Aya Cissoko: Ma

Aus dem Französischen von Beate Thill, Wunderhorn 2017, 180 S., € 24,80

Cissoko_Ma_Danteperle_DanteConnectionMassiré Dansira kommt im Alter von 15 Jahren aus Mali nach Frankreich. Sie folgt einem Ehemann, dem sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben und regelmäßige Geldsendungen von ihrer Familie anvertraut wurde. Aber es kommt anders. Das Leben in Frankreich ist fremd und ungewohnt, in vielerlei Hinsicht entbehrlich. Nach dem Tod ihres Mannes zieht sie drei Kinder allein und nach bestem Wissen und Gewissen auf, folgt dabei so gut es geht sowohl den Traditionen ihrer Herkunft als auch den weiterhin unverständlichen Codes der ihr so fremden Welt – und hadert kämpferisch mit beiden. Besonders Aya, das mittlere Kind, bereitet ihr Sorgen. Von Aya kommt Widerstand, Aya hinterfragt, Aya fordert ein Leben als junge Französin. Ma ist die beeindruckende Liebeserklärung einer erwachsenen Tochter an ihre Mutter, trotz oder vielleicht sogar wegen eines Verhältnisses, das nie einfach war. Ein versöhnliches Buch, das einer Mutter den liebevollen Respekt erweist, den sie ihr ganzes Leben hat missen müssen – sowohl seitens der französischen Gesellschaft als auch aus dem unmittelbaren malisch-migrantischen Umfeld. (Jana Kühn)
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Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch

Carlsen Verlag 2017. Mit Bildern von Peter Schössow, 272 S., ab 10 zum Selberlesen, € 14,99

Steinhöfel_Rico Oskar und das Vomhimmelhoch_Danteperle Dante ConnectionBei heftigstem Schneesturm schlittern Rico und Oskar am 24.12. zu Karstadt, um im letzten Moment Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Rico kauft etwas für das Baby, das noch im Bauch seiner Mutter schwimmt und Oskar heimlich Damenunterwäsche. Was ist denn mit Oskar  los, der seinem Freund alles Mögliche verschweigt und dessen Keller mit einer Wolldecke zugehängt ist? Aber auch Rico geht schon seit dem Sommer eigene Wege und hat eine Clique neuer Freundinnen und Freunde aufgetan, die sich in einem verlassenen Hinterhof in der Urbanstraße (schön wär’s!) treffen. Was alles passiert, wird hier nicht verraten. Andreas Steinhöfel hat wieder gezaubert und eine tolle Freundschaftsgeschichte voll des prallen Kinderlebens in Berlin-Kreuzberg in seinem unnachahmlichen Sound geschaffen. Peter Schössows liebevoll-feine Illustrationen setzen dann noch eins drauf. (Stefanie Hetze)

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Edith Wharton: Ethan Frome

Aus dem amerikanischen Englisch und mit einem Nachwort von Claudia Wenner. Marix Verlag 2017, 191 S., € 18,00

Wharton_Edith_Ethan_Frome_Dante_Connection_Buchhandlung_DanteperleEdith Wharton, berühmt für ihre Romane, in denen sie die Schattenseiten der New Yorker High Society aufdeckte und anprangerte, verfolgte mit Ethan Frome ein völlig anderes literarisches Ziel. Sie wollte das harte, buchstäblich auf Granit gebaute Leben in den abgelegenen Bergdörfern Neuenglands schildern und wählte dafür eine strenge Form, einen Kurzroman mit einer Rahmenhandlung und einem Zeitsprung, der das Drama ihrer Geschichte in ein kaum aushaltbares, da lebenslang andauerndes, Ausmaß katapultiert.
Die Geschichte hat es schon x-fach gegeben: ein junger armer Mann verliebt sich in die noch ärmere Cousine seiner kränkelnden Ehefrau und diese in ihn. Was aber Edith Wharton daraus macht, wie sie die Anbahnung und die Gefühle der Liebenden in die raue Winterlandschaft setzt und welche Rolle Schnee, Kälte, Wind, alte Pferde, dünne Holzwände, Tee und Pickles spielen, ist grandios. Und dann gibt es ja noch die dritte im Bunde, die nur wenige, dafür überaus kraftvolle Auftritte innerhalb der Erzählung hat. Gerade durch die Aussparung als Methode entwickelt Ethan Frome einen ungeheuren Sog. (Stefanie Hetze)

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Niklas Maak / Leanne Shapton: Durch Manhattan

Hanser 2017, 211 S., € 25,00

Maak_25666_MR.inddDer Journalist Niklas Maak und die Künstlerin Leanne Shapton laufen in zwei Tagen durch Manhattan. Ihre Route führt sie auf direktestem Weg von der Süd- zur Nordspitze der Insel, vom Financial District durch Chinatown und Little Italy, über den Centralpark und die Upper Westside bis dorthin, wo Manhattan noch Berge, Wälder und Schluchten hat, wo nur noch Spanisch zu hören ist und man sich in einer lateinamerikanischen Metropole zu sein wähnt. Maak protokolliert, was er sieht, sowohl unscheinbare, beiläufige Details als auch interessante oder kuriose Geschichten von Menschen, die ihnen begegnen und Orten, an denen sie vorbeikommen. Shaptons zunächst fast abstrakt wirkende Aquarelle, die mit dem Text verwoben scheinen und diesen ebenbürtig ergänzen, sind Impressionen ihres Weges, mal das Muster des Straßenpflasters oder eines Gitters, mal ein vergessener Pappkarton oder ein Straßenschild. Den Weg der beiden kann der Leser zudem auf einer beigefügten Karte verfolgen. Ein rundum gelungenes Buch, bei dem sich am Ende aus vielen Fragmenten ein rundes Ganzes ergibt, und dem der wunderschön gestaltete Einband mit Reliefprägung das i-Tüpfelchen verleiht. (Syme Sigmund)

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Ljudmila Ulitzkaja: Jakobsleiter

Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt. Hanser Verlag 2017, 640 S., € 26,00

Ulitzkaja_Ljudmila_Jakobsleiter_Danteperle_Dante_ConnectionEin sehr persönliches Buch und auch wieder nicht. Jahrelang ließ Ljudmila Ulitzkaja die Liebes- und Ehebriefe ihrer Großeltern ungelesen in einer Mappe, scheute sie sich, den Geheimnissen ihrer Familie ins Auge zu sehen. Als sie sich endlich überwand und die jahrzehntelange Korrespondenz las, die von inniger Liebe, großem Zerwürfnis und kleinen familiären Ereignissen in wuchtigen Zeiten von Revolution und Totalitarismus zeugt, war die Idee zu ihrem Roman geboren.

Aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeiten, noch aus zaristischen und bis aus der Gegenwart, erzählt sie in Jakobsleiter, was unter den heftigen gesellschaftlichen Verhältnissen aus der schwärmerischen Liebe eines intellektuell-künstlerischen Paares und ihren Nachfahren wurde. Sie umspannt dabei ein ganzes Jahrhundert, schreibt von Armut, Verbannung, Stalinismus, von Alltag, Arbeit, Zusammenleben, von Theater, Musik, Wissenschaft und entwirft den intimen und ebenso allumfassenden Kosmos einer russischen Familie, die einem beim Lesen ungemein nahekommt. (Stefanie Hetze)

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Elvira Dones: Hana

Aus dem Italienischen von Adrian Giacomelli. Mit einem Nachwort von Ismail Kadare. Ink Press 2016, 252 S., € 19,00

(Vergine giurata, Feltrinelli 2016, €13,50)

 

In den Bergen im Norden Albaniens herrscht auch in kommunistischen Zeiten eine archaische Welt, in der die Geschlechterrollen fest zementiert sind. Für Frauen gibt es gar keinen Bewegungsraum. Nur wenn sie Jungfrau sind und ganz ihrem Geschlecht entsagen, können sie übertreten und als Mann lebend männliche Rechte erwerben. So bestimmt es das Gewohnheitsrecht Kanun.

Um für ihren schwerkranken Onkel Medikamente aus der Stadt besorgen zu können und einer Verheiratung zu entgehen, bleibt der jungen Hana keine andere Wahl, als einen Schwur abzuleisten und äußerlich zu einem Mann zu werden. Blitzschnell verwandelt sie sich in den fluchenden, trinkenden LKW-Fahrer Mark, der sich vor allem und jedem abschottet. Die literatur- und männerliebende Hana bleibt tief in ihrem Inneren verborgen. Erst viele Jahre später kann Mark über den Umweg des amerikanischen Exils versuchen, wieder zu Hana zu werden, das bedeutet zu einem begehrenden und begehrten komplexen Menschen. Das gestaltet sich alles andere als leicht. Um so erstaunlicher, wie mühelos und bravourös die Autorin diesen Prozess mit ihrem im Original auf Italienisch geschriebenen Roman beschreibt. Ein großes Lesevergnügen, das sehr zum Nachdenken über Gender anregt. (Stefanie Hetze)

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Sonntag, 12.11.

Lesung mit Andreas Steinhöfel

9783551556653Hurra, endlich ein neuer Roman mit Rico & Oskar! andreas-steinhfelDarauf freuen wir uns wie auf Weihnachten und um genau diese Jahresendveranstaltung geht es im vierten Coup um die beiden Jungs aus der Dieffe. Dabei heißt es: volles Programm und nichts läuft nach Plan! Die Bäume sind zwar geschmückt, aber wer mit wem feiert, wird noch einmal kräftig  durchgemischt. Und warum verschwindet ständig so viel Essen – füttert Oskar da etwa noch jemanden mit durch? Als nun auch noch ein Schneesturm über Berlin hereinbricht und niemand mehr raus kann, ist das Chaos perfekt. Und keiner ahnt, dass auf Rico und Oskar nicht nur eine, sondern gleich zwei große Überraschungen warten.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch (Carlsen)

wann? am Sonntag, den 12.11. um 11 Uhr

wo? in der Nürtingen Grundschule, Mariannenplatz 28, 10997 Berlin-Kreuzberg

Unkostenbeitrag Vorverkauf 2 € (ab 4.9.17) / Tageskasse 4 €

 

Hurra, ausgezeichnet!

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Zum dritten Mal in Folge sind wir mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden. Wir freuen uns riesig!

Die Auszeichnung als hervorragende Buchhandlung erfolgte durch Frau Staatsministerin Grütters, die diesen wunderbaren Preis seit 2015 in Kooperation mit der Kurt-Wolff-Stiftung auslobt.

Wir freuen uns riesig und möchten diese wunderbare Auszeichnung gemeinsam mit Euch und Ihnen feiern und laden dazu sehr herzlich ein.

Freitag, 15. September 2017 bei uns im Laden.

Zwischen 14 und 17 Uhr für Kinder und ihre Familien, ab 18 Uhr für alle. Es gibt etwas zum Anstoßen, Häppchen, gute Laune und für alle unsere große Schaufenstertombola.

Lasst Euch überraschen!

Caroline Eden, Eleanor Ford: Samarkand

Kulinarische Erlebnisse entlang der Seidenstraße. Aus dem Englischen von Elke Homburg, Hölker Verlag 2017, 224 S., € 24,95

Samarkand_Danteperle_DanteConnectionSamarkand – sagenumwobene Stadt der Gewürzhändler, Oasenstadt inmitten der usbekischen Steppe, Treffpunkt der unterschiedlichsten Kulturen. Dieses neben den Rezepten auch mit kurzen kulinarkulturellen Beiträgen und suggestiven Fotos ausgestattete Kochbuch lädt ein, die imponierenden Weiten Zentralasiens mit dem Gaumen zu erkunden. Und so fremd-faszinierend, wie das Gebiet zwischen Georgien und Tadschikistan dem westlichen Besucher anmutet, sind auch die Geschmacksexplosionen der enthaltenen Rezepte. Zubereitung und Zutatenliste überfordern den mäßig erfahrenen Hobbykoch nicht, und begeistern doch immer wieder im Resultat. Wer frische Kräuter, getrocknete Früchte, Nüsse und Granatäpfel liebt, wird mit diesem Buch glücklich werden. (Syme Sigmund)

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José Eduardo Agualusa: Eine allgemeine Theorie des Vergessens

Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. C.H. Beck Verlag 2017, 197 S., € 19,95

Agualusa_José_Eduardo_Eine_allgemeine_Theorie_des_Vergessenes_Dante_Connection_Buchhandlung_BerlinDiese Frau hat es offensichtlich gegeben.  Am Vorabend des angolanischen Bürgerkriegs mauert sich die Portugiesin Ludovica, nachdem sie in Notwehr einen Einbrecher erschossen hat, komplett in ihrer Hochhauswohnung in Luanda ein. Fast dreißig Jahre lebt sie von einer Hühner- und Gemüsezucht auf ihrer Dachterrasse und fängt in ihrer Not Tauben. Abgeschnitten von der Welt, bald hat sie keine Batterien mehr für ihr Radio, notiert sie ihre Erinnerungen, Träume und Reflexionen in einem Tagebuch. Als ihr das Papier ausgeht, beschreibt sie mit komprimierten Gedichten die Wände ihres selbstgewählten Gefängnisses. Nur von fern, ihrer Terrasse, beobachtet sie, was draußen vor sich geht. Auch in der Außenwelt ist alles in Aufruhr, geraten Täter und Opfer, Revolutionäre und Unpolitische, Profiteure und Gegner aneinander. Ihre Stimmen mischt Agualusa eindrücklich mit dem Innenleben der isolierten Frau und verdichtet sie zu einem hochintensiven spannenden Roman, der nachempfinden lässt, was es heißt, wenn ein Land um Unabhängigkeit ringt. (Stefanie Hetze)

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