Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence, Liebeskind Verlag 2018, 448 S., € 24,-, TB Kein&Aber 2021, € 15,-
(Stand September 2022)
Dass Maureen Phelan ihren Sohn um Hilfe bittet, scheint erst einmal eine Selbstverständlichkeit. Bei der Tatsache, dass ihr Problem eine Leiche auf dem Küchenfußboden ist, sieht das schon anders aus. Sohn Jimmy – aka J.P. DER Gangsterboss der Stadt Cork – reagiert zwar verärgert, weiß aber dennoch sofort Rat. Was keiner von beiden auch nur ahnen kann ist, wie folgenreich sich die Entsorgungsaktion nicht nur auf ihrer beider Leben auswirken wird. Eine fatale Kettenreaktion! Geschickt entwickelt McInerney eine ganze Parade vom Leben hart erprobter Protagonisten und verknüpft diese zu einer Millieustudie des heutigen, krisengebeutelten Irlands: jugendliche Dealer, berauschte Liebespaare und Alkoholiker-Eltern, Prostituierte, Priester und Frömmler. Dabei liest sich der Debütroman keinesfalls bedrückend, denn McInerney erzählt ungemein abwechslungs- und temporeich, brutal wie einfühlsam, schwarzhumorig und bitterböse. Ein Sozialstudien-Lovestory-Krimi-Knaller, den man kaum aus der Hand legen kann! (Jana Kühn) Leseprobe

Als Antons alleinerziehende Mama pünktlich zum Ferienbeginn ihre Arbeit verliert, stehen die Zeichen erst einmal schlecht für eine tolle Reise, so wie die von denen andere Kinder in den letzten Schultagen immer wieder erzählt haben. Doch der Sommer wird gegen alle Regeln und mit einfachsten Mitteln trotzdem unvergesslich. Not macht eben erfinderisch und so zeltet die kleine Familie plus Meerschwein mitten im Wald auf einer malerischen Lichtung. Das Ferienleben im Wald ist irgendwie herrlich unaufgeregt, trotzdem nie langweilig dank phantasievoller Spielideen. Und mit den Kindern vom nahen Campingplatz bahnen sich für Anton überraschende Freundschaften an. Nele Palmtags Illustrationen fangen mit liebevollen Details perfekt die unspektakulär schöne Ferienstimmung ein. Ein ausgesprochen feinfühlig und mit leisem Humor erzähltes, ganz besonderes Campingabenteuer! (
Es ist immer eine Riesenfreude, wenn vielfältige Kinderbücher (zum Beispiel von 
gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten – und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im »richtigen« Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?
USA, Mitte der 50er Jahre: Der Vater des Afroamerikaners Atticus ist verschwunden. Atticus, sein Onkel und eine Kindheitsfreundin begeben sich auf der Suche nach ihm auf einen Roadtrip durch die feindlich-rassistischen Staaten. Als sie an einen mysteriösen Ort gelangen, erleben sie unvorstellbare Schreckensrituale, die sich auf ihr Leben und das ihrer Familie auswirken. Horror steht im Vordergrund der Handlung. Trotz übernatürlicher Elemente wie schwarzer Magie, die diese Geschichte bevölkern, sind die wahren Schrecken, um die es Matt Ruff geht, die Ungerechtigkeiten der „Jim-Crow-Ära“. Der blinde Rassismus, der wie ein wildes Feuer durch die USA wütete, beweist wieder einmal, dass es nicht die Geister sind, die man fürchten muss, sondern die Menschen selbst.
Krimigeschichten haben in jedem Alter ihre Fans. Es zählt wohl mit zum beliebtesten Lesevergnügen, die Lösung eines Verbrechens zu verfolgen. Im besten Fall landen die Verbrecher im Gefängnis. So weit, so gut. Aber was passiert dann? Wie sieht es dort aus? Wie lebt es sich im Gefängnis? Diesen Fragen sind Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt in monatelangen Recherchen und Interviews nachgegangen. Ein erzählendes Sachbuch ist entstanden. Erzählend, denn es geht einerseits um Sina, ihre Mutter und besonders ihren Vater, der einen Raubüberfall begangen hat und dafür einsitzen muss. Abwechselnd werden ihre Sicht auf die Dinge, ihre Gefühle, die großen Nöte wie die kleinen Freuden geschildert. Andererseits ein Sachbuch, denn immer wieder gesellt sich zur besonderen Familiengeschichte eine Faktenebene, die anschaulich und nichts beschönigend, dennoch kindgerecht den Weg vom Verbrechen, über das Gerichtsverfahren, die Gefängnisjahre und die Wiedereingliederung beschreibt. Diese Kombination ist nicht nur ausgesprochen klug gewählt, sondern auch bestens gelungen, denn das Thema ist sachlich wie emotional genau und detailreich ausgeleuchtet. (Jana Kühn)
Die Protagonistin dieses Debütromans ist Anfang 20, studiert und führt mit einem Geliebten plus einem Liebhaber ein intensives Liebesleben. Das klingt durchschnittlich für dieses Alter, wären da nicht Erinnerungssplitter an eine andere Welt früher im Nordirak, als die Eltern und alles ganz anders gewesen waren. Heute lebt Sanaa zusammen mit ihrer depressiven Mutter, einem kaum anwesenden Vater und einer pubertierenden Schwester beengt in einer westdeutschen überwiegend von Migranten bewohnten Hochhaussiedlung. Wie in einem kleinen Dorf wird keine Gelegenheit ausgelassen, zu tratschen, zu kontrollieren und zu intrigieren. Auch Sanaa, die auf jeden Fall ihr Doppelleben hinkriegen will, mischt im wahrsten Sinne des Wortes kräftig mit: durch Marihuanabeigaben in die Zigaretten für Tante und Nachbarinnen!
Am Samstag, den 9. Juni 2018 findet in der Werkstatt der Kulturen KIMBUK das erste vielfältige Kinderbuchfestival statt. Das Festival richtet sich an Familien mit Kindern, genauso wie an Erziehungsprofis, aber auch Illustrator*innen, Autor*innen und Verlage. Entsprechend wird das Programm organisiert. Das Kinderbuch-Event soll Workshops, Talks und Diskussionen für Eltern, Erziehungsprofis, und Kinderbuchmacher*innen anbieten.
Nach der Beerdigung ihres Vaters trifft die Anthropologin August, die weltweit forscht, in der New Yorker U-Bahn zufällig ihre Jugendfreundin Sylvia. Die beiden waren zusammen mit Angela und Gigi im Brooklyn der Siebziger engste Freundinnen gewesen. Statt sich nach über 20 Jahren auszutauschen, steigt sie nach kurzer Begrüßung vorzeitig aus, fängt aber an, sich an früher zu erinnern. Wie es ihr, ihren Freundinnen erging, ihre Träume, Hoffnungen und Realitäten unter unterschiedlich schwierigen Startbedingungen. Die vielen Ereignisse aus ihrer Teenagerzeit, alltägliche und dramatische, verdichtet sie in ihrem Roman in intensiven Momentaufnahmen, die eindrucksvoll ein Panorama auffächern, wie es war, als afroamerikanisches Mädchen aufzuwachsen und erwachsen zu werden.