Lisboa num pais sempre à beira. Deutsch-Portugiesisch. Übersetzung ins Portugiesische Aires Graςa. Viel & Mehr 2015, 120 S., € 16,95
(Stand März 2021)
Ein Jahr lang hat die Illustratorin und Autorin Alexandra Klobouk in Lissabon gelebt, im „Land am Rand“. Ergebnis ihres Aufenthaltes ist eine wahre kleine Perle, ein illustriertes Buch voller persönlicher Entdeckungen, die sich zu einem Mosaik aus Bild und – zweisprachigem – Text fügen, ein Mosaik aus Eigenheiten und Details, aus denen sich ein Alltag formt. Wir erfahren etwas über neue Freundschaften und gemeinsame Abendessen, über Geschichte, Sprache und Musik, über die verschiedenen Viertel und die vielen Heiligen der Stadt, über die engen Gassen, in denen man anderen Fußgängern näher kommt, über Plätze, die zu Wohnzimmern werden, über Aussichtspunkte, auf denen man „Gold schaut“, aber auch über die Krise und die Veränderung der Stadt und vieles mehr. Ein Buch, in dem man bei jeder Lektüre etwas Neues entdecken kann und das Lust darauf macht, Lissabon selbst zu durchwandern.(Judith Krieg) Einblicke

Ein Radfahrer fährt bergauf, bergab, kurvt, überquert, durchfährt eine lange Straße und das immer wieder von vorn. Was er sieht, wem er begegnet, ist in diesem wunderbaren Bilderbuch zu entdecken. Kleine Kinder haben ihren Spaß, der Straße mit dem Finger zu folgen, Erwachsene erfreuen sich an den genialen Illustrationen. Der Clou: ein insgesamt 6 Meter langes Leporello zum Aufhängen im Kinderzimmer, im Büro …
Die 73jährige Designerin, Mitbegründerin des Punk, Aktivistin und Avantgardistin Vivienne Westwood ist die zeitgenössische Ikone der Mode- und Popkultur – schillernd, exzentrisch und äußerst erfolgreich wie vor ihr nur Coco Chanel. Ihre Autobiographie erzählt von ihrem überaus bewegten Leben, angereichert ist sie mit Fotos und Faksimiles, bietet damit neben dem großen Lesevergnügen Extragenuss.
“Die richtigen Worte in jeder bedenklichen Lage” lautet der Untertitel dieses Klassikers der Aufklärungsliteratur und im angelsächischem Raum bereits ein Muss in jeder Mädchenbibliothek. Statt auf das Davor oder das bis Dahin konzentrierte sich Miss Hyacinthe Phypps auf den Augenblick selbst und vor allem auf seine schlimmen Verursacher und durchbrach den bisher unabänderlich scheinenden Kreislauf der Hilflosigkeit vieler Töchtergenerationen. Ein bibliophiler politisch unkorrekter Spaß des Buchillustrators Edward Gorey.
Axolotl, Krake, Mensch, Muräne, Wasserbär … viele reale Lebewesen sind sonderbarer, als jede Fantasie sie sich ausmalen könnte. Nach dem Vorbild mittelalterlicher Kompendien erkundet dieses faszinierende Bestiarium die verblüffende Vielfalt der Schöpfung zwischen Erde, Himmel und Tiefsee und berührt dabei die großen Fragen der Menschheit nach dem Ursprung des Lebens und den Auswirkungen des technischen Fortschritts. Geistreich und inspirierend zu lesen und wunderschön gestaltet.
Vivian Maier, die Autodidaktin und Besessene der Fotografie, vor wenigen Jahren – leider erst nach ihrem Tod – entdeckt, hinterließ rund 150.000 größtenteils unentwickelte Fotografien: Schwarz-Weißbilder mit Straßenszenen New Yorks und Chicagos, wo sie als Kindermädchen arbeitete, Detailfotos von Schuhen, Händen, Aufnahmen von Kindern, jede Menge Selbstporträts, bei denen sie mit Spiegelungen arbeitet, aber auch Farbfotografien. Für alle, die sich an dem ersten Bildband nicht satt sehen konnten, ist nun diese erste repräsentative Monographie erschienen. Ein richtiger Schatz und Augenschmaus mit vielen biografischen Informationen über die bislang Unbekannte.
Die Journalistin und Satirikerin Nadeshda Lochwizkaja alias Teffy (1872-1952) bricht 1918 zu einer Lesereise nach Kiew auf. „Jeder, der kann, geht in die Ukraine“, erklärt ihr Odessaer Impresario Guskin, denn in Wirklichkeit fliehen sie wie viele andere Aristokraten, Künstler und Bürger vor den Bolschewiki, und Teffy wird ihre Heimat nie wieder sehen. Es beginnt eine Reise durch das in Chaos und Schrecken versinkende Land, doch die Autorin beschreibt sie voller Komik, mit ausgesprochen viel Ironie und ohne jedes Selbstmitleid. So hält man mit diesem Buch sowohl ein äußert interessantes Stück aus dem innersten erlebter Geschichte als auch ein höchst amüsantes, mit großem Gespür für absurde Szenen und die Lächerlichkeit menschlicher Eitelkeiten geschriebenes literarisches Werk in den Händen. (Syme Sigmund)
Wer unsere Plauderstunde mit dem Berliner Pop-Art-Künstler Jim Avignon zur 16. Langen Buchnacht in der Oranienstraße verpasst hat, dem sei hier nun noch einmal ganz offiziell dieser Klassiker der französischen Gesellschaftsliteratur aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert wärmstens ans Herz gelegt – zum Selberlesen oder auch als wunderschönes Geschenk. In all den Genrebeschreibungen Guy de Maupassants der damaligen Pariser Noblesse, Salon- und Künstlerwelt ist dieser Roman nämlich vor allem eine zeitlos anmutende, gänzlich unmoralistische Geschichte über die Liebe, das Alter und das Reifen wie Altern der Liebe im endlosen Prozess des Infragestellens der eigenen Person und des Anderen. Maupassant überrascht mit seinen wertfreien Beobachtungen, die das sensible Porträt und Psychogramm einer sich immer dramatischer zuspitzenden ménage à trois zwischen der Gräfin Any de Guilleroy, ihrem geheimen Geliebten, dem Maler Olivier Bertin, und Anys Tochter Anette bilden. Mit den famosen Illustrationen von Jim Avignon erhält der Text darüberhinaus eine komplett neue und obendrein beglückende Ebene, welche die Zeitlosigkeit des Textes wunderbar hervorhebt. (Jana Kühn)
Dem Fisch, dem wir heute meist nur traurig in einem Brötchen oder einer Konserve begegnen, ist der neue Band der Naturkunden gewidmet: dem Hering. Der Autor, auf Rügen aufgewachsen und ehemals Maschinist auf Fischerkuttern, porträtiert den kleinen Fisch, der einst Geschichte machte. Heringe galten als Silber des Meeres, entschieden über Reich und Arm in der Wirtschaft Nordeuropas, machten mit ihren Lauten, den „Heringsfürzen“, Politik. Doch Teschke wendet sich vielen weiteren Aspekten des Herings zu, Fakten wie seine Schwarm-intelligenz, aber auch den vielen Mythen, die sich um ihn ranken. So schön, wie das silbergraue Buch mit seinen ausgewählten Abbildungen gestaltet und ausgestattet ist, müssen in vorindustrieller Fischereizeit die kilometerbreiten und langen Heringsschwärme gewesen sein, die, wenn die Sonne auf sie fiel, das Meer zum Leuchten brachten. (Stefanie Hetze)
Was haben Aosta, Smyrna, York und Cordoba gemeinsam? Sie alle sind in der römischen Antike entstanden und werden wie 116 weitere Zentren der Klassischen Welt in diesem außergewöhnlichen Atlas vorgestellt. Erarbeitet hat ihn einer dieser britischen Universalgelehrten, der Psychiater, Historiker und Demograph Colin McEvedy. In seinem Lebenswerk stellt er in alphabetischer Folge städtische Zentren mit damals meist bereits mehr als 10.000 Einwohnern und deren Geschichte, Topographie, Bevölkerung und berühmten Bauwerke vor. Dadurch stehen heute eher unwichtig erscheinende Städte wie Chur oder Rieti neben so bedeutenden wie Paris oder Ammann und laden gerade dadurch zu gedanklichen (oder realen Besuchen!) in diese vielfältigen historischen Städte ein. Herausragend sind auch die Karten, die alle von McEvedy im gleichen Maßstab gezeichnet wurden, so dass die damaligen Größenunterschiede der Städte sofort ins Auge fallen. So war Athen damals gegenüber Alexandria vergleichsweise winzig. So stößt man beim Stöbern auf viele Zusammenhänge und manches Detail, wunderbare Gelegenheiten zu Zeitreisen in eine markante Epoche. (Stefanie Hetze)