Aus dem Amerikanischen von Susanna Mende, Polar Verlag, 327 S., € 20,-, TB Unionsverlag 2024, € 14,-
(Stand Februar 2024)
Ein Kaff in der tiefsten Provinz in Texas mit nur einem Café, in das die Schwarzen gehen, und einer Bar für Weiße, dem Treffpunkt der „Aryan Brotherhood of Texas“. Dazu der Highway durch den Ort, der außer dem Café der schwarzen Genoveva komplett einem Weißen gehört. Das ist das Setting, an dem zwei Morde passieren, der erste an einem unbekannten Schwarzen, einem durchreisenden BMW-Fahrer in städtisch-teuren Klamotten, der zweite an einer jungen weißen Kellnerin, die mit einem Redneck verheiratet war. Der hiesige Sheriff interessiert sich nur für den Mord an der blonden Weißen. Selbstverständlich ist jeder hier bewaffnet und lässt sich nicht in die eigenen Karten gucken, wie Darren Matthews, der übergeordnete schwarze Gesetzeshüter, ein eigentlich suspendierter Texas Ranger, schnell feststellt.
Was sich aus dieser hochexplosiven Gemengelage und den vielen Erscheinungsformen von Rassismus, von Hass, Angst und Gewalt entwickelt, ist leider erschreckend aktuell. Was diesen Krimi jedoch atemberaubend macht, ist wie die Autorin die Wucht alter und neuer Liebes- und Familiengeschichten mit den sozialen Beziehungen in einem zutiefst rassistischen Land verzahnt. (Stefanie Hetze)

Es ist ein ganz normaler Morgen, halb acht, der Bus kommt. In 10 Geschichten erzählt Thilo Reffert immer wieder dieselben dreißig Minuten, doch wie unterschiedlich können die sein! Denn in jeder der kurzen Geschichten ist die Erzählperspektive eine andere. Da ist Leon, der Geburtstag hat, und Tami, die sonst immer mit dem Rad fährt. Da ist Uhland, der sich auf einen anderen Planeten wünscht, und seine kleine Schwester Rubi, die endlich was anders will, als immer nur Muttermilch. Und da ist auch der junge Wachmann, der müde von der Nachtschicht kommt, und die Mutter von Uhland und Rubi und ein Mops und die alte Frau, die heute fast den Bus verpasst hätte. Und dann ist da noch der Busfahrer der vielleicht, ganz vielleicht ein Bisschen zaubern kann.

hat. Aber auch wie viel Einfluss andere darauf haben, wer wir sind. Özlems Wut darüber bahnt sich ihren Weg, leise zunächst, dann allerdings, bei einem Streit mit ihren Freunden, ungebremst: Von Rassismus ist die Rede und von Selbstmitleid, von Scham und Neid, von Ausgrenzung und Minderwertigkeitsgefühlen. Ihre Geschichte will Özlem von nun an selbst bestimmen und selbst erzählen. Wie das geht, muss sie erst noch herausfinden.
Nach außen hin scheint alles zu stimmen. Osman studiert relativ erfolgreich Cello, spielt Fußball, wohnt in einer WG und bandelt mit seiner Mitbewohnerin an – ein Studentenleben eben. Doch hinter der Oberfläche kratzt es gehörig. Ohne Kontaktlinsen sieht er schlecht. Sein Dozent bescheinigt ihm eine gute Spieltechnik, aber emotionale Schwachstellen. Mit seinem Vater,
einem Profimusiker, will er keinen Kontakt, seiner Ziehmutter, hört er nicht richtig zu und erzählt nichts von sich. Auch mit seiner Mitbewohnerin kommt er sich nicht näher. Erst der Zufallsfund eines besprochenen Diktiergeräts bringt ihn dazu, jemandem wirklich zuzuhören. Um das Nichtzuhören, Nichthören und Zuhören, um Stimmen, Töne und Schweigen, um Musik und Stille kreist Katharina Mevissens faszinierender Roman, ein Debütschatz.
plaudert und sprudelt und erinnert sich: An ihre chaotische Großfamilie mit sechs verrückten Tanten, an die unüberschaubare Schar von Cousinen und Cousins, an Reisen nach Mekka, erste Auftritte als „Girl Group“, an den Gebetspyjama ihrer Oma oder frühe Versuche eines eigenen Friseursalons.
Max geht zum ersten Mal in ein Museum für moderne Kunst: Monet, Picasso und Miró stehen auf dem Plan. Ganz genau schaut Max sich alles an – aber eben nicht nur die Gemälde und Skulpturen. In kindlicher Unvoreingenommenheit ignoriert er große Namen und Berühmtheiten, und sucht stattdessen nach besonderen Farben und Formen. Er stellt verblüffende Vergleiche an und entdeckt so Ähnlichkeiten, ja vielleicht sogar Vorbilder in der Natur. In leuchtenden Farben, kräftigen Pinselstrichen und ganz ohne Worte erzählt Joanne Liu von einem aufregenden Museumsbesuch, der vor Augen führt, wie wunderbar sich große Meisterwerke immer wieder neu entdecken lassen. Das Bilderbuch macht Lust, selbst einmal wieder ins Museum zu gehen … am besten mit der ganzen Familie! (Jana Kühn)
Yejide und Akin leben als modernes nigerianisches Paar entgegen der polygamen Traditionen in romantischer Liebe zu zweit. Auch der jahrelang unerfüllte Kinderwunsch kann daran nichts ändern – eigentlich. Denn irgendwann wird der familiäre und gesellschaftliche Druck so hoch, dass Akin einer zweiten Ehefrau zustimmt, allerdings ohne dies mit Yejide zu besprechen. Mit dieser Entscheidung ändert sich alles, nichts bleibt mehr wie es war. Ayọ̀bámi Adébáyọ̀ erzählt in ihrem beeindruckenden Debüt die Geschichte einer Ehe, die zwischen Wünschen und Erwartungen, Vertrauen und Enttäuschung sowie Verlust und Trauer zerrieben wird. Ausgesprochen elegant und ohne feste Chronologie verschränkt sie in Rückblenden Yejides und Akins Perspektiven. En passant scheint dabei immer wieder die politische Geschichte Nigerias durch den Erzählfluss, in den aufs Schönste zahlreiche traditionelle Märchen und Mythen eingebunden sind. Und Adébáyọ̀ überrascht mit einem positiv offenen Ende. (Jana Kühn)
Als schüchternes Einzel- und Schlüsselkind ist Pauls Leben ziemlich freudlos. Auch seine Schulkameraden hänseln und ärgern ihn ständig. Als er eines Tages wie immer nach der Schule die Wohnungstür aufschließen will, hört er seltsame Geräusche, die aus dem alten Schloss kommen. Ein bisschen Angst hat er schon, aber das Geschimpfe ist so leise, dass er sich traut, nachzuhaken und mit der Stimme zu reden. Sie materialisiert sich und aus dem Schloss entweicht ein weißes schwebendes Ding, ein kleines Gespenst! Was Zippel, das frech-kreative Schlossgespenst, und Paul in der Wohnung, im Haus, in der Schule und in einem echten Schloss miteinander erleben, ist ein einziges Abenteuer und spannend-lustiger Vorlesestoff für die ganze Familie. Axel Schefflers phantasievolle farbsatte Illustrationen krönen dann noch das Lesevergnügen. (Stefanie Hetze)
Die Klassiker-Reihe des Londoner Design Duos MinaLima verführt mit einem neuen Prunkband! Wunderschön mit Goldlack, spielerischen Ausklappseiten und herausnehmbaren Elementen gestaltet, wurden diesmal die beliebtesten dänischen Märchenklassiker, wie Die Schneekönigin, Däumelinchen und viele andere mehr, in einer prächtigen Sonderausgabe zusammengstellt. (Jana Kühn)