Claudia Durastanti: Die Fremde

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki, Paul Zolnay Verlag 2021, 304 S., € 24,-
(La straniera, La Nave del Teseo 2019, ca. € 24,-)
(Stand März 2021)

Claudia Durastanti erzählt in „Die Fremde“, das es in Italien auf die Shortlist für den wichtigen „Premio Strega“ geschafft hat, ihre eigene Familiengeschichte. Die Eltern – beide gehörlos – reagieren auf ihre Einschränkung nicht mit Anpassung, sondern mit Rebellion. Die Mutter lebt vorübergehend als Ausreißerin auf den Straßen Roms, der Vater pfeift auf gesellschaftliche Normen. Claudia wird in Brooklyn geboren, wohin die Eltern zeitweilig auswandern, und kehrt nach deren Trennung mit Mutter und Bruder nach Italien, in ein kleines Dorf der Basilikata, zurück. Immer ist sie, sind sie „anders“, fällt die Mutter als laut und unkonventionell auf. Das Mädchen muss sich die von den Eltern nicht vermittelten Sprachen – erst Englisch, dann Italienisch – selbst aneignen und ihren Weg, der sie schließlich nach Rom und London führt, selbst finden. Doch das „Sichfremdfühlen“ bleibt ihr ständiger Begleiter.
Claudia Durastanti geht nicht chronologisch vor, sondern erkundet ihre Familie, indem sie Themen wie „Reisen“, „Gesundheit“ oder „Liebe“ nachspürt, eine Archäologin ihrer selbst. In einer überaus feinfühligen, mal lebendigen, mal poetischen Sprache verfasst, deren Sätze immer wieder kostbar funkeln, lässt dieses beeindruckende Buch niemals unberührt. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Rose Lagercrantz und Eva Eriksson: So glücklich wie noch nie?

Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch, Moritz Verlag 2020, 224 S., € 12,95, ab 7
(Stand März 2021)

Lagercrantz_Rose_So_glücklich_wie_noch_nie_Danteperle_Dante_ConnectionDunne ist sehr aufgeregt. Ihr Papa und seine Freundin Wanda wollen tatsächlich heiraten. Dunne sieht sich schon zusammen mit ihrer besten Freundin Ella Frida in wunderschönen Kleidern die Blumen streuen! Das wird ein Fest! Doch Papa und Wanda haben ganz andere Pläne, die Hochzeit soll in Rom bei der italienischen Familie stattfinden. Für Ella Frida ist da kein Platz. Wie in allen Geschichten dieser einmaligen Kinderbuchreihe passieren Dinge, die Dunne nicht mag und die sie leiden lassen. Aber sie lässt sich immer etwas einfallen. Und dann geschieht so manch Unverhofftes, dass am Ende ein unerwartet anderes Glück da ist. Wieder hat die wunderbare Geschichtenerzählerin Rose Lagercrantz gezaubert und hat Eva Eriksson ihre hinreißenden Zeichnungen beigesteuert, die Dunnes Gefühle auf den Punkt bringen. Ein unnachahmliches Vergnügen, zum Vorlesen und Selberlesen. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Sandra Petrignani: Die Freibeuterin

Das Leben der Natalia Ginzburg. Aus dem Italienischen von Stefanie Römer. btb Verlag 2020, 640 S., € 24,-
(La corsara. Ritratto di Natalia Ginzburg. Neri Pozza 2018, ca. € 26,50)
(Stand März 2021)

Petrignani FReibeuterin_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergDie Schriftstellerin Natalia Ginzburg ist die bedeutendste Minimalistin der italienischen Literatur. In ihren Romanen, Erzählungen und Texten ist jedes Wort mit Bedacht gesetzt, erbarmungslos, aber gleichzeitig mit viel Ironie enthüllt sie menschliche Schwächen, die Verstrickungen in Familien, die Abgründe zwischen Frau und Mann. Ihre Bücher sind moderne Klassiker der Weltliteratur, Inspiration gerade für Autorinnen weltweit.
Doch was ist das Material, aus dem sie schöpfte? Wer war diese italienische Schriftstellerin, Übersetzerin, Lektorin, Journalistin, Politikerin, Mutter? Die gerade ins Deutsche übersetzte Biografie „Die Freibeuterin“ von Sandra Petrignani taucht tief in Ginzburgs wechselvolles Leben ein. Sie spannt den Bogen von ihrer Kindheit als ein bisschen übersehene Tochter in einer bürgerlichen jüdischen Familie über ihre Ehe mit Leone Ginzburg, dem charismatischen Intellektuellen und Mitbegründers des Einaudi Verlags, der von den Nazis zu Tode gefoltert wurde, ihren schmerzhaften schwierigen Neuanfang nach dem Krieg, die Bedeutung als weiblicher Schriftsteller bis zur Anerkennung als eine der ganz Großen des italienischen Geistes- und Kulturlebens.
Mit ihrem faszinierend breit angelegten Verfahren, eine Fülle von Beschreibungen, Zitaten, Quellen, literarischen Verweisen, von Gesprächen mit lebenden Zeitzeug*innen, von Ortsbesichtigungen, Assoziationen und Fragen zu verweben, ist Sandra Petrignani ein beeindruckendes Porträt Natalia Ginzburgs gelungen und regt noch einmal mehr an, Ginzburg selbst zu lesen! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Vittorio Magnago Lampugnani: Die Stadt von der Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert

Urbane Entwürfe in Europa und Nordamerika. Wagenbach 2017, 416 S., über 350 Abb., € 98,-
(Stand März 2021)

Lampugnani_Vittorio_Magnago_Die_Stadt_von_der_Neuzeit_bis_zum_19._Jahhrundert_Dante_Connection_DanteperleIn seiner spanndenden Geschichte der Stadtarchitektur spannt Lampugnani einen  Bogen von mittelalterlichen Stadtgründungen über Stadtplanungen in der Renaissance und dem Barock bis hin zu den Urbanisierungen in der Moderne.  Die Architektur u.a. italienischer Stadtstaaten, der Neuordnung Roms im 16. Jahrhundert, von Paris, Lissabon, London, Barcelona, sizilianischen Städten, von Wien und Berlin (!) werden in ihren Besonderheiten kenntnisreichst dargelegt. Die meist großformatigen farbigen Bilder, Architekturfotos und Pläne laden überdies ein, sich mit Gewinn und Genuß der abendländischen Städtebaukunst zu widmen. (Stefanie Hetze)

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John Williams: Augustus

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben, dtv 2016, 480 S., TB 2017, € 12,90
(Stand April 2021)

williams_john_augustus_dante_connection_buchhandlung_danteperleEs beginnt mit einem Brief Cäsars, der seinen Großneffen Gaius Octavius schätzt und fördert. Doch kurz darauf ist der Herrscher einem Attentat zum Opfer gefallen. Was wird nun aus dem jungen, ehrgeizigen Großneffen, der eigentlich der Philosophie und Gelehrsamkeit zuneigt? In fiktiven Briefen, Tagebucheinträgen und Dokumenten zeichnet Williams das Leben und die Persönlichkeit des uns heute als Augustus bekannten Gaius Octavius nach, seinen Weg zur Macht, der ihn als Menschen verändert, seine lange Regierungszeit mit ihren politischen Verschiebungen, schließlich seinen Tod. Es ist großartig, wie Williams umkreist, was und wie es gewesen sein könnte und dabei den verschiedenen Figuren, Freunden, Familienmitgliedern, Zeitgenossen, Gegnern Augustus‘ eine sehr lebendige Stimme verleiht. Sofort gerät man hinein in den Sog einer bewegten Zeit, die der unsrigen so fern liegt und von der doch so viele Verbindungslinien zu uns führen. (Judith Krieg)

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Maike Albath: Rom, Träume. Moravia, Pasolini, Gadda und die Zeit der Dolce Vita

Berenberg Verlag 2013, 304 S., € 25,-

(Stand März 2021)

albath-rom-traeume_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergRom durchlebte nach dem Ende des 2. Weltkriegs nicht nur einen Wiederaufbau, sondern in den 1950er und 1960er Jahren einen regelrechten urbanen Aufbruch. Die Stadt vergrößerte sich immens in ihrer Fläche und ihrer Einwohnerzahl. In dieser Stimmung des Neuanfangs wurde sie zum Magneten für Kulturschaffende aus Literatur, Film, Kunst und Philosophie, die die Atmosphäre der Stadt und die Ära der Dolce Vita prägten. Anhand biographischer Skizzen einiger der wichtigsten Protagonisten, wie Moravia, Pasolini und Gadda, beschreibt Maike Albath diese Phase der Umbrüche. Immer wieder kommen Zeitzeugen zu Wort. Was dabei entsteht ist viel mehr als eine gängige Stadtgeschichte oder Künstlerbiographie – eher ein Stück italienischer Kulturgeschichte, ein Füllhorn an Daten, Fakten, Episoden und Anekdoten, das durch den gekonnten Stil der Autorin ein wahrer Lesegenuss wird. (Jana Kühn) Leseprobe

Wie viele Regalmeter mag Maike Albath in ihren Recherchen zur Stadtgeschichte und den Biographien der einzelnen Autoren wohl durchmessen haben für dieses feinste Destillat in Buchform?

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