihren Vater, der einen Raubüberfall begangen hat und dafür einsitzen muss. Abwechselnd werden ihre Sicht auf die Dinge, ihre Gefühle, die großen Nöte wie die kleinen Freuden geschildert. Andererseits ein Sachbuch, denn immer wieder gesellt sich zur besonderen Familiengeschichte eine Faktenebene, die anschaulich und nichts beschönigend, dennoch kindgerecht den Weg vom Verbrechen, über das Gerichtsverfahren, die Gefängnisjahre und die Wiedereingliederung beschreibt. Diese Kombination ist nicht nur ausgesprochen klug gewählt, sondern auch bestens gelungen, denn das Thema ist sachlich wie emotional genau und detailreich ausgeleuchtet. (Jana Kühn)
Hund Samson und Kater Roberto sind bettelarm und hungrig. Als Samson eine Pension am Meer erbt, machen sich die beiden Freunde auf, dort ihr Glück zu versuchen. Was sie erwartet ist eine Bruchbude, in der es spuken soll, doch voller Elan und Ideen machen sie sich ans Werk und können bald die ersten Gäste begrüßen.
Vom ersten Augenblick an ist Ina fasziniert von ihrer neuen Mitschülerin. Allein ihr Name Gertrude – noch nie gehört … sie scheint so offensichtlich anders zu sein! Und das ist sie auch in der DDR der 1970er vor allem durch den von ihrer Familie gestellten Ausreiseantrag, der sie nicht nur im Pionieralltag zur Außenseiterin abstempelt. Auch Ina wird weder von den anderen Kindern noch von ihrer Lehrerin besonders gemocht. Und so stürzen sich beide Mädchen voller Euphorie in das Gefühl der ersten großen Freundschaft. Allerdings beruht die Anweisung, Gertrude zu meiden, auf höchst offizieller Entscheidung und die Freundschaft der Mädchen wird nicht gern gesehen – weder von Inas Mutter noch vom Schulpersonal. Doch Ina bleibt standhaft und kämpft einfallsreich und mutig für ihre Freundin. Ganz genau gelingt es Judith Burger in die Gefühlswelt der Mädchen einzutauchen. Dazu vermittelt sie alltagsnahe Einblicke in die vielen Kindern heute unbekannte Zeit der DDR und bricht eine Lanze für die poetische Zeitlosigkeit von Gertrude Stein. Ein tolles literarisches Debüt über die Kraft grenzenloser Freundschaft und den Mut aus der Reihe zu tanzen bis hin zum zivilen Ungehorsam! (Jana Kühn)
Die schwedische Kinderbuchmacherin Pija Lindenbaum ist bekannt für ihren unverfälschten wie fröhlichen, immer ein bisschen frechen Blick in Kinderwelten. Mit einem ebensolchen hat sie sich in ihrem neuesten Bilderbuch den Themen Flucht und Migration gewidmet, die sie in eine farbenfrohe Hunde-Fantasie-Welt verlegt. Dort leben drei Hunde auf einer ziemlich schönen Insel. Aber dann regnet es so lange nicht, bis sie nur noch eine Kartoffel haben und es wirft auch noch jemand einen großen Stein in ihren Pool. Sie können dort nicht bleiben, müssen fort. Wie die Drei ihre Insel über das Meer verlassen, erzählt Lindenbaum ohne zu beschönigen in allen Gefahren und Entbehrungen – bis endlich Land in Sicht kommt und damit auch die Pudel und davon gibt es wie im echten Leben nette und blöde. Viele Bilderbücher haben sich an der Thematik versucht. Dieses ist herausragend in seiner Direktheit vom Wunsch nach einem Zuhause zu erzählen, die anrührt und dabei viel Mitgefühl, Hoffnung und Gesprächsbedarf wecken wird. (Jana Kühn)
Friedrich Kissel, geboren