Iori Fujiwara: Der Sonnenschirm des Terroristen

Aus dem Japanischen von Katja Busson. Cass Verlag 2017, 352 S., € 19,95

Fujiwara_Iori_Der_Sonnenschirm_des_Terroristen_Dante_Connection_DanteperleEin Sommertag Anfang der 90er Jahre in Tokyo – wie immer liegt der alkoholsüchtige Barbetreiber und Loser Shimamura whiskytrinkend im Park. Es sind viele Leute dort, auch ein Mädchen, das sich nicht wie die anderen vor ihm wegdreht, sondern ihn wegen seiner zittrigen Hände anspricht. Plötzlich geht eine Bombe hoch, gibt es jede Menge Tote und Verletzte und ebenso plötzlich holt Shimamura seine Vergangenheit ein. Jahrzehntelang hatte er anonym in Deckung gelebt, denn er war nicht aus Japan geflohen wie Kuwano, sein Kumpel aus militanten Studentenrevoltenzeiten. Ihnen beiden war ein tödliches Attentat auf einen Polizisten zur Last gelegt worden. Wie in einem Déjà-vu ist Shimamura wieder an einem Tatort, an dem u.a. ein hoher Polizeibeamter ums Leben kommt, und gerät erneut mitten ins Visier der Ermittler. Nur er, der alkoholkranke und bettelarme Hauptverdächtige kann seine eigene Unschuld beweisen und gleichzeitig muss er unbedingt herausfinden, was mit dem Mädchen geschehen ist. Eine rasante Tour seiner Ermittlungen beginnt, bei der er in die Fänge der Polizei und der Yakuza gerät, in die Odachlosenszene und die der Finanzwelt einsteigt und sich vieles als ganz anders entpuppt, als es scheint. Feinste spannungsreiche Krimikunst und eine tolle Entdeckung des Cass Verlags! (Stefanie Hetze)

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Leseprobe

Milena Michiko Flašar: Ich nannte ihn Krawatte

Wagenbach 2012,€ 16,90 ,NEU als TB, btb 2014, € 8,99

Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flasar
Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flasar

Eine Parkbank wird zu einem Zufluchtsort für zwei Außenseiter. Der eine, jung, ist ein Hikikomori, so bezeichnet man in Japan die Menschen, die sich dem Leistungsdruck der Gesellschaft entziehen und ihr Zimmer auf unbestimmte Zeit nicht mehr verlassen. Der andere, alt, hat seinen Job verloren und sitzt seine Arbeitszeit nun auf dieser Parkbank ab. Langsam offenbaren sie sich ihre Geschichte und entdecken im Anderen eine Möglichkeit, mit ihrer Situation neu umzugehen. Ein wahrhaft unaufgeregtes Buch, das ungleich mehr aufwühlt und eine Autorin, die mit wenigen Worten kunstvoll und poetisch Wirkung zu erzeugen weiß. Sehr lesenswert. (Franziska Kramer)