Edward van de Vendel, Marije Tolman: Der kleine Fuchs

Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg Verlag 2020, 88 S., € 15,-, ab 4
(Stand Mai 2021)

Vendel_van_de_Edward_Der_kleine_Fuchs_Danteperle_Dante_ConnectionIn einer Dünenlandschaft, in doppelseitigen bläulich gehaltenen Tableaus, vergnügt sich ein knallorange leuchtender Fuchs damit, die schönen Seevögel zu jagen, im angrenzenden Wald viele verschiedene Tiere zu erschnuppern und zwei lilafarbige Schmetterlinge so über die Dünen zu verfolgen, dass er ganz weit fliegt und mit einem großen Plumps auf dem Sand aufschlägt. Platt auf dem Rücken liegend fängt der kleine Fuchs an zu träumen. Kleine farbige Zeichnungen und zunehmend Worte erzählen von seiner glücklichen Kindheit, den Fuchseltern, Spielen mit den Geschwistern, Entdecken der Sinne und der Welt, aber auch, wie er lernt Mäuse zu fressen und ihm selbst Schlimmes passiert. In der zwischen phantastischem Traum und anschaulicher Realität changierenden Geschichte kommt auch ein kleiner Mensch ins Spiel. Aber das sollen sich Kinder und Erwachsene in diesem hinreißenden Bilder-& Vorlesebuch selber ansehen und weiterspinnen. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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Anna Maria Ortese: Neapel liegt nicht am Meer

Erzählungen. Aus dem Italienischen von Marianne Schneider, mit einem Nachwort von Franz Haas, Friedenauer Presse 2019, 232 S., € 22,-
(Il mare non bagna Napoli, Adelphi 2008, ca. € 16,-)
(Stand März 2021)

Ortese_Anna_Maria_Neapel_liegt_nicht_am_Meer_Danteperle_Dante_ConnectionAllein der Titel war 1953, als der Band in Italien erschien, eine Provokation, der Stadt Neapel, ihren Stolz abzuerkennen, lichtdurchflutet am schönen Meeresgolf zu liegen! Anna Maria Ortese wandte sich in ihren erzählerischen Reportagen den dunklen meerabgewandten Gassen zu, die stickig und drückend sind, und in denen die Menschen elendig am Rande des Existenzminimums hausen. Es sind bittere harte Geschichten von verlorenen Menschen und ihren unrealistischen Träumen, aus einer Stadt voll der Nervosität und Anspannung, in der sich die wundersamsten Begebenheiten und Obsessionen ereignen. Diesen spürt die Rückkehrerin Ortese in ihren Streifzügen durch Schatten und Licht nach. In einer hochkonzentrierten brillanten Sprache verdichtet sie das neapolitanische Nebeneinander von Armut und Leid, von Schönheit und Hoffnung zu einem literarischen Ereignis. Nicht umsonst inspirierte sie Fabrizia Ramondino und Elena Ferrante zu ihren Neapelromanen. Endlich ist sie in Deutschland zu entdecken! (Stefanie Hetze)

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Regina Porter: Die Reisenden

Aus dem amerikanischen Englisch von Tanja Handels, Fischer Verlag 2020, 384 S., € 22,-

(Stand März 2021)

porterJames Vincent und Agnes Miller wachsen unter völlig unterschiedlichen Bedingungen auf, er das Kind einer zerrütteten weißen Arbeiterfamilie aus Long Island, sie die behütete schwarze Tochter eines Dekans in Georgia. Die beiden werden sich nie begegnen, und doch sind ihre Geschichten miteinander verwoben, wird James Sohn die Tochter von Agnes heiraten. Virtuos wechselt Regina Porter zwischen unterschiedlichen Zeit- und Handlungsebenen und entwickelt nach und nach die Schicksale von drei Generationen der beiden weit verzweigten und sich doch vielfach kreuzenden Familien, erzählt von Liebe und Freundschaft, Verwandtschaft, Hoffnungen und Rassismus, spannt den Bogen von der Zeit der Bürgerrechtsbewegung über den Vietnamkrieg bis zur Regierungszeit Obamas, führt die Leser nach Los Angeles, New Hampshire, New York und Berlin und schafft es trotz dieses weiten Panoramas jede Figur lebendig werden zu lassen, so dass man bis zur letzten Seite nicht loslassen möchte, gefesselt von diesem  Kosmos voller Menschlichkeit. (Syme Sigmund)

Leseprobe

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Lesung und Ausstellung mit Claude K. Dubois

Im Projektraum O45 beginnt das Jahr mit einer Lesung und Ausstellung mit Claude K. Dubois, der preisgekrönten belgischen Illustratorin und Kinderbuchautorin. Gezeigt werden Bilder aus ihren Büchern Akim rennt und Stromer (beide Moritz Verlag).

Als der Krieg eines Tages in Akims Dorf einbricht, beginnt seine Flucht. Er rennt, verliert seine Familie, wird gefangen genommen, trifft auf Menschen, die ihm helfen und findet am Ende seine Mutter wieder.

 

 

 

Stromer ist ein Wohnsitzloser, ein Obdachloser, ein Mann, der auf der Straße lebt. Er friert, wird vertrieben, schief angesehen und beschimpft, bis plötzlich ein kleines Mädchen mit einem Keks vor ihm steht.

 

Claude K. Dubois traut Kindern große Themen zu. Dafür erzählt sie stets mit zartem Strich und wenigen Worten in starken Bildern, behutsam, aber schonungslos.

Als große Fans freuen wir uns schon heute riesig auf Vernissage, Lesung sowie die anschließende Ausstellungszeit.

Vernissage am Freitag, den 28. Februar 2020 um 18 Uhr
Lesung am Samstag, den 29. Februar 2020 um 15 Uhr
Die Lesung für Kinder ab 6 Jahren findet in deutscher und französischer Sprache statt.

Öffnungszeiten der Ausstellung bis 27. März 2020:
Mo+Mi 15-18 Uhr
Di+Do 12-15 Uhr
und für Gruppen, Schulklassen etc. nach Vereinbarung.

Organisiert von DAS BUCHPROJEKT in Zusammenarbeit mit dem Moritz Verlag, VIEL & MEHR und uns, der Buchhandlung Dante Connection. Gefördert von der Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie in Berlin.

Jérôme Ferrari: Nach seinem Bilde

Aus dem Französischen von Christian Ruzicska, Secession Verlag 2019, 208 S., € 20,-

(Stand März 2021)

FerrariAntonia, eine junge Fotografin, verunglückt auf dem Weg in ihr korsisches Heimatdorf tödlich.
Ihr Onkel, ein Priester, hält die Totenmesse. Im Laufe der Begräbnis-Liturgie – deren einzelne Stationen auch das Buch in Kapitel strukturieren – erinnert er sich an seine Nichte, die sich als junges Mädchen in einen militanten Kämpfer der korsischen Unabhängigkeitsbewegung FLNC verliebt und später als Kriegsfotografin nach Bosnien geht.
Anhand der fiktionalen Fotografien seiner Protagonistin zeichnet Ferrari die Lebensgeschichte Antonias nach, für die es irgendwann nur noch zwei Kategorien der Fotografie gibt, jene, die nicht hätte existieren dürfen, da sie die unerträgliche Brutalität der Welt zeigt, und solche, die so banal ist, dass sie nicht verdient zu existieren, aber auch die Geschichte der FLNC und der Kriegsfotografie als Dokument des Todes und der Gewalt, bis mit den Drohnen „der Tod verblasst und sich im Raum einer virtuellen Welt aufhebt“. Dem Autor ist ein philosophisch-literarisches Kleinod über die Abgründe des Menschlichen gelungen, ein Text, der den Leser mit dichter Atmosphäre und sprachlicher Brillanz zu fesseln vermag. (Syme Sigmund)

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Fran Ross: OREO

Mit einem Nachwort von Max Czollek. Aus dem Amerikanischen von Pieke Biermann, dtv 2019, 289 S., € 22,-, dtv TB € 11,90

(Stand März 2021)

Ross_Fran_Oreo_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungChristine Clark, die nach dem dunklen Keks, der  eine helle Füllung hat, den Spitznamen „Oreo“ trägt, ist tough und superschlau und hat bereits als Mädchen eine unschlagbare Selbstverteidigungsmethode entwickelt. Ihre familiäre Situation ist komplex: Oreo wächst mit ihrem kleinen Bruder bei der schwarzen Großmutter auf, der schwarze Großvater ist verstummt, ihre Mutter arbeitet als Musikerin im ganzen Land, der weiße jüdische Vater hat sich komplett aus dem Staub gemacht. Ausgestattet mit einigen kryptischen Hinweisen  begibt sich Oreo, gerade 17, nach New York, um ihren Vater aufzuspüren.
Das ist die Gemengelage für einen atemberaubenden Roman, der jede Kategorisierung sprengt. Gender, Rassismus, Antisemitismus, Feminismus, die griechische Mythologie, Jiddisch, Mathematik … werden schräg und krass durcheinandergewirbelt. Das braucht beim Lesen ein wenig, bis man dabei ist, aber dann entwickelt OREO einen unwiderstehlichen Sog. In der deutschen Ausgabe ist das nicht zuletzt der Verdienst der Übersetzerin Pieke Biermann, die kunstvoll die vielen sprachlichen Ebenen des Romans  überträgt und interpretiert. 1974 in den USA ein Flop, ist OREO heute das Buch der Stunde. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Turit Fröbe: Alles nur Fassade?

mit 500 farbigen Abb., Dumont 2018, 176 S., € 20,-

(Stand März 2021)

Fröbe_Turit_Alles_nur_Fassade_Dante_ConnectionDie meisten von uns gehen gerade im Alltag durch vertraute Umgebungen, ohne wirklich zu schauen. Die praxiserfahrene Architekturhistorikerin Turit Fröbe legt mit ihrem Bestimmungsbuch für moderne Architektur gut strukturiertes Werkzeug vor, wie sich anhand von Fenstern, den „Augen der Architektur“, sowie dem Einsatz von Materialien, Formen und Farben Gebäude einschätzen lassen. Es macht enormen Spaß, mit dem Führer durch die Stadt zu laufen und gerade auch „hässliche Häuser“ eingehend anzusehen! (Stefanie Hetze)

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Vittorio Magnago Lampugnani: Bedeutsame Belanglosigkeiten

Kleine Dinge im Stadtraum. Wagenbach Verlag 2019, Großformat, 192 S., € 30,- TB März 2023, € 20,-
(Frammenti urbani. I piccoli oggetti che raccontano le città, Bollati Boringhieri 2021, ca. € 32,-)

(Stand März 2023)

Jede Stadt hat ihr eigenes Gesicht, geprägt nicht zuletzt durch die Dinge, die wir zwar wahrnehmen aber nicht bewusst sehen, wie Straßenschilder, Bürgersteige, Bushaltestellen, Poller oder Ampeln. Lampugnani, einer der international bedeutendsten Städtebautheoretiker, erzählt ihre (oft schon in der Antike beginnenden) Geschichten, sowie amüsante Anekdoten, anschaulich gemacht durch zahlreiche Fotos und Abbildungen. Ein Buch voller Überraschungen zum Stöbern, Staunen und Festlesen. (Syme Sigmund)

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John Ruskin: Grundlagen des Zeichnens in drei Briefen für Anfänger

Aus dem Englischen von Helmut Moysich u. e. Nachwort von Wolfgang Kemp, Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung 2019, 272 S., € 25,-

(Stand März 2021)

ruskin_John_Grundlagen_des_Zeichnens_Danteperle_Dante_ConnectionIn den Zeiten des elektronischen Overkills ist es eine entspannende Wohltat, Bleistift und Feder (!) in die Hand zu nehmen und akribisch Linien zu üben, gleichmäßig Farbe aufzutragen und sich Schritt für Schritt, Ruskin schreibt von einer Stunde täglich über sechs Monate lang, den Basistechniken des Zeichnens zu widmen. Nicht auf Show und Wirkung kommt es ihm an, sondern auf die Wahrnehmung und die Schulung des Auges. Die regelmäßige künstlerische Praxis kann laut Ruskin regelrecht eine „drawing cure“ zur Belebung von Seele und Geist werden. In England seit dem ersten Erscheinen 1857 ein populärer vielaufgelegter Klassiker, lädt die (nach 100 Jahren) neue deutsche Übersetzung in feinster schönster Gestaltung ein, sich den Basistechniken des Zeichnens zu widmen. (Stefanie Hetze)

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Jessica Courtney-Tickle: Peter Tschaikowsky – Schwanensee

Aus dem Englischen von Birgit Franz, Prestel 2019, mit 10 kurzen Soundmodulen, 24 S., € 26,-, ab 5
(Stand Mai 2022)

Courtney-Tickle_Jessica_Schwanensee_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungDer Ballettklassiker als großformatiges traumhaftes Bilderbuch, hier mit einem glücklichen Ende. Zum Anschauen und zum Anhören der wichtigsten Schwanensee-Motive mit Hintergrundinformationen zum Ballett und zu Tschaikowsky, die anregen, die Musik ganz anzuhören und es sich anzusehen. Der Clou: Heldin und Held sind dunkelhäutig, auch die übrigen Figuren wie die „Schwäne“ sind sehr vielfältig gezeichnet. Endlich einmal spiegelt eine magisch-schöne Geschichte gleichzeitig die Realitäten. (Stefanie Hetze) Blick ins Buch

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