Margaret Goldsmith: Patience geht vorüber

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Eckhard Gruber. AvivA Verlag 2020, 224 S., € 19,-

Goldsmith_Margaret_Patience_geht_vorüber_Danteperle_Dante_Connection Im Frühjahr 1918 feiern zwei innig-unzertrennliche Freundinnen ihr Abitur in einer Konditorei in der Berliner Uhlandstraße. Beide verabscheuen den Krieg, Grete als Sozialistin und Patience steht dank ihrer englischen Mutter und ihres deutschen gefallenen Vaters sowieso zwischen allen Stühlen.
Wie der Titel es andeutet, konzentriert sich die Autorin auf Patience, die in Grete verliebt ist und zwischen Verlangen und Scham hin und her gerissen ist. Ihre distanzierte Mutter ist ihr dabei keine Hilfe. Der scheinbare Ausweg aus ihrem Gefühlschaos ist eine Heirat aus „Mitleid” mit einem Fliegersoldaten. Anschließend fährt sie aber mit Grete an die Ostsee und lässt sich auch bald von ihrem Mann scheiden.
Margaret Goldsmith hat in ihrem außergewöhnlichen bereits 1931 erschienenen Roman eine ganz und gar moderne Protagonistin entworfen. Patience geht ihren sehr eigenen selbstbestimmten Weg. Wie heutige Großstadtnomadinnen sucht sie ihr Glück in anderen Ländern, wechselt ihren Beruf, findet einen unkonventionellen Zugang zur Mutterschaft und hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Ganz lakonisch und direkt bleibt Goldsmith ihr auf der Spur und erfüllt absolut ihren eigenen Anspruch, das „wirkliche Leben” zu beschreiben. Das ausführliche Nachwort und die schöne Covergestaltung runden das Leseerlebnis aufs Allerfeinste ab! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Liza Cody: Gimme More

Aus dem Englischen von Pieke Biermann, Argument Verlag 2020, 399 S., € 21,-

Cody_Liza_Gimme_More_Danteperle_Dante_ConnectionBirdie Walker ist eine in die Jahre gekommene Witwe, aber mit der richtigen Klamotte und entsprechender Haltung spielt sie alle locker an die Wand. Das hat sie auch bitter nötig, das Geld ist knapp und die Schulden hoch. Die haben ihr die korrupten Machenschaften der Musikindustrie eingebrockt, die sich an Jack, dem Superrockstar, auf ihre Kosten bereicherten. Von Jack, der  beim Brand seines Hauses ums Leben kam, soll es noch Bänder mit Songs und legendäre Filmaufnahmen geben. Das lockt nach 25 Jahren die Haie der Branche auf den Plan, die wie Birdie und Jack einmal klein und als Kumpel angefangen hatten…  Doch obwohl sie jede Menge hinterhältige Ränke schmieden, eine Birdie ist ihnen absolut gewachsen.
Dieser feministische Empowerment-Roman, der 2003 erstmalig auf Deutsch im Unionsverlag erschien, wurde jetzt in der Ariadne-Reihe wieder aufgelegt. Zum Glück. Pieke Biermann, die den Preis der Leipziger Buchmesse 2020 für ihre funkensprühende Übersetzung von Oreo erhielt, zeigt auch in Gimme More ihre Kunst. Sie trifft Codys schnoddrigen Ton aufs Feinste. Viel Vergnügen bei der spannenden Lektüre! (Stefanie Hetze)

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Helen Weinzweig: Schwarzes Kleid mit Perlen

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit, Verlag Klaus Wagenbach 2019, 192 S., € 22,-

Weinzweig_Helen_Schwarzes_Kleid_mit_Perlen_Danteperle_Danteconnection_BuchhandlungEine Frau, die Mann und Kinder verlassen hat, wartet in einem Hotel in Toronto auf ihren langjährigen Geliebten. Sie weiß nicht, ob er kommt, wann er eintrifft und in welcher Verkleidung er auftaucht.  Er ist in wichtigster Geheimmission unterwegs, es darf weder Anrufe noch schriftliche Dokumente geben, die auf ihre Beziehung hindeuten. In National Geographic Heften versteckt er kryptische Hinweise, mit denen sie ihr mögliches nächstes Treffen irgendwo auf der Welt erraten muss. Eine eigentlich unerträgliche Situation, besonders für die heutige Leserin.
Doch belässt es Helen Weinzweig, die diesen Roman mit 65 Jahren Lebenserfahrung veröffentlichte, nicht bei der Schilderung einer verlangenden passiven Frau mit Perlenkette. Ihre ineinanderfließenden Erinnerungen, Phantasien und vielleicht realen Begegnungen mit Menschen in heruntergekommenen Häusern, Läden und Fabriken überschreiten bei weitem die enge Welt der Hotellobbys, Bars und Museen einer Geliebten. Der Heldin erschließen sie Spiel- und Handlungsräume weit weg vorgezeichneter Konventionen inklusive einer verblüffenden Stippvisite bei ihrem Ehemann. Wie schön, dass Wagenbach diesen feministischen Klassiker aus Kanada hierzulande zugänglich gemacht hat. (Stefanie Hetze)

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