Prestel Verlag 2020, 40 S., € 22,-, ab 8 und für alle
(Stand März 2021)
Dieses großformatige Hausbuch macht einfach gute Laune! Einheimische und exotische Heilpflanzen, meist Blumen, aber auch der Ebereschenbaum, die Ananas oder das Löwenzahnkraut werden in prachtvollen Tableaus und auf den Punkt gebrachten Texten zu ihrer Botanik, Besonderheit und Bedeutung porträtiert. Die Bilder schwelgen in Farben, Kostümen und Formen, da gibt es Seltsames, Märchenhaftes und Geheimnisvolles zu entdecken. Virtuos hat Olaf Hajek seine Anleihen bei Maria Sibylla Merian, der Renaissancekunst und der Folk Art zu eigenen stilisierten Bildwelten gezaubert, die – botanisch ganz genau – nur so vor Phantasie überborden und unmittelbar anregen, in Gedanken in diesem traumschönen Blumengarten herumzuspazieren und sich Geschichten dazu auszudenken! (Stefanie Hetze) Leseprobe

Wenige Tage vor Oma Sieglindes Tod hat Maia ein Notizbuch von ihr geschenkt bekommen. Nun beginnt die 16-Jährige, es zu füllen – denn dieser Tod wirbelt ihr ohnehin kompliziertes Teenager-Leben noch mehr durcheinander. Oma Sieglinde war der Fels in der Brandung für Maia, ihre beiden jüngeren Schwestern und ihre alleinerziehende Mutter. Immer gab es bei ihr ein offenes Ohr. Und war es mal wieder knapp am Monatsende auch etwas zu essen. Das ist nun vorbei und Maia versucht die Lücke zu schließen. Aber schafft sie noch einen Teilzeitjob mehr? Zum Glück hat sie zwei großartige Freund:innen, die ihr nicht nur gegen die „beschissenste Gleichung der Welt: schlank = SCHÖN = wertvoll“ den Rücken stärken. Elisabeth Steinkellner und Anna Gusella haben für dieses absolut beeindruckende Tagebuch eng zusammengearbeitet. Anna Gusella übernahm neben der Illustration schließlich auch das finale Layout, wobei es ihr meisterlich gelang, Text und Bild zu einer regelrechten Symbiose zu verschränken. Kaum zu glauben, dass hier zwei Köpfe und vier Hände am Werk waren! (Jana Kühn)
Wenn die letzten Besucher den Rummel abends verlassen haben, das Tor zugesperrt und das Licht abgeschaltet wurde, kommen die Tiere des Waldes, um sich genauso zu vergnügen, wie am Tag die Menschen. Durch ein Loch im Zaun schlüpfen sie hinein, Strom an, und los gehts – auf Karussell und Achterbahn, zum Bällewerfen oder auf die Schiffsschaukel. Popcorn und Hot Dogs werden verkauft, alle amüsieren sich prächtig, bis die Dämmerung kommt.
Der neueste grenzüberschreitende Geniestreich der Künstlerin Leanne Shapton: ein harmlos daherkommendes weißes Gästebuch mit weihnachtlich-konventionellem Vorsatzpapier führt uns gleich ein in den Alltag, in dem längst nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Häuser, Räume, Kleider, Gegenstände, Tiere, Begegnungen entwickeln ein irritierendes vielschichtiges Eigenleben durch die virtuose Kombination und Reihung von Fotos, Illustrationen und Texten. So schleichen sich vielgestaltige bizarre Gespenster und Geister in dieses phänomenale Kabinett des Alltäglichen ein, das macht schaurig-schönen Spaß und regt zum Nachdenken über Schein und Sein nach! (Stefanie Hetze) 
Als ziemlich eigenbrötlerischer Zeitgenosse erforscht der Dachs mit großer Leidenschaft Steine. Dafür braucht er jede Menge Ruhe, Zeit und vor allem Platz. Als ihm seine Tante das Stinktier als Mitbewohner aufdrückt, weiß er deshalb sofort, dass das nicht gut gehen kann. Schließlich sind sie keine Familie! Das ausgesprochen charmante Stinktier plaudert ihn jedoch in Windeseile an die Wand und wickelt ihn mit Leckereien zum Frühstück um den Finger. Doch wer räumt anschließend die Küche auf? Hmm?! Als später auch noch jede Menge Hühner zu Besuch kommen, dreht Dachs durch … Das ungleiche Paar ruckelt sich jedoch zusammen in dieser fabelhaften WG wider Willen. Bei diesem hintersinnigen Vorlesespaß, der in den USA sehr beliebten Amy Timberlake, haben auch die Erwachsenen viel zu Lachen. Ebenso prominent besetzt sind Illustration und Übersetzung: Jon Klassen, dessen unglaublich sprechende Zeichnungen in Farbe und Schwarz-Weiß begeistern und der soeben mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Und Michael Gutzschhahn, der die herrlichen Doppeldeutigkeiten brillant übersetzt hat. Bei diesem Vorlesespaß bleibt kein Auge trocken – wir warten gespannt auf Band zwei! (Jana Kühn)
Allein das Buch in den Händen zu halten ist ein Genuss, da die vorgestellten Tiere auf den Einband geprägt sind, lassen sich ihre Umrisse ertasten. Und fürs Auge hat die Illustratorin Kat Menschik wirklich kongenial gesorgt und die Tiere auf schwarzem Hintergrund porträtiert, der ihre Farbigkeit und Vielfältigkeit umso mehr zum Leuchten bringt. Das Multitalent Mark Benecke bringt uns in seinen unterhaltsamen und gleichzeitig wissenschaftlich fundierten Texten Vertreter kurioser Spezies nahe, so neben Bekanntem wie Möpsen oder Glühwürmchen den „Rotbeinigen Schinkenkäfer“, „Betrunkene Elche“ oder „Kopffüßler“. Ihre Eigenarten und Vorlieben beschreibt er mit dem Vorhaben, „unsere Mitlebewesen ihr eigenes Ding machen zu lassen. Egal, ob und wie viele Arme und Beine sie haben.“
Sizilien ist alles gleichzeitig: Geschichte und Mythologie, Schönheit und Zerstörung, Antike und Moderne, Europa und Afrika, Tod und Vitalität. Die sizilianische Musikerin Etta Scollo, die früh ihre Heimat verließ, aber in ihrem Herzen und ihren Liedern diese besondere Insel mit ihren unzähligen Facetten und Widersprüchen in sich trägt, begibt sich auf Spurensuche quer durch die Orte und Regionen. Sie befragt viele Menschen, die anders als sie geblieben sind, Künstler*innen, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, auch Zufallsbekanntschaften. Alle eint, dass sie ihre Insel leidenschaftlich lieben, heftig unter den Missständen leiden und sich mit Nachdruck in ihre Ideen stürzen, ihr Sizilien zu erneuern. Dazu gibt es Scollos eigene Erinnerungen, literarische Texte, charakteristische Fotografien der Menschen, Landschaften, Häuser und Details, Scollos Liedtexte – und als Sahnehäubchen den Downloadlink oder in der Sonderausgabe die CD zum akustischen Mitreisen. Besser lässt sich die Insel momentan nicht erkunden! (Stefanie Hetze)
Hugo und Hassan sind nach kurzer, rasanter Anlaufschwierigkeit bald schon beste Freunde und verbringen richtig viel Zeit zusammen. Da wird gezockt und gedribbelt, gekloppt und wieder vertragen. Es geht auf jeden Fall hoch her und es ist sehr, sehr lustig. Tatsächlich kommt die Graphic Novel mit so viel rabenschwarzer Komik daher, wie es sich aktuell wahrscheinlich fast nur der Klett Kinderbuch Verlag zu veröffentlichen traut. Absolut ungeschönt und sehr dicht an den Erlebniswelten der Altersgruppe erzählen die in Dänemark bestens bekannten Kim Fupz Aakeson & Rasmus Bregnhøi von den zwei Freunden. Es ist Ramadan und Halloween – und dann hat Hugos Mama auch noch einen neuen Freund. Der toughen Alleinerziehenden drückt man lachend alle Daumen und hofft auf mehr Geschichten von den beiden Haudegen – vielleicht auch auf mehr von Hassans Familie, die bisher deutlich kürzer kommt. Man darf gespannt sein! Denn als Reihe angelegt eignen sich Hugo & Hassan Dank viel, viel Humor, des eben großen Bildanteils sowie der wohl dosierten Kapitellängen bestens, um positiv besetzte Leseerlebnisse zu schaffen. (Jana Kühn)
Für viele Menschen ist das Meer schlicht und einfach und immer ein Sehnsuchtsort. Und erst recht jetzt, nach so langer Zeit, da wir nicht hindurften. Für alle, die noch nicht wissen, ob und wie das wohl klappt in diesem Jahr mit Sommer, Sonne & Strandurlaub, hätten wir hier eine wunderschöne Lösung zwischen zwei Buchdeckeln: ein Bilderbuch, mit dem wir uns das Meer mit allem Drum und Dran – ob in Vorfreude oder Melancholie – direkt nach Hause holen können. In Ein Strandtag riecht es förmlich nach Salzwasser und Sonnenmilch, so detailgenau und liebevoll haben die beiden Italienerinnen die Atmosphäre zwischen Sonnenschirmen und Sandburgen eingefangen. In zarten Farbstiftzeichnungen und einer Erzählperspektive, die ganz den Blick eines Kindes inne hat, ist dies unser Dante-Bilderbuch des Sommers. (Jana Kühn)