Frauen und Kleider. Was wir tragen, was wir sind

Hrsg. von Leanne Shapton, Sheila Heti & Heidi Julavits. Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeits & Britt Somann. Fischer 2015, € 24,99

33_frauen_und_kleiderEin Füllhorn: Hunderte Frauen, Künstlerinnen, Unbekannte, Prominente, Junge und Ältere, Weisse, Schwarze… äussern sich über das, was sie tragen, wie sie sich sehen und was sie mit ihrer Kleidung verbinden. Fragebögen, Foto- und Textcollagen, Gespräche, Selbstauskünfte sowie Abbildungen von Kleider-, Socken-, Brillen…sammlungen wechseln einander ab und ergeben ein vielstimmiges anregendes Bild. Es macht großen Spaß, in diesem Schatz zu stöbern!

Silvia Bovenschen: Sarahs Gesetz

S. Fischer 2015, € 19,99

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Seit vier Jahrzehnten leben die Malerin Sarah Schumann und die Autorin und Literaturwissenschaftlerin Silvia Bovenschen in enger Verbundenheit, lange in räumlicher Distanz, seit die dreizehn Jahre  ältere Sarah Schumann einen Neuanfang in einer neuen gemeinsamen Wohnung anregte, zusammen in Berlin. Sarah Schumann kümmert sich um den Haushalt, ihr Gesetz gilt, ist jedoch nicht wirklich unumstößlich. Versprochen haben die beiden einander nichts, ihre Liebe ist von Respekt und Zwiesprache geprägt. Bovenschen porträtiert ihre eher wortkarge Freundin in ganz unterschiedlichen Miniaturen, befragt sie aus Anlaß des Buches, schreibt von sich selbst, von Schumanns Bildern, von den ungleichen Herkunftsfamilien, der extremen Kindheit der Älteren (Krieg, Flucht), von ihren Arbeiten und vor allem, wie sie einander begegnen. Dabei wahrt sie Diskretion, ist humorvoll und verknüpft das Porträt ihrer Freundin mit eigenen Erinnerungen und Erfahrungen. So entsteht ein berührendes Ensemble, das Einblick in die Vielfalt des Austauschs der beiden Frauen und ihrer Gedankenwelten gibt, aber auch das intellektuelle Klima vieler Jahre Bundesrepublik spiegelt. (Stefanie Hetze) Leseprobe

Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah

Aus dem Englischen von Anette Grube, S. Fischer Verlag 2014, € 24,99, TB Ausgabe € 9,99

21-adichie_americanahIfemelu und Obinze verlieben sich noch während ihrer Schulzeit in Lagos. Eine überraschende Entschlossenheit füreinander verbindet das selbstbewusst kluge Mädchen mit dem etwas draufgängerisch beliebten Jungen. Die lähmende Perspektivlosigkeit in Nigeria lässt Ifemelu schließlich ihre Heimat verlassen: sie studiert in den USA. Jahre später verlässt auch Obinze das Land und lebt illegal in London. Einfühlsam und bewegend begleitet Adichie ihre Protagonisten auf den sehr unterschiedlichen Lebenswegen. Ifemelu schreibt einen Aufsehen erregenden und kritischen Blogg zum Thema als Schwarze in den USA zu leben und den damit einhergehenden alltäglichen Rassismus. Obinze erfährt viel Demütigung, wird abgeschoben und steigt final zu einem erfolgreichen Geschäftsmann in Nigeria auf. Nach vielen Jahren treffen die beiden in Lagos wieder aufeinander, und alles und nichts ist, wie es vorher war. Ein politisches, ein anregend nachdenkliches, auch ein romantisches, vor allem ein mitreißendes Buch! (Jana Kühn) Leseprobe

J.M. Coetzee: Die Kindheit Jesu

S. Fischer Verlag 2013, € 21,99.

coetzee-kindheit-jesu_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergNein, es ist natürlich keine Heilandsbiographie oder Weihnachtsgeschichte, auch wenn der Roman voller biblischer Erzählbilder steckt. Wirklich auf den Punkt zu bringen, was genau Coetzee erzählt, ist schwierig – aber es begeistert! Ein Mann und ein Kind kommen als Bootsflüchtlinge in einem fremden Land an, das sie mit einer labyrinthischen Bürokratie, Spanisch-Sprachkursen und neuen Namen empfängt: Von nun an heißen sie Simon und David. Die Flüchtlinge, eine aktuelle Parallele? Ja bestimmt, doch ist die Geschichte in einer nicht näher benannten Zeit erzählt, in der die Menschen für Simon spürbar anders ticken. Sie lieben leidenschaftslos, sie philosophieren über das Sein des Stuhls und schildbürgern grandios, ohne ihr neues Leben im neuen Land zu hinterfragen. Wie zum Trotz liest Simon David aus dem Klassiker Don Quijote vor und findet schließlich eine neue Mutter für David – die kommt zum Sohn fast wie Maria zum Kinde, worauf die drei gemeinsam nach Novella aufbrechen. Dann doch eine Art heilige Familie? Ein Roadmovie ist es also auch? Ja und noch viel mehr! (Jana Kühn) Leseprobe