Eleonora Marangoni: E siccome lei

Feltrinelli 2020, pp. 256, € ca. 21,80
(aggiornato marzo 2021)

9788807034169

Monica Vitti: sono in pochi a non conoscerla. Il suo nome evoca tanti volti di donne, personaggi spigolosi, sfuggenti, comici o sofferti di film indimenticabili. In occasione dell’ottantanovesimo compleanno di una delle più grandi Signore del cinema italiano Eleonora Marangoni regala a lei e a tutti i suoi osservatori questo libro magico, intriso della grazia enigmatica del volto di Monica. Si tratta di una serie di “Finzioni”, per dirlo con Borges, rappresentazioni a volte romanzate, altre volte fedelmente trasposte, delle numerose donne interpretate dall’attrice. Ci sono quasi tutte, da Assunta (La ragazza con la pistola), a Claudia (L’Avventura), passando per Dea (Polvere di stelle), Giuliana (Deserto rosso) e arrivando a Margherita (Scandalo segreto). Leggere queste pagine è un modo delizioso per celebrare Monica Vitti, scomparsa dalle scene da decenni, ma sempre presente negli occhi e nei ricordi di chi non può dimenticare il suo sguardo e la sua voce. (Giulia Silvestri)

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Maria Attanasio: Der kunstfertige Fälscher

Aus dem sizilianischen Italienisch von Michaela Wunderle und Judith Krieg, Edition Converso 2020, 219 S., € 18,-
(Il falsario di Caltagirone, 224 pp., Sellerio 2007, ca. 18,50 €)
(Stand März 2021)

Attanasio_Kunstfertige_FälscherWer war Paolo Ciulla? Fast 100 Jahre nach seinem Tod sagt sein Name den meisten auch in Italien nichts. In diesem feinen historischen Roman wird seine einzigartige Geschichte erzählt. Durch eine minuziöse Recherche in Archiven, Gerichtsunterlagen und Mitteilungen wird sein kühnes, abenteuerliches Leben wiedererschaffen als Künstler, Geldfälscher und Pechvogel. Er war homosexuell und stand anarchischen und sozialistischen Gruppierungen nahe, lebte im Paris von Modigliani und Picasso, ging  nach Buenos Aires und kehrte nach Sizilien zurück, wo seine illegale Produktion falscher Geldscheine entdeckt wurde. Arm und allein starb er nach einigen Jahren Gefängnis.
In kurzen, prägnanten Kapiteln, die an eine Chronik erinnern, schildert Maria Attanasio eine Figur, die die Mächtigkeit einer Legende hat. Mit einem Glossar und ausführlichen Erläuterungen, die die Leser*innen mit zahlreichen Persönlichkeiten, Ereignissen und Sprachbesonderheiten vertraut machen. Ein toller biografischer Roman, der völlig aus dem Rahmen fällt. (Giulia Silvestri)

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Etta Scollo: Voci di Sicilia. Eine Reise durch Sizilien

Mit Fotografien von Antonio Maria Storch, hrsg. und übersetzt von Klaudia Ruschkowski, Corso Verlag 2020, 256 S., € 29,90, limitierte Ausgabe mit CD, € 39,90
(Stand März 2021)

Scollo_Etta_Voci_di_Sicilia_Danteperle_Dante_connection_BuchhandlungSizilien ist alles gleichzeitig: Geschichte und Mythologie, Schönheit und Zerstörung, Antike und Moderne, Europa und Afrika, Tod und Vitalität. Die sizilianische Musikerin Etta Scollo, die früh ihre Heimat verließ, aber in ihrem Herzen und ihren Liedern diese besondere Insel mit ihren unzähligen Facetten und Widersprüchen in sich trägt, begibt sich auf Spurensuche quer durch die Orte und Regionen.  Sie befragt viele Menschen, die anders als sie geblieben sind, Künstler*innen, Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, auch Zufallsbekanntschaften. Alle eint, dass sie ihre Insel leidenschaftlich lieben, heftig unter den Missständen leiden und sich mit Nachdruck in ihre Ideen stürzen, ihr Sizilien zu erneuern. Dazu gibt es Scollos eigene Erinnerungen, literarische Texte, charakteristische Fotografien der Menschen, Landschaften, Häuser und Details, Scollos Liedtexte – und als Sahnehäubchen den Downloadlink oder in der Sonderausgabe die CD zum akustischen Mitreisen. Besser lässt sich die Insel momentan nicht erkunden! (Stefanie Hetze)

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Nanni Balestrini: Der Verleger

Aus dem Italienischen von Christel Fröhlich und Andreas Löhrer, Assoziation A 2020, 152 S., € 18,-
(L‘ editore, DeriveApprodi 2005, ca. € 20,50)
(Stand März 2021)

Verleger_Einband_5.inddGiangiacomo Feltrinelli, der berühmte Verleger, ist tot. Im Jahr 1972 wird sein lebloser Körper unter einem Hochspannungsmast in der Nähe von Mailand gefunden. Dieses viel diskutierte Ereignis wurde nie aufgeklärt.
Fast zwanzig Jahre später trafen sich ein Regisseur, eine Journalistin, ein Buchhändler und ein Universitätsprofessor, die Feltrinelli persönlich gekannt hatten, um mittels eines Drehbuchs über seine Geschichte zu sprechen. Es entstand kein Film,  dennoch wurde nach und nach immer klarer, wie sehr sein Todesfall einen Wendepunkt für die intellektuelle und linke Szene Italiens darstellte.
Als Nanni Balestrini letztes Jahr starb, las ich unzählige Würdigungen. Ich hatte noch kein ganzes Buch von ihm gelesen, war allerdings berührt und wollte unbedingt mehr über diesen Schriftsteller wissen. Dann wurde mir dieses Buch geschenkt: Durch verschiedene Erzählregister schildert Balestrini eine der faszinierenden Figuren des 20. Jahrhunderts, die aufgeheizte Atmosphäre und die sozialen Kämpfe der Jahre nach 1968. Nach ein paar Sätzen nur war ich schon in seine wilde, mutige, präzise Erzählstimme verliebt. (Giulia Silvestri) Vorwort zur Neuausgabe

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Alice Vollenweider: Italiens Provinzen und ihre Küche

Verlag Klaus Wagenbach 1990, erhältlich in der 19. Auflage 2021, 160 S., € 18,-, im Nachdruck, erscheint wieder im Juli 2021

(Stand April 2021)

Voellenweider_Alice_Italines_Provinzen_und_ihre_Küche_Danteperle_Dante_connectionDer Trend bei Kochbüchern ist zur Zeit Opulenz und Farbigkeit, ganz anders kommt da ein schmaler engbedruckter Saltoband mit kleinen Schwarzweiß-Fotos daher, der uns einlädt, die vielfältigen regionalen Küchen Italiens kennenzulernen und die Menschen, die mit Leidenschaft kochen und ihre kostbaren Familienrezepte und die Geschichten dazu liebend gerne mit anderen teilen. Immer wieder lässt es sich vortrefflich in diesem reichen kleinen Buch schmökern und mit der Autorin direkt in die häuslichen Kochtöpfe schauen. In der Vorstellung können wir mit der profunden Italienkennerin mitreisen an die verschiedensten Orte und Zusammenhänge, um dann ganz konkret die beschriebenen Köstlichkeiten nachzukochen. Wie oft hat mich schon das blitzschnelle phantastische Dolce, die Crema del Lario aus Sahne, Zitrone und Grappa, gerettet, haben Gäste sich auf den Risotto alla milanese gestürzt, freue ich mich im Winter auf eine tröstliche Minestra di Fagioli nach einem Triestiner Rezept. Zu unser aller Glück hält der Wagenbach Verlag dieses einzigartige Koch- und Reisebuch seit 30 Jahren lieferbar. (Stefanie Hetze)

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Giulia Caminito: Ein Tag wird kommen

Aus dem Italienischen von Babara Kleiner, Wagenbach Verlag 2020, 265 S., € 23,-, TB 2022, € 14,-
(Un giorno verrà, Bompiani 2019, ca. € 21,80)

(Stand September 2022)

Camintio_Giulia_ein_Tag-wird_kommen_Danteperle_Dante_ConnectionGroßes Kino gleich zu Beginn: Nicola zielt vor Angst triefend mit einem Gewehr auf seinen geliebten älteren Bruder Lupo,  der keine Miene verzieht. „Der Große Krieg war auch bis hierher in diese Hügel gekommen…“ in diesen Ort armer Schlucker in den Marken. Nicola überwindet sich, schießt und rettet Lupo vor der Einberufung.
Zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten in dieser Bäckerfamilie, in der der Vater brutal herrscht und die als „Zuchtstute“ missbrauchte Mutter entkräftet dahinvegetiert. Lupo, der Vitale, sympathisiert mit den Partisanen, rebelliert gegen den verhassten Vater und beschützt seinen Bruder, wo immer er kann.  Nicola mit dem „Prinzengesicht“ fällt heraus aus dieser Familie. Er liest, ist zart und zu nichts zu gebrauchen.
Ein Geheimnis steht zwischen den Brüdern, das sich peu à peu entschlüsselt. Die politischen und sozialen Verhältnisse (Erster Weltkrieg, Faschismus, Armut, Kirche, Widerstand dagegen) wirken sich vehement auf ihre Familie aus. Meisterlich und facettenreich verbindet Giulia Caminito die große Geschichte Italiens mit einem individuellen familiären Drama. Verblüffende Twists, das Mitwirken historischer Persönlichkeiten und eine ungemein plastische Sprache, perfekt übersetzt, machen  diesen Roman zu einem einmaligen Lesegenuss. (Stefanie Hetze)

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Nadia Terranova: Der Morgen, an dem mein Vater aufstand und verschwand

Aus dem Italienischen von Esther Hansen, Aufbau Verlag 2020, 256 S., € 20,-
(Addio fantasmi, Einaudi 2018, ca. € 21,80)
(Stand März 2021)

Terranova_Nadia_Der_Tag_an_dem_mein_Vater_aufstand_und_verschwand_Danteperle_dante_ConnectionIda fährt aus Rom und einer schwierigen Ehe nach Sizilien in ihre Heimatstadt Messina zurück. Ihre Mutter hat Unterstützung angefordert. Die vollgestopfte Wohnung, in der Ida aufgewachsen ist, soll aufgelöst werden. Dreiundzwanzig Jahre zuvor hat ihr Vater diese Wohnung verlassen, nach einer schweren Depression ist er eines Tages einfach verschwunden. Sein weiteres Schicksal blieb ungeklärt. Mutter und Tochter haben diesen tragischen Verlust nie verarbeitet. Zwischen ihnen herrschte Schweigen, gegenüber der Außenwelt wahrten sie eine unverbindliche Freundlichkeit, retteten sie sich in das Erfüllen von Pflichten. Nun heißt es, alles auszusortieren und die heruntergekommene Wohnung für einen Verkauf aufzuhübschen. Während die Mutter Idas konkretes Zupacken vorwurfsvoll einfordert, verliert die Tochter sich in ihrem unverändert gebliebenen Kinderzimmer, in alten Fotoalben und Erinnerungen an den Vater, übernehmen die Gespenster der Vergangenheit.
Schonungslos geht die Erzählerin mit der Vergangenheit, aber auch mit ihrem gegenwärtigen Leben ins Gericht. Präzise und empathisch beschreibt Nadia Terranova einen unfassbaren Schmerz, der sich eigentlich nicht in Worten ausdrücken lässt. Beeindruckend, wie es ihr und ihrer Übersetzerin Esther Hansen gelingt, die Intensität und Intimität, die feinen Nuancen widerstrebender Gefühle und Erinnerungsfetzen fein auszuloten und so vielleicht eigene Gespenster zu wecken? (Giulia Silvestri und Stefanie Hetze)

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Susanna Mattiangeli & Vessela Nikolova: Ein Strandtag

Aus dem Italienischen von Lucia Zamolo, Bohem Press 2020, 36 S., € 15,-, ab 3
(In spiaggia, Topipittori 2018, ca. € 23,-)
(Stand März 2021)

Mattiangeli_susanna_Vessela_Nikolova_Ein_ Strandtag_Dannteperle_Dante_ConnectionFür viele Menschen ist das Meer schlicht und einfach und immer ein Sehnsuchtsort. Und erst recht jetzt, nach so langer Zeit, da wir nicht hindurften. Für alle, die noch nicht wissen, ob und wie das wohl klappt in diesem Jahr mit Sommer, Sonne & Strandurlaub, hätten wir hier eine wunderschöne Lösung zwischen zwei Buchdeckeln: ein Bilderbuch, mit dem wir uns das Meer mit allem Drum und Dran – ob in Vorfreude oder Melancholie – direkt nach Hause holen können. In Ein Strandtag riecht es förmlich nach Salzwasser und Sonnenmilch, so detailgenau und liebevoll haben die beiden Italienerinnen die Atmosphäre zwischen Sonnenschirmen und Sandburgen eingefangen. In zarten Farbstiftzeichnungen und einer Erzählperspektive, die ganz den Blick eines Kindes inne hat, ist dies unser Dante-Bilderbuch des Sommers. (Jana Kühn) Blick ins Buch

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Pier Paolo Pasolini: Der Zorn

Aus dem Italienischen von Anna Giannessi und Jo Frank, Illustrationen von Guglielmo Manenti, mit einem Nachwort von Ricardo Domeneck, Verlagshaus Berlin 2020, 132 S., € 24,90
(La rabbia, Cineteca di Bologna 2009, ca. € 35,-, difficile reperibilità)

(Stand März 2021)

Pasolini_Pier_Paolo_Der_Zorn_Danteperle_Dante_ConnectionDer Dokumentarfilm La Rabbia erschien 1963. In Form eines poetischen Essays kommentiert Pasolini mehrere Ereignisse der Zeit, die im Film mit Ausschnitten aus internationalen Wochenschauen gezeigt werden: den Kolonialismus, den Weg Algeriens zur Unabhängigkeit, die Krönung von Elizabeth II, die Wahlen verschiedener Päpste, den Tod von Marilyn Monroe, die Revolutionen in Ungarn und in Kuba, die Entwicklung der Konsumgesellschaft im westlichen Teil der Welt. Starke Gefühle wie Entfremdung, Unmut und Angst spiegeln sich in seinen kommentierenden Ausführungen.
Pasolinis poetischen Kommentare, die in dieser 2-sprachigen Ausgabe nachzulesen sind, haben immer noch eine unbestreitbare Kraft: Seine Wörter, die damals zu einem Skandal führten, bilden den Stoff für tiefgehendes Nachdenken über die Menschheit, Gesellschaft, Politik und Geschichte. Dieses elegante Büchlein, von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet als eines der schönsten deutschen Bücher, ist der perfekte Begleiter für alle Leser*innen, die Pasolini wieder- oder neu entdecken möchten. Überall kann man über die Bedeutung der Texte eines der wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts nachdenken und ungemein viel daraus ziehen. (Giulia Silvestri) Blick ins Buch

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Marta Barone: Città sommersa

Bompiani 2020, 296 S., ca. € 24,-
(aggiornato marzo 2021)

Barone città sommersa_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergNel suo „secondo debutto“, successivo alla pubblicazione di tre magnifici libri per bambini, Marta ritrova suo padre. Leonardo Barone è morto nel 2011 e sua figlia sente di non averlo mai conosciuto fino in fondo. È stato un padre distante e un po’ freddo, molti episodi della sua vita non le sono mai stati raccontati. All’improvviso Marta trova alcuni documenti, che la portano a scoprire l’esistenza di un processo per lotta armata. Il viaggio comincia: l’autrice risale agli anni 70, si interessa agli “anni di piombo”, intervista vecchie conoscenze del papà, a Roma, a Torino. Lentamente si forma un’immagine nuova. Barone ha scritto un romanzo di formazione intenso e commovente, spingendosi molto oltre il tema della relazione padre-figlia sullo scenario della storia italiana del Novecento. In ogni capitolo si trovano raffinate riflessioni: riguardo alla costruzione del libro stesso, alla distinzione fra opera e autore, alla discrepanza fra testimonianza e verità, fra letteratura e realtà. Una vera perla per traduttori dall’italiano! (Giulia Silvestri)

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In ihrem „zweiten Debüt“, das zweite, da sie schon drei großartige Kinderbücher veröffentlich hat, findet Marta ihren Vater wieder. Leonardo Barone ist 2011 gestorben und seine Tochter hat das Gefühl, ihn nie richtig gekannt zu haben. Als Vater war er kalt und distanziert, viele Ereignisse seines Lebens wurden ihr nie erzählt. Eines Tages findet Marta einige Dokumente, die auf einen Prozess hinweisen. Die Reise beginnt: Die Autorin geht zurück bis in die 70er Jahre, befasst sich mit den „anni di piombo“ (die Bleiernen Jahre), interviewt alte Bekannte in Rom, in Turin und langsam entsteht ein neues Bild. Barone hat einen eindringlichen, ergreifenden Bildungsroman geschrieben, der über die Vater-Tochter-Beziehung, über die Geschichte Italiens hinausgeht. In jedem Kapitel findet man feine Überlegungen der Autorin: Über die Entstehung des Buches selbst, über die Unterscheidung zwischen Werk und Autor, über die Diskrepanz zwischen Zeugnis und Wahrheit oder zwischen Literatur und Wirklichkeit. Eine echte Perle für Übersetzter*innen aus dem Italienischen! (Giulia Silvestri)

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