André de Richaud: Der Schmerz

Dörlemann 2019, aus dem Französischen von Sophie Nieder, 224 S., € 20,-

Frankreich, 1915. Thérèse lebt mit ihrem Sohn Georges in einem Dorf in der Provence. Ihr Mann ist im Krieg gefallen und die Einsamkeit sowie das stete unerfüllte sexuelle Begehren setzen ihr zu. Als der junge, hübsche, deutsche Kriegsgefangene Otto auftaucht, beginnt sie mit ihm eine Affäre. George, voller Eifersucht und Misstrauen, entfernt sich innerlich immer stärker von der einst so geliebten Mutter. Als sie schwanger wird und die Gerüchte im Dorf lauter werden, steuert Thérèse auf eine Katastrophe zu. Aufgrund der unzweideutigen Beschreibung weiblicher Sexualität löste der Text bei seinem Erscheinen 1931 einen Skandal aus. Poetisch, psychologisch feinfühlig und seiner Zeit weit voraus beschreibt de Richaud das Innenleben und die Zerrissenheit Thérèses und ihres Sohnes. Die junge Übersetzerin Sophie Nieder hat den Text mit hervorragendem Sprachgefühl erstmals ins Deutsche übertragen. Für Camus war es der Roman, der ihn nach eigener Aussage inspirierte, Schriftsteller zu werden. Eine herausragende Entdeckung. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Jean Echenoz: 14

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel, Hanser Berlin 2014, € 14,90. Taschenbuch für € 8,99.

Echenoz_24500_MR1.inddAnthime ist ein junger Mann aus der französischen Provinz. So wie für ihn ist an jenem Sonnabend im August 1914, einem strahlenden Sommertag, die Nachricht vom Kriegsbeginn für eine ganze Generation junger Männer  zunächst nicht fassbar. Echenoz beschreibt in seiner gewohnt knappen, distanzierten Sprache die folgenden Jahre am Beispiel dieses einen Menschen über den die Geschichte hereinbricht, ihn in den Krieg und den Schützengraben wirft und ihn eines Armes beraubt, ohne dass er je die Zusammenhänge erfasst. Die Kluft zwischen dem Erleben des Individuums, das sich an den täglich neuen Herausforderungen des Überlebens abarbeitet, und den großen historischen Ereignissen lässt die Monstrosität des Kriegen offensichtlich werden. In diesem schmalen Band von nur 125 Seiten ist alles enthalten, um die grausame Sinnlosigkeit des Krieges zu offenbaren. Wer sich für die Ereignisse zwischen 1914 und 1918 interessert und sie zu verstehen versucht, sollte an diesem kleinen Meisterwerk nicht achtlos vorübergehen. (Syme Falco) Leseprobe