Vincenzo Latronico: Die Verschwörung der Tauben

Aus dem Italienischen von Klaudia Ruschkowski, Secession Verlag 2016, 320 S., € 24,-
(La cospirazione delle colombe, attualmente in Italia non disponibile)
(Stand April 2021)

latronico-verschwoerung-der-tauben-danteperle-danteconnection-italienische-buecher-berlinAlfredo Cannella und Donka Berati lernen sich an der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi kennen. Beide sind ambitioniert und ehrgeizig, wobei Donka der vielversprechendere ist. Aber Donka ist Albaner und studiert mit Stipendium, Alfredo hingegen ist Sohn eines erfolgreichen venezianischen Unternehmers. So driften ihre Leben immer weiter auseinander. Spannend entfaltet sich ein Panorama, in dem die Verquickungen von Wirtschaft und Politik, von Profitgier und Skrupellosigkeit Alfredo alle Spielräume eröffnen, während Donka sich an einer Realität abarbeitet, in der ohne Beziehungen, Betrug und Bestechung kein Erfolg möglich ist. Wie viel ist er bereit zu opfern, um doch noch von einer Taube zum Falken zu werden? Ein rasanter Roman über die italienischen (und weltweiten) Machtverhältnisse hinter den Kulissen, der von Klaudia Ruschkowski glänzend übersetzt wurde. (Syme Sigmund)

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Donatella Di Pietrantonio: Bella mia

Aus dem Italienischen von Maja Pflug, Verlag Antje Kunstmann 2016, € 18,95
(Bella mia, Einaudi 2018, ca. € 16,50)
(Stand April 2021)

17_di-pietrantonio-bella-mia-dante-connection-danteperle2009 wurde die süditalienische Stadt L´Acquila durch ein Erdbeben fast völlig zerstört. Der versprochene Wiederaufbau ist auch aufgrund von Korruption und mafiösen Einflüssen bis heute nicht erfolgt. Für die  obdachlos gewordene Bevölkerung ist das Leben in den eilig hochgezogenen Behelfsunterkünften nach Jahren des Wartens zum Dauerzustand geworden.
Caterina, die Ich-Erzählerin, ihre Mutter und Marco, Caterinas Neffe, der bei dem Erdbeben seine Mutter, die Zwillingsschwester von Caterina, verlor, leben zusammen in einer kleinen Wohnung, jeder in seiner ganz eigenen Trauer gefangen. Mit großem Einfühlungsvermögen, ohne Pathos und mit zartem Fingerspitzengefühl erzählt Di Pietrantonio wie die drei wieder ins Leben zurückfinden, Zuversicht, Liebe und den Glauben an eine mögliche Zukunft für sich zurückerobern. Der Text wurde von Maja Pflug mit viel Sprachgefühl kongenial ins Deutsche übersetzt. Ein Buch, das  in all seiner Tragik Mut zum Leben macht. (Syme Sigmund)

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Elena Kostioukovitch: Italia!

Die Italiener und ihre Leidenschaft für das Essen: Eine Reise von den Alpen bis Sizilien und Sardinien. Mit einem Vorwort von Umberto Eco. Aus dem Italienischen von Rita Seuß, Maja Pflug, Friederike Hausmann und Burkhart Kroeber. Fischer 2015, 552 S., € 24,99
(Perché agli Italiani piace parlare del cibo, Odoya 2015, ca. € 49,-)
(Stand April 2021)

40_kostioukivitch_italiaEssen und vor allem das leidenschatliche Diskutieren darüber prägen in Italien Alltag, Kultur und  Kommunikation. Von den vielfältigen Facetten und regionalen Besonderheiten der Küche Italiens schreibt die Autorin kenntnisreich, sie nimmt uns mit auf eine Reise durch das ganze Land, erzählt Geschichten vom Essen, das sich längst nicht nur auf den Kalender, die Demokratie, den Eros und das Glücksgefühl auswirkt. Eine außergewöhnliche Kulturgeschichte, dazu angereichert mit stimmungsvollen SW-Fotos. (Stefanie Hetze)

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Giorgio Vasari: Das Leben des Sandro Botticelli, Filippino Lippi, Cosimo Rosselli und Alesso Baldovinetti

Wagenbach Verlag 2010, 240 S., € 14,90
(Le vite, p. es. Rusconi 2009, ca. € 20,-)
(Stand März 2021)

41_vasari_gesamtausgabeEin detailreiches und lebendiges Panorama der Renaissancekunst: Die „Vite“ aus der Feder Giorgio Vasaris, der selbst Maler, Architekt und Höfling der Medici war, liegen nun allesamt in Neuübersetzung als handliche Taschenbücher vor – eine beeindruckende Leistung. Vasari beweist darin nicht nur seinen Kenntnisreichtum, sondern auch seine Fabuliergabe.

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Rachel Kushner: Flammenwerfer

Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell, Rowohlt 2015, 560 S., € 22,95, Rowohlt TB € 10,99
(Stand März 2021)

U1_978-3-498-03419-1.inddNur knapp überlebt die junge Künstlerin und Hobbyrennfahrerin Reno einen Geschwindigkeitsrekordversuch in den Großen Salzseen. Bei über 200 Sachen wirbelt es sie von ihrem Motorrad. Sie wird in diesem Buch noch schneller werden. Geschwindigkeit spielt auch im zweiten Erzählstrang des Romans eine wichtige Rolle. Dieser beginnt in Italien vor dem Ersten Weltkrieg und erzählt die Geschichte der norditalienischen Industriellenfamilie Valera, die mit Motorrädern gute Geschäfte macht. Beide Erzählstränge treffen zeitlich aufeinander. Es sind die 1970er, in denen Reno einen der Valerasöhne in New York kennen lernt. Der Kreis schließt sich ein zweites Mal, denn der Konzeptkünstler Sandro führt Reno in die wilde Kunstszene SoHos ein. Als die beiden gemeinsam nach Italien reisen, geraten sie mitten in die politischen Wirren und Kämpfe der anni di piombo – der bleiernen Jahre Italiens. Machomänner, Szene- und Künstlerattitüden, revolutionäre Phantastereien, Rachel Kushner seziert sie alle. Auch wenn die Feuilletons schon einige Loblieder auf diesen Roman gesungen haben, möchten wir uns anschließen und ihn ausdrücklich als mitreißende und kluge Ferienlektüre empfehlen. (Jana Kühn)

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Davide Longo: Der Fall Bramard

Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner, Rowohlt 2015, 320 S., Rowohlt TB € 10,99
(Il caso Bramard, Einaudi 2021, ca. € 18,50)
(Stand April 2021)

U1_978-3-498-03938-7.inddEinst war Corso Bramard der jüngste Kommissar Italiens, erfolgreich und talentiert. Doch dann wurde seine Frau von dem von ihm verfolgten Serienkiller ermordet und seine Tochter verschwand spurlos. Seither lebt er zurückgezogen in einem Bergdorf des Piemont, arbeitet als Lehrer und besteigt nachts die Berge. Doch der Mörder von damals schreibt ihm nun, dreißig Jahre später, Briefe mit Liedzeilen Leonard Cohens. Als einer der Briefe auch noch ein Haar des allerersten Opfers enthält, ist Bramard gezwungen, sich erneut auf die Spuren des Killers zu begeben – und sich den Dämonen in seinem eigenen Inneren zu stellen. Hochspannend und intelligent geschrieben zieht der Roman den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. (Syme Sigmund)

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Wu Ming: 54

Aus dem Italienischen von Klaus-Peter Arnold, Assoziation A 2015, 526 S.
Zur Zeit nicht lieferbar, Taschenbuch in Vorbereitung, erscheint laut Verlag am 1.8.2021, € 19,80
(54, Einaudi 2014, ca. € 21,-)
(Stand März 2021)

_Titel_End.inddWu Ming ist ein italienisches Autorenkollektiv und steht für »ohne Namen« oder auch »fünf Namen« – je nachdem, wie man die erste Silbe ausspricht – zugleich eine Hommage an chinesische Dissidenten, die diesen Namen häufig benutzen. Die wohl fünf Autoren widmen sich mit Vorliebe der Geschichte, was nicht heißt, dass sie genauestens die Frage »Wie war etwas?« verfolgen. »Was wäre gewesen, wenn …?« trifft es schon viel eher – so auch im Jahr 1954. Der Kalte Krieg bestimmt das politische Weltklima. Osten wie Westen schicken ihre Geheimdienste ins Rennen – die Gunst Titos bzw. Jugoslawiens sollen ideologisch gewonnen werden. Für den MI6 ist  kein anderer als Cary Grant der Mann der Stunde, doch der KGB hat davon längst Wind bekommen. Die Jagd beginnt und der Leser rast mit in diesem herrlich temporeichen und absurden Lesevergnügen  zwischen Hollywood und Moskau, zwischen Bologna, Triest und Neapel.  Wu Ming sind in Italien zurecht längst Kult und nun endlich auch in deutscher Übersetzung! (Jana Kühn)

Das bestelle ich vor!

Edmondo De Amicis: Auf dem Meer

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Mit einem Nachwort von Erri de Luca. Corso / Verlagshaus Römerweg 2015
Die deutsche Ausgabe ist leider nicht mehr lieferbar.
(Sull’oceano, Garzanti 2009, ca. € 16,50)
(Stand März 2021)

25_de_amicis_aufdemmeer1884 unternimmt  Edmondo de Amicis eine Schiffspassage von Genua nach Uruguay. Während der erfolgreiche Schriftsteller mit wenigen anderen wohlhabenden Mitreisenden angenehm in der 1. Klasse reist, ist die Galileo vollgestopft mit Auswanderern, die fast ihr letztes Hemd gegeben haben für die Aussicht auf ein Leben in Südamerika ohne Hunger und Elend. Dazwischen gibt es noch wenige Bürgerliche in der 2. Klasse. Diese Aufteilung  entspricht den sozialen Verhältnissen. De Amicis nutzt die lange Seereise, die Menschen aus diesen unterschiedlichen Gruppen genau zu beobachten und sie mit ihren Besonderheiten und Eigenarten anschaulich zu porträtieren. Da entsteht ein vielstimmiger menschlicher Kosmos, ein mikroskopisches Abbild der italienischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Seine schöne lebendige Sprache, die Annette Kopetzki trefflich ins Deutsche übertragen hat, läßt einen wirklich mitreisen. Und beim Lesen schwingt, wie Erri de Luca betont, immer mit, dass die 3.Klasse-Emigranten von damals luxuriös reisten im Vergleich mit den Flüchtlingen von heute. (Stefanie Hetze)

Lo voglio ordinare!

 

Michela Murgia: Murmelbrüder. Eine Geschichte aus Sardinien

Aus dem Italienischen von Julika Brandestini. (Wagenbach Verlag 2014), 112 S., Wagenbach TB € 9,90
(L’Incontro, Einaudi 2014, ca. € 14,-)
(Stand März 2021)

Das Einzelkind Maurizio verbringt jeden Sommer in einem sardischen Provinzstädtchen bei den Großeltern. Angefüllt sind diese schier unendlichen Monate von phantasievollen, teils gewagten Spielen mit den beiden Freunden Franco und Giulio, von Geschichten und Ritualen der Erwachsenen. Prägend für Maurizio ist ein großes Zugehörigkeitsgefühl, das nur von gelegentlichen Beeinträchtigungen wie Touristen und dem Schweigen der Alten bei Familiendramen gestört wird. Dann aber passiert es, der Bischof beschließt, eine neue Kirchengemeinde zu gründen, die den Ort spaltet und alle scheinbar intakten Beziehungen komplett in Frage stellt. Mit dem Ritual der Osterprozession L’incontro, sardisch S’incontru, wird der Konflikt auf die Spitze getrieben. Es gibt doch nur eine Piazza und eine Musikkapelle! Michela Murgia, die hier autobiographische Erfahrungen verdichtet, läßt ihre drei zerstrittenen Jungs eine großartige Lösung finden. (Stefanie Hetze)

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Diego Marani: Neue finnische Grammatik

Aus dem Italienischen von Helmut Moysich, Graf Verlag 2014, 256 S.
Nur noch als E-Book erhältlich, € 9,99
(Nuova grammatica finlandese, Bompiani 2002, ca. € 15,-)
(Stand März 2021)

marani-neue-finnische-grammatik_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergTriest 1943: im Hafen wird ein schwerverletzter Mann gefunden und an Bord eines deutschen Schiffes gebracht. Als er aus dem Koma erwacht, hat er sein Sprachvermögen und sein Gedächtnis verloren. Einzige Anhaltspunkte für seine Identität sind ein finnischer Name auf dem Etikett seiner Jacke und Initialien auf einem Taschentuch. An Bord befindet sich ein exilierter finnischer Neurologe, der es zu seiner Berufung macht, den vermeintlichen Landsmann Schritt für Schritt wieder zurückzuführen, zur Sprachbeherrschung und ins Leben. So lernt „Sampo Karjalainen“ unter Mühen, wieder zu sprechen, und die Strukturen der Sprache, genauer gesagt des Finnischen, werden zum Versuch, die Welt und sich selbst zu begreifen. In den Kriegswirren reist er nach Helsinki, um sich dort „wiederzufinden“, doch alles kommt anders als gedacht. Diego Marani geht von zunächst bekannt erscheinenden Elementen aus, doch er macht etwas Neues daraus: einen Roman, der weniger von seiner Handlung lebt, sondern anhand der komplexen finnischen Sprache darüber nachdenkt, wie wir unseren Weg in die Welt bahnen, wie wir im Gespräch zu denen werden, die wir sind, wie Wörter uns formen, welche Schwierigkeiten und Bereicherungen mit dem Wechsel von einem Sprachkosmos – und damit einer Kultur –  in den anderen einhergehen und wo wir möglicherweise an unsere Grenzen stoßen. Ein ungewöhnlicher, lesenswerter Roman. (Judith Krieg) Leseprobe

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