Eine Auswahl, herausgegeben und mit einem Essay versehen von Arnulf Conradi, Die Andere Bibliothek 2020, 520 S., 100 Abbildungen, € 39,-
(Stand März 2021)
Dieser sorgfältig gestaltete Prachtband ist schon von außen ein Hingucker. Im Innern sind dann achzig wunderschöne, ganzseitige, großformatige Aquarelle des berühmten Ornithologen aus dem 19. Jahrhundert, ein Vorreiter seiner Zunft, zu entdecken, sowie im Anschluss ausführliche, sachkundige Portraits einzelner Arten, ihrer Eigenschaften, Nahrung, Feinde sowie – ein besonderes I-Tüpfelchen – die vielen verschiedenen Namen, unter denen sie bekannt sind (z.B. Turmfalke = Rötelweibchen oder Graukopf, Windweh oder Rüddelgeier, um nur einige zu nennen). Ein Buch zum Schauen, Blättern, Entdecken, Festlesen – und wieder Schauen, nicht nur für Vogelfans. (Syme Sigmund)

Leuchtend orange mit einem breiten Goldstreifen, wie von einem Backpinsel hingestrichen, kommt dieses kleine handliche Kochbuch daher, das in die kleinste Küche passt, aber einen Kosmos nährender, wärmender, vegetarischer Rezepte aufmacht, die einen allein schon beim Lesen glücklich machen, so inspirierend schreibt er. Hat man einen Ofen, eine schwere Pfanne und einen gut in der Hand liegenden Schöpflöffel, bedarf es nur weniger Zutaten, um in kurzer Zeit köstliche labende Gemüsegerichte à la Slater zu kochen. Allerweltsnahrungsmittel wie Pastinaken, Kartoffeln, Äpfel, Brot, Haferflocken verwandelt er in Köstlichkeiten. Sinnesfreunde im Alltag – wunderbar! (Stefanie Hetze)
Sprachbarrieren gehören zum Alltag der nach Kanada eingewanderten Familie der Landschaftshistorikerin und Autorin Jessica J. Lee. China, Taiwan, Wales und der englischsprachige Teil Kanadas bildeten die Achsen der familiären Prägungen und Zerwürfnisse.
Kurt Schwitters, hannoverischer Künstler, Sprachspieler, Dadaist, Erschaffer des MERZ-Baus und der
Wer war Paolo Ciulla? Fast 100 Jahre nach seinem Tod sagt sein Name den meisten auch in Italien nichts. In diesem feinen historischen Roman wird seine einzigartige Geschichte erzählt. Durch eine minuziöse Recherche in Archiven, Gerichtsunterlagen und Mitteilungen wird sein kühnes, abenteuerliches Leben wiedererschaffen als Künstler, Geldfälscher und Pechvogel. Er war homosexuell und stand anarchischen und sozialistischen Gruppierungen nahe, lebte im Paris von Modigliani und Picasso, ging nach Buenos Aires und kehrte nach Sizilien zurück, wo seine illegale Produktion falscher Geldscheine entdeckt wurde. Arm und allein starb er nach einigen Jahren Gefängnis.
Als brillante Autorin wegweisender Essays wie „Camp“, „Die Krankheit als Metapher“ oder „Über Fotografie“, als kritische Intellektuelle, als New Yorker Jüdin, als streitbare Geliebte weniger Männer und vieler Frauen, als glamouröse vielfotografierte Erscheinung, als mit den Geistes- und Künstlergrößen der halben Welt befreundete Kosmopolitin, in ihren Themensetzungen und künstlerischen Formaten immer wieder für eine Überraschung gut, ragt Susan Sontag als weibliche Ikone des 20. Jahrhunderts weit heraus.
Gerade in der Winterzeit, wenn die Natur pausiert, ist allein die Beschäftigung mit alten Früchten wie dem „Herbstprinz″, dem „Weißen Winterkalvill″, dem „Königlichen Kurzstiel″, der „Venusbrust″, der „Krachmandel″ oder dem „Gubener Spilling“ eine außerordentliche Freude. Die Gärtnerin und Übersetzerin (auch von Nigel Slaters Kochbüchern) Sofia Blind hat in ihrem mit vielen Bildtafeln wunderschön ausgestatteten Band alte Obstsorten mit ihren historischen Namen, ihrer Geschichte und ihren faszinierenden Besonderheiten anschaulich porträtiert. Anregungen zum Anbau, Tipps zum Erwerb historischer Früchte sowie Hausmacherrezepte für Marmeladen, Aufläufe und Desserts machen noch mehr Lust, sich auf die Suche nach gesunder geschmacklicher Vielfalt zu begeben. (Stefanie Hetze)
Der neueste grenzüberschreitende Geniestreich der Künstlerin Leanne Shapton: ein harmlos daherkommendes weißes Gästebuch mit weihnachtlich-konventionellem Vorsatzpapier führt uns gleich ein in den Alltag, in dem längst nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Häuser, Räume, Kleider, Gegenstände, Tiere, Begegnungen entwickeln ein irritierendes vielschichtiges Eigenleben durch die virtuose Kombination und Reihung von Fotos, Illustrationen und Texten. So schleichen sich vielgestaltige bizarre Gespenster und Geister in dieses phänomenale Kabinett des Alltäglichen ein, das macht schaurig-schönen Spaß und regt zum Nachdenken über Schein und Sein nach! (Stefanie Hetze)
Allein das Buch in den Händen zu halten ist ein Genuss, da die vorgestellten Tiere auf den Einband geprägt sind, lassen sich ihre Umrisse ertasten. Und fürs Auge hat die Illustratorin Kat Menschik wirklich kongenial gesorgt und die Tiere auf schwarzem Hintergrund porträtiert, der ihre Farbigkeit und Vielfältigkeit umso mehr zum Leuchten bringt. Das Multitalent Mark Benecke bringt uns in seinen unterhaltsamen und gleichzeitig wissenschaftlich fundierten Texten Vertreter kurioser Spezies nahe, so neben Bekanntem wie Möpsen oder Glühwürmchen den „Rotbeinigen Schinkenkäfer“, „Betrunkene Elche“ oder „Kopffüßler“. Ihre Eigenarten und Vorlieben beschreibt er mit dem Vorhaben, „unsere Mitlebewesen ihr eigenes Ding machen zu lassen. Egal, ob und wie viele Arme und Beine sie haben.“
Sizilien ist alles gleichzeitig: Geschichte und Mythologie, Schönheit und Zerstörung, Antike und Moderne, Europa und Afrika, Tod und Vitalität. Die sizilianische Musikerin Etta Scollo, die früh ihre Heimat verließ, aber in ihrem Herzen und ihren Liedern diese besondere Insel mit ihren unzähligen Facetten und Widersprüchen in sich trägt, begibt sich auf Spurensuche quer durch die Orte und Regionen. Sie befragt viele Menschen, die anders als sie geblieben sind, Künstler*innen, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, auch Zufallsbekanntschaften. Alle eint, dass sie ihre Insel leidenschaftlich lieben, heftig unter den Missständen leiden und sich mit Nachdruck in ihre Ideen stürzen, ihr Sizilien zu erneuern. Dazu gibt es Scollos eigene Erinnerungen, literarische Texte, charakteristische Fotografien der Menschen, Landschaften, Häuser und Details, Scollos Liedtexte – und als Sahnehäubchen den Downloadlink oder in der Sonderausgabe die CD zum akustischen Mitreisen. Besser lässt sich die Insel momentan nicht erkunden! (Stefanie Hetze)