Björn Kuhligk: Großraumtaxi

Berliner Szenen. Verbrecher Verlag 2014, € 14,00

kuhligk-grossraumtaxi_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergKarstadt am Hermannplatz, ein Bürgeramt, der Müggelsee, der Kudamm sind nur vier der vielen Schauplätze, an denen der gebürtige Berliner Björn Kuhligk seine Alltagsgeschichten ansiedelt. Allein oder mit seinen beiden Kindern läuft er durch die Stadt, trifft auf die unterschiedlichsten Leute beim U-Bahn-, Fahrrad-, Taxifahren. Ganz beiläufig entstehen bei der Lektüre dieser knappen Skizzen nachhaltige Eindrücke vom vielfältigen Berliner Alltag.

Raija Siekkinen: Wie Liebe entsteht

Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat, mit einem Nachwort von David Wagner, Dörlemann 2014, € 16,90

Siekkinen-Leinen-US-uc.inddEs sind vor allem Frauen mittleren Alters, von denen die zehn kurzen Geschichten dieses schmalen, schön gestalteten Bands erzählen. Jede von ihnen befindet sich an einem Punkt ihres Lebens, der ein Weitermachen wie bisher unmöglich erscheinen lässt: der Tod eines geliebten Menschen, eine nicht enden wollende Renovierungen, ein Seitensprung. Es sind Geschiedene, Desillusionierte, innerlich Einsame, die uns in wie hingetupften skizzenartigen Szenen begegnen. Es passiert nicht viel, doch man taucht in den atmosphärisch dichten Erzählungen ein in Beschreibungen von Seelenlandschaften, die von der Sehnsucht nach einem Neuanfang, wahrer Liebe und Trost geprägt sind. Siekkinen schreibt Sätze die schlicht scheinen und doch voller versteckter Abgründe sind, die tief berühren und im Leser nachhallen. Für diesen in Finnland schon 1991 erschienenen Band wurde die Autorin für den Finlandia-Preis nominiert. In Finnland gilt die viel zu früh verstorbene Siekkinen, die Ingeborg Bachmann verehrte, heute als moderne Klassikerin. Nun ist sie endlich erstmals auf Deutsch erschienen. (Syme Falco) Leseprobe

Ilma Rakusa: Einsamkeit mit rollendem “r”

Erzählungen, droschl literaturverlag 2014, € 18,00

20rakusa_einsamkeitMarja, Maurice, Graz, Koljansk… so lauten die schlicht-prägnanten Titel der vierzehn Erzählungen, die einzelne Menschen und Orte skizzieren. Es sind alles Begegnungen einer Ich-Erzählerin, offensichtlich einem Alter-Ego der Autorin, die sich mit unverstelltem Blick, Leidenschaft und Empathie auf neue unbekannte Situationen einläßt. Es zieht sie hin zu den entwurzelten nomadisierenden Menschen, deren rollendes “r” sie als fremd verrät, die es schwer haben in einem Europa der Umwälzungen einen Platz zu finden. Immer wieder finden sie aber auch flüchtige Momente des Glücks. Mit all ihren Sinnen und ihrem eigenen großen  Erfahrungsschatz zwischen Orten, Kulturen und Sprachen notiert und verdichtet Ilma Rakusa diese Begegnungen und Augenblicke und läßt sie dann wieder weiterziehen. Unbedingt zu empfehlen. (Stefanie Hetze) Textauszug

Daniela Krien: Muldental

Graf Verlag 2014, € 18.00, Taschenbuch € 9,99

muldental_danteperle_dante_connectionMuldental – der kleine Ort Muldental ist nirgens und doch überall in der heutigen sächsischen Provinz. Die zehn Geschichten dieses Buches handeln alle  – irgendwie – von Menschen aus Muldental, Menschen, die im Leben nicht das bekommen haben, was sie sich erhofft hatten, nicht weiter wissen, mit dem Leben nicht zurecht kommen. Sie handeln von dem Mann, der erst die Arbeit und dann seineFrau verliert und schließlich vor dem Supermarkt als Alkoholiker endet oder von den jungen, gut ausgebildeten Müttern, denen die Prostitution als eine machbare Option erscheint, um der finanziellen Misere zu entkommen. Sie handeln von den Abgehängten, den “Wendeverlierern”, den Gescheiterten und Verzweifelten. Nein, wohlfühlen kann man sich nicht bei der Lektüre, das soll man auch nicht. Die Protagonisten kämpfen, wollen nicht untergehen, auch wenn sie eigentlich schon 10 Meter unter der Wasseroberfläche schwimmen, trotzen stoisch den Verhältnissen – oder haben längst aufgegeben. Daniela Krien überzeugt dabei mit einer kargen, unsentimentalen Sprache, die nachwirkt. Ein starkes Buch über die Randfiguren unserer Gesellschaft, nicht leicht zu verdauen aber unbedingt lesenswert. (Syme Falco) Leseprobe

Chimamanda Ngozi Adichie: Heimsuchungen

aus dem Englischen von Reinhild Böhnke, S. Fischer Verlag 2012, € 19,99, TB € 10,99

adichie-heimsuchungen_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergNigerianerinnen und Nigerianer, mehr oder weniger freiwillig in die USA eingewandert, Daheimgebliebene, Rückkehrer, Lebende, Tote, Frauen, Männer, Kinder… sind die Protagonisten dieser zwölf mitreißenden Geschichten. Ein besseres Leben wollen sie, treffen aber auf die vielfältigen „Heimsuchungen“ unserer postkolonialen Welt mit ihren tief eingegrabenen kulturellen und sozialen Gegensätzen. Wie sie auf des Messers Scheide balancieren, welche Verletzungen sie dabei erleiden, aber auch welche vitale Energie sie entfalten, breitet Chimamanda Ngozi Adichie in einem großen Erzählkosmos aus. Eine unbedingte Empfehlung. (Stefanie Hetze)

Lorenz Pauli & Kathrin Schärer: Rigo & Rosa

Atlantis, 128 Seiten, 16,95 Euro, ab 5

0710_Rigo Rosa_Cover_Z.inddRigo ist ein großer Leopard, der im Zoo lebt. Rosa eine kleine Maus, die eines Tages in seinem Gehege steht und klagt, weil sie nicht schlafen kann. Und noch während Rigo überlegt, ob er direkt zubeißen soll, hat ihn die Mausedame charmant um den Finger gewickelt und seine Beschützerinstinkte geweckt. In 28 kurzen Geschichten erzählen die beiden einander vom Leben, dem Wesen der Dinge, der Schönheit, der Langeweile, von Geburtstagen und vom Kranksein. Dabei decken sie dank Lorenz Pauli in einfacher und warmherziger Sprache große Wahrheiten auf und werden Freunde, die keine Angst mehr haben, weil sie auf einander vertrauen. Und die atemberaubend schönen Illustrationen von Kathrin Schärer gibt es obendrauf: Pauli & Schärer – was für eine immer wieder gelungene Kombination! (Jana Kühn) … ein Blick ins Buch

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