Aus dem Englischen von Anette Grube, Dumont Verlag 2017, 416 S., € 22,-, TB DuMont 2018, € 12,-
(Stand April 2021)

Mitte des 18. Jahrhunderts werden im heutigen Ghana zwei Schwestern geboren: Effia und Esi. Ihre Lebenswege werden sich nie kreuzen. Präziser ließe sich von Leidenswegen sprechen, denn, noch fast ein Kind, wird die eine mit dem britischen Gouverneur verheiratet; die andere wiederum entführt und als Sklavin weit über den Atlantik in „die Hölle“ verkauft. Diese, jede auf ihre Weise unfassbar brutalen Szenarien sind der Ausgangspunkt für Yaa Gyasis fesselnd wie erschütternd erzählte Familiensaga, die den Bogen bis in die heutige USA und zurück an die Küsten Ghanas spannt. In eindrücklichen Episoden verfolgt Gyasi beide Familienstränge und porträtiert dabei Menschen im Hadern an den diskriminierend rassistischen Verhältnissen und dennoch zähem Kämpfen um das kleinste bisschen Menschenwürde. Gyasis beachtliche historische Recherche öffnet einmal mehr die Augen für postkoloniale, heutige Verhältnisse. Aber vor allem ist Heimkehren ein großartiges Stück Literatur, dessen Figuren nie nur als Stellvertreter ihrer Zeit funktionieren, sondern als detailliert liebevoll und plastisch beschriebene Charaktere tief berühren und lange in Erinnerung bleiben werden. Ein hartes, ein sprachlich dunkel funkelndes, ein sehr empfohlenes Buch!
Zur selben Thematik und quasi gleichzeitig ist bei Hanser der Roman The Railroad Underground von Colson Whitehead erschienen – lesen Sie bitte unbedingt beide! (Jana Kühn) Leseprobe

Die Autorin und Illustratorin Anne Brouillard entführt uns in den großen Wald, eine geheimnisvolle Landschaft im fernen Land der Fantasie: Chintia. Dort beginnt eine abenteuerliche Reise damit, dass der Hund Killiok den roten Zauberer Varin von Drunter vermisst. Mit seiner Freundin Veronika macht er sich auf die Suche nach dem zaubernden Freund. Keine leichte Aufgabe, denn im Großen Wald wartet so manche Überraschung. Vermisste Mooskinder, fliegende Sahneschläger und düstere Schwarzmäntler sind nur wenige Details der schier überbordenden Fantasie der Belgierin. Brouillard wechselt zwischen großzügigen Illustrationen, längeren Textstrecken und Comicstripes, wodurch auch für ganz unterschiedlich alte Kinder ein gemeinsames Vorlesevergnügen entsteht. Ebenso ungewöhnlich wie diese Form ist der traumverloren anmutende Stil der Belgierin. Mit dem detailgetreuen Kartenmaterial und den gezeichneten Zeitungsausschnitten betont sie die unzweifelbare „Echtheit“ ihrer märchenhaften Welt, die Kinder begeistern wird – auch und gerade in ihren fast gruseligen Momenten. (
Wir freuen uns riesig und möchten diese wunderbare Auszeichnung gemeinsam mit Euch und Ihnen feiern und laden dazu sehr herzlich ein.
Hurra, endlich ein neuer Roman mit Rico & Oskar!
Darauf freuen wir uns wie auf Weihnachten und um genau diese Jahresendveranstaltung geht es im vierten Coup um die beiden Jungs aus der Dieffe. Dabei heißt es: volles Programm und nichts läuft nach Plan! Die Bäume sind zwar geschmückt, aber wer mit wem feiert, wird noch einmal kräftig durchgemischt. Und warum verschwindet ständig so viel Essen – füttert Oskar da etwa noch jemanden mit durch? Als nun auch noch ein Schneesturm über Berlin hereinbricht und niemand mehr raus kann, ist das Chaos perfekt. Und keiner ahnt, dass auf Rico und Oskar nicht nur eine, sondern gleich zwei große Überraschungen warten.

Samarkand – sagenumwobene Stadt der Gewürzhändler, Oasenstadt inmitten der usbekischen Steppe, Treffpunkt der unterschiedlichsten Kulturen. Dieses neben den Rezepten auch mit kurzen kulinarkulturellen Beiträgen und suggestiven Fotos ausgestattete Kochbuch lädt ein, die imponierenden Weiten Zentralasiens mit dem Gaumen zu erkunden. Und so fremd-faszinierend, wie das Gebiet zwischen Georgien und Tadschikistan dem westlichen Besucher anmutet, sind auch die Geschmacksexplosionen der enthaltenen Rezepte. Zubereitung und Zutatenliste überfordern den mäßig erfahrenen Hobbykoch nicht, und begeistern doch immer wieder im Resultat. Wer frische Kräuter, getrocknete Früchte, Nüsse und Granatäpfel liebt, wird mit diesem Buch glücklich werden. (Syme Sigmund)
Diese Frau hat es offensichtlich gegeben. Am Vorabend des angolanischen Bürgerkriegs mauert sich die Portugiesin Ludovica, nachdem sie in Notwehr einen Einbrecher erschossen hat, komplett in ihrer Hochhauswohnung in Luanda ein. Fast dreißig Jahre lebt sie von einer Hühner- und Gemüsezucht auf ihrer Dachterrasse und fängt in ihrer Not Tauben. Abgeschnitten von der Welt, bald hat sie keine Batterien mehr für ihr Radio, notiert sie ihre Erinnerungen, Träume und Reflexionen in einem Tagebuch. Als ihr das Papier ausgeht, beschreibt sie mit komprimierten Gedichten die Wände ihres selbstgewählten Gefängnisses. Nur von fern, ihrer Terrasse, beobachtet sie, was draußen vor sich geht. Auch in der Außenwelt ist alles in Aufruhr, geraten Täter und Opfer, Revolutionäre und Unpolitische, Profiteure und Gegner aneinander. Ihre Stimmen mischt Agualusa eindrücklich mit dem Innenleben der isolierten Frau und verdichtet sie zu einem hochintensiven spannenden Roman, der nachempfinden lässt, was es heißt, wenn ein Land um Unabhängigkeit ringt. (Stefanie Hetze)